Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for March 2010

Die sichtbare Welt, Das ist Aller vornemsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbildung und Benahmung

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Update zu Durch den Schlick schrammen:

Katalog der
Bibliothek des Deutschen Museums,
München (Exzerpt):

  • Bibliotheca Germanorum. Erotica et Curiosa. Verzeichnis der gesamten Deutschen erotischen Literatur mit Einschluß der Übersetzungen, nebst Beifügungen der Originale. Herausgegeben von Hugo Hayn und Alfred N. Gotendorf. Zugleich dritte, ungemein vermehrte Auflage von Hugo Hayns “Bibliotheca Germanorum erotica”. Verlag Müller & Kiepenheuer, Hanau/München 1968. 9 Bände. Gesch. 090.980
  • Elena Kalis, RhianneHandwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Herausgegeben unter besonderer Mitwirkung von E. Hoffmann-Krayer und Mitarbeit zahlreicher Fachgenossen von Hanns Bächtold-Stäubli. i.e. Handwörterbücher zur deutschen Volkskunde. Herausgegeben Verband deutscher Vereine für Volkskunde Abt. I Aberglaube. Walter de Gruyter & Co. Berlin und Leipzig 1927–42, 10 Bände. Gesch. 090.001
  • Karl Friedrich Wilhelm Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Ein Hausschatz für das deutsche Volk. In 5 Bänden. Neudruck der Ausgabe Leipzig 1867, Scientia Verlag Aalen 1963.
  • Gerhard Dünnhaupt: Bibliographisches Handbuch der Barockliteratur. Hundert Personalbiographien deutscher Autoren des siebzehnten Jahrhunderts. Anton Hiersemann Verlag Stuttgart 1980. Gesch. 120.500: Bände 2.I–III
  • Darwin Holmstrom (Hg.): Das Harley-Davidson Jahrhundert. Moby Dick Verlag Kiel 2003. Gesch. 602.321 (ISBN 3895951927)
  • Helmut Pemsel: Weltgeschichte der Seefahrt. Verlag Österreich/Koehler, Wien 2000, VI Bände. Gesch. 638.052
  • A. B. C. Whipple, Redaktion der Time-Life Bücher: Die Seefahrer. Die Walfänger. Time-Life Bücher, Amsterdam 3. Auflage 1984. Gesch. 638.050
  • Dictionary of American Biography. Edited by Allen Johnson. Charles Scribner’s Sons, New York 1928–1944, 21 volumes. Gesch. 013.821

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  • Wiese, Eigel: Als Moby Dick noch Mocha Dick hieß. Wie ein Stück Weltliteratur entstand: Der fast unbesiegbare Wal aus Herman Melvilles bekanntestem Roman geht auf ein lebendes Vorbild zurück. Enthalten in: Mare. 1999, Nr. 15. Seite 24–27. ZB 9683
  • Elena Kalis, Red DressBarthelmess, Klaus: Neue Erkenntnisse zur Walstrandungsgraphik des 16. Jahrhunderts. Erster Nachtrag zu “Monstrum horrendum” (mit französischer und englischer Kurzfassung). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. 1998, Nr. 21, Seite 157–181. ZA 7022
  • Mehl, Heinrich: Jagd auf den Wal. Enthalten in: Sammler-Journal. Jahrgang 27. 1998, Nr. 2, Seite 124–128. ZB 9056
  • Barthelmess, Klaus: Die Fauth’sche Versuchsanlage auf der norwegischen Walfangstation Hestnes 1938/39 (mit englischer nund französischer Kurzfassung). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Jahrgang 20. 1997, Seite 359–372. ZA 7022
  • Parmentier, Jan: Ostend whalers in Spitsbergen and Davis Strait: The history of the Ostend Whaling Company, 1727–1734. Enthalten in: The American Neptune, Volume 57. 1997, Nr. 1, Seite 19–36. ZB 8879
  • Rossnes, Gustav: Hvalfangstbase OG Kulturminne, Hektor Hvalfangststasjon (mit englischer Kurzfassung). Enthalten in: Norsk Sjøfartsmuseum. Årsberetming. 1996. (1997), Seite 133-154. ZA 7662
  • Barthelmess, Klaus: Fischerei und Walfang — “olympic challengers”. Verstöße gegen Walfangbestimmungen, 1950–1956 (mit englischer Kurzfassung). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv 1996, Nr. 19, Seite 67–86. ZA 7022
  • Horstmann, Jan G.: Deutscher Walfang vor 60 Jahren. Enthalten in: Schiffahrt international. Jahrgang 48. 1997, Nr. 6, Seite 28–29. ZB 5952
  • Barthelmess, Klaus: Neun bemalte Walschulterblätter und ein beschnitzter Wal-Humerus (Oberarmknochen). Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Nr. 17, 1994. Seite 253–272. ZA 7022
  • Schnall, Uwe: Die Wal-Liste des altnorwegischen “Königsspiegels”. Enthalten in: Deutsches Schiffahrtsarchiv. Nr. 17. 1994. Seite 239–252. ZA 7022
  • Busch, Briton C.: The Whaleman’s Newspaper. The Whalemen’s Shipping List and Merchants’ Transcript of New Bedford, 1843 – 1914. Enthalten in: The Log of Mystic Seaport. Volume 44, 1992. Nr. 3, Seite 66–70. ZB 8942

