Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for October 2006

Elke 11: Schlafrock; Elke 12: Biographisches

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Elke had a dream:

Ahoi Mannschaft,

Elke Hegewaldsteigen da nicht, gleich schillernden Luftblasen, vertraute Bilder vom Meeresgrund der Erinnerung herauf? – An die schlaflos durchschwatzten Nächte kindlicher und halbwüchsiger Pyjamapartys oder an das Bei-der-besten-Freundin-Übernachten? Was gibt es Innigeres und Verklärteres als diese Momente, da man, Schulter an Schulter in wärmende Decken gehüllt und gegen die Welt da draußen verschworen, einander seine Geheimnisse anvertraute und über das Leben fabulierte.

Und das Unterbewusstsein taucht nach diesen versunkenen Perlen, während man, schon wieder schamlos und gespannt lauschend, Queequegs Geschichte hört und endlich sein Geheimnis erfährt: ein Königssohn ist er also, ein rebellischer dazu, geboren auf einer paradiesischen Insel – auf der Suche nach dem Guten und Wahren.

Und als er aufbrach, ausbrach, hat er wohl nicht geahnt, dass “sein unbändiges Verlangen, die Länder der Christenheit kennenzulernen” und “das Licht der Aufklärung zu seinen ungebildeten Landsleuten zu tragen”, ihm dereinst die ganze Welt in Frage stellen würde. Hat er sich etwa deshalb von seiner Menschenfresserinsel auf dieses fremde Schiff gestürzt, nur um zu erfahren, “dass selbst Christenmenschen so jämmerlich wie böse sein konnten, und dies unendlich viel mehr, als alle Heiden seines Vaters zusammengenommen”?! (S. 113)

Da wundert es denn auch keinen noch groß, dass ausgerechnet den der Ismael finden muss, genau so ein Aussteiger. Auch er ein Suchender und Zweifler vor dem Herrn und der hergebrachten bürgerlichen Gesellschaft so fern und fremd, wie Queequeg der seinen. So braucht es nur noch den liebevoll sanften Heidenfreund, dass ihm nun gänzlich alle Werte seiner Abkunft fragwürdig werden, nichts mehr heilig, alles vorläufig und offen scheint (Jendis/Göske: Nachwort, S. 893 f.), was ihn wieder mal zur faszinierenden Übersetzung seines biblischen Pendants ins Irdische macht (Genesis 16,12).

Ich find ja Wolfs Vorstellung vom Puppenspieler Melville sehr reizvoll und treffend. Der lässt nicht nur seine selbst zurechtgeschnitzten Figuren an selber gesponnenen Fäden nach seiner Pfeife tanzen – die Kunst des Meisters dabei, dass sie – “leben” –, nein, er ist auch ein Teil von ihnen. Und gibt in jeder einzelnen zwischen den Zeilen ein gutes Stück seines Innersten preis, des eigenen zerrissenen Bildes von der Welt.

Dem hochverehrten Publikum verlangt er dabei Erkleckliches ab – es erstarre gefälligst nicht vollends in Faszination und Ehrfurcht, sondern begebe sich selbst auf den Weg zu ergründen, was er ihm zu sagen hat:

Dieses seltsame Wesen Queequeg, das so durch und durch gut ist – hat es nicht irgendwas von einer Vision, einem heimlichen, diffusen und unfertigen Ideal? Das nach einem Weg tastet, einem Leben, das man leben kann. “I have a dream”, meint man doch geradezu Melville hier und da vor sich hin murmeln zu hören, oder geht jetzt wieder meine Fantasie mit mir durch?

Ist nicht vielleicht der ganze Queequeg für Melville vielmehr ein gewichtiges Symbol, als eine wahrhaftige Figur? – fragt etwas in mir. Oder hat es so gar nichts zu bedeuten, dass die Urheimat des weltenwandernden Königskindes, eine “Insel weit im Westen und Süden” mit exotischem Namen, auf keiner Landkarte verzeichnet ist?

Und wie man sie dort so hocken zu sehen meint, unsere zwei, blitzt ein Gedanke auf, der hier schon mal da war – und es drängt mich danach, dem Wolf Recht zu geben: Ja! Sie sind die Lost Boys aus dem Peter Pan, einer wie der andere. Auf der Suche nach einer anderen, glücklicheren Welt, auf dem Flug ins lockende Abenteuer, weit weg von schicksalhaften Bindungen und Zwängen – und doch bereit, an etwas zu glauben. Sie wissen nicht, was sie finden werden, und die Pequod mag ihnen ihr Nimmerland scheinen.

Und keiner ahnt auch nur, dass die alte Welt sie gerade dort unentrinnbar einholen wird, weil nicht Peter Pan, sondern Captain Ahook auf sie wartet – auf einem Schiff, beladen mit dieser Welt bis obenhin – und statt der Hand fehlt ihm ein Bein. Nun, vielleicht würde bei dieser Assoziation nicht nur Herr Melville widersprechen und sich dagegen verwahren, sie weiter auszumalen – doch die Parallelität menschlicher Träume und Sinngebungen fasziniert schon … und kann doch nicht nur ein Zufall sein. – Herr Dr. Freud??

Written by Wolf

30. October 2006 at 5:01 pm

Posted in Steuerfrau Elke

Moby-Dick – der ungesehene Film seit 1998

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Elke muss eigentlich gar nicht erst gucken:

Elke HegewaldOha, ich habe gerade Steffis Beitrag gelesen. Das Remake des Moby-Dick kenne ich bisher nur vom Hörensagen. Übrigens war der Vater Mapple von 1998 Gregory Pecks letzte Filmrolle, der für mich in dieser Geschichte jedoch wohl für immer der dämonische Ahab – ohne Frau – bleiben wird. Eigentlich wollte ich ja was ganz anderes sagen. Denn: Ha! “… am Ende geht Ahab auf, dass er eigentlich Jona ist und Gott verspottet.” – Juhu! Meine Predigt-Interpretation! So abenteuerlich war die wohl gar nicht.

Gregory Peck bei der Arbeit

Written by Wolf

29. October 2006 at 4:36 pm

Moby-Dick – der Film, 1998

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Steffi hat geguckt:

StefanieInspiriert durch unsere Exkursion zu einem alten Filmschinken lieh ich mir an diesem Wochenende die Neuverfilmung mit Patrick Stewart aus.

Auf der einen Seite wollte ich einfach sehen, wie der Stoff neu angegangen wurde, aber ich gestehe auch freimütig ein, dass ich schon immer ein großer Fan von Patrick Stewart war, und ja: Ich bin ein Trekkie und wollte natürlich sehen, ob er für mich auch ein anderer Captain als Picard sein konnte.

Fassen wir uns kurz: Ja, er kann!

Und ich gehe sogar noch weiter: Ich halte seinen Ahab für einiges besser als den von Peck. In der Neuauflage besitzt Ahab eine Tiefe, eine Gebrochenheit, die ich bei Gregory Peck nie gesehen habe. Sicher, bei der Neuaufbereitung wird vieles noch deutlicher gesagt, viel mit inneren Monologen (Selbstgesprächen) gearbeitet.

Aber was sind die interessantesten Fakten?

Ahab hat eine Familie, Frau und Sohn, und beide sehen aus, als wäre er gestorben, als er das Haus verlässt.

Auch in diesem Film sind unsere Busenfreunde Freunde geworden, ohne dass der Busenteil eine Rolle spielte.

Piripi Waretini in Diamonds of Jeru. Was anderes find ich nicht.Ismael sagt, er ginge zum ersten Mal auf See (und stellt sich auch so trottelig und wehleidig an); von Mapple erfährt man, dass er Harpunier war (und dementsprechend ist die Gleichung von Christian – Mapple und Ahab als zwei Seiten einer Medaille – wunderbar stimmig), und Queequeg ist so eindeutig ein Maori, dass ich am Anfang die Minuten zählte, bis wann er endlich die Zunge rausstreckt (ich musste nicht allzu lange warten). Außerdem hat der Schauspieler einen so tollen Namen, dass ich ihn euch nicht vorenthalten möchte: Piripi Waretini. (Wenn wir schon bei Schauspielernamen sind: Ismael wird von Henry Thomas gespielt, der auch den kleinen Elliott bei E.T. gespielt hat!)

Vater Mapple wird übrigens von Gregory Peck himself gespielt, aber auch hier kann er nicht mithalten: Orson Welles‘ Schuhe sind eben doch eine Nummer zu groß. Bezeichnenderweise gab es auch keine Strickleiter, sondern eine schnöde Treppe zur Kanzel.

Interessant: Ziemlich am Ende geht Ahab auf, dass er eigentlich Jonas ist und Gott verspottet. Die Einsicht nützt jedoch nichts: Als der Wal ein letztes Mal gesichtet wird, ist die Chance verstrichen und die letzte Chance zur Umkehr ist vertan.

Auch schön: eine Szene, in der Ahab sich ausmalt, wie Prometheus ihn geschaffen hätte: 15 Meter groß, kein Herz und ein Bugfenster, um seinen Geist zu erhellen. Da hadert einer aber wirklich mit seinem menschlichen Schicksal der menschlichen Unzulänglichkeit und nicht zuletzt mit Gott.

Dank des Films freue ich mich besonders auf Mister Starbuck, die tragischste Figur in diesem nassen Kammerspiel, der einzig Sehende (neben einem aufgewerteten Ismael) und doch unfähig, etwas an dem Schicksal zu ändern.

Auch bin ich gespannt auf die literarische Vorlage zu Pip, der hier schon ganz anders war, als in der Verfilmung von 1956, und ich frage mich, wo Herman ihn wirklich angesiedelt hat?

Werden wir tatsächlich im Packeis landen, werden wir von Haien attackiert werden, von Queequeg hören, dass Ahab sein Captain, sein Gott sei, werden wir erleben, wie sehr Ahab mit seinem Schicksal hadert, wie sehr er sich bewusst ist, dass er ins Verderben geht und doch nichts daran zu ändern vermag, so sehr er sich dies auch wünscht?

Ja, lasst uns weiter lesen, und hoffentlich hat die Freundschaft von Ismael und Queequeg im Buch mehr Tragweite und Handlungsspielraum, als in den Filmen nur angedeutet! Wir haben uns über viele Seiten lang dem Dreamteam genähert, da gehe ich doch davon aus, dass die beiden als Team noch einiges stemmen werden.

Also, meine Empfehlung: Der Film lohnt allemal, sich mal anzuschauen. Er geht andere Wege (vielleicht auch zu sehr vom Buch weg, mal sehen) und erlaubt doch eine beklemmende Seelenschau eines Mannes, der frei nach der Erkenntnis handelt: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders.”

Ich werde weiterlesen.

Written by Wolf

28. October 2006 at 4:19 pm

Posted in Krähe Steffi

Kapitel 11: Schlafrock; Kapitel 12: Biographisches

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Steffi sagt:

Schiffskameraden,

Stefanie DrecktrahNachdem ich also meine Notizen hervorkrame und kurz nachlese, was mir in diesem Kapitel so auffiel (herzlich wenig), möchte ich nur kurz darauf hinlenken, dass wir endlich auch mal etwas zu Queequegs Herkunft erfahren, seine Motivation, seine Prägung, wenn auch dies etwas knapp ausfällt. Aber immerhin erfahren wir, dass er von einem Ort stammt, der nicht verzeichnet ist. Aber wie heißt es dort so schön? “Die wahren Orte sind es nie.”

Written by Wolf

27. October 2006 at 3:55 pm

Posted in Steuerfrau Steffi

Übersetzung The Lightning-Rod Man: Der Blitzableitermann!

