Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for January 2010

Bookes into Dragon’s Teeth

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Update for Vorabendvorstellung and Signed: Adolf Wolf, Colossal Stinker:

Herbert Mitgang, Ahab, Freud and Nazis On Melvilleans' Agenda, New York Times August 26, 1986

Image: Herbert Mitgang: Ahab, Freud and Nazis On Melvilleans’ Agenda, in: New York Times August 26, 1986, I.23, via Clare Spark: The radicalism of the Founders and Herman Melville, November 18, 2009.

Click pic big.

Written by Wolf

30. January 2010 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

Das Hörbuch als Video: Kapitel 28: Ahab

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Update zu Kapitel 26 und 27: Ritter und Knappen:

Das 28. Kapitel (11:56 Minuten) ist fertig.

Little Musicians, 1899, via Celeste Tumulte

Bild: Celeste Tumulte: Little Musicians, vintage photograph on reverse glass. Copyright 1899 by Alfred S. Campbell.

Copyright Lesung: marebuchverlag Hamburg, 2007,
Sprecher: Christian Brückner;
Copyright Übersetzung: Zweitausendeins Frankfurt/Main, 2006;
Videobild: MadHaiku: MoBy DiCk In HaIkU v2, Chapter Five.
Buch mit 2 .mp3-CDs kaufen.

Written by Wolf

27. January 2010 at 12:01 am

Posted in Siedekessel

Bounty Day, Wal in Lee, Fayaway

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Elke erzählt wahre Geschichten aus der Südsee:

Sailors are the only class of men who now-a-days
see anything like stirring adventure; and many things
which to fire-side people appear strange and romantic,
to them seem as common-place as a jacket out at elbows.

Herman Melville: Typee, Preface.

Elke HegewaldJedes Jahr am 23. Januar brennt die Bounty. Lichterloh, vor der Küste von Pitcairn.

Wie damals, vor 220 Jahren, als die neun vielleicht berühmtesten Meuterer ever auf der Flucht vor dem Strang der britischen Admiralität mit ihrem gekidnappten Dreimaster an diesem winzigen i-Punkt in der unendlichen Südsee gestrandet sind. An dem Tag, an dem sie unwiderruflich Insulaner wurden. An dem einer aus ihrer Mitte sie in den Stand von Isolatos erhob, als er das Fluchtfahrzeug ansteckte, um ihre Spur aus der Welt – und in sie – zu tilgen.

Am 23. Januar brennt die Bounty. Die Pitcairnier, deren kleine Gemeinde nicht einmal ein halbes Hundert Köpfe zählt, werden wie all die Jahre zuvor ein Vehikel dieses Namens hinaus aufs Meer schleppen und in die Flammen schauen, bis sie verlöschen und das Geheimnis des einstigen Verstecks ihrer geächteten Vorväter wieder ins Dunkel der Nacht taucht. Wenigstens das sind die Nachfahren Fletcher Christian alias Clark Gable alias Marlon Brando alias Mel Gibson, seinen Männern und deren polynesischen Frauen, die ihre Urmütter wurden, schuldig. Und John Adams, dem letzten der Meuterer und geläuterten frommen Guru († 1829), der sie in den Schoß der Kirche zurückführte. 23. Januar ist Feiertag auf Pitcairn. Bounty Day.

Was für unsereinen und den Rest der Welt nur ein zerlesener Dreiteiler von Nordhoff und Hall und ein paar kultige Monumentalfilme in Starbesetzung sind, ist für die Siedler des kleinen Eilands in der Südsee ihre Historie, eine Geschichte von Leben und Tod. Es hat nicht geklappt, wie man weiß, mit dem glücklichen Isolatodasein der Bountymannschaft, jedenfalls nicht gleich. In Tubuai, dem ursprünglich Auserkorenen, gab es Unfrieden und Dahingemetzelte statt Wahlheimat. Und auf dem bei ihrer Ankunft unbewohnten Pitcairn im Crash von europäischen mit polynesischen Werten und Mentalitäten, Inselkoller und Frauenmangel bald nichts als Suff, Mord und Totschlag. Ein Eldorado und Versuchsgehege für Tiefenpsychologen. – Dazu Robert Merles “Die Insel” lesen!