Elena Kalis, Mermaid

Bilder: Friedrich Johann Justin Bertuch: Illustration verschiedener Schiffsmodelle, 12 Bd., Weimar 1790-1830. Nebst: Ausführlicher Text. Von Karl Philipp Funke. 24 Bd. Weimar 1796-1833.
Rotschopfsammlung von Elena Kalis: Rhianne; Red Dress; Mermaid.
Besonders empfohlen wird die Serie Alice in WaterLand.

Lied: Elena Bugado y Fede Comín: Del agua y de ti.

Written by Wolf

29. March 2010 at 12:01 am

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Magian Wine

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Update for The Roof Is On Fire and It Must Hurt:

Südfriedhof München, Magian Wine

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Rotschopf Anna Latysheva, Barb Wire, 22. August 2007Amulets gemmed, to Miriam dear,
       Adown in liquid mirage gleam;
Solomon’s Syrian charms appear,
       Opal and ring supreme.
The rays that light this Magian Wine
Thrill up from semblances divine.

And, seething through the rapturous wave.
What low Elysian anthems rise:
Sibylline inklings blending rave,
       Then lap the verge with sighs.
Delirious here the oracles swim
Ambiguous in the beading hymn.

From: Timoleon, 1891.

 

 

 

Images: Anna Latysheva, Kiev, Ukraine: Barb Wire, August 22, 2007;
Südfriedhof München:

Joh. Georg Heinzelmann
1782–1869
Susette Heinzelmann
geb. Wöhrle von Wöhrburg
1790–1882

Written by Wolf

22. March 2010 at 12:01 am

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Neue Legenden vom Heiligen Patrick

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Update zu A ship, gentlemen:

Es wird dem Menschen von Heimats wegen ein guter Engel beigegeben, der ihn, wann er ins Leben auszieht, unter der vertraulichen Gestalt eines Mitwandernden begleitet; wer nicht ahnt, was ihm Gutes dadurch widerfährt, der mag es fühlen, wenn er die Grenze des Vaterlandes überschreitet, wo ihn jener verläßt.

Jacob & Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen, Vorrede zum ersten Band;
I.: Vom Wesen der Sage, Kassel, am 14. März 1816

Smoking Redhead ClubWie Sankt Patrick nach Irland zurückkommt

Die Zahl der Heiligen in Irrlandt ist Legion, o meine Brüder im Herzen, doch der größte unter ihnen war der heilige Patrick.

Als er, ein Einbürtiger von der Feindesinsel, dem verregneten Wales, von Seeräubern nach Ulster entführt wurde, lernte er trotz einem Leben in Sklaverey als Schafhirte die raue grüne Insel lieben.

Um ihn zu prüfen, verkündigte ein Engel ihm, ins französische Auxerre zu fliehen, wo er sich zum Priester ausbilden ließ.

Darnach war er alt und grau und zählte wohl schon siebenzig Jahr, als Gott sich abermals an ihn wandte, nach Irrlandt zurückzukehren.

Obschon er sich gut an die Schafe und das uisce beatha erinnerte, befand er sich zu alt.

Doch Gott sagte ihm, wenn er nicht folgte, so wolle er ihn mit Nachbarn geißeln, die ihn beständig ausschimpfen und mit ihrem Kehricht vor der Türschwelle und in seinen Ohren behelligen mochten.

Da konnte er ebensowohl wieder nach Irrlandt ziehen. So geschah es, und er tat noch viel Gutes.

Nach Lady Gregory
(15. März 1852–22. Mai 1932), 1926.