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BlitzableitermannWer immer das ist, der, die oder das seit Wochen nicht müde wird, nach übersetzung lightning-rod man zu googeln und fortgesetzt auf meiner Bücherliste rauskommt, darf gerne Laut geben. Dann kriegt er, sie oder es gerne eine Kopie von der Mummendey-Übersetzung, ich bin da wirklich nicht so. Das passt auf vier A4-Seiten und kostet keinen Euro Porto.

“Der Blitzableitermann” gibt’s nämlich nicht als Online-Text und wenn doch, soll er, sie oder von mir aus auch es erst recht was sagen. Bitte.

Bild: Blitzableitermann 1900 via Eduardo Pardo.

Written by Wolf

26. October 2006 at 9:09 am

Posted in Kommandobrücke

Ahab voraus

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Christian spricht noch ein Wort zur Predigt:

Auf dem Bild sieht man es: Welles steht in einer Kanzel, die dem Bug eines Schiffs nachempfunden ist. Genau wie Ahab später tatsächlich dort steht. Er ist meiner Meinung nach der gespiegelte Ahab, der Mahner und Warner, er ist die andere Seite einer Medaille.

Wenn er von Jona und dem Wal spricht, und dass dieser versuchte, Orte zu finden, an denen Gott nicht regiert, bezieht er sich eben auf Ahab, der einem Phantom, einer fixen Idee nachjagt – ohne Rücksicht auf Verluste und nur, weil er nicht einsehen will, dass er sich (der Natur, Gott) unterwerfen muss.

Das Ganze hat auch eine allegorische Ebene, die sich auf die amerikanische Nation und den Materialismus bezieht, auf das Erreichen irdischer Ziele, wo es doch um geistige gehen sollte, um Reinheit und Heldenhaftigkeit, um Menschenliebe und eine wirkliche Neue Welt.

Da treffen sich Melville und Walt Whitman, die beide übrigens auch Vorbild für Allen Ginsberg, Jack Kerouac, Bob Dylan und zahllose andere wurden mit ihrer Vision von Amerika. Eine Vision, die ein Ideal beschwört und eine positive Version der amerikanischen Nation und ihrer Werte, die für Freiheit steht und Geistigkeit, Menschheitsideale und somit diametral dem gegenübersteht, was man heute in Amerika beobachten kann (von Materialismus bis Kriegstreiberei). Aber auch das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn es gibt sie noch, die Melville-, Whitman-, Dylan- und Ginsberg-Amerikaner.

Aber das führt nun wirklich zu weit.

Written by Wolf

26. October 2006 at 8:20 am

Eats Bush and Leaves of Grass

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Christian sagt:

Zwei Anmerkungen möchte ich mir erlauben: Schwul oder Buddy-Freundschaft.

Ich glaube, dass Melville beeinflusst war von Walt Whitman, dem amerikanischen Dichter des 19. Jahrhunderts, in seinen Elegien über starke Männer und enge Bande und das Edle im Manne. Zeitgenosse von Melville war er und imposante Stimme der Neuen Welt. In den “Grashalmen” (so etwas wie das offizielle Großwerk auf die amerikanische Nation, die Demokratie und den freien Bürger, der damals eben nur Mann ist) wird seitenweise von Kameradschaft, brüderlicher Liebe usw. geredet und, ja, gesungen. Wie übrigens in der Bibel auch, das zweite Buch, das Melville stark beeinflusste – wie sollte es auch anders sein. Auch dort ist immer wieder die Rede von der Liebe der Jünger, dem weinerlichen und dem starken Mann, die einander stützen, dem einander “erkennen” und sich nähern, sich unterwerfen und liebenliebenlieben – all das weckt für uns 21. Jahrhundertmenschen – wenn man es will – homosexuelle Assoziationen. Was sie natürlich nicht sind. Oder jedenfalls waren sie nicht so gemeint, ganz unabhängig ob die Jünger, ob Whitman oder Melville, respektive Thomas Mann sie mal gelebt haben: Der Text sollte die höchste Form der Freundschaft und des Vertrauens zwischen Geschlechtsgenossen zeigen. So etwas wie ein Ideal der Vereinigung ohne den “schmutzigen” Sex, das Körperliche. Geistige Einheit und gemeinsamer Edelmut. Liebe zu Gott über die Liebe zu Menschen, ganz ohne Körper. Das haben Old Shatterhand und Winnetou auch gezeigt.

Das zeigen die Buddy-Movies oder Bücher aber gerade nicht, finde ich. Die zeigen zwar auch keinen schwulen Sex, aber da treffen immer zwei Loner aufeinander, es geht nicht um “geistige Vereinigung”, sondern Bündelung der Kräfte, beide sind stark, beide sind eigenwillige Persönlichkeiten für sich, die sich in Kämpfen und Auseinandersetzungen mit Gegnern nicht nur in ihrer Männlichkeit bestätigen (Frauen und Sex spielen da ja auch immer eine Rolle und bringen nicht selten Unruhe ins System), sondern fern ab aller sexuellen Gedanken, ihr Ding durchziehen – was immer das sein mag, meist jedenfalls ein Deal, ein Bruch, ein Clou. Da geht es selten um Ideale oder Höhere Werte, außer den Mut oder die Kampfkraft allein. Somit wären Ismael und Queequeg eine Mischung aus beidem: Buddies im Kampf gegen den Wal und die Idioten auf dem Schiff und geistige Brüder in der Erkenntnis der Endlichkeit und im Glauben an Vorzeichen, Übersinnliches (die Weissagung, die Predigt etc.), ihre innere Stimme sozusagen.

Written by Wolf

26. October 2006 at 7:52 am

Posted in Christians Koje

Freundliche Begegnung: Moby-Dick goes after Arthur Gordon Pym

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In der selbstverständlich unverzüglich preiszukrönenden, dabei immer noch täglich sich verbessernden Literaturliste liest’s einem wieder kein Mensch. Wo ich doch grade so stolz drauf bin, deshalb nochmal als chronologischer Beitrag, one, two:

Arthur Gordon Poe by Edgar Allan PymEdgar Allan Poe: The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket, 1837. Selbst der Erfinder der meisten Errungenschaften moderner Literatur hatte Vorbilder; “der Pym” z.B. geht direkt auf Owen Chase: The Loss of the Ship Essex von 1821 zurück genau wie Moby-Dick (und Philbrick). Mit einer Verve, die nicht mehr anders zu erklären ist als durch Poes gezielten Einsatz von Drogen, welche den Darstellungsreichtum beflügeln und die Klarheit der Gedanken ins fieberhaft Surreale überhöhen, erhebt sich sein einziger Roman allerdings weit über Chase und selbst über Melville hinaus. Allein die Rolle des Erzählers im “Pym” ist ein Vexierspiel: Der Schriftsteller Poe schreibt seinem fiktiven Alter Ego Arthur Gordon Pym einen Tatsachenbericht zu, den letzterer von seinem Freund, einem fiktiven Mr. Poe, zu Ende führen lässt. Sogar der fragmentarisch gebliebene Zustand des Romans ist ein dramaturgischer Kniff, das literarische Werk wurde von Poe abgeschlossen.

Poe siedelt seinen Helden Pym, der in einer allegorisch überhöhten Weise Poes Autobiografie durchlebt, in der Walfangstadt Nantucket an und schickt ihn von dort aus mit Walfängern auf Reisen, die sich von realistischen, mit wissenschaftlichen Fakten untermauerten Schilderungen zu phantastischen Horrortrips steigern, die keiner Empirie mehr standhalten.

Die Rollenverteilung der Reisenden ist in mehreren Genres, die sich meist an jugendliche Leser wenden, Vorbild für zahllose Abenteuergeschichten geworden: Anführer/Buffo-Charakter/Superhirn; in den Weiterentwicklungen tritt häufig auch eine als schlau und emanzipiert gezeichnete Quotenfrau auf, das “starke Mädchen”. Bei Poe wie vorher bei Chase und nachher bei Melville enden die Figuren in einer Katastrophe. Poes fatalistischer Aspekt, der ihn über jugendaffine Kurzweil hinaushebt, die sich als rein spannende Unterhaltung versteht, liegt im Erkenntnisgewinn der Figuren, der erst im Moment des Untergangs und gerade durch den Untergang möglich wird.

Jene die Handlung schließenden Kapitel, die Pym wegen seines Ablebens angeblich nicht mehr schreiben konnte, erfuhren Ausarbeitung und Fortsetzung in Jules Verne: Die Eissphinx, 1897, und Charles Romyn Dake: A Strange Discovery, 1899. Von Anfang an war es für Literaten keine Schande, sich vom Titanen Poe recht detailliert inspirieren zu lassen. So griff auch Melville vor allem in seinem Frühwerk poeske Motive und dessen Tonfall auf.

Deutsche Einzelausgabe nur in der Übersetzung von Gisela Etzel, die maßgebliche Übersetzung von Arno Schmidt (Poes Gesamtwerk in Zusammenarbeit mit Hans Wollschläger) nur innerhalb der Gesamtausgabe bei Haffmans, und wenn überhaupt, dann geramscht. Onlinetext englisch, deutsch.

Written by Wolf

24. October 2006 at 7:21 am

Biographisches: Queequeg lebt (Kapitel 11 & 12)

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Sehen wir’s mal dramaturgisch. Mir fällt auf, wie viel man unbewusst voraussetzt, was bisher noch gar nicht in der Geschichte drinstand. Oder hat jemand dran gezweifelt, dass Queequeg sich Ismael anschließen wird?

Tod eines HauptdarstellersBestimmt nicht – es wird aber erst auf Seite 114 beschlossen (“Ich fragte ihn nach seinen jetzigen Plänen” pp.), und dann fällt weiter auf, von wie langer Hand das begründet ist. Da braucht es annähernd 60 Seiten Exposition eines Charakters, Aufkeimen und Erblühen einer wunderbaren Freundschaft und schließlich die Lebensgeschichte samt status quo des jungen Wilden unter den Christen. Himmel, was hat der Puppenspieler Melville mit seiner Figur bloß noch alles vorgehabt?

Ursprünglich, weiß man, wollte Melville Queequeg (und Pip, den wir später kriegen) noch während der Walfangreise einem nassen Tod überantworten (Jendis/Göske, S. 881). Das Konzept hat er erst in einer späteren Schreibphase umgeschmissen zugunsten der Lösung, am Schluss die gesamte Mannschaft auf einmal zu versenken.

Hätte mir vielleicht sogar gefallen: Es hat einen großen Impact, wenn in einer Geschichte auch mal ein Sympathieträger gewaltsam aus der Handlung fällt.

Die andern dürfen doch auchBei Großmeistern des dramaturgischen Effekts wie Stephen King sterben ja auch immer ein paar von den netten Leuten. Bei Tarantino ist nicht mal der Kameramann seines Lebens sicher. Und der stilbildende Mord unter Dusche in “Psycho” lebt zu einer Hälfte genau davon, dass Hitchcock die Hauptrolle nach einer Dreiviertelstunde doch lieber an den Schurken übergibt.

Eine schon fast postmoderne Idee, die Melville da hatte: einen Charakter aufbauen, nur damit er einem ordentlich Leid tut. Hätten wir das miterleben dürfen, wenn Moby-Dick je einen anständigen Lektor gesehen hätte?

“Vielleicht aber wären gerade das mitreißend Ungestüme, die unbändige Phantasie und Sprachgewalt des jungen Melville in einem Maß zurechtgestutzt worden, das uns heute reuen müßte”, sagt Göske im Jendis (S. 875).

Ja, eben: Vielleicht. Das heißt aber auch: Selbst ohne schon bis zum Ende weitergelesen zu haben, dürfen wir darauf vertrauen, dass der nach allen Regeln des Handwerks eingeführte Queequeg uns jetzt als einer der Hauptcharaktere erhalten bleibt.

