Archive for the 'Kajüte' Category

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Perissodactyla

29. April 2008

Update zu I’m fucking Ibiza:

Verpasste Gedenktage: Am 27. April war Welt-Tapir-Tag (wieder mal danke an Cohu für Aufmerksamkeit)!

Als Ersatzgewinnspiel, weil letzthin niemand gewonnen hat, werfe ich deshalb die Frage in die mehrhundertfache Runde meiner Leser: Welche Insel ist das, als deren Freundin und Unterstützerin sich die freundliche junge Dame auf dem Bild da unten darstellt? Denn so wie mir sticht Ihnen natürlich ebenfalls als erstes die historische Landkarte ins Auge, die sie an ihre stilvolle Wohnzimmerwand genagelt hat. Nantucket, so viel darf ich verraten, ist es jedenfalls nicht, sieht nur ein bisschen so aus.

Wer weiß, was es doch ist, und es mir glaubhaft klar machen kann, gewinnt ein schickes Okapiposter.

Suicide Girls

Edit: Cohu hat mit der ihr eigenen Kompetenz und Geschwindigkeit herausgefunden, dass die vielleicht doch etwas ranzig dreinschauende junge Dame vor (und vielleicht auch auf) Bermuda steht. Das Okapiposter kann auf Youtube abgeholt werden. Glückwunsch!

Bild: Suicide Girls, eine der wenigen relevanten Erotikseiten in dieser weltumspannenden Jugendorganisation, die wir Internet nennen.
Lied: Funny van Dannen: Okapiposter, aus: Authentic Trip, 2005, live in der Münchner Registratur, 15. September 2005.

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Oops.

4. Januar 2008
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Verschwinde aus meinem Leben, Baby

19. Dezember 2007

Update zu Ich habe euch immer gesagt, dass wir die Menschen fröhlich machen müssen:

Musik: Funny van Dannen oder SoKo.

Ich hab Keira Knightley abgesägt.
Mit mir geht manches nicht, und das wusste sie.
Eigentlich wollte ich nicht, dass sie sich so erschreckt.
Die Beziehung war tot, und sie nur noch geprägt
von Botox und Bulimie.

Es reicht eben nicht, das hat sie vergessen,
sich zu unterwerfen: Es kam nicht von innen.
Wie ihre Zehen lackiert sind, konnte ich in der Bunte nachlesen.
Unser Küchentisch taugte nicht mal mehr zum Essen
für Berufsbulimikerinnen.

(Wanderklampfensolo!!)

Jetzt säuft sie wieder und ich soll schuld sein, auch wenn sie
lallte: “Mach dir mal du keinen Kopp.”
Ich hatte schon wieder Dates mit MacKenzie.
“Mit den Hüftknochen”, sagte ich noch, “lass ich dich nicht ins Fernseh.” —
“Lass mich”, würgte sie. — Hey, so ist der Job.

(Fade out.)

Keira Knightley in Jane Austen, Pride and Prejudice

Bild: Keira Knightley als Elizabeth Bennet in Jane Austen: Pride and Prejudice (Stolz und Vorurteil), 2005, erste Einstellung.

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new bedford girl

30. November 2007

Update for Seine erhabene Wildheit wurde gezähmt, seine Freiheit beschnitten, seine Wucht gemildert, Wenn e.e. cummings Moby-Dick geschrieben hätte, Geviertstriche, and Frühstück & Straße:

In New Bedford, fathers, they say, give whales for dowers to their daughters, and portion off their nieces with a few porpoises a-piece. You must go to New Bedford to see a brilliant wedding; for, they say, they have reservoirs of oil in every house, and every night recklessly burn their lengths in spermaceti candles. [...] And the women of New Bedford, they bloom like their own red roses. But roses only bloom in summer; whereas the fine carnation of their cheeks is perennial as sunlight in the seventh heavens. Elsewhere match that bloom of theirs, ye cannot, save in Salem, where they tell me the young girls breathe such musk, their sailor sweethearts smell them miles off shore, as though they were drawing nigh the odorous Moluccas instead of the Puritanic sands.

Chapter 6: The Street

ish
my
eel

when i
tub in
my bath

i think
of thee
and thy

de
man
ding dong

to need
not more
to monsterbait

thar
me
blows

Fenderella making facesuntil i
quee
queg

for a
whale
full of

sperm
etc
eti

and home in
my haven you
come

Images: Unknown beauty; animation: ƒ€ñЀ®èLLÅ.

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Besser als Sex

1. Oktober 2007

Update zu My Private Weltverschwörung:

Wie die Leser von Moby-Dick 2.0, die mit Literatur gern eine erotische Komponente verbinden, bemerkt haben, fehlt in der Linkrolle unversehens folgender Absatz:

Keine Angst, das war schon Absicht. Jetzt im Nachhinein kann ich ja verraten, was doch keiner bemerkt hat: dass hinter jedem Wort ein anderer Link lag, der kurze Satz also einen Rundflug über sämtliche relevanten Websites erotischen Inhalts in der Gegenwart darstellte.