Alberto VargasWie Sankt Patrick einmal eine Ehe stiftete

Einmal kam ein armer Pächter zu Sankt Patrick, der sich vermählen wollte. “Vater”, sprach er, “ich bin nur ein armer Pächter vor dem Herrn, den zu verehren du uns gelehrt hast, doch ich will mich vermählen. Doch ich liebe nicht weniger als sieben Mädchen meines Dorfes. Nun sage mir, welche Magd ich freien soll.”

Sankt Patrick bedachte sich und strich seinen langen Bart. Als er sich fertig bedacht hatte, tat er den Mund auf, redete also und sprach: “Nimm die kleine dicke Rothaarige!”

Der arme Pächter hätte nun hingehen können und die kleine dicke Rothaarige freien, wie ihm der Heilige geheißen. Doch er bedachte sich eine sehr kurze Spanne, tat den Mund auf, redete also und sprach: “Woher, o Vater, weißt du denn, dass unter den sieben Mägden meines Dorfes eine kleine dicke Rothaarige dabei ist?”

Da redete der Heilige: “Ist das hier Irland oder nicht? Wo sieben Mädchen beisammen sind, wird doch wohl noch eine kleine dicke Rothaarige unter ihnen sein.”

Das war der arme Pächter zufrieden. Er dankte dem Heiligen, ging hin zu der kleinen dicken Rothaarigen und freite sie, um ein langes leben in Frieden und einem bescheidenen Wohlstand zu führen, sofern dies in Irrlandt möglich scheint. Patrick aber sah nach den anderen sechsen, allen zuvor jedoch nach der großen schlanken Rothaarigen, die vorzüglich kochen konnte.

Nach Flann O’Brien: An Cruiscín Lán.

Mateo Yorke, Warm Water, 11. September 2009Wie der Heilige Patrick einmal eine Hochzeit rettete

Eines Tages kam ein alter Pächter zum Heiligen Patrick und sprach: “Vater, die Not ist groß. Mein Ältester gedenkt sich zu vermählen. Gegen meine Schwiegertochter ist wenig einzuwenden, denn sie ist eine tüchtige kleine dicke Rothaarige, doch was soll ich tun, um das Hochzeitsmahl auszurichten? Ich habe nur einen Hahn und eine Henne, die ich schlachten kann. Schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Wann ist die Hochzeit?” erkundigte sich der Heilige Patrick.

“In vier Wochen, o Vater!”

“Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon in drei Wochen zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Das weiß ich, mein Sohn. Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon in zwei Wochen zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Das weiß ich, mein Sohn. Komm wieder in einer Woche, so soll dir Antwort zuteil werden.”

Nachdem diese Woche ins gesegnete grüne Land gezogen, sprach der alte Pächter wieder beim Heiligen Patrick vor.

“Vater!” sprach er, “die Not ist groß! Mein Ältester gedenkt sich schon nächste Woche zu vermählen, und schlachte ich den Hahn, grämt sich die Henne. Schlachte ich die Henne, grämt sich der Hahn. Was tun, was tun?”

“Ich erkenne deine Not, mein Sohn”, gab der Heilige Patrick zur Antwort, und: “schlachte den Hahn.”

“Aber Vater!” entsetzte sich der alte Pächter, “so grämt sich die Henne!”

“Das weiß ich, mein Sohn”, sprach der Heilige Patrick in seiner grenzenlosen Weisheit, “soll sie sich grämen.”

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Lesender Rotschopf

Bilder: Smoking Redhead Club; Alberto Vargas; Mateo Yorke: Warm Water, 11. September 2009; selber gemacht, 2006.

Written by Wolf

17. March 2010 at 12:01 am

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The Last Shanty

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Update for Go to Sea No More (than seven times) and the current Lieblink:

With this capstan chantey and the appropriate theme of “Go to sea no more,” Stan Hugill ends his collection of the work-songs from the great Age of Sail.

[W]e hope that our effort to give these shanties in as truthful a manner as possible will help those who are interested to savour, for perhaps the last time, the genuine saltiness, rhythm, and vigour of the inimitable true song of the sea…THE SHANTY.

I echo those words as I submit this last video to complete the project of recording all* the chanties that Hugill set down in print in his text, SHANTIES FROM THE SEVEN SEAS (1961; *abridged edition, Mystic Seaport, 1994).