Die Mannschaft in einem Aufwasch zu dranzugeben, hat natürlich etwas Altmodischeres, oder respektvoller: etwas Archetypischeres, weil viel Apokalytischeres. Damit hat Melville sich wohl entschieden, Moby-Dick näher an die Bibel zu rücken – oder soll man vermuten: eine Gegenbibel zu entwerfen?

Naja, ist ja auch schön…

Written by Wolf

23. October 2006 at 6:33 am

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Unfreundliche Begegnungen: Moby-Dick goes Huckleberry Finn

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Unfreundliche Begegnung 1Wie vor kurzem noch ohne theoretisches Fundament gesagt, ist Moby-Dick das, was der Amerikaner im Vergleich zum Deutschen statt Faust hat. Was ist jetzt eigentlich das katexochene amerikanische Nationalepos?

So jung die USA sind, wird das Epos keine Verserzählung sein, sondern ein episch breiter Roman. Ältere Nationen identifizieren sich meist über gebundene Rede, ob es ihnen passt oder nicht: Das Nibelungenlied der Deutschen, der Beowulf der Engländer, die Göttliche Komödie der Italiener verharren geehrt und ungelesen.

Epen sind out, lest Romane, insinuierte der Nordamerikaner. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts, als er sich in schmerzhaften Selbstfindungsprozessen als Trendsetter der Welt entdeckte. Kandidaten sind Huckleberry Finn, Gone With the Wind, als jüngstes Werk The Old Man and the Sea – und Moby-Dick. (Citizen Kane existiert nur als Film, und Winnetou samt all seinen Derivaten war sächsisch.)

Huckleberry Finn also – und warum nicht dessen erster Teil, Tom Sawyer?

Wegen der quantitativen Länge vielleicht: Tom Sawyer kann ohne weiteres als Mark Twains Fingerübung zu Huckleberry Finn angesehen werden. Die ungekürzte Ausgabe war das erste Buch, das ich auf Englisch ausgelesen hab; da war ich vielleicht 15 (mein zweites war dann Bukowski), demnach reicht es wohl nicht weit über süffige Jugendunterhaltung hinaus – was okay ist, aber kein Vergleich zur Vielschichtigkeit des Huckleberry Finn.

Klischees stimmen immer, vor allem, wenn so durchschaubar wird, wie sie entstanden sind: Die Quintessenz von Amerika erkennt sich in einem Kinderbuch wieder, in dem kleine Jungs richtige Helden sind. Dichtes Kolorit, nachvollziehbare Moral, Personal zum Identifizieren und Mitleiden, der soziale Underdog als Inhaber der Weisheit, überlegener Schläue sowie am Ende eines Schatzes, und alles in pointierter Durchführung – Weltliteratur. Das ist ein Rezept. Das hat Amerika, der große Lausejunge, womöglich nicht bewusst so eingefädelt, aber nie wieder aufgegeben. Ein gutes Jahrhundert später befand Ernest Hemingway, Nobelpreis für Literatur 1954: “Das größte Buch, das wir haben.”

Bernard DeVoto hat jedoch schon 1932 in Mark Twain’s America (in der Norton Critical Edition von Moby-Dick reprinted by permission of Houghton Mifflin Company, Chautauqua Institution, S. 633) zwischen Mark Twain und Herman Melville parallele Schwächen aufgedeckt:

Much more identity than has ever been noticed in print exists in the careers of Mark Twain and Herman Melville, whose minds were as antipathetic as religion and reality or the subjective and the objective worlds can be. [...] “Moby Dick” has, as fiction, no structure whatever. Its lines of force mercilessly intercept one another. Its improvisations are commoner and falser than those in Huck Finn. [...] And, though Melville could write great prose, his book frequently escapes into a passionately swooning rhetoric that is unconscious burlesque. He was nor surer than Mark, he was in fact less sure, of the true object of his book, and much less sure of the technical instruments necessary to achieve it. That much of weakness the two novels have in common. [...] “Moby Dick” opposes metaphysics to the objective reality of “Huckleberry Finn.” It is a study in demonology, bound to the world of experience by no more durable threads than a few passages in the lives of mates, harpooners and sailors who are otherwise mostly symbol or mist. They were the book’s disregarded possibility of great realism. Melville preferred to sigh through eternity after the infinite.

Unfreundliche Begegnung 2. mysite.du.edu/~ttyler/ploughboy/bealeold.htmAuf den Punkt gebracht: Moby-Dick ist genau so ein Schrott wie Huck Finn, nur schlimmer, weil der letztere immerhin das wahre Leben abbildet.

Noch mehr Stimmen wurden laut, die Melville nicht nur das Zeug zum Nationalepiker, sondern Qualität überhaupt absprachen. Zum Beispiel Ludwig Lewisohn, ebenfalls 1932, in Expression in American. Wir geben seine Verachtung nach der Norton Critical Edition von Moby-Dick wieder (darin reprinted by permission of the publishers, Harper & Brothers, New York, S. 634):

Melville: Not Even a Minor Master

The final image that arises from all of Melville’s work is that of a big bearded violently excited man trying to shout down the whimpering, lonely child in his soul.

It will be seen at once that I consider the recent reëstimate of Melville to have somewhat overshot the mark. Great wits have praised him, but not, perhaps, those of most balanced judgment. He has his superb moments. But are those moments not rare and do they wholly repay the labor necessary to reach them? A younger generation, in search of that “usable” American past which Van Wyck Brooks so earnestly and sagaciously demanded long ago, has fastened its flag to his mast. Has not that generation been both deceived and self-deceived? Has it not substituted its desire and ideal for the reality? Melville was not a strong man defying the the cruel order of the world; he was a weak man fleeing from his own soul and from life, a querulous man, a fretful man. * * *

No, Melville is not even a minor master. His works constitute rather one of the important curiosities of literature. He will be chiefly remembered as the inventor of a somber legend cencerning the evil that is under the sun. But to embody this legend in a permanently valid form he had only half the creative power and none of the creative discipline or serenity.

Abermals auf den Punkt gebracht: Herman Melville ein jammervoller Schwächling, der mit seiner eigenen Befindlichkeit nicht klar kommt, geschweige denn mit den Anforderungen eines großen Romans, aber von fehlgeleiteten jungen Leuten als Repräsentant der amerikanischen Geschichte hochgejubelt wurde? – Man muss es denken dürfen.

Leslie Fiedler meint ja laut Wikipedia, nicht nur Moby-Dick, sondern gar der traditionelle amerikanische Roman überhaupt komme ohne Frauen aus:

1948 veröffentlichte er in der Partisan Review den provokanten Artikel „Come Back to the Raft Ag’n, Huck Honey“, in dem er homoerotischen Subtexten in Mark Twains „Huckleberry Finn“ und Herman Melvilles „Moby Dick“ nachging. Das prekäre Verhältnis der amerikanischen Gesellschaft und Literatur zu Sexualität und Rasse untersuchte er auch in seinem bis heute wohl bekanntesten Werk „Love and Death in the American Novel“ (1960). Darin konstatierte er, dass der amerikanische Roman seit seinen Anfängen meist misogyn, wenn nicht sogar frauenlos sei, während das zentrale Thema der europäischen Literatur die Liebe zwischen Mann und Frau sei. Schon in Washington Irvings Kurzgeschichte „Rip Van Winkle“ flüchtet der Protagonist vor seiner zänkischen Frau in die Wälder, und in James Fenimore Coopers „Der Wildtöter“ schlägt „Lederstrumpf“ die Ehe mit Judith Hutter aus, um weiter die Freiheit des Pionier- und Waldläuferlebens genießen zu können. Der amerikanische Schriftsteller, so Fiedler, flüchte sich aus Furcht vor der Ehe in die Welt seiner Jugend, auf See, oder in den amerikanischen Westen. So kommt es, dass die Klassiker der amerikanischen Literatur häufig reine Männergesellschaften darstellen und homoerotische Tendenzen prägend wurden, so etwa in Herman Melvilles „Moby Dick“, in dem der Seemann Ishmael mit dem polynesischen Harpunier Queequeg eine Art Ehe eingeht. Auch in der Literatur der amerikanischen Moderne, so im Werk Ernest Hemingways, William Faulkners und Nathanael Wests sind kaum intakte Ehen zu finden.

Was wir daraus lernen? Dass man so ausgewucherte Monstren wie Moby-Dick erst mögen muss, um sie mögen – und was an der Norton Edition so Critical ist.

Gone With the Wind, The Old Man and the Sea und Citizen Kane kriegen wir dann ein anderes Mal.

Written by Wolf

20. October 2006 at 11:17 am

Die Schwulendebatte am Rande von Melville

with one comment

Marcel sagt:

Das Ergebnis einer für Schmidt nicht weniger bezeichnenden Marotte scheint ebenfalls sein Buch “Sitara und der Weg dorthin” (1963) zu sein, eine – so der Untertitel – “Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays”. Nicht etwa, daß es überflüssig wäre, Werk und Wirkung des seit einem halben Jahrhundert höchst populären Schriftstellers einmal genauer zu untersuchen. Indes ist fast die ganze Monographie dem Nachweis einer einzigen These gewidmet, der eine angebliche Entdeckung Schmidts zugrunde liegt: Karl May sei homoerotisch veranlagt gewesen … Schmidts Begegnung mit der Welt der Psychoanalyse muß, gelinde gesagt, sehr flüchtig gewesen sein. Während das Buch über Fouqué skurril, doch seriös, aber schon des Themas wegen nicht gerade nötig ist, wäre eine Monographie über Karl May gewiß nötig, nur daß mir diejenige von Arno Schmidt skurril und unseriös zu sein scheint.
Marcel Reich-Ranicki in: Die Zeit, 13. Oktober 1967.

Wolf sagt:

Wie lange muss man denn Psychoanalyse studiert haben, um auf keine schwulen Gedanken zu kommen, wenn sich die Kumpels in der Weihnachtsgeschichte von Herrn May mit “Sappho” anreden?

Thank heaven for little girls.

Steffi sagt:

Karl May entstammt bekanntlich einer sehr armen Weberfamilie, die alles daran gesetzt hatte, dem klugen Sohn ein besseres Leben zu verschaffen, was der so aber gar nicht wollte. Weil sie aber für seine Ausbildung gehungert und gefroren haben, musste er wohl oder übel Lehrer werden, auch wenn es ihn nicht lange in diesem Berufsstand gehalten hat. Ich sehe also in dieser Passage mehr Ausruck eines autobiographischen Bezuges als weitere Wasser auf den homoerotischen Mühlen.

Wolf sagt:

Das wäre ja dann umso schwuler, wenn all die Unterjublerei organisch geformter Gebirge auch noch biografisch zu begründen wäre… Was versuchen wir hier eigentlich zu beweisen?

Im Ernst glaub ich ja nicht, dass Karl May seine Bücher ausschließlich mit Sachen vollgeschrieben hat, mit denen er eventuell eine wie auch immer geartete Homoerotik etabliert hätte. Damit hätte er zu leicht einbrechen können: Entweder es fällt niemandem auf – außer einem Herrn (ausgerechnet) Schmidt, 51 Jahre nach seinem Tod – oder er riskiert, auf den kaiserlichen Index zu kommen – und das bei was für einem Erfolg, falls es denn tatsächlich funktioniert? – Sein Coming-out hat man ja zu Kaisers Zeiten sorgsam vermieden: Schwule Neigung war in Deutschland bis 1969 ein Straftatbestand. (Heute ist sie in. Ich erwarte täglich, dass sie Pflicht wird.)