Als Tribut an die eingangs beschriebenen Leser hab ich die themenverwandten Sexy Librarians stehen gelassen. Der Rest stand hier aus dem alten Glauben heraus, dass zur Literatur auch Leidenschaft gehöre. Nicht mit einem Hirn und einer Schreibhand bescheide sich der Schreiber, nein, Schwanz und Eier benutze er! Jawohl, auch die Schreiberinnen. Was die eben an analoger Stelle haben.

Nympho Librarian Book CoverUnd dann doch wieder: Wozu braucht eine Webpräsenz, welche die Nummer 2 schon im Namen führt, Leidenschaft? Sichtbar als Reminiszenz an das umfassendere Konstrukt des “Web 2.0“, aber trotzdem als Beschreibung ihres nachfolgenden Charakters, der Sekundärtugend, der Afterkunst?

Um einem Wal und seinem Schöpfer hinterherzupaddeln, so die weitere Überlegung, braucht es keine offensiv voranstrebenden Werkzeuge wie den Phallus, sondern allenfalls Sitzfleisch. Ein Unternehmen wie Moby-Dick 2.0 zerteilt keine Wellen mit dem Organ der Fruchtbarkeit, sondern soll zuschauen, dass es sich im Kielwasser eines Stärkeren halbwegs aufrecht hält. — Aufrecht. Nicht die verächtlichste der Tugenden.

Überhaupt: 2.0, wie zeitgemäß ist das? Darf eine Online-Unternehmung, die ein Print-Erzeugnis von 1851 ausweidet, sich auch noch mit den abgelebten Insignien einer siechen Internet-Epoche umgeben? Von der eine Handvoll die Arbeitslosigkeit romantisch verklärende Romantiker glaubten, mit Geschehnissen auf einem Computerbildschrim sei Geld zu verdienen? Hurra, ich blogge jeden Tag, wie viele Leute gestern mein Blog aufgerufen haben, lol, ggggg, knuddel, zurückknuddel, HDGDL, resp. ihr wollt wissen, was ein Blog ist, ihr räudigen Medienhuren, ihr ranzigen, schrundigen, aus allen Poren eiternden Kommerzschreiberlinge? Damit ihr euch danach wieder in eurer New-Economy-Wichse suhlen könnt, weil ihr wieder mal schnell den nächsten überfinanzierten Hype abgegriffen habt? Aber ich werde euch widerliche wanzige Schreibnutten ausrotten, mit Stumpf und Stiel ausradieren, ich habe meine Torpedos schon abgefeuert, und gleich kommt es mir schon wieder, äh, ich meine, ich habe noch einiges auf Lager, bis ich euch pestilente Arschkrampen… — und wem darf ich jetzt meine Bankverbindung dafür mailen?

Ja. Soll sie doch, die Online-Unternehmung. Aber dann nicht auch noch auf Websites verweisen, die eine Vitalität feiern, die idealerweise in ein Leben offline gehört. Deshalb: Keine die Eingeweide befeuernden Seiten in der Linkrolle mehr.

Sie merken, dass die Entscheidung, die fraglichen Links zu entfernen, nicht leicht fiel. Vor allem Sex in Art vermisst man ein bisschen.

Um so dringender möchte ich unsere minderjährigen Leser bitten, die Hinterlassenschaft der Links erst bei Eintritt der eigenen Volljährigkeit zu nutzen. Wenn Sie also nach den Gesetzen des Landes, denen Sie unterliegen, minderjährig sind (in den meisten Ländern ist das bis zum 18. Geburtstag): Weg die Mausepfötchen! Mit so Zeug müsst ihr euch noch beizeiten genug auseinandersetzen. Ja, Kinder? Verprecht ihr mir das?

Film: The White Stripes: I Just Don’t Know What To Do With Myself aus: Elephant, 2003, featuring Kate Moss in der Initialzündung zu ihrer zweiten Karriere, quasi dem Anfang von Kate Moss 2.0.

Bild: Nympho Librarian bei Jessamyn via Library Mistress;
Lizenz: Creative Commons.

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Geschützt: Geviertstriche

17. August 2007

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Rettet die Moleskine

12. August 2007

Update zu Die weiße Walin lebt:

Ahoi Polloi, Rettet die Wale, 8. August 2007

Bild, Text, Konzept, Idee, Script, Lektorat, Grafik, Idee, Konzept, Recherche, Kreation, Programmierung, Webmaster, Ringmaster, Illustration, Layout, Design, Typografie, Marketing, Vertrieb, Human Resources, Seitenpflege, Markenpflege, Kundenpflege, Art Buying, Art Direction, Creative Direction, Kontakt, Public Relations, Übersetzung, Content Management, Moderation, Trost & Rat, Bühnenbild, Beleuchtung, Kulissenschieben, 1. + 2. Geige, Streicherensemble, Holz- + Blechbläser, Blechtrommel, Maultrommel, Klavier, Lead- + Rhythmusgitarre, Leading Vocals, Bass, Schlagzeug, Mundharmonika, Kamera, Soundtrack, Gaffer, Best Boy, Key Grip, Regie, Produktion, Casting, Catering, Peitsche, Zuckerbrot, Koch- und Backrezepte, Inbrunst, Hingabe, Zärtlichkeit, Freizeit, Blut, Schweiß, Tränen und Copyright: Ahoi Polloi, 8. August 2007; Lizenz: G. Klaut.