For the uninitiated, Stan Hugill was an ex-merchant seaman that was among the very last generation to actually use these work-songs over deep water. This brought his collection of songs, the very largest and, in a way, also the *last* of its kind, a special resonance. Hugill was influential as a performer, and his text has been singularly influential on the latter-day singing of chanties (i.e. as a revived practice). However, very many of the chanties he collected have remained unknown, little-known, or known in very different forms. One goal of this project has been to translate his printed page into an audio form, whilst also re-examining assumptions about each one. Another goal (the list is endless!) has been to introduce these forms to people other than the usual audience and to suggest through example that chantey-singing is an adaptable form that can be fresh and relevant to current generations.

I am grateful to my kind “virtual collaborators” who lent their voices to this video milestone:

I also want to thank all of my subscribers, in-person collaborators, and those who have supported and commented on the project over 2 years (so far — the project continues with the unabridged edition!).

With a salt tear dimming the eye,

‘Ranzo’

***************

*EXTRAS*

Other virtual chantey collaborations:

Of course, all the in-person collaborations…and all the other chanties!…can be found in the following two playlists, containing over 300 work-songs of the sea:

Trivia:

  1. Here is the very first video I recorded in this project, 27 April, 2008; things have come a ways!
  2. I often compose or ad-lib verses to chanties. Here is an example of one where all the verses are new — a birthday chantey to myself!
  3. Here are my 3 *current* “favourite” chanties (not the recordings, but the chanties themselves). Incidentally, I think they give a feel for the deep “origins” of the chantey genre.

Hulton “Ranzo” Clint on The Anglesey (a YouTube collaboration), March 10, 2010.

Great bleeding awesone work, mate. This is one the best actions all of us ever met on this beloved kindergarten we call the internet… aw pish tosh, it is the best. Congratulations for this documentary achievement and all the joy you brought in. Hope to hear from you really soon again.

Written by Wolf

11. March 2010 at 7:37 am

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Alles nur Theater…?

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Jürgen hat Kapitel 36: Das Achterdeck gelesen:

Jürgen Jessebird SchmitteEs gibt Autoren, deren Romane lesen sich streckenweise wie Drehbücher für den Film, zu dem sie einmal werden wollen. Bei manchen Passagen in den Werken von Dan Brown oder Michael Crichton kann man sich nicht nur die Szene selbst vorstellen, sondern sieht vor seinem geistigen Auge auch schon die Kameraeinstellung…

Eine solche Stelle ist auch Kapitel 36 — voller bedeutungsschwerer Handlungen, tiefer Symbolik und aufwühlender Dialoge. Der Traum eines jeden Regisseurs. Bloß: Es gab kein Filmbusiness zu Melvilles Zeit und den Moby-Dick auf eine Theaterbühne zu bringen, dürfte auch nicht in der Absicht des Autors gelegen haben.

Wenn wir hier also kein verkapptes Drehbuch haben, was dann? Nun, vielleicht doch ein Theaterstück? Aber eins, das nicht für uns, die Leser, aufgeführt wird, sondern für die Crew der Pequod — die gleichzeitig Statist und Publikum ist. Regisseur & Hauptdarsteller: Captain Ahab.

Nino Sandow Arbeitsbuch. Moby Dick - AmbosskopfEine glänzende Inszenierung! Ahab ruft sein Publikum zusammen, legt dann aber nicht sofort los, sondern steigert die Erwartung, indem er erst wortlos ein paar Runden dreht:

…and as though not a soul were nigh him resumed his heavy turns upon the deck.

Das Publikum wundert sich. Dann legt Ahab los, kein langweiliges Monologisieren, gleich den Zuschauer mit einbinden:

“What do ye do when ye see a whale, men?”

“Sing out for him!” was the impulsive rejoinder from a score of clubbed voices.

Ahab hat sein Publikum von Anfang an in der Hand, und als „erste befremdete Blicke“ auftauchen, spielt er seinen nächsten Trumpf aus.

Während er seiner Crew von weißen Wal erzählt, hält er ihnen gleichzeitig ein Goldstück vor, das er dem verspricht, der als ersten diesen Wal sichtet. Ziemlich clever, statt Furcht kommt gierige Vorfreude auf.

“Huzza! huzza!” cried the seamen, as with swinging tarpaulins they hailed the act of nailing the gold to the mast.

