Elke befindet: Wo Ramadan draufsteht, ist auch Ramadan drin
Elke hat mit 39° Fieber das 17. Kapitel gelesen:
Was Queequegs Fasten- und Gebetsritual angeht, sucht diese Bezeichnung wohl das, was er da tut, mit bekannten, wenn auch nicht zu bekannten christlichen, religiösen Handlungen zu vergleichen. Betet er doch seinen heidnischen Götzen, den hölzernen Jojo an, und das mit Ernst und gläubiger Konsequenz. Und wo wir ja – bei allem Melvilleschen vagen Orakeln im 12. Kapitel – ziemlich sicher sind, dass er auf einer Südseeinsel das Licht der Welt erblickt hat, dürfte er dort kaum etwas vom Islam gehört haben.
Ismael ist ob seines Respekts vor dem Glauben des Freundes wie vor jedem anderen weiterhin auch meiner Sympathie und Zustimmung sicher. Er hat “gegen keines Menschen Religion etwas einzuwenden, gleich welcher Art sie sei, solange dieser Mensch keinen anderen umbringt oder beleidigt, weil dieser andere nicht ebenfalls daran glaubt” (S. 158), und damit so manchem seiner wie auch unserer Zeitgenossen einiges voraus. Drein mischt sich wieder der Hader, der ihn mit seinem eigenen Glauben und der Welt umtreibt: “…und der Himmel erbarme sich unser aller, Presbyterianern wie Heiden gleichermaßen, denn in gewissem Sinne haben wir alle einen schrecklichen Sprung im Schädel und bedürfen dringlich der Heilung.” – Auch eine ziemlich moderne Erkenntnis, wie ich finde…
Herzlich gelacht habe ich, als dann zum Ende des in sich gehenden Kapitels Ismaels Toleranz angesichts Queequegs körperlicher Torturen doch an ihre Grenzen stieß: “Dabei bemühte ich mich fortwährend, Queequeg zu zeigen, dass all diese Fastenzeiten, die Ramadans und das andauernde Hocken auf den Hacken in kalten, freudlosen Kammern schierer Blödsinn waren, schlecht für die Gesundheit, nutzlos für die Seele, kurz gesagt: den selbstverständlichen Gesetzen der Hygiene und des gesunden Menschenverstandes zuwiderlaufend… Mit einem Wort, Queequeg,… [d]ie Hölle ist eine Vorstellung, die sich ursprünglich einem unverdauten Apfelknödel verdankt und seither durch die erblichen, von Ramadanfesten genährten Gallenbeschwerden fortgeschrieben wurde” (S. 158 f.) Dass der zuletzt zitierte Satz in der Londoner Erstausgabe wieder mal weggelassen wurde, hätte ich nicht mal nachzuschlagen brauchen.
Was wir außerdem gelernt haben: was man unter Walfängern eine Plumpuddingfahrt nennt sowie ein gängiges Rezept für die Zubereitung eines Menschenfresserfestmahls.
Na, dann können wir ja jetzt an Bord gehen.