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Seine erhabene Wildheit wurde gezähmt, seine Freiheit beschnitten, seine Wucht gemildert

16. Juli 2007

Update zu Der Rathjen und vor allem zu
Als sei der gewaltige Nichtstuer der kunstvolle Werber:

Lieber Freund, ich habe so eine Ahnung – ich werde schließlich verschlissen sein und zugrunde gehen wie eine alte Muskatnuß-Reibe, die durch ständigen Gebrauch in Stücke geht. Was kommt eigentlich dabei heraus, wenn man an einer so kurzlebigen Sache wie einem modernen Buch so intensiv arbeitet? Und wenn ich in diesem Jahrhundert die Evangelien schriebe, ich würde doch im Rinnstein sterben.

Herman Melville an Nathaniel Hawthorne, 1851

Wohin mit
all dem

Wollen dem
Universum ist

das wurscht
Man wird

so nie
gelebt haben

aber hey
ist auch noch nie dran gestorben.

Raven Isis auf Suicide Girls

Bild: Raven Isis auf Suicide Girls, 2005 (Link ab 18!);
Lizenz: Creative Commons.

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Herman der Youtuber

15. Juli 2007

Update zu Bücherliste 3:00:

Vor Melville: Literary Work wäre ja noch Herman Melville ohne Zusatz gekommen, aber bis jetzt haben Sie’s ja gar nicht gemerkt, stimmt’s?

Das war wohl das, was Youtube ohne Copyright-Zicken länger stehen lässt.

Sexy Librarian, Natural Contours

Bild: Natural Contours.

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Feenfunde

14. Juli 2007

Update zu Another Half-A-Whale: Eine Biografie von Hillary Clinton:

Feenfunde, Spuren von Magie, Alltagspoesie sind überall. Natürlich kann ich mich hinter den Kassen bei Penny aufstellen und die Leute um ihre erledigten Einkaufszettel anschnorren – wenn einem Hausverbot nur ein minimaler Zauber innewohnte. Etwas Grundanderes ist, wenn ich fast heimlich den zerknitterten Einkaufszettel einer ukrainischen Oma, die vor mir den Einkaufswagen benutzt hat, in der Jackentasche versenke. Es muss eine Fundsache sein. Dann ist alles möglich: Kein prekär beschäftigter Jungpapa mit Tagesfreizeit schnauzt mich zeitarm an, kein Marktleiter schiebt mich diskret zum Ausgang, und ob die Oma nicht doch eine Fee war, dafür gibt es keine Beweise.

Anfang der 1980er Jahre hat Francis E. Plumeau im Heuschober von Gansevoort Mansion in Gansevoort, New York das Hauptmaterial für Hershel Parkers Melville-Biografie gefunden.

Polaroid: vermutlich Süddeutsche Zeitung, ca. 2004.

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Warum liegt hier überhaupt Stroh rum?

23. Juni 2007

Be the first person to mark this question as interesting!
Yahoo Answers

Kristine Rolofson, A Wife for Owen Chase

Das Bild: Kristine Rolofson: A Wife for Owen Chase. Montana Matchmakers, Temptation 842, 2001.

Das Buch: Owen Chase: The Loss of the Ship Essex, Sunk by a Whale. Penguin Classics 2000. Die Prework zur Prework von Nathaniel Philbrick: In the Heart of the Sea: die ungefilterten Berichte Überlebender, Erinnerungen und Apokryphen vom Schiffsunglück am 20. November 1820. Herman Melville bekam eine frühe Version der volkstümlichen Broschüre auf seiner eigenen Walreise 1840 von einem der fünf Überlebenden der Essex geschenkt und las sie in den südpazifischen Jagdgründen seines nachmaligen Moby-Dick. Eine Lektüre von weittragendem Eindruck.

Das Buch auf Deutsch: Owen Chase: Der Untergang der Essex. Europäische Verlagsanstalt, 2000. Bei Piper, 2002 komischerweise teurer.

Die berechtigte Frage aus der Überschrift: ein unbekannter Meister der Dialogführung.

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Irgendwas mit Büchern

8. Juni 2007

Update zu Das bleibt und Kaufen und Flachlegen:

Quiet, please!Wer seine Jugend lieber besorgniserregend still mit dem Lesen (!) von Büchern (!!) verschwendet (!!!) als mit dem Frisieren von Mofas, einträglichem Drogenhandel und geradezu zwangsläufig daraus resultierenden Flachlegen von Weibern genutzt hat, konnte irgendwann nicht mehr hören, dass er doch endlich mal an die Luft sollte. Bis mehrere Jahrzehnte nach Eintritt der eigenen Volljährigkeit war ja noch nicht mal Lehrereltern zu vermitteln, dass man mit Gedichteschreiben einfach die besseren Mädels kriegt. Eltern gar mit richtigen Berufen grummelten auf die lauernde Frage, was aus dem verdrucksten Rotzlöffel denn noch mal werden sollte, ausweichend: “Och, irgendwas mit Büchern.”

Wie immer hätten es die kulturlosen Besatzer schon 1946 vorgemacht: Wenn man es nur richtig verkauft, muss selbst die Arbeit des Bibliothekars keine Beihilfe zum Rumhängen sein, sondern ein kriegsentscheidendes Lebenswerk für wahre Helden.