Die gerade noch rechtzeitige Alphabetisierung des letzten Bountyman Adams mit Hilfe der Schiffsbibel (die heute ehrenvoll im Inselmuseum aufbewahrt wird) vor der gegenseitigen Ausrottung bescherte der gebeutelten Nachkommenschar endlich doch noch alkoholische Abstinenz, Gottesfurcht und Menschenliebe. Und ihrem frommen Obervater seine Begnadigung, Verewigung im Namen der einzigen Inselsiedlung (Adamstown) sowie ein romantisch verwittertes Grab mit Seeblick im Kreise seiner Frauen hoch über der Bountybay, dem dermaleinstigen Landeplatz.

Und jeden 23. Janaur brennt die Bounty. Wegen alledem.

***

Die Gegend da mit den spärlich in die Weiten der See gestreuten Inselperlen hat es sowieso in sich, was Strandungen, menschliche Dramen und berühmte Geschichten angeht. Die in Januartagen schicksalhaft kumulierten. Denn der selige John Adams lebte noch, als fast genau 30 Jahre später, im Dezember 1820, zwanzig Männer in drei mit Segeln aufgerüsteten Walbooten durch Sturm und Wasser nebenan die Nachbarinsel Henderson erreichten. – Das waren die Schiffbrüchigen des Nantucketer Walfängers Essex, den Wochen vorher ein Pottwalbulle versenkt hatte, der das literarische Vorbild für Herman Melvilles Moby Dick werden sollte. Nebenan heißt in diesem Fall: nur 400 Meilen entfernt. Ein Klacks, in Südsee- und Schiffbruchdimensionen gedacht. Die lebten damals auch alle noch, die Whalemen der Essex. Und sie ahnten nicht, wie nah sie ihrer Rettung waren, als sie – bis auf drei – wieder ablegten. Ahnten nicht, wie gern und liebevoll der alte Inselvater von Pitcairn samt seiner Großfamilie sie wieder aufgepäppelt hätte.

So fuhren sie mit vollen Segeln nicht nach Westen, sondern gen Osten Richtung Festland – ‘die Küste hinauf’, wie sie es im Walfängerjargon lakonisch nannten. Nur, dass zwischen ihnen und dieser Küste tausende Seemeilen lagen. Es folgte eine Tragödie, an deren Ende sie kannibalisch ihre toten Kameraden aufaßen und die nur fünf Männer überlebten. Ironie des Schicksals: ihren verhängnisvollen Kurs bestimmte die Angst vor menschenfressenden Polynesiern auf den ihnen unbekannten Inseln. Zum einen. Zum anderen waren es ihre Nantucketer Sturschädel.

Nantucketer misstrauten grundsätzlich allem, was über ihren persönlichen Erfahrungshorizont hinausging.

schrieb Nathaniel Philbrick in seinem preisgekrönten Dokumentarroman ‘Im Herzen der See’.

Ihr im wahrsten Sinne des Wortes weit reichender Erfolg im Walfang gründete weder auf radikalen technischen Fortschritten noch auf möglichem Mut zum Risiko, sondern auf einem tief verwurzelten Hang zum Althergebrachten… Jede Neuigkeit, die sie nicht aus dem Mund eines anderen Nantucketers erfuhren, war ihnen suspekt.

Nathaniel Philbrick: Im Herzen der See. Karl Blessing Verlag München, 2000, 1. Auflage, Seite 135.

Und Melville selbst kritzelte an seine eigene Ausgabe des Owen-Chase-Berichts:

All the sufferings of these miserable men of the Essex might, in all human probabiltity, have been avoided had they, immediately after leaving the wreck, steered straight for Tahiti, from wich they were not very distant at the time, & to wich, there was fair Trade wind. But they dreaded cannibals, & strange to tell knew not that… it was entirely safe… to touch at Tahiti. But they chose to stem a head wind, & make a passage of several Thousand miles… in order to gain a civilized harbor…

In: The Loss of the Ship Essex, Sunk by a Whale. Penguin Books. NY 2000, p. 78/79.