Wir reden hier über je nach Verlag zwischen 60 und 120 seit einem geschlagenen Jahrhundert rasend erfolgreiche Bücher. Sowas schreibt man in dieser Häufung, in dieser Kontinuität, weder aus Versehen, noch indem man einem Volk von Homophoben einfach eine Arschlandschaft nach der anderen ins Unterbewusstsein flüstert. Mal pragmatisch gesehen, mag ein Erfolgsschreiber durchaus solche Scherze einfließen lassen, aber nicht sein Gesamtwerk danach ausrichten.

Elke sagt:

Mir ist als Leserin, nebenbei gesagt, herzlich egal, ob Karl May nun schwul war oder nicht. Er ist Kult und kaum einem, dem er je, und das fast unausweichlich, über den Weg laufen musste, zu verderben. Womöglich würde der Karl sich totlachen über die ganze Aufregung und Interpretiererei, die es um seine gelegentlichen anzüglichen Späßlein mit dem Leser gibt, sofern der die überhaupt checkt. Sein Riesenerfolg kommt jedenfalls woanders her.

Und falls mich selber einer fragte (wo wir ja eh schon einen etwas ausschweifenderen Ausflug um das Thema machen): Ich würde nur mal so zum Beispiel mehr als vor allem anderen davor warnen, uns Mädels und Jungs vor dem Angesicht unserer Kultbücher so tiefenpsychologisch teilen zu lassen. Diese Versuche (in denen – meine Meinung – oft ‘ne Menge gequirlter Unsinn steckt), haben mit ganz anderen Dingen zu tun, für die sich in jedermanns Leben irgendwann einer (wenn nicht eine ganze Gesellschaft) findet, sie ihm mehr oder weniger erfolgreich einzubläuen.

Wer suggeriert nur ganzen Generationen der westlichen Zivilisation, dass ein Mann nicht weinen darf, weil es weibisch ist? Wer will nur die Frau immer anschmiegsam, schutzbedürftig und abhängig sehen? Wer verbietet abwechselnd dem einen oder anderen Geschlecht, Dinge zu tun, die angeblich wider dieses Geschlecht stehen und doch von Natur aus jedem menschlichen Wesen einfach gegeben sind, ob er nun ein zartes Weib oder ein stattlicher Kerl ist?

Warum müssen Hobby-, Tiefen- und sonstige Psychologen in allem gleich etwas Abseitiges oder gar Abartiges sehen wollen (wozu Schwulsein btw nicht gehört). O Welt, wie hast du uns verbogen!

Aber es besteht Hoffnung – drum lese jeder seinen May-Melville, wie er mag. Ach ja, und ich kenne schon Kerle, die auch heut noch ihren Busenfreund genau so nennen und ohne Identitätskrise ihr Haupt neben das des Kumpels oder Schicksalsgenossen aufs selbe Kissen betten. Ganz zu schweigen von den ungezählten Busenfreundschaften und zärtlich umarmenden Verbrüderungen, die täglich an unzähligen Kneipentresen verkündet werden. Nix für ungut, Steffi, wollt ich sagen, diese Tirade geht gar nicht gegen dich. Und wenn ihr wollt, dürft ihr mich auch einen Nestbeschmutzer nennen – schließlich komm ich ja auch aus dem Stall… dieser Welt und der Literaturchirurgen.

Written by Wolf

20. October 2006 at 8:59 am

Kwal, der

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Kwalbein

Daniela tanzt auf einem Walbein.

Written by Wolf

19. October 2006 at 7:23 am

Wie schwul geht es bei Karl May wirklich zu?

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Auszug aus Steffis Hausarbeit:

Als Arno Schmidt in seiner 1963 erschienen Studie „Sitara und der Weg dorthin“ veröffentlichte, war ihm klar, dass Karl May schwul sein musste. Er sah bei May „eine für Leser faszinierende, aber nicht bewusst wahrnehmbare “Sexualberieselung”, die der vermeintlich schwule May seinen Lesern unterjubelt.

Zu erkennen glaubte er das an den Organabbildungen, die Schmidt in rein sexuellem Sinne zu deuten wusste. Mit einfachen Pinselstrichen macht Arno Schmidt klar, wie Karl May in seinen Augen die Landschaft konzipiert hat. Die Sekundärliteratur jüngeren Datums hat seinen eigenen Blick auf Arno Schmidt:

“So richtig geht die Interpretationspost [bei Schmidt] aber ab, wenn man alles Doppeldeutige beäugt und mit einem etwas eigenem Freud-Verständnis – alles was höher ist als breit, ist ein Phallus – liest. Beispiele wären das Potenzgehabe mit den Flinten, das häufige Eindringen in Höhlen, die Landschaftsbeschreibungen, die angeblich nur so wimmeln von Verweisen: Hintern als Felsenkessel; Hintern als Tälchen (wo ‘Rote’ ruhen auf Rasengrund, (‘gleich bei der Hand, in voller Erwartung’ geht’s weiter); Hintern als Höhlen schlimme Klüfte ….”

Die ironische Schreibweise verrät auch schon die Distanz der Autoren zu Schmidt, dem sie eigene Motive unterstellten wie etwa, „dass Schmidt hier eine Les- und Schreibart fand, die ihn inspirierte, die ihn als Autor zu neuen Ufern aufzubrechen erlaubte.“

Fairerweise muß man aber sagen, dass Arno Schmidt im Nachhinein indirekt widerrufen hat.

Doch mal ganz abgesehen von der Frage, ob Arno Schmidt Recht hat oder nicht: Ist erst mal der Blickwinkel justiert, fallen einem als Leser schon Phrasen und Sätze auf, die eine durchaus sexuelle Botschaft tragen können.

Martin Lowsky, der Arno Schmidts Forschungsstandpunkt kritisch gedeutet hat, gibt aber zu, dass Schmidt in dem Sinne recht behält, „dass sich in Mays Männerbündnissen der Freundschaftsbegriff von vorpubertären Knaben kundtut, die die Neigung zum anderen Geschlecht nicht kennen und so generell homosexuell sind.“

Es begegnen den Helden selten Frauen und sie sehnen sich auch nicht nach ihnen, wohl auch weil sie eine Einschränkung ihrer absoluten Freiheit bedeuten würden und die Bindungslosigkeit, mit der die Freundschaften zwischen den Männern gekennzeichnet sind, beenden würden.

Eine besondere Rolle in diesem Zusammenhang nimmt der Artikel von Barbara Sichtermann ein, die Karl May als Jugendautor verstanden haben will und damit auch implizit mit einer sexuellen Botschaft beladen.

FilmkurierDadurch, dass es keine weiblichen Identifikationsfiguren gibt, ist die weibliche Leserin darauf angewiesen, sich in die männlichen Protagonisten hineinzuversetzen. Zwar ist die Ideenwelt von Karl May nicht gänzlich frauenlos, aber die existierenden Weiblichkeiten bieten nur wenig Projektionsfläche für Frauen. Zumal sexuell attraktive Frauen der Abenteuerromane meist böse sind, wie die Judith in ‚Satan’. „Von physischer Attraktivität bei Frauen ist nur selten die Rede; vor allem die guten zeichnen andere Eigenschaften aus. Sie sind edel und verkörpern geistige und sittliche Macht wie Marah Durimeh, Hanneh und Nscho-tschi, führen in Ausnahmefällen ein ganz unweibliches Leben in der Wildnis wie Kolma Puschi [...] oder sie agieren als komische Figur wie Rosalie Ebersbach im ‚Ölprinz’.“

Doch sind eben nicht nur die mangelnden weiblichen Rollen, nicht nur weil die dramaturgische Autokratie des Ich-Erzählers keine Alternative zuließ, der Grund für die Identifikation mit den männlichen Protagonisten – Barbara Sichtermann gibt auch an, dass sie in der Zeit kein besonderes Bedürfnis hatte, weiblich zu sein.

Damit ist keine homosexuelle Neigung von ihr als Kind gemeint, vielmehr ist darauf hingewiesen, dass es in der Entwicklung von Kindern eine Phase gibt, in der sie spielerisch ihr eigenes und das fremde Geschlecht erforschen. Sie haben in ihrer Beziehung zum Geschlecht noch keine Starrheit erreicht, die sie als Erwachsene haben werden.

„[...] Mädchen lassen sich von Scout-Kult und Reiterromantik fesseln, ohne das Gefühl zu haben, sie liehen ihr weibliches Interesse einer fremden Welt, wie umgekehrt Knaben sich ohne Schwierigkeiten vom Roman einer verkannten Komtess faszinieren lassen.“

Kinder zeichnen sich da in ihrer Themenwahl und in ihren Identifikationswillen als sehr tolerant aus. Dass dies nicht unbedingt ein neumodisches Phänomen ist, zeigen die Bilder, die Karl May in seinem Leseralbum zusammengestellt hatte. So gibt es durchaus Frauen, resp. Kinder, die sich mit Karl Mays Welt identifizierten.

So besitzt Mays Werk für Mädchen den Reiz des Transsexuellen und für Jungen die erotische Qualität der Neigungen und Antipathien, der Tierliebe und der Jagdlust, der Freundschaften und der Verfolgungen.

„Das schwule Antlitz der berühmtesten Liebe im (als Jugendliteratur gängigen) Werk von May, die zwischen Winnetou und Old Shatterhand“, so Sichtermann, „ist klar genug.“

Written by Wolf

19. October 2006 at 7:10 am

Busenfreundschaft und der Weg dorthin

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Steffi sagt:

Ich hatte in der Schlußphase meines Studiums das (wirkliche) Vergnügen, eine Hausarbeit über Gender in den Karl-May-Werken zu schreiben und nutzte in dieser Zeit auch die Studien des geschätzten Arno Schmidt. Die Gedanken waren nachvollziehbar und einleuchtend, dazu gab es im Werk noch ansprechende Illustrationen, die die sexuellen Eindeutigkeiten nicht nur offenlegten, sondern bloßstellten.

In vielen Gesprächen mit meinem Mentor (und bei meiner mündlichen Examinierung zum Magister) hatte ich Gelegenheit, mich noch genauer mit einem Karl-May-Experten auseinaderzusetzen. Von ihm erfuhr ich dann auch, dass Arno Schmidt, so plastisch er auch sein mag, nicht mehr den letzten Stand der Forschung darstellt und somit die sexuelle Konnotierung bei Karl May nicht mehr so evident ist, wie Herr Schmidt es uns nahegelegt hat.

So sehe ich mittlerweile die Freundschaft dieser zwei Männer eher als Ausdruck einer Gesinnung aus dem Kaiserreich, in dem noch andere Männerideale galten und klar war, dass wirkliche Freundschaft – mit der ganzen Unschuld, die dieser Begriff beinhalten kann – nur zwischen Männern zu finden war.

Auch wenn unser Melville zeitlich anders einzuordnen ist, glaube ich auch hier, dass Queequeg und Ismael diesen Typus Männerfreundschaft zelebrieren. Elke hat ja auf sehr famose Art den Begriff der Busenfreundschaft unter die Lupe genommen, so dass mir nichts mehr bleibt, als zu applaudieren und hinter vorgehaltener Hand ein Aber einzuwerfen, dass die Qualität eines Wortes auch immer mit der aktuellen Konnotation zu verbinden ist, und wie treffend und unschuldig die Bedeutung Busenfreund auch mal gewesen sein mag – heute würde kein Mann, den ich kenne, von seinem besten Freund behaupten, er sei sein Busenfreund.

Aber Zeiten ändern sich, haben sich geändert, werden sich ändern. Ich kenne auch keinen Mann, der in heutigen Zeiten so unbeschwert und – pardon – rein mit einem anderen Mann das Bett teilen könnte, ohne in einer Sinnkrise seine sexuelle Orientierung in Frage zu stellen.