Juneau Empire, Subsistence, obsession and a new Moby DickEs ist nicht Ahab, der den Namen des Wals als erster nennt, Tashtego ist es — und den anderen Harpunieren ist er auch kein Unbekannter. Ihre Worte und Starbucks Frage “Captain Ahab, I have heard of Moby Dick — but it was not Moby Dick that took off thy leg?” bringen Ahab etwas aus dem Konzept:

“Who told thee that?” cried Ahab; then pausing,

Dann gelingt es ihm, seine Leidenschaft auf die Mannschaft zu übertragen:

“Aye, aye!” shouted the harpooneers and seamen, running closer to the excited old man: “A sharp eye for the white whale; a sharp lance for Moby Dick!”

Nur einen kann er nicht überzeugen: Starbuck. Mit ihm muss er „tiefer schürfen“, ihm erklärt er seine Philosophie: „I’d strike the sun if it insulted me.“ Doch auch das ist eine Vorstellung, eine Privatvorstellung für Starbuck. Als Ahab seinen Text abgeliefert hat, wendet er sich — (Aside) — an wen eigentlich? Doch an uns, die Leser? Oder vielleicht an jemanden, mit dem er auch sonst seine Pläne bespricht, der aber noch gar nicht aufgetaucht ist?

Jedenfalls schein Ahab zufrieden zu sein mit seinem Monolog:

Starbuck now is mine; cannot oppose me now, without rebellion.

Moby Dick Returns to YoughalDass Ahab hier falsch liegt, wird schnell klar: Stoßseufzen, Lachen aus der Last, Wimmern des Windes, Schlagen der Segel — Special Effects würden wir das heute nennen, die in diesem Fall wirklich an den Leser gerichtet sind:

But in his joy at the enchanted, tacit acquiescence of the mate, Ahab did not hear his foreboding invocation; nor yet the low laugh from the hold; nor yet the presaging vibrations of the winds in the cordage; nor yet the hollow flap of the sails against the masts, as for a moment their hearts sank in. For again Starbuck’s downcast eyes lighted up with the stubbornness of life; the subterranean laugh died away; the winds blew on; the sails filled out; the ship heaved and rolled as before. Ah, ye admonitions and warnings! why stay ye not when ye come? But rather are ye predictions than warnings, ye shadows! Yet not so much predictions from without, as verifications of the fore-going things within. For with little external to constrain us, the innermost necessities in our being, these still drive us on.

Nun folgen noch ein paar magisch anmutende Rituale, gemeinsames Trinken, die gekreuzten Lanzen (fast eine Art Segnung), schließlich der Todesschwur auf Moby Dick, verdeutlicht durch den Trunk aus den Harpunenmuffen. Das alles dient ganz offensichtlich nur dem Zweck, die Mannschaft zu beeindrucken. Ihn selbst bewegt das wenig, wie man an seinem Abgang sieht, eine Handbewegung, „alle gingen auseinander, und Ahab zog sich in seine Kajüte zurück.“

Bilder: Nino Sandow Arbeitsbuch: Moby Dick — Ambosskopf;
Juneau Empire: Subsistence, obsession and a new Moby Dick, 17. Mai 2001;
Moby Dick Returns to Youghal, 30. März 2009.

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Rotschopf des Tages: Sonny Burgess: Red-Headed Woman.

Written by Wolf

7. March 2010 at 12:01 am

Posted in Steuermann Jürgen

Because all I have left is the voice of the wind

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Katzenjammer kultivieren Kuddelmuddel.

Bernhard Blöchl:
Gut geschnurrt,
Süddeutsche Zeitung,
18. September 2009.

The wind is a-whipping through the open doors
Speaking of the sea and the rolling waves
Maybe there’s a ship at the bottom now
or struggling on the surface with a cry for help
Wish I could forget and let the years go by
Wish I could escape from my dreams of you
Twenty years ago it was a howling storm
as the voice of a god from a great beyond
I was standing on the shore as the sky grew dark
with a hand on a bible and a hand on my heart
Wish I could forget and let the years go by
Wish I could escape from my dreams of you.

Ketzenjammer (nicht die Kids): To the Sea.

Katzenjammer sind: Rotschopf Turid Jørgensen mit dem alleinstehenden Grinsebass, Solveig Heilo an Schießbude und Tröte, Marianne Sveen an Schießbude und allem, was drei bis zwölf Saiten hat, und Anne Marit Bergheim an Klavizimbel, fünfsaitigem Morgan-Banjo und sonstigem Zupfwerk, aber letztendlich alle an allen Instrumenten; Tuva Andersen ist ausgestiegen. Vielleicht weiß sie, warum.

Frau Fernseh hat’s bemerkt, und wir bitten um freundliche Beachtung des Waldes von Links auf Katzenjammers offizieller Webpräsenz.

