Zum Walfänger: Ismael hat das 3. Kapitel gelesen
Vorurteile stimmen immer, wahrscheinlich stinken sogar die Neger (Ambrose Bierce? Gustave Flaubert?) – natürlich außer dem einen, den man selber kennt.
Queequeg hat mich als Bub ja schwer beeindruckt. Damals kannte man noch nicht so viele so selbstverständlich Tätowierte außer den paar Schweralkoholikern, die man in der Bahnhofskneipe antraf (ich hab über einer gewohnt, verkehrt hab ich da nicht), die solche Verzierungen aus dem Knast mitbrachten. Dass sowas ein Zeichen des edlen… nun ja: Wilden sein kann, wussten wahrscheinlich nicht mal diese Exknackis selber. (Aber immerhin trugen sie die mit mehr Bewusstsein als die heutigen Minderjährigen, die sich sponsored by Oma mit Nichtssagendem vollblümen lassen.)
Und da rumpelt plötzlich in der Hafenkneipe Zum Walfänger dieser weiß Gott kantige Typ herum, vor dem man so lange Angst haben musste, wie man ihn nicht gesehen hat. Verhökert Neuseeländerköpfe, kommt spät nach Hause, allgemein ganz sicher kein ordentlicher Christenmensch, ein Menschenfresser gar - solange man sich sein eigenes Phantom aus gewagten Hirngespinsten zusammenbaut. Wenn man erst mal die Lagerstatt mit ihm teilt, ist er doch ganz umgänglich.
Was die Charakterzeichnung wirklich rund macht: Queequeg ist ja tatsächlich kein Christ und verzehrt in besonderen Fällen schon mal Artgenossen. Unnötig anlegen sollte man sich mit ihm wiederum nicht. Der Kerl bleibt plastisch, weil er mehrere Seiten hat.