Ismael und Queequeg hingegen kaufe ich es hingegen vollkommen ab. Auch da kann ich Elke nur unterstützen. Diese Freundschaft, so spontan und schnell sie sich entwickelt hat, besitzt doch alle Qualitäten einer echten Bande der Herzen, wie man sie heute vielleicht noch bei kleinen Jungen findet und nach der wir uns doch alle sehnen (sollten).

Also: Es ist doch einfach toll, was die beiden haben – Freundschaft bis in den Tod, eine Brücke über alle Kulturen und mit Verlaub – nachts immer warme Füße.

Ich beneide sie.

Written by Wolf

19. October 2006 at 6:24 am

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Karl May und seine Schwulitäten

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Anmerkung noch zu Karl May: In Sitara und der Weg dorthin hat Arno Schmidt etliche Stellen in Karl Mays Werk aufgetan, die nur bei geflissentlichem Wegschauen noch unerotisch gemeint sein können. Das geht bis hinein in die Landschaftsbeschreibungen – ja tobt sich gerade in den Landschaftsbeschreibungen aus – bei denen ich regelmäßig ausgestiegen bin… Dass sich das allerdings so exakt belegen lässt, hat mich auch zuerst erschreckt.

Im Gedächtnis geblieben ist mir die Schilderung von zwei runden Hügeln, die sich in der Ferne einladend nebeneinander wölben… in der Mitte ein finsterer, finsterer, enger, enger Hohlweg… und dreimal dürft ihr raten, wohin sich Shatterhand, der alte Männer- und Busenfreund, demnächst hineinbohren muss.

Weiß jemand Genaueres? Eine Kurzfassung müsste in einem alten Raben stehen; im Arno-Schmidt-Raben aber schon mal nicht, und den Karl-May-Raben hab ich nicht, außerdem kann man nicht sicher sein, dass man, wenn man auf amazon von 1,99 aufwärts ausgegeben hat, auch was drin findet. Es ist ein Skandal.

Eine Möglichkeit ist natürlich, sich endlich Sitara und der Weg dorthin zuzulegen. Das muss anno 1963 ein wirklich dicker Hund in der deutschen Literaturkritik gewesen sein.

Written by Wolf

18. October 2006 at 7:15 am

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Elkes Kapitel 10: Busenfreunde vs. Blutsbrüder?

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Elke sagt:

Hach, was für eine herzerwärmende, intime Szene darf der neugierige Leser da miterleben – und empfindet die eigene Anwesenheit ja beinah als Indiskretion. Dabei ahnten wir es doch längst: Ismaels und Queequegs Seelen haben sich gefunden in einer “jäh auflodernde[n] Flamme der Freundschaft”.

Und für mich gibt es kein besseres Wort als Busenfreunde für das, was die zwei, die unser Herz nicht erst heute erobert haben, da vor unseren Augen geworden sind.

Herr Jendis musste bei der (wörtlichen) Übersetzung nicht mal ins Schwitzen geraten. Und den Sprachfreak fasziniert ganz am Rande, dass es offenbar in vielen Sprachen 1:1 dasselbe bedeutet – nicht anzüglich und den übertragenen Sinn vermittelnd. Auch wenn es heutzutage meist medienlastig – vorzugsweise zur Umschreibung einer undurchschaubar-diplomatischen Liaison zwischen Politikern – als satirische Ironie daherkommt. Unsere beiden Helden waren jedenfalls noch echte Intimi.

Nichts geht doch über eine große, bedingungslose Männerfreundschaft – soweit man darüber als weibliches Wesen überhaupt zu befinden befugt ist. Zu Lesers Glücke verfügt Ismael selbst über Stimme und Seele genug zu offenbaren, wonach er, der Kerl ohne innere Heimat, sich sehnt und was er in diesem seltsamen Wilden gefunden, der “sich selbst genug und stets er selber” ist.

Queequeg wird für ihn sowas wie ein verlässlicher Hafen in diesem kalten, tödlichen Leben, in dem jeder, Wolf unter Wölfen, einsam und verbissen vor sich hin kämpft: “Etwas in mir schmolz dahin. Nicht länger wütete mein arg zerspelltes Herz und meine rasende Hand wider die wölfische Welt. Der sanfte Wilde hatte sie erlöst.” (S. 105) Und sogar gegen seinen Hader mit der Christenheit ist der Heidenfreund die Therapie, “denn Christenliebe hat sich nur als hohle Höflichkeit erwiesen”. Was wiederum, mitsamt dem im Götzengottesdienst des Herzens endenden “katechetischen” Frage- und Antwortspiel Ismaels und der so missverständlich-sündig wie nur geht ausgelegten Bettszene, ein ach so gefundenes Fressen für die Zensoren der Londoner Ausgabe gewesen sein muss.

Da schmauchen sie also ihr friedliches Pfeifchen und statt des blutsbrüderlichen Rituals nimmt Queequeg den Ismael um die Taille und berührt dessen Stirn mit der seinigen – tja, andre Länder, andre Sitten, sag ich da nur. Welche man sorgsam auch bei der stehenden Fußes erfolgenden “Vermählung” im Auge behalten sollte, die “in seinem Lande soviel besagte wie: dass wir Busenfreunde seien; er wolle mit Freuden für mich sterben, so das nötig sei.” (S. 106) In diesem Sinne folgen weitere entsprechende Metaphern (!) zuhauf. Schlagt mich tot, aber ich kann hier immer noch keine zärtlichen homoerotischen Bande zwischen zwei ausgewachsenen Kerlen erkennen, auch wenn die Szenen einer rührenden Innigkeit sowenig entbehren wie der genuinen heiteren Ernsthaftigkeit Queequegs und der hier und da geradezu liebevoll humorigen (Nach-)Sicht Ismaels. Von sexuell motivierten Regungen und Gesten jedoch weit und breit keine Spur, oder?

Vielleicht liegt es ja auch an meinem Unfrieden mit Herrn Freuds Triebtheorie. Was hätte der wohl an einem von der sündigen Welt unverdorbenen Wilden, der stets er selber ist, zum Rumdoktern gefunden? Und, nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: von mir aus soll einer schwul oder anders glücklich werden. That’s life! – aber sowas von. Aber ob ich das hier so nennen würde? Hm, und kommts darauf hier überhaupt an? Wer wäre – Hand aufs Herz! – bei den Karl Mayschen berühmtesten Blutsbrüdern ever je auf einen solchen Gedanken gekommen? Na gut, wenn wir den “Schuh des Manitu” nicht mitzählen – und selbst da musste Abahachis Zwillingsbruder herhalten.

Okay, okay, von Backbord und Steuerbord war man als (un)voreingenommener Leser ja einschlägig vorgewarnt. Leslie Fiedler beispielsweise, scharfzüngiges Enfant terrible der amerikanischen Literaturwissenschaft, konstatiert in „Love and Death in the American Novel“ nicht nur besagte homoerotische Tendenzen z.B. bei Melville und Mark Twains “Huckleberry Finn“, sondern montiert selbige auch gleich in einen prägenden Unterscheidungszusammenhang des amerikanischen Romans gegenüber dem europäischen. Mach was, die Gedanken sind frei – meine auch.

Und vielleicht muss man ja ein Mann sein, um das so zu lesen? Allerdings nicht unbedingt Amerikaner.

Ich halt’s da eher mit – Gott hab ihn selig! – Johann Michael Sailer, einem guten Katholiken, seines Zeichens Bischof von Regensburg und Vertreter eines positiven Christentums: “Die wahre Freundschaft hat nur zwei Gesetze: Erstens, daß einer des anderen Freund sei; zweitens, daß er’s von ganzem Herzen sei.”

Der hätte seine helle Freude an unseren zwei Busenfreunden gehabt.

Written by Wolf

18. October 2006 at 6:22 am

Posted in Steuerfrau Elke

Kapitel 10: My Buddy is Over the Other Ufer

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Sind sie nicht goldig? Doktor Freud mag vor lauter Jagdtrieb nach so einer blühenden latenten Homophilie Augen so groß wie seine Brille bekommen, meine Frau mit bebender Stimme herumdüstern, dass sie’s ja schon immer geahnt hat, meine letzten Kumpels vor mir zurückschrecken (“Lass bloß die Pfoten auf deiner eigenen Seite!”) – aber haben wir uns nicht alle immer so eine Männerfreundschaft gewünscht?

Natürlich nicht, darf man ja nicht sagen, ist ja schwul. Und warum war das mit zehn Jahren so erhebend, als Winnetou & Old Shatterhand ihre Blutsbrüderschaft geschlossen haben – wie endgültig kann man sich noch mit einem Menschen vereinigen?, warum verbeißt man sich eigentlich heute noch die Tränchen, wenn in Winnetou III die Stelle kommt, wo Shatterhands bessere Hälfte in die ewigen Jagdgründe eingeht (doch nicht, weil Winnetou sich mit seinem letzten Schnaufer noch schnell zum Christentum – siehe Moby-Dick, Kapitel 9 – bekennt)?

Warum ist ausgerechnet in dem Erdteil mit den echtesten härtesten Kerlen der Welt das Händchenhalten unter Mannsbildern sozial erlaubt? Ausgerechnet im verklemmten, homophoben Orient, den derselbe Karl May fast so liebevoll feiert wie den verklemmten, homophoben Wilden Westen, wo der Schnurrbart noch als Insignium von Manneskraft gilt, nicht von Homosexualität?

Warum gebärden sich gerade die Schwulen in meiner Hood als die Krone der Männlichkeit (und da rede ich nicht von kreischenden, gackernden Fummeltrinen, die seit der Vorpubertät die Ellenbogen nicht mehr geradeaus strecken können)?

Ganz einfach: weil sie in allen Lebensbereichen ohne Frauen auskommen: How männlich can you get?

Mit zehn, im verlorenen Paradies des Karl-May-Alters, war es normal, anerkannt und wünschenswert, mit seinem besten Kumpel das Bett zu teilen. Das verbindet und schweißt zusammen gegen den Erbfeind, die Mädchen. Psychologisch ist das natürlich eine sexuelle Angelegenheit, aber eben “nur” im Verständnis sinnlichen Erlebens und nicht in jener genitalen Ausprägung, mit der die wenigsten umgehen können, die sich für gereifte Erwachsene halten.

Das Gekicher, mit dem man sich zwei Jahre später in derbe Schwanz- und Muschiwitze rettete und über dem man nichts mehr davon wissen wollte, dass man je mit anderen Jungs unter einer Bettdecke lag, nennen wir pubertär – und aus war’s mit der Unschuld. Dieses Paradies ist nicht wiederzugewinnen; man kann den Apfel der Erkenntnis Doktor Freud nicht vor die Stiefel speien.

Was man über genuin schwule Lebensbelange weiß, bezieht man ja größtenteils aus den Comics von Ralf König, die bei allem Klamauk ordentlich recherchiert und höchst glaubwürdig gestrickt sind; sie stammen aus erster Hand und denunzieren deshalb niemanden. Nach dem antiken Griechenland, Troja, dem Shakespearischen England und immer wieder der deutschen Gegenwart erwarte ich alsbald eine Bearbeitung des Moby-Dick-Stoffes.

War Herman Melville schwul? Bei vier Kindern aus einer (letztendlich doch) ungeschiedenen Ehe jedenfalls ungeoutet und unausgelebt. Offenbar kann er aber den Wunsch nachvollziehen, sich mit seinesgleichen zusammenzutun – was übrigens auch in seinem sonstigen Werk immer wieder aufblitzt.