Bilder: Andreas Ehrig: Katzenjammer (Norwegen) im Zwischenbau; Mathias Fossum für Myspace & Facebook.

Written by Wolf

6. March 2010 at 9:00 pm

Posted in Moses Wolf

Er nennt’s Vernunft

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Elke hat Kapitel 36: Das Achterdeck gelesen:

Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst
Und fragst, wie alles sich bei uns befinde,
Und du mich sonst gewöhnlich gerne sahst,
So siehst du mich auch unter dem Gesinde.
Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen,
Und wenn mich auch der ganze Kreis verhöhnt;
Mein Pathos brächte dich gewiß zum Lachen,
Hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt.
Von Sonn’ und Welten weiß ich nichts zu sagen,
Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen.
Der kleine Gott der Welt bleibt stets von gleichem Schlag,
Und ist so wunderlich als wie am ersten Tag.
Ein wenig besser würd er leben,
Hättst du ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein,
Nur tierischer als jedes Tier zu sein.

Faust I. Prolog im Himmel. Mephistopheles.

Elke HegewaldSchauplatz Achterdeck.

Und was für einer in der Inszenierung der Jagd auf den weißen Wal! Mit Pathos und großem Auftritt und Monolog des entmasteten Helden und Rächers, für und wider dessen Heldenstatus weiter gestritten werden darf. Ein Aufzug mit grummelndem Konflikt und kursiv geklammerter Regieanweisung…

Das Achterdeck des Schiffes ist – ein Sternbild, in unseren Breiten nicht vollständig am südlichen Winterhimmel sichtbar. Bei den alten Griechen gehörte es noch – wie sich das für ein ordentliches Achterdeck (Puppis) auch gehört – zu einem ganzen Schiff im Sternenmeer, dem Argo Navis nämlich. In trauter Gemeinschaft mit dem heute der himmlischen Übersichtlichkeit halber sich ebenfalls eigenständig blähenden Segel (Vela) und dem am Grunde funkelnden Kiel (Carina) des Schiffes. Und der zum Navigieren des Himmelsseglers nötige Schiffskompass (Pyxis) ist ein paar läppische Lichtjahre neben der Bordwand in die Fluten der Milchstraße gefallen – na, wenn das mal gut geht!

Nun, der mythologische Ausgang der Mission des später am Firmament vertäuten Heldenklippers ist bekannt: Es ging gut, jedenfalls solange, bis Captain Jason später seine hilfreich angetraute Medea mit einer neuen Flamme und Zweckehe betrog, Orpheus stimmte einen Shanty nach dem andern an und die Mannschaft entriss dem tödlichen Drachen den Pelz des güldenen Widders. Wofür die von astraler Heroenarchitektur nur so strotzende Antike sich mit einem Platz am Himmel für Schiff und Schafbock nicht lumpen ließ.

Argo constellation on Jan Ridpath's Star TalesDoch Nantucketer Waljäger sind nicht die alten Griechen und keine Argonauten, Ahab ist nicht Jason und der weiße Wal erst recht nicht das Goldene Vlies, sondern für den Walbeinernen wohl eher der blutrünstige Drache. Wie auch, was einem hoffentlich nicht als fieser Spoiler ausgelegt wird, die Pequod in die entgegengesetzte Richtung der Argo segeln wird, nicht himmel-, sondern direktemang höllenwärts.

Die “heroische” Mission, über die der zugegeben nicht mehr ganz arglose Moses von Leser hier zusammen mit der arglosen Mannschaft ins Bild gesetzt wird, gemahnt ihn denn auch gleichsam an einen Pakt mit Satans Stellverteter persönlich. Der zieht alle Register der Versuchung und Argumentation. Nagelt den materiell aufgezogenen Fischerschädeln blankgeputztes Gold an den Mast. Kitzelt mit dröhnenden Engelszungen die Draufgänger an ihrer heldischen Verwegenheit, den berechtigten Zweifler und Warner Starbuck an der braven Handwerkerehre. Und wo die nicht reicht, rhetorikt er mit seiner manisch gepäppelten Entschlossenheit, “selbst die Sonne [zu] schlagen”, dessen (schon vor zehn Kapiteln ausgemachte) schwächelnde Seelenstärke in Grund und Boden und ihn selber ins Gefolge zurück. Diesem hämmert er wie ein Feldherr seinen Soldaten vor dem Kampf die vertrauten Schlachtrufe der ewigen Waljäger in den Isolatohirnen zurecht. Und lässt es auch an pathetischen Gesten vom Lanzenkreuzen bis zum Treueeid und an Feuerwasser im Harpunenschaft zum Besiegeln desselben nicht fehlen.

