Amiot!
Vage ein Update zu Moby-Dick als Comic:
Die Lucky-Luke-Hefte waren immer exklusiver Jungenskram. Selbst Asterix haben die netteren von den Mädchen gelesen, den haben ja sogar die Lehrer empfohlen. Bis heute will es einem kurios erscheinen, wenn die Originale dieser zutiefst amerikanischen Reihe in Wort und Bild französisch parlieren: vom Belgier Morris und dem Pariser René Goscinny. Um sie wegen des schwulen Anflugs, dem dieser französische Singsang unter Schulbuben anhaftet, auszulachen, waren sie von Natur aus zu gut.
Ein seltener Glücksfall von Kalauer ist dem Texter Goscinny in Lucky Luke Band 36: Dalton City, 1968 gelungen – jedenfalls einer, dem in der deutschen Übersetzung kein Gramm Komik verloren geht (weil er mit Eigennamen und einem gr.-lat. Fremdwort arbeitet) und der die Handlung erst in Gang setzt:
Im Gefängnis, in dem die Daltons einsitzen, kommt ein Morse-Telegramm vom Gouverneur an, dass Joe Dalton wegen guter Führung freizulassen sei. Joe hält das bei seinem Ehrgeiz, seine Strafe so renitent wie möglich abzubüßen, für eine Beleidigung und muss gewaltsam rausgeschmissen werden.
Im selben Gefängnis sitzt auch der unschuldige Joe Milton ein, der in seiner Rechtschaffenheit bis zur Unterwürfigkeit gegenüber dem Gefängnisdirektor das schiere Gegenteil von Joe Dalton ist. Es stellt sich heraus, dass er es war, der vom Gouverneur begnadigt werden sollte, und nur der trottelige Funker Sparks ein Problem mit den Morsebuchstaben D, A, M und I hat, von denen die Namen Dalton und Milton unterschieden werden.
Milton muss gerade wegen seiner Gutmütigkeit ebenso gewaltsam wie Dalton freigesetzt werden. Letzterer mus allerdings wieder her, der Handlungsstrang ist auf den Weg gebracht.
Am Schluss der gesamten Handlung morst der Gouverneur – aus Gründen – erneut ins Gefängnis das einzelne Wort: “Amiot!”
Der Gefängnisdirektor erkennt die Botschaft sofort und schimpft seinen Funker Sparks: “Idiot!”
“Sie sind begabt fürs Morsen, Chef.”
Wenn jemandem noch ein handlungstragendes Wortspiel auffällt: Ich sammle sowas.
Bilder: Dargaud S.A. Éditeur, 1968; Fans de Lucky Luke; Lucky Luke Band 35: Sarah Bernhardt, 1982, deutsch 1983. Lizenz: Creative Commons.