Was alles uns wieder mal lehrt: Wissen kann Leben retten. Und es hätte schon geholfen, wenn der Essex-Captain Pollard oder sein Erster Maat Owen Chase 1819 vor dem Auslaufen ihres Schiffes ordentlich Zeitung gelesen hätten, statt nur volle Walölfässer im Kopf zu haben. Das nahegelegene Lokalblatt New Bedford Mercury zum Beispiel, in dem ein Captain Townsend sich im April brühwarm über die Nahrungsumstellung der Typees auf dem marquesischen Nuku Hiwa von Menschenfleisch auf gastfreundlichere Kost ausgelassen hatte (siehe Philbrick, a.a.O., Seite 133/134).

***

Womit wir auch noch die dritte Örtlichkeit dieser wasserreichen Gegend ausgemacht haben, in der das Leben Verbüchertes über kultige Realisolatos schrieb. Die Heimat von Fayaway, dem Inselmädchen des “Typee”-Helden. – In dem bekanntermaßen der eine oder andere Liter lebendigen Herzblutes unseres Moby-Vaters aus eigenen Abenteurer- und Walfängertagen pulst. Wie immer sie hieß, er hat sie selbst gekannt, vielleicht sogar geliebt, seine Fayaway, die Inselblume von Nuku Hiva.

––– Und irgendwo hier am Spreestrand, vielleicht im Pankower Café Garbáty, feierte dieser Tage Einer seinen 73. Geburtstag, dem wir – neben ungezählten anderen – eine der schönsten und lehrreichsten Illustrierungen von Melvilles ‘Typee’ und Fayaways Welt verdanken. Für die erhielt er 1979 den Grand Prix der Biennale Bratislava: Klaus Ensikat. Der soll sich inzwischen zur Ruhe gesetzt haben. Vielleicht irgendwo hier in Berlin am Flussufer mit Zugang zum Meer, wo er gerade ein Moleskine vollkritzelt. Denn wir hoffen ja immer noch, dass der seine Drohung nicht ernst meint…

Bilder: Exercise Bounty Bay; HMS Bounty; Kirche von Adamstown, Pitcairn; Flickr; Elke.

Written by Wolf

23. January 2010 at 12:03 pm

Posted in Smutjin Elke

Test Lesesucht

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Update zu Eigentlich sollten wir erwachsen werden:

Wer Bücher aus dem 19. Jahrhundert durchnudelt, kann ruhig auch mal ein Stöckchen schnitzen. Das folgende ist bei der Bibliomanie aufgelesen.