Ein Spektakel, das ungeachtet der versteckten Lacher aus der Mannschaft, der hilflos aufzuckenden Vernunft des Einen und des gelegentlichen Gedankens ‘Der hat sie nicht mehr alle!’ seine Wirkung nicht verfehlt. Er hat sie, alle! Hat das Zeug zum Volksverführer und Seelen(ver)käufer. Und er, Ahab, allein weiß, wozu er diesen Auftritt braucht: Ohne sie ist er nichts auf der nun anhebenden Hatz gegen Moby Dick, diese Mauer, hinter der nichts mehr ist. Doch er kann den uferlosen Hass gegen “dies unfassbare Ding”, der sein Ahab-Universum beherrscht, noch so großtönend als hehres Ziel verkaufen (“Wer steht denn über mir? Wahrheit kennt keine Grenzen.”), kann noch so sehr den Kolumbus spielen, der dem ersten Aussänger des Landes Wal die Belohnung verspricht. Oder den Helden, der das in seiner entmasteten Kapitänswelt ausgemachte Böse herausfordert, sei es nun Urheber oder Werkzeug.

Es bleibt der erschauernde Einwand der Vernunft:

“Rache an einem stummen Tier! [...] das einfach dich aus blindem Trieb getroffen! Ein Wahnsinn! Zu wüten gegen ein stummes Ding, Kapitän, erscheint mir grad wie Gotteslästerung.”

Starbuck im Jendis, Seite 273.

Es bleibt… der Zweifel, was von einem Helden übrig bleibt, der keine Grenzen kennt. Der seine Fehde mit dem Leben, die Rettung seiner Welt und Ehre auf dem Rücken anderer austrägt. Anderer, die ihre eigenen Gründe haben, mit ihm auf einem Schiff zu fahren. Mit deren Leben er die seinen Dublone für Dublone bezahlen und sich verschulden wird. – Wovon aber die andern auch nichts mehr haben werden…

Was rumort da in ihm und kann nicht aufhören, was treibt ihn, diesen Ahab?

Der Nantucketer Nathaniel Philbrick, zwar Schreiber, doch als alter Segler (see)fest mit zwei gesunden Beinen auf schwankenden Achterdecks stehend, diagnostiziert es knallhart als Psychotrauma, die “quälende Erinnerung” geheißen. Und sein vorsorgliches Hinzuzitieren eines Philosophen (den wir uns hier schenken) lässt die darum nicht mystischer werden:

Captain Ahab by Old EtcherFür die meisten Unglücksopfer sind die wiederholten Rückblenden einer quälenden Erinnerung therapeutisch hilfreich, da sie die Leidenden nach und nach von Ängsten befreien, die andernfalls ihre Fähigkeit weiterzuleben beeinträchtigen könnten. Manche werden die Erinnerung allerdings nie los. Gestützt auf Chases Bericht, schuf Herman Melville mit seinem Kapitän Ahab einen Mann, der aus den seelischen Abgründen, in denen sich Chase in jenen… schlaflosen Nächten wand, nie auftauchte. Genau wie Chase glaubte, dass der Wal, der die Essex angegriffen hatte, mit “entschlossener, berechnender Bosheit” vorgegangen war, wurde Ahab von der Vorstellung verfolgt, der weiße Wal sei ein Wesen, bei dem sich “grenzenlose Kraft mit unerforschlicher Arglist” paarte. Eingesperrt in sein privates Horrorkabinett, war Ahab der festen Überzeugung, sein einziger Ausweg bestehe darin, Moby Dick zur Strecke zu bringen. “Wie kann der Gefangene nach draußen kommen, wenn nicht durch die Mauer? Für mich ist der weiße Wal diese Mauer, die dicht vor mir steht.”

Nathaniel Philbrick: Im Herzen der See, Karl Blessing Verlag München 2000, Seite 146.

