But I am an island – I’m fucking Ibiza!
Wolf hat das zweite Kapitel: Ritter und Knappen, das 27., gelesen:
Um zu verstehen, was einen ambitionierten Schreiber dazu treibt, zwei Kapitel hintereinander mit der gleichen Überschrift zu versehen, muss man wohl im 19. Jahrhundert Wale gejagt haben, aber es wird damit zu tun haben, dass es keine echte thematische Trennung ist und Starbuck nur so viel Platz einnehmen wollte, dass ein ganzes Kapitel 26 voll wurde und Melville für die restlichen Hauptfiguren in Kapitel 27, ebenfalls Knights and Squires, nochmal Luft holen musste. Seeleute. Immer besorgt um ihren langen Atem.
So viel Systematik hat er bis jetzt, wir haben Seite 200 überschritten, auch noch nie vorgelegt. Die getreuen Bildnisse von Starbuck (26) und der anderen Steuermänner einschließlich ihrer “Knappen” ergeben ein sauberes Powerpoint-Chart. Ein kurzes, einfaches, überschaubares mit gerade mal sechs Namen, aber genau so soll Powerpoint ja aussehen.
Das Wichtigste in Kürze für diejenigen unserer tausend Fans, die nicht parallel zu uns die Primärliteratur mitlesen:
Erster Steuermann (First Mate): Starbuck;
Zweiter Steuermann (Second Mate): Stubb;
Dritter Steuermann (Third Mate): Flask.
Harpunier und Assistent des Ersten Steuermannes: Queequeg;
2. ~ : Tashtego;
3. ~ : Daggoo.
An dieser angenehm übersichtlichen Versammlung fällt auf, dass die Chefs, die “Ritter”, weiße, körperlich unversehrte, heterosexuelle (?!) Nordamerikaner christlichen Glaubens sind, allesamt Insulaner aus den Walfängergegenden Neuenglands, ihre untergebenen Harpuniere dagegen die exotischsten Heiden, die sie und Melville nur irgendwie auftreiben konnten.
Eine bis heute bekannte und bemängelte Konstellation:
As for the residue of the Pequod’s company, be it said, that at the present day not one in two of the many thousand men before the mast employed in the American whale fishery, are Americans born, though pretty nearly all the officers are. Herein it is the same with the American whale fishery as with the American army and military and merchant navies, and the engineering forces employed in the construction of the American Canals and Railroads. The same, I say, because in all these cases the native American liberally provides the brains, the rest of the world as generously supplying the muscles.
Chapter 27, Knights and Squires, gegen Ende
Eine Beobachtung allerdings, die wir Melvilles eigener Erfahrung vor dem Mast real existierender Walfänger zuschreiben dürfen: Ob die Knights und die Squires dem christlichen Abendland oder den heidnischsten Weltecken entstammen, es sind immer wieder Inseln, denn
How it is, there is no telling, but Islanders seem to make the best whalemen. [L.c.]
Für den Rest von Melvilles Gesamtwerk lese ich die Konzeption und Definition des Isolato heraus, jenes Menschenschlags, der sich etwas schief ins Leben gebaut durch die späteren Zeitschriftenerzählungen kauzt. Eine alte Disposition der schreibenden Zunft, wenn es mit ihr nicht so recht vorangehen will. Aus solchen zwangsweisen Junggesellen und Monobegabungen besteht offenbar die gesamte Mannschaft der Pequod — eben auch all die tapferen, ehrbaren Christen und Heiden, die es nicht zu einer namentlichen Erwähnung bringen. In Cock-a-doodle-doo! von 1853 und The Piazza von 1856 sind solche Gestalten die Ich-Erzähler, und dem Lebenswandel nach ist auch Bartleby von 1853 einer: Wie sehr kann man denn noch auf seinem eigenen Kontinent leben, als indem man bis zum eigenen Untergang die meisten Regungen verweigert?
In so einem Lebenslauf, auf sturmgebeutelten Walfängern oder in philiströsen Schreibstuben, trifft man ja mit der Zeit die absonderlichsten Leute. Selbst ich, der ich eher die letztere Version lebe, erkenne in den drei Steuermännern der Pequod Abbilder von Leuten, die ich schon mal getroffen hab.
Mit Stubb zum Beispiel war ich beim Bund, Grundausbildung als Fernmelder in Daun. Ganz ähnlich wie Stubb hat der sich in der Frühe als erstes keine Pfeife, aber eine Marlboro angeschürt, um sich dann um die brennende Fluppe im Mund herum zu rasieren — nass. Und so einen übereifrigen Giftzwerg wie Flask hatte jeder schon mal als Chef. In meinem sozialen Portfolio fehlen allerdings so eindrucksvolle Indianer wie Tashtego oder der baumhafte Neger Daggoo.
Bilder: Stubb bei Cetus the Whale, Tashtego: Rockwell Kent bei Lakeside Press Edition, Daggoo et al.: Bill Sienkiewicz; Lizenz: Creative Commons.








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