Faerie Girl, Death of a Librarian, 2. Juni 2010trifft nicht zu
trifft zu

  1. Du hast deinen eigenen Sachbearbeiter bei Amazon.
    [Da sei der Basis vor.]
  2. Deine Kreditkartenabrechnungen werden per Büchersendung verschickt.
    [Welche Kreditkarte, hähä?]
  3. Du kaufst Teil 3 einer Serie und noch bevor du angefangen hast zu lesen, freust du dich auf Teil 4.
    [“Eckermann, lesen Wir Serien…?”]
  4. Du teilst das Jahr nicht in Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter auf, sondern Neuerscheinungen Frühjahr und Neuerscheinungen Herbst.
    [Ja, definitiv: Das ist mir von einem Jahr Verlagsausbildung geblieben.]
  5. Die vielen Mails in deiner Mailbox sind keine Spams, sondern die Lieferauskünfte deines Online-Buchhändlers.
    [Nur bei Weihnachtsanfällen mit Gebrauchtbüchern, die von so vielen Klitschen wie Büchern versendet werden.]
  6. Deinen Buchhändler wählst du danach aus, wie weit es bis zum nächsten Parkhaus ist, damit du nicht so weit so schwer tragen musst.
    [Siehe Punkt 2: Kreditkarte.]
  7. Dein Stapel ungelesener Bücher ähnelt in Höhe und Ausrichtung dem Schiefen Turm von Pisa.
    [Mich erinnert er mehr an Troja.]
  8. Du ärgerst dich im Mai, wenn ein im Oktober erscheinendes Buch noch nicht in der Datenbank deines Online-Buchhändlers zum Vorbestellen aufgeführt ist.
    [Um Himmels willen, ich komm nicht mal mit dem ganzen alten Zeug hinterher.]
  9. Die Familienmitglieder deiner Serienhelden sind dir geläufiger als deine eigenen Cousins und Cousinen.
    [Eine Serie hab ich schon mal freiwillig gelesen.]
  10. Dein Postbote hasst dich.
    [Mein offizieller ist ganz okay. Die unterbezahlten und demotivierten Aushilfen vom Liefer-“Service” schneiden mich und tragen alles gleich in den Bierschuppen gegenüber. Was wiederum nicht schadet, weil die Wirtin ein Pfundshaus ist.]
  11. Deine Familie erkennt dich ohne Buch vor dem Gesicht nicht mehr.
    [Meine Frau erkennt mich am Mundgeruch.]
  12. Du freust dich über ein schlechtes TV-Programm, denn es verschafft dir mehr Zeit zum Lesen.
    [Ich eriwetere auf “DVD-Angebot”, dann stimmt’s.]
  13. Du überbietest dich im Eifer des Gefechts bei eBay selber.
    [Ich biete nicht mal, ich beobachte immer nur.]
  14. Die Leihbücherei deines Heimatortes kann nur aufgrund deiner Buchspenden existieren.
    [The perks of wohning in a Großstadt.]
  15. Du verbringst alle Wochenenden im Baumarkt, um dir neue Regalbretter zuschneiden zu lassen.
    [Das würde meine Frau unterstützen…]
  16. Wenn dein SUB auf unter 5 sinkt, steigt dein Puls auf 180.
    [Tut er nie. Der SUB.]
  17. Man nennt dich auch den Schrecken der Flohmärkte.
    [Nein – den Retter der Grabbelkisten.]
  18. Dein Vermieter kündigt dir, weil die Statik des Hauses nicht für deine Buchmengen ausgerichtet ist.
    [Eigengenutzte Immobilie!]
  19. An Sonn- und Feiertagen bestellst du entweder online oder gehst an den Hauptbahnhof, um dir Suchtstoff zu beschaffen.
    [Das fette ich mal, weil bislang zweimal unterlaufen: Das eine Mal hab ich auf dem Nachhauseweg vom Krankschreibenlassen im Supermarkt einen Wolfgang Hohlbein aufgelesen einzig zu dem Zweck, ihn an diesem Kranktag durchzulesen, das andere Mal hab ich mir an einem Samstag kurz vor Ladenschluss ums Verrecken eingebildet, ich bräuchte jetzt auch mal so einen Hochglanz-Edelschund, der bei Hugendubel unter “Erotik” gleich neben der Chick-Lit steht, mit “ästhetisch” ausgeleuchteten Brüsten drauf. Gekauft hab ich mir dann die dummy.]
  20. Wenn du in den Urlaub fährst, dann hast Du die Klamotten im Handgepäck und der Koffer ist voller Bücher.
    [Nein, der ist leer, damit ich vor Ort Bücher reinschlichten kann. Durch meine Ausbeute aus drei Tagen New York anno 1993 bin ich heute noch nicht durch.]
  21. Du versiehst Deine Bücher grundsätzlich mit Schutzfolien, damit sie beim (sowieso schon vorsichtigen) Lesen nicht leiden.