Ein Franzose sucht es uns aus dem Moby-Dick der politischen Ökonomie des Kapitalismus, Marxens “Kapital”, herauszuoperieren, mit überraschenden und lesenswerten Erkenntnissen:

Captain Ahab by Jim Nichols UFO ArtJede Wette, dass er – abgesehen von der persönlichen Rechnung, die er mit der sublimen Käscherin, der riesigen fahlen Schneppe, der ewigen Aufreißerin der Weltmeere offen hat –, dass er also den großen Kuchen anpeilt, die legale Sprengung der Allgemeinen Seekreditbank, das Geschäft der Geschäfte, an das alle denken, seit der Kopf des Pottwals ausgeweidet wird: der ganze Reichtum, das ganze virtuelle Kapital, das das Untier im Kopf hat, der unendliche Reichtum, den eine Mutter Courage, Libuše, Zigeunerin, Gipsy von Prag in der Tasche trägt in Form eines nicht übertragbaren Talismans. [...]

Ahab ist der Ungeist der List ökonomischer Vernunft, die bewirkt, dass das Vorankommen der Menschheit, ihr besseres Befinden, die Verlockung des Gewinns, die verfluchte Gier nach Gold durchmacht (auri sacra fames, wiederholt Marx kapitellang, wenn er nicht Shylock zitiert) [...] ist ein Menschenführer, der die Seinen ins Verderben steuert unter dem Vorwand, er biete ihnen eine Möglichkeit zum Geldverdienen. Darin reicht seine Geschichte an die großen historischen Farcen heran: oder ähnelt dieser Hitchcock-Sequenz, in der ein toll gewordenes Karussell nicht mehr zum Stehen kommt. [...] es gibt Dutzende Tote! Hier wird nur Ishmael übrigbleiben. Bis auf ihn gehen alle baden: Seeleute, Reeder, Bankiers, Versicherer.

Jean-Pierre Lefebvre: Die Arbeit des Wals. Red Moby &/or: Das Kapital, im Rathjen-Moby, Zweitausendeins. Frankfurt am Main 2004, Seite 835 f.
Erstdruck in: Schreibheft, Zeitschrift für Literatur 37, Essen 1991.

[Anmerkung: Der Rote Moby wird hier nochmal ausführlich und gehörig zu repetieren sein, der Lefebvre stellt um den kapitalen Wal und den schon mal so daherzitierten Profitjäger Ahab noch so viel anderes auf, das man selber bis zu ihm noch gar nicht gedacht hat. Und außerdem: wo wir doch Rotschopfwochen haben, oder?]

Hmm… ist er nun also eine arme, gequälte Kreatur, der finstere Ahab, ein gefährlicher Irrer, dämonischer Visionär und Verweser oder nur eine suchende verlorene Seele? Ein Mensch, der irrt, solang er strebt?
Und was hätte er denn nun endlich dem Drewermann auf der Couch erzählt, wenn der sich jemals steuerbord einer solchen therapeutisch betätigt haben täte?

Wir wissen es (noch) nicht.

Wenn wir eins wissen, dann, dass wir im Angesicht monumentaler Melvillescher Kapitel als mikroskopische Mensch- und Leserlein manchmal mit Bloggerverdrängungssymptomen reagieren – über Monate. Dass wir dann – manchmal – lieber mit den Augen am Himmel nach Argo Navis suchen. Und uns, wenn unser Walfischprinzip wieder halbwegs funktioniert und der Spuk vorbei ist, staunend und mit einem leisen Lächeln nach ihm umsehen…

Die Winde wehten wieder, die Segel blähten sich, das Schiff stampfte und schlingerte wie zuvor.

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Ach, und fällt jemandem vielleicht noch ein passenderer Soundtrack ein als der hier?

Denn scheint dieser Ahab nicht irgendwie… nicht erwachsen genug (als wäre das ein Makel), nicht tragisch genug und seine Fantasie nicht düster genug – kurzum: Ist er nicht zuuu alternativ?

Aber eine lichte und hübsche Vorstellung ist’s schon: Ismael hockt auf dem Bugspriet, bläst melancholisch in seine Mundharmonika und summt vor sich hin:

And if I ever lose my legs,
I won’t moan, and I won’t beg,
Oh if I ever lose my legs, Oh if
I won’t have to walk no more.

Yeeeah-aye. Oder?

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Ingoetzel, Alice in Austinland, 27. November 2009

Bilder: Jan Ridpath’s Star Tales; Old Etcher; Jim Nichols UFO Art
sowie als Tribut an die laufenden Rotschopfwochen und des Roten Lefebvres Filmschaffen:
Leah Ingoetzel mit dem Lenin: Alice in Austinland, 27. November 2009.
Soundtrack: Cat Stevens: Moonshadow aus: Teaser and the Firecat, 1971.

Written by Wolf

4. March 2010 at 12:01 am

Posted in Steuerfrau Elke

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