Film: US Government Vocational Guide Films: Your Life Work: The Librarian. Iowa State College 1946.

Mythicnorms by Kit Allen

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Das unterdrückte und verschollene 18. Kapitel aus Typee: Fayaway erwacht zur Frau

12. Mai 2007

Update zu Charles Warren Stoddard und Merry Springtime:

Stolze InsulanerinIhre Füße hätten unter den Damen der New Yorker Gesellschaft als wenig ansehnlich gegolten. Ihre Sohlen, die niemals Schuhe kannten, waren von der Widerstandsfähigkeit des Schildkrötenpanzers und nahmen keine Spuren der Erde an, auf der sie wandelten. Ihre Zehen bildeten mit der Sohle fast eine Fläche. Ihre beiden Fesseln wurden von zwei kleinen, leuchtend roten Blütenkränzen geziert.

Die Füße der New Yorker Schönheiten hatten mir nie solche Aufmerksamkeit abverlangt, die ihrigen aber begrüßten mich mit einem so lebhaften Ausdruck, wie ihn die Gesellschaftsdamen oft nicht einmal im Gesichte trugen. Sobald ich die Dschungellichtung betrat, hob sie ihre Schenkel wie zum Friedensgruße an, dass ihre Fußsohlen mit den Zehenbeeren darüber aus der olivfarbenen Haut aufblitzten wie ein erfreuter Blick. Wo ihre Schenkel zusammenliefen, erblühte – die Rose der Südsee.

Als wir einander beiwohnten, schluchzte sie leise. Sie weinte vor Freude. Etwas weiteres, das ich von der New Yorkerin nicht gekannt hatte.

„Seefahrer?“

„Meine Fayaway.“

„Kommt jetzt: kleine Seefahrer.“

„Nein, meine Fayaway. Wir leben im neunzehnten Jahrhundert. Der Zusammenhang von Sexualität mit der Entstehung von Kindern ist durch nichts bewiesen. Und du bist noch nicht mal katholisch.“

„Keine Seefahrer in Fayaway?“ Sie zog eine enttäuschte Schnute.

„Nur ein Seefahrer in Fayaway.“

„Kleine Stück Seefahrer.“ Sie barg kichernd ihr Angesicht.

„Na warte. Wenn du mal nach New York kommst, kannst du dich vor denen gar nicht retten.“

„Ich nix. Du bleiben. Bleiben Nukuheva, wohnen mit Fayaway.“

Da die Richtung, welche die Unterredung einschlug, mir nicht zusagte, fasste ich Fayaway bei der Hand, wirbelte sie über ihrem Kopf herum und passte das Mädchen in meine Vorderseite ein. Sie schnurrte zustimmend, langte hinter sich, bekam meine Hand zu fassen und bedeckte entschieden ihre Brust damit. Indem ihr großer Zeh meinen Knöchel kraulte, wartete ich darauf, dass ihr Atem gleichmäßig wurde.

„Seefahrer.“

Barefoot Sandal„Meine Fayaway.“

„In Nu-York. Schöne Frau in Nu-York? In Nu-York ich hübsches Mädchen?“

„Das schönste, meine Fayaway. Schade, dass du Schuhe tragen musst.“

„Schuu-e?“

„Kleider an den Füßen.“

„Sollst nicht“, sagte sie und ruckelte noch einmal meine Hand auf ihrer Brust zurecht.

„Soll ich was nicht, meine Fayaway?“

„Sollst nicht Fayaway reduzieren auf ihr Fuße.“

Über Gedanken, was Fayaway für Wörter kannte und was für welche nicht, und vor allem ob es wirklich schlau wäre, sie aus ihrem Tal zu verpflanzen, schliefen wir ein.

+++ Tickertickerticker +++ Demnächst in diesem Weblog +++ Flashing News +++ Das Update zu Melville total versaut: +++ WAR HERMAN MELVILLE SCHWUL? +++ Tickertickerticker +++

Marquesas Couple

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Kritzeln gegen Krebs

23. April 2007

Cock-A-DoodleZuerst hab ich mir’s schlimmer vorgestellt, mit welchen verwegenen Suchanfragen ein Weblog gefunden wird, der das englische Wort für Penis im Namen führt. Die Toilettenwände des Internets erfahren sogar einen ganz neuen Sinn, wenn das einhändige Surfen gegen Prostata- und Hodenkrebs hilft.

Cock-A-Doodle-Doo: 1853er Story von Herman Melville; Cock-a-Doodle: Zipfelziehen gegen Männerleiden. Ob das Internet, wie wir ihm verfallen und misstrauen, doch unterschätzt ist?

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Wenn e.e. cummings Moby-Dick geschrieben hätte

14. April 2007

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ou
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me

&

es
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ci
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(mo
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di
ck


, Nabokov, Lolita, 50th Anniversary EditionE.E. (Edward Estlin) Cummings, der sich die gängige Kleinschreibung seines Namens eigentlich verbeten hat, sollte einem als verstockter Liebhaber sehr junger Mädchen (”you shall above all things be glad and young“) und wegen gewisser Aspeke seiner Weltsicht suspekt sein – wegen anderer wiederum das Gegenteil–, wenn er nicht etliche Gedichte geschaffen hätte, für die man ihm einfach nur die Hand schütteln möchte. In Deutschland außerhalb der Amerikanistik praktisch unbekannt, in Amerika Allgemeingut.

