Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Wale machen Wind für saubere Energie

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Update zu Sushiideen und Designer retten schützen gewinnen:

Dass mir das wieder nicht eher aufgefallen ist. Volker Strübing slammt und verströmt grundsympathisches Air im Übermaß: am Sonntag, den 11. März 2012 im Substanz. Zum Anfixen verlautet ungekürzt sein:

Maßnahmen zur Weltrettung – Heute: Ressource Wal in: Schnipselfriedhof, 19. Februar 2012:

Hinsichtlich des kürzlich vor Belgien gestrandeten Pottwals Teofiel, der jetzt zu Biodiesel verarbeitet werden soll, stellt sich natürlich sofort die Frage, inwieweit Wale zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Allein der aus diesem Tier gewonnene Brennstoff liefert immerhin genug Strom, um 14 Haushalte ein Jahr damit zu versorgen. Beim Wal handelt es sich also um einen nachwachsenden Rohstoff von großem ökonomischen und ökologischen Potential.

Volker Strübing, Wale machen Wind für saubere EnergieInsbesondere sei hierbei darauf hingewiesen, dass die Gewinnung von Bio-Diesel aus Walfett gegenüber dem Anbau herkömmlicher Energiepflanzen wie Raps, Soja oder Ölpalmen den Vorteil hat, das weder Regenwälder gerodet, noch eigentlich für den Nahrungsmittelanbau nötige Ackerflächen umgewidmet werden müssen. Die beiden großen Probleme der Biobrennstofferzeugung wären elegant umgangen, kein Baum müsste für Waldiesel sterben, kein Teller bliebe leer – außer vielleicht in Japan, Island und Norwegen, aber der Verzehr von Walfleisch in diesen Ländern stellt ohnehin eine untolerierbare Barbarei dar. Die gutmütigen und intelligenten Riesen sind viel zu schade zum Essen.

Schon einmal zeigten sie, welches Potential in ihnen steckt. Im 19. Jahrhundert gab es in mehreren europäischen Großstädten eine öffentliche Straßenbeleuchtung mit Waltranlaternen. Aufgrund der Ruß- und Geruchsproblematik, der geringen Lichtausbeute und gewisser logistischer Schwierigkeiten, die allabendliche Betankung und Entzündung betreffend, sind diese natürlich keine ernstzunehmende Alternative zur elektrischen Straßenbeleuchtung mehr.

Die Umwandlung von Walen, diesen ebenso liebenswerten wie energiereichen Meeressäugern in Biodiesel hingegen stellt eine zeitgemäße Art dar, unseren flossenbewährten Freunden einen angemessenen Platz im nachhaltigen, umweltschonenden und ethisch korrekten Energiemix der Zukunft zuzuweisen. Denkbar ist zum Beispiel die Verwendung des Waldiesels zum Betrieb riesiger Ventilatoren, die direkt vor Windkraftanlagen aufgestellt werden, um drohende Spannungsabfälle an windarmen Tagen zu vermeiden, und so die Windenergie berechenbarer und handhabbarer zu machen.

Für die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung würde eine Imagekampagne der Windparkbetreiber sorgen. Ich seh sie schon vor mir: Ein lächelnder Comicwal, der in eine Spielzeugwindmühle pustet und dazu der Spruch: Wale machen Wind – für saubere Energie.

Natürlich ist es dafür entscheidend, eine dauerhaft ausreichende Versorgung mit den gemütlichen, hübsche Lieder singenden Moppelchen der Meere sicherzustellen. Zu Zeiten der Waltranbeleuchtung ging man leider etwas achtlos mit der Ressource Wal um, weshalb die Waljagd heute nicht mehr ausreichen kann, die benötigten Walmengen bereitzustellen. Und auf gelegentliche verirrte Strandwale zu warten, kann auch nicht die Lösung des Problems sein. Die gute Nachricht ist, dass für ein Land wie Deutschland schon die vergleichsweise kleine Zahl von 1,2 Millionen Pott- oder sogar nur 0,7 Millionen Blauwalen ausreicht, um sage und schreibe 12,3 Prozent des Gesamtenergiebearfs zu decken.

Alternativ ließe sich dieselbe Menge auch durch Verdieselung des dicksten Viertels der US-amerikanischen Bevölkerung erzielen, allerdings gilt diese Bevölkerungsgruppe in Amerika als strategische Energiereserve für den Fall eines arabischen Ölembargos. Die Ausfuhr stark übergewichtiger Amerikaner, auch ins befreundete Ausland unterliegt daher strengen Beschränkungen.