Niemand glaubt, dass praktizierende Schwule frei von Beziehungsproblemen wären; niemand wünscht sich mit einer dermaßen ungeheuerlichen sexuellen Orientierung behaftet, dass er sie über kurz oder lang outen muss. Es liegt dennoch nahe, dass Mannsbilder untereinander besser verstehen, wie sie ticken, und ihr Problem deshalb leichter ausräumen können. Was man bei Ralf König lernt: Schwule Lebensweise ist auch kein Ponyhof, aber wenigstens kann man einschätzen, mit wem man es zu tun hat. Worauf man an manchen Tagen geradezu neidisch werden könnte.

Ismael & Queequeg leben anscheinend noch in ihrem Jungensparadies. Die können Freundschaft schließen, im Bett die Nacht durchquasseln, es unschuldig finden – und am Ende nicht als sodomitische Schwuletten dastehen, sondern weiterhin als Walfänger. How männlich can you get.

Written by Wolf

16. October 2006 at 8:51 am

Posted in Steuermann Wolf

Busenfreundschaft: Steffi hat das 10. Kapitel gelesen

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Steffi sagt:

Liebe Bordkameraden,

zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass die Benennungen der Kapitel nicht ganz so passend sind, wie Onkel Melville das wahrscheinlich indiziert hat.

Worum geht es?

Die Verbrüderung, Eins-Werdung von Ismael und Queequeg, das Begießen der Blutsbrüderschaft, das Rauchen der Friedenspfeife, nun sind sie also Winnetou und Old Shatterhand und wir wissen schon, was für ein Schicksal dem edlen Wilden blüht.

Doch den alten Kalle May mal beiseite: Im Gegensatz zum Film kam gar keine Blutsbrüderschaft mit obligatorischen Handritzen im Buch vor. Tatsächlich nur das gemeinsame Rauchen der heidnischen Pfeife, Götzendienst als Gottesdienst und zärtliche Umarmungen im Bett.

Vielleicht störe ich mich an dem deutschen Begriff der Busen-Freundschaft, der einfach falsche Gedanken heraufbeschwört und nicht so recht zu diesem Freundschaftsmodell zu passen scheint. Denn auch, wenn es alles recht zärtlich zugeht, davon gesprochen wird, dass sie jetzt verheiratet wären (sie seien jetzt vermählt - S. 106 unten), so würden sie doch jetzt füreinander sterben. Ja, es sind Flitterwochen der Herzen, sie sind ein trautes Liebespaar, wie es am Ende des Kapitels so schön heißt.

Queequeg verdeutlicht diese Vereinigung für uns westlich geprägte Leser sogar noch deutlicher: Er teilt sogar sein Geld (was heute ja nicht einmal mehr in vielen Ehen der Brauch ist).

Was sagt uns das jetzt alles?

Wir sind wirklich endgültig im Buddy-Genre angekommen.

Jeder kann hier beweisen, wie kosmopolitisch und aufgeklärt er wirklich ist: wenn man hier die Handlung für nicht schwul hält, ist man wohl wirklich offen (passend dazu die Zensur in der Londoner Ausgabe).

Ich denke mir, dass ich auch gerne eine solche Freundschaft hätte, begangen in einer schuljungenhaften Unschuld und mit einer Ernsthaftigkeit, die weiser Männer würdig ist.

So fällt mir noch der 23. Psalm ein. Mag etwas blasphemisch sein, Queequeg hier auf eine Stufe mit dem Herrn zu stellen, aber erstens kann ich nichts für meine Assoziationen und zweitens trifft das Bild genau den Ton:

“Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir.”

Ehehygienische Maßnahmen

Written by Wolf

14. October 2006 at 7:31 am

Posted in Steuerfrau Steffi

Ismael wie…

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Leopold Bloom (Ulysses)
Bonaventura (Nachtwachen)
Faust (Faust)
Frodo (Der Herr der Ringe)
Hamlet (Hamlet)
Jim Hawkins (Die Schatzinsel)
Hiob (Buch Hiob)
Simplicius Simplicissimus (Der abenteuerliche Simplicissimus)
Ulrich (Der Mann ohne Eigenschaften)
Zorg (Betty Blue)

Written by Wolf

12. October 2006 at 10:49 am

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Die Predigt: Elke hat das 9. Kapitel gelesen und vielleicht sogar verstanden

Elke denkt mit und spricht:

Ach ja, nicht mal der gottloseste Kerl der Gemeinde könnte sich dagegen wehren, diesem Prediger sein Ohr zu leihen. Der doch die einst für sonstwen gedrechselten Worte der Heiligen Schrift in die Sprache ‘übersetzt’, die so einer jeden Tag selber im Maule führt.

Und spätestens nach dem inbrünstig jubilierten Choral, an den Melville höchstpersönlich Hand angelegt hat (die Anspielungen auf Jona im Wal sind seine Umdichtungen, verrät uns Herr Jendis) hat Vater Mapple sie alle da, wo er sie haben will. Der Leser hadert einzwei Seiten lang noch ein bisschen mit dem leicht widerspenstigen, absatzarmen Text – und merkt erst dann, dass längst auch er gebannt dem flammenden Lehrstücklein einer Predigt lauscht.

Auch ich habe mich gefragt, welch dunkler Punkt in seinem Leben wohl dem braven Priester selbst zu schaffen machen mag. Über die Prägungen einer katholischen Erziehung hin zu latenten oder akuten Schuldgefühlen kann ich nun nicht so recht mitreden, durfte ich mir doch von Kindheit an meinen eigenen freien Glauben zimmern, mal in die Irre und wieder geradeaus gehen… Und doch kann unsereins des Predigers eigenes Ringen und Jonas innere Qualen nachfühlen – so fremd ist es einem denn doch nicht. Menschen neigen nun mal dazu, sich schwer zu tun mit dem eigenen rechten Weg. Was für ein weites und dankbares Feld für die Drewermanns oder gar die Berufsnachfolger von Herrn Freud – und natürlich einen Herman Melville.

Nun könnte man sichs einfach machen und sagen: Klar muss es die Geschichte von Jona und dem Wal sein, sind wir nicht im “Moby-Dick“? Und man liegt bestimmt auch nicht falsch, dass sie auf das Kommende hindeutet. Hm, und vielleicht stimmt es sogar, dass sie so etwas wie eine Warnung ist, nicht den Schöpfer selber zu erzürnen, der mit allen seinen Kreaturen mitleidig, gnädig und barmherzig ist, ob nun mit unbotmäßigen Propheten, dem weißen Wal oder denen, die ihn jagen.

Für mich ist da allerdings mal wieder das Unausgesprochene spannend, das, was der Prediger auslässt von der „nur vier Garne“ langen Mär .

Denn dieser Jona, der – auf seiner Flucht vor dem Gebot des HERRN in die entgegengesetzte Richtung das blanke schlechte Gewissen selber – seinen Auftrag schließlich doch noch erfüllt, dem sündigen Gesocks von Niniwe zu predigen und mit Gottes Strafe zu drohen nämlich, ist er nicht immer noch ein widersprüchlicher Kerl?

Ehrliche Reue? Ha! Aber woher denn! Der ist dem Chef sauer, weil der gnädig ist mit den ganz fix und heftig reuigen Sündern in Sack und Asche und ihm die Lehre erteilt, dass Güte und Gnade mehr wert und wichtiger sind in der Welt als Zorn, Hass und Strafe. Jona, der will Vergeltung. Will… Rache? Und da fiele mir schon einer ein, der diesem Drang bis zum bitteren Ende folgen wird. Nun ja, vielleicht ist ja diese Deutung auch etwas fürwitzig…

Außerdem würde ich ja hier auch gerne eine Anknüpfung an die verlorenen Seelen von den Marmortafeln sehen wollen. Denn die Verschlingung und Rettung Jonas wird in der Bibelinterpretation ja auch als ein Symbol für Tod und Auferstehung gedeutet. Oder sagen wir es weltlicher: es ist für den suchenden Menschen auch ein Bild von einem Neubeginn nach dem Ende, nach Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Ich kenne mich, wie ja schon zugegeben, mit Predigten nicht übermäßig gut aus. Aber ein treuer Gottesmann, wie Vater Mapple einer ist, der predigt doch nicht einfach so mit Leidenschaft daher und entlässt seine überwiegend trauernde Gemeinde dann ohne ein Licht am Ende des dunklen Tunnels aus seiner Kirche, nicht wahr. Oder sehe ich das falsch?

“Aber ach, Kameraden! An Steuerbord von jedem Schmerz, da wartet sichere Freude, und der Gipfel dieser Freude ist höher, als der Grund des Wehs tief.”

Was für ein Hirte!

Written by Wolf

12. October 2006 at 10:43 am

Posted in Steuerfrau Elke

Die Predigt: Wolf hat das 9. Kapitel gelesen

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Father Mapple, Ann Nathan Gallery ChicagoEndlich geht’s mal ausführlich um ein sehr großes Wasser. An dieser Stelle ging es beim Originallesen los, dass man öfter das Wörterbuch als das Buch braucht. Bulwarks: Schanzkleid. Hach, all diese berückend schönen Wörter, die man normalerweise nicht mal auf Deutsch kennt.

Außer dem handfesten Anlass, dass ein Wal vorkommt, wird es noch einen anderen Grund haben, dass Vater Mapple übers Buch Jona predigt. Von Sünde und Schuld geht seine Rede, und zwar in reichlich beklemmender Lebensnähe. Man könnte glatt auf den Gedanken verfallen, das Thema lässt Vater Mapple persönlich nicht ganz kalt: Von welcher Schuld wird dieser Mann gebeutelt?

Das muss nicht mal von einem früheren Verbrechen herkommen. Ich war mal katholisch, wurde jedenfalls so erzogen, und weiß: Mit Schuld belädt man sich fatal schnell. Das ist geradezu das Hauptanliegen einer katholischen Erziehung: den Menschen klein und im Bewusstsein seiner immerwährenden Schuld zu halten. Es gab Zeiten, da hätt ich mich auch am liebsten sofort nach Tharsis oder sonstwo gemacht – wegen nichts – und nur mit einem T-Shirt mit der Aufschrift: “Ich bin schuld”. O ja, das gibt’s; ich versteh Jona.

Bei Vater Mapple hat das offenbar auch funktioniert, bei Melville erst recht, und jetzt geben sie es beide mit donnernder Eloquenz weiter. Der erstere einer Kirche voller Gemeinde, der letztere der literarisch empfänglichen Welt, noch 115 Jahre nach seinem Tod and still counting. Mich jedenfalls schaudert noch bei der plastischen Schilderung, wie sich Jona in seine Kajüte verdrückt, um sich seinen Panikattacken zu widmen.

Außer zum ganzen Moby-Dick ist Eugen Drewermann ja auch zu Jona ein ganzes Buch eingefallen. Welche Übervater- und Mutterschoßparallelen werden einen da wieder anspringen? Was Vater Mapple draus macht: “Weh dem, der zu gefallen trachtet statt zu erschrecken!” (“to appal”, nicht “to be shocked” oder dergleichen – also die Tätigkeit, nicht der Affekt), “Weh dem, der seinen guten Namen höher hält als das Gute! Weh dem, der in dieser Welt nicht nach Ehrlosigkeit strebt!”

Laut Vater Mapples dringenden Empfehlungen auf Seite 101 soll ich also meinen guten Namen in den Dreck ziehen, Leute erschrecken und dabei das Gute hochhalten, auf dass ich wahrhaftig bleibe? – Na Wahnsinn. Pommes dazu?

Von den seelischen Schäden mal abgesehen, die von derlei kirchlichen Lehren wenn nicht als Ursache, so doch mit aktiver Unterstützung ausgehen, hätte mir so ein Gottesdienst in meiner kirchlich begleiteten Zeit schon gut gefallen: Was Vater Mapple da zelebriert, besteht rein aus Predigt.