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Melville total versaut

7. April 2007

Update zu und Widerlegung von Sex and the Sea:

The quest for the private Melville has usually led to a dead end, and we are not likely to fare better by speculating about his tastes in bed or bunk.

Andrew Delbanco

Read my lipsWas haben wir es schon an dieser Stelle diskutiert. So sehr man es als offengeistiger Stadtmensch normal finden muss – wer seine „Toleranz“ zu erwähnen für nötig hält, outet sich schon als Faschist. So egal es einem sein könnte, das Thema lässt einen nicht in Ruhe. Es ist pubertär, aber man muss es denken dürfen: War Herman Melville schwul? – Flashing News auf Moby-Dick 2.0.

So viel vorab: Beweise wird es nie geben, auch nicht fürs Gegenteil. Das kann daran liegen, dass eine Affinität zum eigenen Geschlecht bis vor erschreckend wenigen Jahren ein Straftatbestand war, nicht aber eine Gefühlslage, die sich in Worte fassen ließ.

Selbst wenn Melville gewollt hätte: Der geschickteste Schreiber des 19. Jahrhunderts hätte sich nicht zu seiner Liebe zu einem Mannsbild bekennen dürfen, ohne sich als Sodomit anzuklagen. Mehr noch: Die Begrifflichkeit dafür war nicht entwickelt; es ging wortschatztechnisch nicht. Das war keine Schwäche: Mit den üblichen Verdächtigen, Shelley, Stevenson, Whitman und vordem Shakespeare, über deren Wortgewalt wir sehr viel mehr wissen denn über ihre sexuelle Orientierung, war es nicht anders. So unbekümmert saftspritzende homopornografische Äußerungen, wie sie Ralf König und Detlev (sic) Meyer zu Gebote stehen, sind im 20. Jahrhundert nicht erst forciert, sondern erfunden. Laut Ken Schellenberg haben jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem Amerikas schwule Männer Melville dem Vergessen enthoben.

Was Melville und die anderen nämlich konnten: Andeutungen machen, Parallelen ziehen, Gleichnisse herstellen, Männerfreundschaft hochleben lassen. Und diese Dinge sind Melville nachzuweisen. Auch in Moby-Dick. Fangen wir an mit den offensichtlichen Stellen.

Was das englische Wort dick bedeutet, wissen Sie. Die größten, wehrhaftesten und spektakulärsten Wale, mit denen sich ihre Fänger wiederholt herumschlagen mussten, trugen traditionell menschliche Spitznamen. So auch der ab 1810 auftretende Mocha Dick, der als Vorbild für Moby endete. Wie sich „Mocha“ unter Melvilles Händen zu „Moby“ wandelte, weiß man nicht; warum sich der „Dick“ (kurz für: Richard) nicht wandelte, steht zur freien Vermutung. Und: Das wilde, ungebändigte Naturwesen gehört der Gattung der sperm whales (Pottwale) an.

Weiter: Ismaels Beziehung zu (oder sollte man sagen: mit) Queequeg wird explizit mit einer Hochzeitsnacht eingeleitet – You had almost thought I had been his wife. Was die Bezeichnung Busenfreund heute und 1851 bedeuten kann, ist ebenfalls Gegenstand einer nicht abzuschließenden Semantik.

In die Reihe der homosexuellen Anspielungen auch das Gasthaus „Zu den gekreuzten Harpunen“ aus dem 2. Kapitel aufzunehmen, ist natürlich pubertär. Tun wir’s trotzdem.

Noch viel pubertärer wird es nämlich in Kapitel 94 – und zwar in einem Ausmaß, das wir nicht mehr missachten können. Bei Jendis heißt es Ein Händedruck, bei Melville gar nicht viel anders, aber mit viel anzüglicherem Beiklang A Squeeze of the Hand. Vorgeblich handelt es vom gemeinschaftlichen Kneten des Pottwalfettes, ein üblicher Arbeitsgang auf Walfangschiffen. Aber wie! – :

Squeeze! squeeze! squeeze! all the morning long; I squeezed that sperm till I myself almost melted into it; I squeezed that sperm till a strange sort of insanity came over me; and I found myself unwittingly squeezing my co-laborers’ hands in it, mistaking their hands for the gentle globules. Such an abounding, affectionate, friendly, loving feeling did this avocation beget; that at last I was continually squeezing their hands, and looking up into their eyes sentimentally; as much as to say, – Oh! my dear fellow beings, why should we longer cherish any social acerbities, or know the slightest ill-humor or envy! Come; let us squeeze hands all round; nay, let us all squeeze ourselves into each other; let us squeeze ourselves universally into the very milk and sperm of kindness.
Would that I could keep squeezing that sperm for ever!

usf. Man erspare mir die Übersetzung; sie ist leicht zugänglich, auch Minderjährigen. Nicht weniger haben wir hier denn ein homoerotisches Ritual einer gegenseitigen Masturbation, mit kaum erkennbarem Versuch einer verbrämenden Kodierung, und Ismael fühlt sich dabei divinely free from all ill-will, or petulance, or malice, of any sort whatsoever. Wozu so eine Stelle? Zur näheren Charakterisierung Ismaels?