Die Walversorgung muss daher mittels Walfarmen sichergestellt werden. Zum Glück sind Wale, diese tot auf dem Strand liegend so rührend hilflos wirkenden, im Wasser aber sehr agilen und eleganten Giganten, sehr gesellige Tiere, wie geschaffen für die massenhafte Haltung in relativ kleinen Unterwasserkäfigen in Nord- und Ostsee.

Darüber hinaus könnte die Walzucht auch dem Tourismus in der Region neue Impulse geben. Insbesondere Massenschlachtungen in kleinen Buchten wären ein Besuchermagnet, der viel geld in chronisch unterentwickelte Regionen bringen würde. Gegen eine entsprechende Gebühr etwa könnte der Tourist sich einen der lustigen Gesellen reservieren lassen und ihn mithilfe einer Art Speer vom Ruderboot aus höchstpersönlich seiner höheren Bestimmung im Rahmen der Energiewende zuführen. Denkbar sind ferner unvergesslich romantische Hochzeitsfeiern. Denken Sie nur an das Hochzeitsfoto: Der Ehemann im Smoking, bis an die Knie im Wasser stehend, dem tausend ausblutende Moby Dickerchens die Farbe der Liebe verliehen haben, auf den Händen die Braut im weißen Hochzeitskleid, Sonnenuntergang, das ganze Programm halt, wenn ich nochmal heirate, dann nur so.

Selbstverständlich sind vorher noch einige Vorbehalte seitens von falsch verstandener Tierliebe geleiteter sogenannter „Walschützer“ auszuräumen. Hierbei ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Wale, wenn sie denn wirklich so intelligent sind, wie allenthalben behautet, die ersten wären, die meinem Vorschlag zustimmen würden.

Es ist doch so: Der Wal steht vor einer historischen Entscheidung. Will er wie bisher fröhlich und gedankenlos in den Tag hineinleben, seine ulkigen Lieder pfeifen und auf das Aussterben warten? Oder ist er endlich bereit, Verantwortung für sich und den ganzen Planeten zu übernehmen und sich Seite an Seite mit seinem besten Freund, dem Menschen, dem Klimawandel und der Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas entgegenzustellen? Der Wal kann hierbei nur gewinnen. Der Mensch versorgt ihn mit Nahrung und gewährleistet seine massenhafte Vermehrung. Und wie schon andere Tierarten vor ihm – genannt seien das Schwein, die Kuh oder der Hund – käme der Wal in den Genuss einer durch planvolle Züchtung beschleunigten Evolution und stetigen Verbesserung. Sicher sind damit gewisse Einbußen an Lebensqualität und Freiheit verbunden, und auch die Aussicht, bei Erreichen der Volljährigkeit zu Diesel verarbeitet zu werden, mag nicht allzu erfreulich erscheinen, doch die Einsicht in die Notwendigkeit, der Stolz auf die eigene Rolle bei der Rettung des Planeten und das Wissen um die zahlreichen Vorteile für die eigene Spezies, wird den klugen und emfindsamen Trantönnchen die Unannehmlichkeiten versüßen.

Ich sage: Eine bessere Welt ist möglich. Wir haben die Wal. Denn wir haben den Wal!

Tori Mercedes Walls, i am a pirate you are a princess, 1. Januar 2011

Text & Bild: Volker Strübings & Andreas Krenzkes Schnipselfriedhof, 19. Februar 2012;
anderes Bild (mit Wind drin!): Tori “Mercedes” Walls: i am a pirate you are a princess, 1. Januar 2011.

Written by Wolf

10. March 2012 at 12:01 am

Posted in Meeresgrund

2 Responses

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  1. Da schau, noch so ein Schnipselsammler, der sich auf dem Strübing seinem Friedhof rumtreibt. :o)
    Mir w a r der da schon eher aufgefallen, der weltrettende Ansatz vom rettungslosen Teofiel-Moby. Und darauf konnte man auch kommen bei einem, der sich schon früher gefragt hat, ob man aus Walfleisch auch Würste machen kann. Der sogar schon auf Jan-Mayen-Island war.

    Und der überhaupt dauernd in unseren Lieblinxthemen rumlebt — kennst du schon Mister & Missis.Sippi? Falls nicht, sag Bescheid, auf meiner DVD-Recorder-Festplatte bruzzelt so einiges rum. ;o)

    hochhaushex

    17. March 2012 at 9:12 am

  2. Schauschau, was die Mitsegler alles sammeln, wenn man nicht hinschaut :o) Mir war nicht mal klar, dass der Strübing so viel braut, und selber krieg ichs wieder nicht mal hin, ihn im Substanz zu besuchen, wenns den schon mal zwischen Twain und Thule in München anschwemmt. Ein umtriebichter Mensch.

    Wenn du irgendwann schon mal beim Zeugeinpacken wärst…? :o)

    Wolf

    17. March 2012 at 10:45 am


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