Predigt war immer mein Lieblingsteil in der Kirche. Z.E.N.: Zuschauen, Entspannen, Nachdenken; so lange kann man sich weder durch falsche Responsorien noch allzu obszönes Hostienkauen blamieren. Wie weit man seinen Lehren folgen will, kann man beim nachkirchlichen Frühschoppen immer noch entscheiden.

Bei Mapple findet keine Orgel, keine Eucharistie statt, die Audience Participation beschränkt sich auf Mitsingen eines Chorals am Anfang, und selbst da scheint es, als ob die Gemeinde nicht so richtig dazu verpflichtet gewesen wäre. Der Pfarrer macht alles, der hat das gelernt und wird dafür bezahlt. Ein reiner Wortgottesdienst.

Welche Kirche feiert so? Die Reformed Dutch, nach der Melville erzogen wurde? Oder die Episkopalen von Pittsfield, denen er mit seiner Frau angehörte? Die Presbyterianer, zu denen Ismael sich bekennt? Die Unitarier aus Melvilles väterlicher Seite? Und wer von denen verbreitet diese autoaggressiven Ansichten? – Die Lehren und die Liturgien werden irgendwo einsehbar ausliegen. Wenn man schon Kirche haben muss, dann bitte mit so einem einnehmenden Prediger.

Bramstengenfreude (Melville/Mapple/Jendis) für alle!

Nach der Predigt

Written by Wolf

10. October 2006 at 6:03 am

Posted in Steuermann Wolf

Die Predigt: Steffi hat das 9. Kapitel gelesen

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Steffi sagt:

Geliebtes Seevolk,

Ja, den Welles sehen wir wirklich die ganze Zeit vor Augen – aber hey – die Szene ist auch viel kraftvoller als im Film, da ist es doch nur recht und billig, einen so tollen, charismatischen Schauspieler vorm geistigen Auge zu haben.

Um die gesamte Predigt ausführlich zu besprechen, bräuchten wir wohl wirklich ein paar Seiten extra. Aber ich versuche mich auf meine Essenzen zu beschränken.

Da spricht also einer aus Ihrer Mitte, der größte unter den Sündern, der es doch versteht, den Bordkameraden aufs Maul zu schauen, die Geschichte so zu erzählen, dass sie es verstehen, dass es sich hätte so zugetragen haben können, gerade eben ein paar Tage zuvor. Er schmückt das Bibelkapitel aus, dass es lebendig ist, dass ich für einen kurzen Moment Ismael vergessen kann und mich ganz dem Schicksal Jonas’ hingebe.

Doch dann auch schon die Überlegungen im Hinterkopf: Was will uns diese Werbesendung sagen? Wo sind die Parallellen? Wer spielt den Jonas in dem uns vorliegenden Trauerspiel? Der Wal aus dem Gleichnis ist ein Werkzeug Gottes, um den verdienten Respekt zu erlangen. So auch Moby-Dick?

Mir scheint das evident zu sein. Diese Parallelle ziehe ich ohne schlechtes Gewissen. Ich denke allerdings nicht, dass Melville es uns so einfach macht, dass er die Rolle des Jonas für einen einzigen vorgesehen hat – hier ist die Deutung nicht so eindeutig, vielmehr komplex und vielschichtig.

Ich denke, die ganze Pequod könnte für Jonas stehen – verdammt und doch noch in der Lage, bei wirklichem bereuen, dem Wal zu entkommen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Für mich strahlte eine Textstelle als besonders bemerkenswert hervor, eine Textstelle, die ich mir anmarkern würde, wäre ich nicht so bibliophil und so scheu, alle Bücher wie Studienausgaben aussehen zu lassen:

“Sündiget nicht, doch tut ihr es dennoch, so habt acht, daß ihr sie so bereut wie Jona.” (S. 99 Mitte)

Jonas als Vorbild für ehrliche Reue – wer will hier keine Vorausdeutung sehen?

Die ersten Mahner auf dem Weg ins Verderben und wir werden erleben, wie viele sich an diesen lebensrettenden Ratschlag erinnern werden.

Written by Wolf

10. October 2006 at 5:16 am

Posted in Steuerfrau Steffi

Môby Dique: Pour saluer Melville

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Elke hat was gefunden:

Dieses Werk mit all seinem Geheimnis, es rollt dahin; es steigt an und fällt ab wie das Gebirge, wie der Sturzbach und das Meer. Er reißt uns fort und schlägt über uns zusammen.
Jean Giono über Moby-Dick

Jean Giono im Allewettermantel, hol's der KlabautermannFranzosen und Englisch? Aber klärchen lesen auch die ihren Moby-Dick! Dass sie dafür kein Englisch lernen müssen, verdanken sie zuvörderst Jean Giono. Der besorgte nämlich 1939 die erste französische Übersetzung des Mevilleschen Wälzers.

Und nicht nur das, der konnte sogar selber schreiben und – im Gegensatz zu vielen anderen – sogar ziemlich gut davon leben. Man nennt so einen nicht von ungefähr den Vergil der Provence.

Giono hinterließ seiner Nachwelt die Vision einer symbolhaften Begegnung zwischen dem Schöpfer des Moby-Dick und seinem “Engel”, eine kleine, feine und bemerkenswerte Erzählung, die in Deutschland kaum bekannt ist.

Das sollte sich aber sowas von ändern, meine ich. In Melville zum Gruß (im Original: Pour saluer Melville) lässt er selbigen in einer Postkutsche von London nach Bristol durch die nämliche Begegnung die Ahnung für das Buch vom weißen Wal finden.

In der Vorstellung Gionos war Melville nach Europa gereist, um das Manuskript von White-Jacket abzuliefern, und schreibt, nach Amerika zurückgekehrt, unter dem Eindruck seines überirdischen Reiseerlebnisses sein berühmtes Werk nieder. Ach was, lest doch selber ausführlich nach, worum es in der Geschichte geht (pdf-Link, der eine aspx-Datei lädt. Die 63 kB abspeichern, mit Extension .pdf versehen und im Acrobat Reader öffnen. Die interessante Stelle, die Buchbesprechung “Engel und Haifisch”, fängt auf Seite 1 von 3 rechts unten an); 1999 stand es auch in der Zeit.

Die deutsche Fassung gibt es als recht frisches Hörbuch Annäherungen an Melville bei Parlando, auf der zudem noch Ahab als eindrucksvolle musikalische Komposition von Stephen Melillo in einer Live-Uraufführung verpackt ist.

Written by Wolf

8. October 2006 at 6:32 am

Posted in Krähe Elke

Father Mapple Goes to the Top Again

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und Elke weiß warum. Wenigstens einer liest, was dasteht…


Zuvörderst würde ich da doch mal Ismaels eigene Deutung gelten lassen, denn er selbst hat (sich) schließlich zuerst danach gefragt. Und nicht wir, die besserwisserischen Leser, die wir natürlich nur zu gern sind, während wir ihm auf Schritt und Tritt folgen. Man muss sich ja nicht jedesmal gleich seinen ganzen Melville neu erfinden, gell? Erst recht nicht, wenn er sogar eine durchaus klare Antwort gibt.

Er jubelt dem lauteren und frommen Prediger mitnichten einen theatralischen Selbstdarstellungstrieb unter, was auf den ersten naiven Blick ja so abwegig nicht ist. Aber nur auf den ersten – denn das wäre nun doch zu platt für den charismatischen Vater Mapple. Nein, es muss “ein Sinnbild für etwas dem Auge nicht Sichtbares sein. Ob es wohl so ist, dass er durch diesen Akt leibhaftiger Absonderung seinen zeitweiligen inneren Rückzug von allen äußeren, weltlichen Banden und Bindungen kundtut? Jawohl, denn mit dem Fleische und Weine des Wortes versehen, ist diese Kanzel dem glaubensstarken Gottesmann, das sehe ich klar und deutlich, eine Feste, die sich selbst genügt…”

Eine Feste. Ein Fels in der Brandung, den nichts anficht und zerstören kann – der Gottvertrauen heißt. Ja, der weiß, was er tut, der Mann, weiß, was er Gott, sich und seinem Job schuldig ist. Und sein Job ist da unten, sind die Leute auf den Bänken, die zu ihm aufschauen und etwas von ihm erwarten – Trost, Glaube und Hoffnung. Und das überzeugend zelebriert, bittschön. So einer bricht keine Brücken ab – aber seine Brücke ist das Wort Gottes. Postuliert hier ohne Zögern eine Atheistin.

Die Frage ist wirklich spannend. Und eigentlich darf man hier noch gar nicht aufhören mit der Bilderdeuterei. Ist doch die Leiter selbst ein altes christliches Symbol. Jakob, Sohn des Isaak und somit leiblicher Neffe des biblischen Ismael, sah sie in seinem Traum:

“Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott [...] Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.” (Genesis 28,10 ff.)

Dass sich nun Vater Mapple seiner eigenen Jakobsleiter bedient, wird ihm von seinem obersten (Dienst-)HERRN hoffentlich nicht als Amtsanmaßung ausgelegt. Die raue Welt der Waljäger und des Seefahrervolkes braucht wohl klare Ansagen und Symbole und vielleicht auch einen, der sich quasi mit den Himmlischen Heerscharen auf eine Sprosse stellt.

Wo wir schon mal dabei und unter Seefahrern sind, deren der Prediger in seinem früheren Leben ja auch einer war: Mir selber würde ja eine andere Deutung auch noch gefallen und passend erscheinen – die der Ankerkette oder des Fallreeps nämlich, die hochgezogen werden, wenn ein Schiff ausläuft. Ist es nicht beinah so, als wollte Vater Mapple mit dieser geradezu allegorischen Geste sagen: “Wir legen ab. Kommt, lasst uns aufbrechen zu neuen Ufern… der Hoffnung, des Glaubens…”?

Written by Wolf

8. October 2006 at 5:56 am

Posted in Krähe Elke

Father Mapple Goes to the Top

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Ach ja: die Stelle, wo Vater Mapple zum Predigen die Strickleiter hinter sich hochzieht. Hab ich mich auch gefragt, was uns der Dichter damit sagen will. Das Bild ist doch fast zu schön, um rein für die Katz vorzukommen.

Bildlich gesehen ist es natürlich ein Abbrechen der letzten Brücke zur Welt – i.S.v. “weltlich” as opposed to “geistlich” -, was mir allerdings einen Tick zu endgültig formuliert ist; der Herr Pfarrer wird ja nach kurzer Zeit wieder runter wollen.

Natürlich erhebt er sich so sichtbar über seine Gemeinde. Nun könnte er seine Leiter ja baumeln lassen, und deshalb finde ich schon, dass er das Zeichen setzt: Zu mir reicht ihr nicht herauf.

Ob er als Seefahrer viel im Krähennest war? Ich hab gehört, der Ausguck ist ein teils bespöttelter, teils beneideter Posten auf Schiffen (frag mich keiner, wo das stand, vielleicht kommt das sogar noch im Moby). Also ungefähr so wie der Lagerist in Fabriken – oder eben ein Pfarrer: Ein gewisser überlegener Atheismus für den Hausgebrauch und Klerusschelte haben schon immer zum guten Ton unter harten Mannsbildern gehört, andererseits ist nicht ausgerechnet die Kirche des puritanischen New Bedford die Stätte, seinen Unglauben auszubreiten. Vater Mapple weiß also ganz gut aus früherer Erfahrung, dass die Leute gestern Abend in der Kneipe über seinen Bier- und vielleicht auch Frauenkonsum gelästert haben. Da wird er ihnen vorführen wollen, wer letztendlich doch dem Herrgott am nächsten steht.

Ihr da unten, ich da oben: Rockwell Kent

Written by Wolf

7. October 2006 at 6:55 am

Posted in Rabe Wolf

Kirche & Kanzel: Steffi hat das 7. & 8. Kapitel gelesen, und den Film gesehen hat sie auch.