Auch abseits von Moby-Dick finden sich nirgends Beweise – nur haufenweise Hinweise:

In Redburn freundet sich der erfrischend robuste Redburn (14) mit dem androgynen Harry Bolton an, der ihn in London in ein Männerbordell einführt. Ebenfalls in Redburn erscheint ein pubertierender Italiener namens Carlo – in der ganzen vorweggenommenen Schönheit eines Wilhelm von Gloeden.

In White Jacket kommen nur periphere Wortspielereien vor, die man Melville nachsehen konnte, war der Roman ansonsten ja hellsichtig genug, dass er zeitweise Pflichtlektüre im US-amerikanischen Kongress wurde (siehe Bücherliste). Wenn sie darin nicht gerade körperliche Züchtigungen aushalten, vertreiben sich die Seeleute auf dem Kriegsschiff die Zeit mit pricking (auch von Melville typografisch hervorgehoben). Das bedeutet, sich gegenseitig zu tätowieren; die Anspielung ist heute wie damals klar, die Beschäftigung gleichwohl eine höchst körperbetonte, die gern mit schwuler Ästhetik verbunden wird.

In Pierre fühlt sich der schöne und hochbegabte Pierre (19) zu gleich drei Frauen hingezogen, darunter in inzestuöser Weise zu seiner Schwester – aber nur, weil sie ihn an seinen Vater erinnert. Einmal onaniert er zu einem Porträt seines Vaters. Auch sonst sind Melvilles Einsichten aus dem Roman ihrer Zeit weit voraus und bewogen seine Umwelt, ihn als wahnsinnig einzustufen.

Aus diesen und anderen Gründen erschien Billy Budd nicht mehr zu Melvilles Lebzeiten, die schwulen Beteiligten am Melville-Revival aber mussten ihre helle Freude an ihm haben. Die Novelle über den gleichnamigen übernatürlich schönen Seemann wird uns noch gesondert beschäftigen; jedenfalls ist die exzeptionelle Schönheit des Vortoppmanns, der tragisch (also schuldlos) verfolgt wird, das handlungsstiftende Element.

Für die unter uns, die es jetzt immer noch nicht glauben: Melvilles Beziehung zu (oder sollte man abermals sagen: mit) Nathaniel Hawthorne, dem Moby-Dick und eine elysische Buchrezension gewidmet sind, kriegen wir dann ein andermal. Bald, versprochen. Leben mit Herman Melville.

Wilhelm von Gloeden Sampler

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Das bleibt

3. April 2007

Update zu How Things Go:

I love being in a skirt and boots. It goes back to the librarian-principal look. I like the idea of carrying books around in a skirt.

Tori Amos

Pubertäre BibliothekenphantasieKennst du
den Moment wenn
du deine Mutter
nicht mehr mit
Mama
ansprechen kannst
noch wie gestern

Es reicht nicht mehr

Was dir bleibt
sind die Bücher
deiner Kindheit
wenn die was taugen
lesen sie sich
alle sieben Jahre
neu

Kennst du
den Moment wenn
du in deinem Elternhaus
aufwachst und
zum ersten Mal
das Befremden hast:
Das ist nicht dein Bett

Dann musst du weiter

Was dir bleibt
was du in deinem
rausgewachsenen Hirn
herumträgst also
pass auf dass es nicht
nach Ruß stinkt und
ranziger Pubertät

Das sind
Wachstumsschübe
Was dir immer bleibt
sind Momente in denen
du dir vorkommst wie
Ismael
im ersten Kapitel

Frau Amos erzählt in der Bücherei

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Die schönste Kirche der Welt

25. März 2007

No change today, like yesterday, the same
But dinner soon, then afternoon, then home.
Then hurrying home in the fading light,
The factory girl is going out tonight.

Ralph McTell: Factory Girl, 1969

Narvik, das ist da, wo die Eisenbahn aufhört. Wer hierher kommt, will weiter zum Nordkap. Wenn er nicht gerade helfen will, das Erz aus Kiruna in alle Welt zu verschiffen, aus dem ganzjährig eisfreien Hafen. Unter den Arbeitern, die auf den Schienenkränen herumturnten, fiel mir eine junge Frau in Kittelschürze auf. Ausgehende Spätschicht. Sie wischte sich Schweiß von der Stirn, um sich an den Gedanken des Feierabends zu gewöhnen. Und winkte mir von fern.

Eigentlich will Narvik vom Meer aus angegangen werden. Wir Landratten nähern uns von der Landseite, um auf den Bus umzusteigen, und halten es für ein Abenteuer, wenn kein verbindlicher Fahrplan aushängt, weil die Bushaltestellen nicht zwei Minuten, sondern sechs Stunden auseinander liegen.

Mein halbes Leben ist es her, da betrat ich in Narvik die schönste Kirche der Welt. Muss ja nicht jeder wissen, dass es die schönste ist. Stimmt sowieso nicht. In Wirklichkeit ist es nicht die schönste Kirche, sondern der schönste Aufenthaltsort, der von Menschen für Menschen gebaut wurde.

