Write! Comrade, write!
Außer dass Elke als einzige Siegerin im Mai-Gewinnspiel schlau genug war, den ihr zustehenden Preis einzutreiben (smashill, auf deine Adresse warte ich noch!), hat sie auch Anspruch zu sehen, was aus ihrem Beitrag geworden ist.
Als sinnvollster Text für Christina Dichterliebchen erschien mir das Gedicht von Emily Dickinson, das Elke ausgegraben hat. Sinnvoll deswegen, weil Frau Dickinson sich zeit ihres freudlosen Lebens in einer metaphysischen Definition als “Barfußdichterin” betrachtete und Frau Dichterliebchen selten in etwelchem Schuhwerk angetroffen wird; sinnvoll, weil Frau Dickinson gerade im Mai Todestag hatte und Frau Dichterliebchen auf dem ausgeschriebenen Bild eine jubelnde Daseinsfreude an den Tag legt.
Sinnvoll also wegen der Parallelen Dickinson—Dichterliebchen — störend nur, dass es ausgerechnet einen Schiffbruch beschreiben muss. Nun hielt sich Frau Dickinson zwar den größten Teil ihres Lebens in ihrem Kinderzimmer auf, wo die selbsterklärte Barfußdichterin nach allem Dafürhalten nicht gerade in genagelten Bergstiefeln umhersaß, besang jedoch oft und vielschichtig das Meer mit seiner Weite und unerschöpflichen Symbolik. Und siehe, es gibt eins von ihr, das kaum besser passen könnte, gerade auch weil zusätzlich die Unterüberschrift einen Vergleich zum Schreiben in das Seefahrerthema trägt — sogar in zwei Versionen. Verwendet hab ich die erste, weil in der zweiten der Bezug zum Schreiben entfernt wurde, und weil typographisch schlichter und deshalb in einem handgeletterten Cartoon eindeutiger darstellbar:
On this wondrous sea
Write! Comrade, write!
On this wondrous sea
Sailing silently,
Ho! Pilot, ho!
Knowest thou the shore
Where no breakers roar —
Where the storm is o’er?In the peaceful west
Many the sails at rest —
The anchors fast —
Thither I pilot thee —
Land Ho! Eternity!
Ashore at last!Emily Dickinson, 1858.
Der neue Scan mit der Sprechblase sieht gleich viel lebendiger aus, ne? Danke fürs Draufstoßen, Elke!
Bild in Flickr.









Okay, du hast gewonnen. ;o)
Und jede Barfußdichtung, die Dichterkindes Über-Lebensfreude noch lebendiger überschäumen lässt (was im aktuellen Fall ja kaum noch geht), ist akzeptiert (schon wegen der Dichteransprache als Unterüberschrift).
Die Schiffbruchausgrabung kam mir beiläufig aus meiner zweisprachigen Ausgabe an Emily-Poemereimerei, die einen neben aller Seefahrerei und Sonstigem aus dem Kinderzimmer wiederma deren Übersetzlichkeit hinterhergrübeln lässt.
—-Heeeh, aber wer soll hier was ‘eingetrieben’ haben!? Nix da, nie wäre ich so anmaßend. Und der Spaß ist eh das Größte daran. Drum: Gern geschehen! :o)
hochhaushex
31. May 2010 at 1:32 am
Es gab schon mal eine zweisprachige Dickinson zu unseren Kinderzeiten? Ui.
Wolf
31. May 2010 at 7:26 am
U n s e r e Kinderzeiten? Hehe, wer hat denn hier aus Frollein D i c k i n s o n s Kinderstube geplaudert? ;o)
Aber es stimmt trotzdem, seh ich grad. Meine zweisprachige Emilie scheint ein ewiges 1970er Reprint von 2008 aus dem ewigen Hause Reclam zu sein. :o)
hochhaushex
3. June 2010 at 6:05 pm
Tatsache, Reclam hat sowas. Dabei leisten die sich nicht mal mehr ihren Moby-Dick.
Und wie is die Übersetzung so? Auffallend übelsetzt oder mit blinkenden Highlights?
Wolf
4. June 2010 at 7:39 am
Vielen Dank für den fantastischen Post. Ich war letzte Woche schon einmal auf dem Blog hier. Mal sehen, unter umständen weist mich die große Suchmaschine ja noch einmal hier her.
Sandra Neumann
6. June 2010 at 1:57 pm
Bestimmt! Solche Homepages kommen ja überall hin.
Wolf
6. June 2010 at 2:03 pm