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Steffi sagt:

Viel gibt es da auch für mich nicht mehr zu sagen – um im Sprachstil zu bleiben: die Fischgründe sind abgefischt.

Jedoch habe ich mich gestern abend gedanklich intensiver mit dem komplexen Problem des Trauerns beschäftigt. Diese Wechselwirkung von anonymen Tod, fehlendem Trauergrund und dabei Unsterblichkeit durch die immerwährende Präsenz im Wartesaal Gottes verwirrten mich doch zusehends.

Alle sitzen unbewegt als Inseln auf den Bänken, die Inschriften lesend. Nur Q. sieht man seine innere Rührung an – er ist ja auch nicht mit Lesen beschäftigt.

Kann man daraus schlussfolgern, dass die Beschäftigung mit den Gedenktafeln von dem wirklichen Empfinden, von der ausführlichen Rührung der Seele ablenkt? Mir scheint es fast so.

In dem Zusammenhang fand ich den Bezug zu Hamlet schon toll (S. 83, Mitte), bevor ich überhaupt wusste, das es ein Bezug zu Hamlet ist. Es geht eben doch nicht nur um die äußere Trauer mit der richtigen Kleidung, sondern um die innere Rührung.

Zum großen Auftritt des Orson Mapple muss ich auch nichts mehr hinzufügen – nur, dass ich die Spielfilmbilder so deutlich vor Augen hatte und Welles natürlich großartig spielte.

In der Tat hat der Film echte klassische Filmmomente kreiert, die in das Gedächtnis einer ganzen Filmliebhabergeneration sich eingebrannt hat – der winkende Peck ist wirklich eine echte Ikone. Und der Film ist in der Tat als Zeichen seiner Zeit zu sehen – und wäre als solcher auch ein spannendes Thema für eine inhaltliche Diskussion, aber das gehört nun wirklich nicht hierher.

Lasst uns also den Worten Mapples lauschen und endlich dem Ruf des Meeres folgen. Ich habe schon so ein Kribbeln im Bauch. (Was auch daran liegen kann, dass Mittagspause ist.)

Noch eine Frage habe ich dann doch an die Gemeinde: wie versteht ihr die Geste des Leiter hoch ziehen? Ein Brückenabbrechen, um sich ganz dem Worte Gottes zu widmen? Würde ja in die Richtung des wahren Christen Ismael und das Lehrstück zum wahren Weg passen …

Written by Wolf

7. October 2006 at 6:12 am

Posted in Steuerfrau Steffi

John Huston hat doch Recht

with 3 comments

Christian sagt:

Hier meldet sich ein Stimmchen aus dem Unterdeck – hatte mich versteckt gehalten, gelesen und über Eure Interpretationsvielfalt und Begeisterung für Details (Fleisch zum Frühstück, Frauenduft) gestaunt. Sehr schön. Zur Adaption des Buchs im Huston-Film möchte ich dennoch sanft widersprechen: Zwei Kunstformen, eine Geschichte. Ich mag den Film, ganz unabhängig vom Buch. Die darf man nicht vergleichen, allein weil der eine 90 Minuten Bilder und Text hat und das Buch hunderte Seiten, Stunden von banalen (und natürlich auch tollen) Dialogen und Redundanzen, ausufernde Beschreibungen etc. Der Film zeigt ein paar Typen, konzentriert auf Spannung und Jagd und Ahab gegen den Rest der Welt. Die Philosphischen, metaphyischen, meditativen Passagen des Buchs fehlen natürlich (ein Hinweis vielleicht noch das St.-Elmos-Fire auf der Harpune…) Vor allem Orson Welles als donnernder Pastor und am Ende der winkende Peck auf dem Wal – das sind Bilder für die Filmgeschichte. Viel 50er-Jahre-Männerklamauk ist natürlich auch drin und der Fremde, der uns Angst macht, der Menschenfresser – das ist alles ein bisschen zu eindimensional. Naja, darum soll es nun auch nicht gehen.

Written by Wolf

7. October 2006 at 6:09 am

Kirche & Kanzel: Elke hat das 7. & 8. Kapitel gelesen

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Elke sagt:

Da folgen wir ihm also in die kleine Kirche, dem frischgebackenen Walfänger, fast auf Zehenspitzen – an einen Ort der Stille und leisen Andacht… So meinen wir jedenfalls. Und dann geraten wir aus diesem Schneesturm da draußen vor der Tür, ehe wir’s uns versehen, schon wieder in einen neuen – und der tobt in unserem guten Ismael selber, will mir scheinen. Oder hören wir hier gar ziemlich unverfremdet Herrn Melville höchstselbst, in seiner eigenen Not zwischen Glauben und Zweifel?

Jaja, hier kommt noch eine daher, die wohl mehr Fragen als Antworten hat. Und die hat’s auch nicht so mit den religiösen Spielarten. Wen wundert’s, könnte wer sagen, wenn er sich’s einfach machen wollte. Wo ich mir doch die Hand reichen könnte mit dem ungetauften Queequeg… irgendwie. Der – auch das wundert kaum noch einen – natürlich mitten in der andächtigen Gemeinde hockt. Was ich eigentlich sagen wollte: vielleicht kommts darauf gar nicht an, wes Geistes Kind man ist, welcher Religion mit ihren Grundsätzen, Geboten oder Regeln man folgt? Selbst wenn einer gar keine hat, heißt das noch lange nicht, dass er an nichts glauben will. Ich nenne es die Suche nach dem Sinn.

Und auch ich habe mich gefragt: Diese trostlosen Tafeln, diese – o ja! – kaltfröstelnden Inschriften, so überdeutlich vor des Lesers Auge gebaut, was sollen sie bedeuten? Sie haben etwas mit Ismaels (oder Hermans?) Gedankensturm zu tun, mit der “ungewollte[n] Ungläubigkeit in jenen Zeilen, die den Glauben selbst zu zersetzen scheinen und jenen Geschöpfen die Auferstehung verweigern, die ohne bleibende Stätte, ohne Grab zugrunde gehen”. Ist es der Versuch einer ohnmächtigen Beschwörung, dass da doch etwas bleibt, bleiben muss; einer Beschwörung, die bis zur sympathetischen Vereinigung der „stillschweigenden Inseln“ einsamen Grams getrieben wird? Weil das ganze doch einen Sinn haben muss, weil „der Glaube [...] sich, wie der Schakal, seine Nahrung zwischen den Gräbern [sucht] und [...] gerade aus diesen tödlichen Zweifeln seine lebensspendende Hoffnung [zieht]“?

Mir kommt es ja so vor, wandele sich Ismael am Ende des siebenten Kapitels beinah zum Fatalisten, den möglichen Ausgang seines Walfängerschicksals auf einmal so plastisch-sarkastisch vor Augen. Aber wenn da was dran sein sollte, dann ist es ein recht kämpferischer Fatalismus, denn sein wahres Ich, seine – jawohl, reine, – „Seele zermalmen, das kann selbst der Höchste nicht.“

Selbstverständlich war dieser sein (und Melvilles?) ketzerischer Gedanke den englischen Puritanern nicht zuzumuten und las sich desterwegen in der Londoner Ausgabe so: „meine Seele zermalmen, wer kann das?“

Meiomei, wie viel Zeit man sich wieder lässt, um endlich an dieser nun wirklich einzigartigen Kanzel anzukommen! Zu der Vater Mapple – vom Wolf bereits gebührend besungen – mittels einer Strickleiter hinaufklimmt, die (wäre einer nicht drauf gekommen?) mitsamt der ganzen Kanzel natürlich auch wieder ein Sinnbild darstellt, den Bug eines Schiffes – und das Schiff ist die Welt.

Melville sagt es andersherum: „Wahrlich, die Welt ist ein Schiff…“ – und ich mag diesen letzten Satz des Kapitels, mag dieses Bild des Schiffes auf dem Meer, im Sturm … des Lebens? Und bin damit in bester Humboldt-Gesellschaft.

Calvinisten

Written by Wolf

6. October 2006 at 7:02 am

Posted in Steuerfrau Elke

Kirche & Kanzel: Wolf hat das 7. & 8. Kapitel gelesen

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Wie war das? Calvinistische Reformed Dutch Church in America?

Was immer diese protestantischen Splittergruppen im einzelnen von ihrem Mainstream unterscheidet – ich hab noch nie bei einer verstanden, was sie überhaupt vom Katholizismus abheben soll. Es geht doch allen darum, jenem Jesus von Nazareth zu folgen, der seit 2000 Jahren and still counting Diskussionsstoff hergibt. Das ist ja dann auch okay so.

Ismael, unbeteiligter Beobachter, der er die ganze Zeit zu sein versucht, will doch gleichzeitig ein guter Mensch sein (und vermutlich gleich seinem Schöpfer ein guter Angehöriger der Calvinistischen Reformed Dutch Church in America) und gibt mit großer Selbstverständlichkeit den guten Christen. Überhaupt glaub ich, dass der gesamte Moby genau davon handelt: wie in der Welt ein gottesfürchtiges Leben zu führen sei.

Etwas ratlos macht mich die schon fast bildliche Wiedergabe der Marmortafeln in der Kirche. Wer ein Tausend-Seiten-Opus vorhat, ist ja nicht auf künstliche Seitenschinderei angewiesen. Die Gedenktexte müssen also von einer ziemlichen Wichtigkeit sein, die ich mir nicht erklären kann. “Kaltfröstelnde Inschriften”… Dafür hätte Fließtext gereicht, aber es musste ja 1:1 das Layout sein, im Trauerrand… (Den Rand bringt meine Originalausgabe übrigens nicht, dafür mehr Gedöns mit Schriftarten. Und auch keine genaueren Anmerkungen. – Ob wir mal eine Exkursion nach New Bedford machen und nachschauen, ob die Tafeln – “I do not pretend to quote” – wirklich da sind?)

Man wird sich wohl damit zufriedengeben müssen, dass die Inschriften den Kirchgängern so unmittelbar aufs Gemüt drücken, weil sie von ihrem Schmerz künden. Was man über Melville zusammenforscht, war er ja selber bis hin zur Depression von religiösen Zweifeln zerrissen. So einer kann gut nachvollziehen, wenn anderen irgendwas weh tut.

James UssherHat jemand die Zeitrechnungen nach der Septuaginta vs. Annales Veteris et Novi Testamenti von Bischof James Ussher mitgerechnet – oder aus der Anmerkung Seite 939 f. auch nur verstanden, wer genau wessen Datierungen korrigiert hat? Eine davon kann ja den Jahreszahlen nach nicht besonders lange “traditionell” geblieben sein. Erklär mir mal einer die Anmerkung…

Bevor ich wieder mehr Fragen als Antworten aufbringe, übergeb ich mal an den Herrn Pfarrer von Schrot und Korn. Endlich mal ein Kerl, dem man trauen kann. Vielleicht das, was aus Ahab hätte werden können, wenn er nicht diese lästige Psychose mit sich rumschleppte. Ein solcher möcht ich werden, wie Vater Mapple gewesen ist, sollte ich je groß werden.

Einer, der zu seiner Herkunft steht, indem er sich mit ihren Insignien umgibt (wie die Kanzel-an-sich mit den paar bezwingend knappen Sätzen als führender Teil geradewegs der ganzen Welt hingestellt wird, das find ich ja schon brillant), dazu einer, der durch seine persönliche Autorität wirkt, nicht nur, weil er zufällig der Pfarrer ist, einer, der zu sagen weiß, wie’s geht. Der mit mehr Antworten als Fragen.

Kenophen

Written by Wolf

5. October 2006 at 6:51 am

Posted in Steuermann Wolf

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