
Gone Stag
31. Oktober 2007Update zu My Private Weltverschwörung:
Peeptoes mit Absätzen zum Morden. Nicht ganz knielanger Swing Dance Dress mit 40er-Style Polka Dots. Neben ihr eine goldene Clutch voller Totenköpfe. Vor ihr ein Manhattan. Sie schien nicht einmal überrascht, als ich sie ansprach.
“Meine Getränke kannst du jederzeit bezahlen. Obwohl wir beide wissen, dass du das nicht kannst. Sag einfach der Bedienung Bescheid. Und lass dir Zeit damit. So viel Zeit, wie dir deine Mutter dauernd eingeredet hat, dass du Kohle nach Hause bringen sollst.”
“Ich dachte, ihr steht drauf, vorher ein bisschen zu reden und alles.”
“Warum”, tat sie mir die Ehre an, sich von ihrem Moleskine zu mir zu wenden und mich über den Rand ihrer Bettie-Page-als-Lehrerin-verkleidet-Brille hinweg zu mustern, “sag mir, warum glaubst ausgerechnet du, dass ausgerechnet ich mit dir aufs Zimmer verschwinden sollte?”
“Versetz dich mal in meine Lage. Nimm an, du bist ein verfickter Scheißhaufen von Lohnschreiber. Du hast dein Leben lang nichts gelernt außer Lesen und Schreiben, und wenn du einen Analphabeten findest, der wirklich glaubt, du könntest es besser als er, dann schreibst du genau das, was er dir sagt, so lang wie er dir sagt, und wann er es dir sagt. Das wird aber selten passieren, weil jeder Arsch glaubt, er kann beim Schreiben auf der Zeile bleiben. Und das Schlimmste daran ist: Er kann es wirklich. Versetz dich in diese Lage und sag mir, ob du zuschauen würdest, wo du bleibst, oder nicht.”
“Weißt du, was der Unterschied ist zwischen dir und einem Eimer Scheiße?”
“Der Eimer?”
“Den haben sie dir schon im Kindergarten immer erzählt, stimmt’s?”
“Weiß ich nicht mehr. Lies mein Blog.”
“Und ein Blogger bist du auch noch. Schau dich doch an. Deine paar Gedanken gehen damit drauf, dass du beim Leben live mitformulierst, was du alles schreiben könntest, egal ob jemand es lesen will. Damit du nicht auf deine hirnverbrannten Auftraggeber hören musst, die dir sagen, was du wann in wie vielen Anschlägen schreiben sollst. Und die anderen Blogger bereicherst du mit Kommentaren aus lol und ggg.”
“Tu ich nicht.”
“Warum denn nicht? Zu fein, was?”
“Mein Thema ist anders.”
“Literatur, wetten? Über dein Lieblingsbuch, wetten? Und dann ist es wahrscheinlich noch Moby-Dick, wetten?”
“Das ist ein gutes Buch.”
“Ja, klar. Weil du als noch kleinerer Junge schon drauf abgefahren bist. Bitte tu mir einen Gefallen und sprich nie wieder eine Frau an.”
Es versprach ein langer Abend zu werden.
Bild: Fanboy.
Soundtrack: Tom Waits: Christmas Card From A Hooker In Minneapolis
aus: Blue Valentine, 1978.
Lizenz: G. Klaut.






















