Walgesang in seiner Sprache
Update zu Die Predigt:
Das Lachen unter Tränen
Das Triptyhon Jonas I/In deiner Sprache/Jonas II von Ludwig Hirsch war an dieser Stelle schon lange fällig; endlich hat sich ein Youtuber erbarmt. Optisch gibt es nicht viel her, das geht aber zugunsten des Sounds. Ich hab sogar noch die LP (In meiner Sprache, 1991): Man vermisst nichts.
Es dauert 10:15 Minuten. So viel Zeit muss sein.
Jonas I
Begonnen hat das alles auf meiner Reise nach Tarschisch.
Die Segel voll, die Mannschaft auch — wie immer auf an Schiff.
Plötzlich bricht die Hölle los mit Donner, Blitz und Sturm.
Masten splittern, Segelfetzen fliegen uns um die Ohren.
Da brüllt der Kapitän: “Wir müssen handeln, jetzt sofort!
Das Meer verlangt ein Opfer, einer muß von Bord!
Du bist es, Jonas!” und er zeigt auf mich.
Klar, wer sonst, der Jonas, der Jonas, also ich.
Dem Jonas lacht niemals die Sonne,
und wenn, dann lacht sie ihn aus.
Sein Schutzengerl zeigt ihm die Zunge,
und der Glücksstern, der überm Jonas seine Lichtkreise zieht,
is nur a Schnuppe, die kurz aufblitzt,
ins Meer stürzt und verglüht.
Und sie werfen mich vom Schiff, in das viel zu große Meer.
Ich denk mir, “Ach was, pfeif drauf, mein Leben ist eh so schwer.”
Und ich sink tiefer, immer tiefer, in die tiefste Finsternis.
Aber ich weiß, wenn ich da durch bin,
tauche ich wieder in ein Licht.
Und das wird das Licht im Himmel sein, ja,
und ich freu mich schon darauf!
Und mach mich extra schwer,
damit ich schnell ersauf!
Da taucht plötzlich dieser Wal auf,
groß wie ein Haus;
und er schluckt mich einfach runter —
und mit dem schönen Sterben is aus.
Dem Jonas lacht niemals die Sonne,
und wenn, dann lacht sie ihn aus.
Sein Schutzengerl zeigt ihm die Zunge,
und der Glücksstern, der überm Jonas seine Lichtkreise zieht,
is nur a Schnuppe, die kurz aufblitzt,
ins Meer stürzt und verglüht.
Jetzt sitz ich da im Walbauch,
und das schon seit drei Tagen.
Finster ist es, feucht und kalt,
es stinkt nach Lebertran.
Manchmal zieht draußen ein Schiff vorbei
und man hört Musik.
Dann musizieren die Piraten,
und mein Wal singt mit…
In deiner Sprache
In deiner Sprache, wie sagt man da “Leben”?
Sagt man da auch: “Er da oben hat’s gegeben”?
Der Jammer is nur, er nimmt’s wieder furt.
Das Schlitzohr, das alte, borgt es uns nur.
Das Leben is a Hund, es beißt und hat Flöh,
hat ganz kurze Dackelfüß’ und rennt viel zu schnell.
Das schöne Wort “Leben”, schön wie ein Stern —
in deiner Sprache möcht ich’s gern hörn;
Du mein riesiger Freund da drinnen im Meer.
Und in deiner Sprache, wie sagt man da “Tod”?
Reimt sich’s da auch auf “vom Aussterben bedroht”?
Und doch schön zu spüren, dass niemals was stirbt,
und das Wort “Tod” nie das letzte sein wird.
Der Tod is ein Seitensprung, mehr a scho ned.
Du schlafst ein und wachst auf, nur in an anderen Bett.
Das schöne Wort “Tod”, schön wie ein Stern —
in Deiner Sprache möcht ich’s gern hörn;
Du mein riesiger Freund da drinnen im Meer.
Jonas II
Eigentlich lebt sich’s angenehm, da im Walfischbauch.
Keiner klopft an die Tür, plaudern kann man auch.
Und ich schließe meine Augen, um ganz in mich zu gehen,
ja, und ich komm drauf glücklich zu sein —
das erste Mal im Leben.
Und grad, wie sie sich umarmen, mein Herz und mein Verstand,
da spuckt mich dieses Monster an den nächsten Strand!
Dem Jonas lacht niemals die Sonne,
und wenn, dann lacht sie ihn aus.
Sein Schutzengerl zeigt ihm die Zunge,
und der Glücksstern, der überm Jonas seine Lichtkreise zieht,
is nur a Schnuppe, die kurz aufblitzt,
ins Meer stürzt und verglüht.
Musik und Text: Ludwig Hirsch auf In meiner Sprache, 1991. Featuring a singing Buckelwal.







Wohoow, na das nenn ich doch mal ein Wal-Opus! Wenn das nicht die Über-(&UM-)setzung der Father Mappleschen Predigt ausm neunten Kapitulum ins markante Hirschenösische ist, dann weiß ich auch nicht.
Sach mal, schämstudichnich Wal… öh Wolf, dass du sooo lange nur alleine, still und heimlich den JonasHirsch in deinem Bauch getragen und dem Walgesang gelauscht hast – und nicht längst damit rausgerückt bist? ;o)
Hach, es ist wahrhaftig eine richtige Geschichte, mit einer richtigen Dramaturgie zu dem Dreiakter…
Da ist er wieder, der so abgründig düstere Charme des Hirschen – mit diesem morbiden Hauch und zugleich (s)einer unerklärlichen Leichtigkeit. Der muss schon als melancholisches Philosophasterkind geboren sein. Und obendrein noch in diesem Ösisch zum Dahinschmelzen – als wärs nur d a f ü r gemacht. :o)
Anhörn Leuz! Die zehn Minuten sinds wert.
Lachen unter Tränen…… jaah….
Danke.
hochhaushex
18. October 2007 at 11:22 pm
Nu ja, bisher wars schwierig: Auf Youtube steht das erst seit 23. September, und meine LP-Version krieg ich nicht verdigitalisiert; da war ich so schnell ich konnte.
Zur Dramaturgie der Musik behaupte ich ja, dass die Gitarrenstimme auf den Mittelteil “In deiner Sprache” an der Aufnahme des Buckelwals entlangkomponiert ist, statt umgekehrt eine “Voices of Nature”-CD auf eine Gitarrenmelodie gepfropft. Seefahrernation Österreich.
Wolf
19. October 2007 at 12:24 am
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Belly of a Whale « Moby-Dick™
7. March 2009 at 5:01 am