Was Seemannskirche auf Norwegisch heißt, hab ich über meiner zweiten Lebenshälfte vergessen. Aber ich kann mir bis heute plastisch vorstellen, wie es aussehen muss, wenn man sich vom Fjord dem Ufer nähert. Wenn der erstaunlich mächtige Funkturm auf dem Hausberg den Blick für die Narviker Details frei räumt, ist das erste, was man im Hafen sieht: genau. Die Erzverladeanlagen.

Dahinter, weiß getüncht, so zurückhaltend wie selbstbewusst und selbstverständlich: die Seemannskirche.

Wir schrieben Juni. Da wird’s in Norwegen nicht finster. Das Land, sogar das Meer, die Gegenstände, die Menschen sogar, sie glühen. Mitternachtssonne arbeitet wie der Mond, nur kraftvoller: Sie beleuchtet nicht, sie verzaubert.

Seeleute und gottlose Gesellen wie ich betreten Kirchen nur in der Fremde und wenn kein Gottesdienst stattfindet, den sie stören könnten. Der Augenblick war perfekt.

Versteht mich recht, wenn ich sage: Die Kirche war schmucklos. Damit meine ich nämlich: Es gab keinen Schmuck darin. Die Wände aus einem weißen Stein, aus irgendwelchen tief darin liegenden Fenstern ausgeleuchtet, der Boden aus gefahrenen Schiffsplanken. Über dem Altar, einem schlichten Quader aus dem gleichen Material wie die Mauer, ein Kreuz.

Die befreiende Abwesenheit von Bildern hieß mich selbst schauen, was an dieser Kirche schön sei. Es war ein Entwurf, der noch alle Gestaltung offen ließ. Das Scribble einer Kirche, ein schwarzweißes Layout. Aber nicht im hektischen Gekritzel eines Picasso, sondern in einem ruhig und sicher hingeworfenen Comicstrich. Just the basics; everything that’s essential and nothing that isn’t.

Die Architektur wirkte durch Proportionen, indem sie sich alle Figuren und sogar Farben sparte. Wahrscheinlich konnte man hier den Goldenen Schnitt studieren. Altar, Kreuz, ein paar Reihen Kirchenbänke, fertig. Keine Ahnung, wie viele es waren. Wie viele Paar Rippen hat ein Mensch? So viele, dass es reicht. Keins mehr, keins weniger.

Die Kirche der Weitgereisten. Sie zeigte Respekt vor denen, die sie besuchen sollten: Wer wusste, aus welchen Weltgegenden hier was für Hafenkneipenprügelanten eintorkeln konnten. Die Kirche hieß jeden willkommen und ließ ihm Platz für seine eigenen Vorstellungen. Gebaut für Leute, die einen klaren, weiten Horizont gewohnt sind.

Endlich verstand ich, warum es Christliche Seefahrt heißt. Es mag im Wesen des Norwegers liegen: Als sich die Wikinger das Morden und Brandschatzen abgewöhnt hatten, besannen sie sich auf ihre Weltläufigkeit. Das mit dem Besinnen hat Wurzeln geschlagen, und obwohl das Land gerade mal so breit ist wie ein Fußballfeld, ist es so lang wie der Rest von Europa. Das muss prägen.

Queequeg's nasty dreamz may sink the PequodHinten ein Weihwasserbecken. Daneben ein niedriges Bücherregal. Ich trat näher. Bibeln in allen Übersetzungen der Welt. Alle Schriften und Sprachen, die ich mit Namen kannte, und noch mal doppelt so viele. Neue und alte, schwarze und bunte Einbände, in allen Stadien der Zerlesenheit. Ein Ort der Andacht für wirklich jeden Menschen, mit dem eine Hafenstadt rechnen kann. Ohne klerikale Präpotenz, ohne Vorschrift eines Götzen. Wäre hier ein nackter, von oben bis unten tätowierter Kopfjäger mit einem Sarg im Schlepptau reingepoltert, ich hätte nicht mal eine Braue gehoben.

Es war entwaffnend. Ich setzte mich dankbar für so wenig Firlefanz und so viel Schönheit in eine der Bänke und – jawohl: Ich betete. Wenn jetzt noch jemand Orgel geübt hätte, säße ich heute noch dort.

Es war das Jahr, in dem sich viele Sachen zurechtrückten. Ich beschloss, vielleicht sogar auf derselben Reise, dass ich alkoholische Getränke fortan nicht als Geldausgabe, sondern als Notwendigkeit betrachten wollte, die ich mir ohne Nachrechnen leisten musste; ich beschloss, Mädchen grundsätzlich sympathisch zu finden, wenn sie barfuß gehen; ich beschloss, Adjektive zu vermeiden. Lauter Sachen, die einem angesichts der Narviker Seemannskirche einfallen.

Hinter der Kirche: ein maritim organisiertes Männerwohnheim. Daneben die Hafenkneipe.

Unter den Arbeitern, die sich auf Barhocker gereiht an Aquavitgläsern festhielten, fiel mir eine junge Frau in Kittelschürze auf. Pantinen unter den Hocker geschoben, ihre Zehen spielten mit den Stuhlbeinen.