    [Macht das jemand, der nicht von der Schulordnung dazu gezwungen wird?]
  22. Du hast bereits Freundschaften gekündigt, weil Du ausgeliehene Bücher beschädigt zurückbekommen hast.
    [Hey, das war auch sonst ein Arschloch…]
  23. Du riechst heimlich in der Buchhandlung an den neuen Büchern und siehst Dich dabei verstohlen um.
    [Ich hatte mal eine Freundin, die Buchhändlerin war und Verlage am Geruch unterscheiden konnte.]
  24. Du hältst Menschen, die die letzte Seite eines Buches zuerst lesen, für nicht gesellschaftsfähig.
    [Wenn ich das fette, steigt mir meine Frau aufs Dach.]
  25. Du behältst jedes Buch, obwohl es Dir überhaupt nicht gefallen hat oder Du es nie lesen wirst.
    [Anybody in for Gartenratgeber aus den 80ern?]
  26. Du hast das Gefühl, einen guten Freund verloren zu haben, sobald Du ein gutes Buch beendet hast.
    [Ich hab’s ja nicht geschrieben.]
  27. Du verlässt niemals das Haus ohne Buch.
  28. Du ärgerst Dich über Bücher, die Dir nicht gefallen, liest sie aber trotzdem zu Ende.
    [Leider nicht. Ich bin kein Schnellleser und auf meine Lebenszeit angewiesen.]
  29. Du verwendest Grundsätzlich für jedes Buch ein neues Lesezeichen.
    [Vielmehr möbliere ich Bücher, die ich fortan lebenslang ständig brauchen will, mit solchen teuren Postkarten fürn Euro.]
  30. Du setzt dich anstatt vor das Aquarium vor Dein Bücherregal.
    [Kunststück.]
  31. Du hegst als ansonsten friedliebender Mensch Mordgedanken bei schlampigen Übersetzungen oder Grammatik- und Rechtschreibfehlern.
    [Aber hallo! Ich hab sogar den Stöckchentext korrigiert, umformuliert und eine Redundanz rausgeschmissen. Es ist stärker als ich.]
  32. Du liest beim Lesen von dicken Bücher immer zwischendurch mal wieder den Klappentext.
    [Ebenfalls Berufskrankheit: Klappentexte stimmen nie.]
  33. Du freust Dich über Dein neues Auto nur deshalb, weil Du nun auch die schweren Hardcover mit Dir herumschleppen kannst.
    [Ich mit einem Auto, gar noch mit einem neuen? Schwer bildlich vorzustellen.]
  34. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie man in der Supermarktwarteschlange NICHT lesen kann.
    [So weit kommt’s noch.]
  35. Du wünschst Dir zu allen Feiertagen nur Bücher, obwohl Du mindestens zwei Leben bräuchtest, um Deinen derzeitigen SUB auch nur annähernd abbauen zu können.
    [Bücher wünscht man nicht noch künstlich nach, die laufen einem zu.]
  36. Du kaufst Dir ein ausgeliehenes Buch, das Dir gut gefallen hat, nach dem Lesen, obwohl Du noch nie ein Buch zweimal gelesen hast.
    [If you love something, set it free. Außerdem hab ich schon Bücher zweimal gelesen.]
  37. Du berechnest nach jedem Kapitel die durchschnittliche Seitenanzahl je Kapitel.
    [Und die verbleibende Lesezeit.]
  38. Du musst unter allen Umständen ein neues Buch beginnen, nachdem Du das letzte fertig gelesen hast, und nimmst dafür auch mitternächtliche Klettertouren im Nachthemd aufs Bücherregal auf Dich.
    [Wenn ich schon mal dabei bin…]
  39. Du denkst, dass Du krank bist, wenn Du in einer Buchhandlung mal nichts kaufst.
    [Nein, dann denk ich, dass ich gesund bin. Wozu gibt’s das Zeug für einen Bruchteil gebraucht online?]
  40. Deine Umgebung reagiert völlig schockiert darauf, Dich ohne Buch anzutreffen.
    [Kommt nicht vor.]
  41. Du nimmst das Buch auch aufs Klo mit und liest.
    [Ich bin nicht so der Fäkaltyp.]
  42. Du rufst andauernd: “Oh! Eine Buchhandlung!”
    [Vielmehr bleibe ich wortlos davor stehen. Nichts anderes wird erwartet, wenn schon mal jemand mitkommt.]
  43. Du sinnst ständig über kreative Möglichkeiten nach, Deine wachsenden Bücherstapel unterzubringen.
    [Und CDs!]
  44. Du legst diverse Listen an – incl. SUB – bzw. Dateien an und führst sie auch, um den Überblick über die Bücher zu behalten.
    [Wenn ich mir die nicht freihändig merken kann, hilft Buchhaltung auch nicht weiter.]

Mehr als 10 Treffer: akut lesesüchtig
Mehr als 20 Treffer: fortgeschrittenes Stadium
Mehr als 30 Treffer: nicht mehr therapierbar

Ich bitte um zahlreiche Weiterverwertung!

Sommersemester

Bilder: Faerie Girl: Death of a Librarian, 2. Juni 2010;
Sommersemester, Rinderbrunnen München, 21. Juni 2008, meins.

Written by Wolf

22. January 2010 at 5:04 am

Posted in Wolfs Koje

Leonorenwatch

with 18 comments

Zu Poes Zweihunderterstem: Update zu Hurre hurre, hop hop hop:

Ad repetitionem:

Die Geschichte der Eleonoren als Inbegriff sehr schöner, junger und vor allem toter Mädchen als das Allertraurigste, was sich nur ausdenken lässt, verläuft:

  1. Viona IelegemsGräfin Eleonore von Schwarzenberg (“Vampirprinzessin“);
  2. Magdalena Eleonore Jachmann, Verlobte und Muse der Leonore-Gedichte von Johann Christian Günther;
  3. volkstümliche Ballade Leonore von Gottfried August Bürger;
  4. Sammlung Volksmärchen der Deutschen von Musäus;
  5. Erzählung The Legend of Sleepy Hollow von Washington Irving;
  6. Kurzgeschichte Eleonora von Edgar Allan Poe;
  7. Gedicht The Raven von Edgar Allan Poe;
  8. Film Sleepy Hollow (Sleepy Hollow – Köpfe werden rollen) von Tim Burton;
  9. Comic-Reihe Lenore, the Cute Little Dead Girl von Roman Dirge.

Außerhalb der Reihe liegen:

  1. Oper Fidelio von Ludwig van Beethoven, vormals Leonore;
  2. Schauspielerin Eleonora Duse;
  3. Menschenrechtsaktivistin, Diplomatin und Präsidentengattin Eleanor Roosevelt;
  4. das Lenor-Gewissen;
  5. Liedermacherin Lenore.

Fehlt eine? Jetzt Sie: Wem außer den aufgeführten noch eine Lenora, Leonora, Lenore, Leonore, Eleonore oder Eleonora im Kunstschaffen auffällt, die der Gothic-Kultur zuzuordnen ist, gewinnt

  • irgendeine alte Schwarte vom Büchereiramsch;
  • ein (auf die eine oder andere Weise) kostbares antiquarisches Buch;
  • irgendwelche Musik oder
  • eine ausgewählte, selbst gebrannte CD.

Alles muss raus!

Wer hingegen endlich den Einwand unseres Lesers Bubisch vom 2. März 2009 ausräumen kann, sprich: Wer eindeutig mit Argument und Quellenangabe nachweist, warum Musäus’ Sagen, vor allem die vom kopflosen Reiter, vom Rhein oder woanders her stammen, gewinnt etwas richtig Schönes. Versprochen.

Das nehmen wir gleich als Gewinnspiel den ganzen Februar durch, der ist eh so kurz. Wer mit dem Weichspüler kommt, schuldet mir eine CD.

Fachliteratur zu Totenromantik und Gothic-Ästhetik:

  • Elisabeth Bronfen: Die schöne Leiche: Weiblicher Tod als motivische Konstante von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die Moderne, 1987;
  • dieselbe: Over Her Dead Body. Death, Femininity and the Aesthetic, 1992, deutsch: Nur über ihre Leiche. Tod, Weiblichkeit und Ästhetik, Dissertation LMU München 1993, 1997, Neuauflage 2004.

Bild: Motophil: Viona Ielegems auf dem Leipziger Wave-Gotik-Treffen, 15. Mai 2005.

Written by Wolf

19. January 2010 at 4:07 am

Griffe & Schritte

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Auf der Autobahn dreht sie das Radio an und wippt den Kopf im Takt. Im Dunkeln sehe ich, dass sie lächelt.
   Das Leben ist merkwürdig, flüstert sie, es besteht eigentlich nur aus Griffen und Schritten. Ein paar wenige davon und schon ist alles anders.
   Ich spüre es wieder, dieses Zucken im Zwerchfell.

Juli Zeh: Adler und Engel, 2001.

Bild im Bild: Jörg Gläscher oder David Finck.

Written by Wolf

17. January 2010 at 12:01 am

Posted in Kartenzimmer

(It Must Hurt)

with one comment

Update for Fruit and Flower Painter and Lieb, die Olle:

Art

In placid hours well-pleased we dream
Of many a brave unbodied scheme.
But form to lend, pulsed life create,
What unlike things must meet and mate:
A flame to melt—a wind to freeze;
Sad patience—joyous energies;
Humility—yet pride and scorn;
Instinct and study; love and hate;
Audacity—reverence. These must mate,
And fuse with Jacob’s mystic heart,
To wrestle with the angel—Art.

From: Timoleon, 1891

Image: Matthew Camirand: Herman Melville Tattoo, March 18, 2008.

See Tara Kathleen Murphy: Angels in Music and Art.

Written by Wolf

13. January 2010 at 2:30 am

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