Sie winkte wieder.

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Captain’s Blues

27. Dezember 2006

Meine eigene Hütte sollte
immer aussehen wie
war natürlich nicht zu machen
Captain Ahabs Kajüte.

Bislang hat’s gereicht für
einen Kompass der
die Windrose aus Fliesen im
fensterlosen Bad ausrichten half.

Eine sagte dazu: Na wenn’s dir sonst danke geht
die nächste: was ich für einem Patriarchenscheiß
die dritte: was ich für einem Lausbubenscheiß
obläge und ob’s mir noch danke geht.

Ich hab immer langsam gelebt.
Wenn nichts dazwischenkommt
werd ich noch richtig
steinalt.

The Smell

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Das Schwirren eines Vogels auf Blütenblättern, der Aufprall einer Nippesfigur auf dem Fußboden

21. November 2006

Erstens: Jodie Foster.

Panic RoomJodie Foster ist eine einschüchternd kluge Frau. Männer pflegen ja von solchen Fabelwesen impotent zu werden, wofür sie sich dann eine Beziehung lang rechtfertigen müssen. Nur Jodie Foster macht das mit Absicht.

In Panic Room (2002) tat sie so, als ob sie gedemütigt werde. Dabei rächte sie sich nur für die Demütigungen, die sie seinerzeit in ihren Lolitafilmen erleben musste. Oder soll das Zufall sein, dass sie eine Filmtochter vorschieben durfte, so alt wie Jodie Foster in Taxi Driver? Dann lesen Sie das dicke Buch der kalifornischen Mythologie nochmal.

Aufs Blut gereizte Bärenmama mit Bärentochter in Bärenhöhle (muss ich wirklich beweisen, dass wir hier in eine Gebärmutter eindringen?) bewirft geldgierige, schwanzgesteuerte Eindringlinge mit Eisenträgern; verspielte, noch nicht ganz herangereifte Bärentochter tapst nach alter Lolitasitte barfuß Bärenmama hinterher, die anscheinend seit ihrer eigenen Lolitazeit nur ihre Schuhe noch nicht wiedergefunden hat, und muss für leinwandfüllende Großaufnahmen ihre geschundenen Rosenfüßchen in die Kamera halten, ja wird geradezu über die verkrampfte Mimik ihrer Zehen als das verletzlichste aller Päderastenopfer charakterisiert – mit solchen topoi hat das Hollywood des jungen Jahrtausends doch nicht für die Katz den Panic Room möbliert. Sonst sind sie ja auch eher auf fadenscheinig sublimierte Übermütter mit Bombenbrüsten fixiert.

Da sei Jodie Foster vor. Als sie vor Jahrzehnten in ihrer Rolle als Mädchen am Ende der Straße allein in eine Art Panic Room eingesperrt war, wurde sie schon mal von nicht ganz so entschlossenen Unholden behelligt. Barfuß wie ein Bärenjunges, um den Anschein der Selbstbestimmtheit (und ihren zweiten Oscar) ringend, aber letztendlich schutzlos wie in Humbert Humberts Motelzimmer. Und was las sie dort? Emily Dickinson.

Zweitens: Emily Dickinson.

Emily Dickinson, auch nicht älter als 17Emily Dickinson war eine einschüchternd kluge Frau. Das hat nur niemand gemerkt, weil sie praktisch ihr Leben lang ihren Panic Room, nein falsch: ihr Kinderzimmer nicht verließ. Was sie dort statt dessen trieb, weiß Heinz Schlaffer in der Süddeutschen Zeitung vom 18. November 2006:

Selten verließ sie den Wohnort, bald immer seltener Haus und Garten ihres Vaters, am Ende kaum noch ihr Zimmer. Enthusiastisch liebte sie ihre Verwandten und Freundinnen, blieb dabei aber unzugänglich. Später sprach sie mit ihnen nur durch die halb geöffnete Tür aus dem Zimmer, das die anderen nicht betreten durften. Hier lebte sie mit ihren Gedichten für sich. [...]

Es trifft sich gut, dass in diesem Herbst gleichzeitig eine Ausgabe ihrer Gedichte und eine Auswahl ihrer Briefe erschienen sind. So wird sichtbar, dass sich ihre Gedichte wie Briefe, ihre Briefe wie Gedichte lesen. Auch die Briefe verzichten auf Nachrichten über Umstände, Fakten und auf eine zusammenhängende Darstellung von Situation und Ereignis. Beide, Gedicht und Brief, wirken wie überstürzte Mitteilungen zufälliger Notizen, wobei einige wie von selbst zu Reim und Rhythmus finden und dann Gedicht heißen.

Eine also, der kein anderes Ausdrucksmittel zu Gebote stand als die lyrische Gestaltung. Eine so durchschaubare wie begreifliche Form des Selbstschutzes. Dass sie sich auch noch als Barfuß-Dichterin empfand, betont in diesem Fall wohl ihre Verletzlichkeit. Sowas lesen dann die bedrohten Mädchenexistenzen in ihren Jungfrauenzimmern.

Drittens: Herman Melville.

Herman Melville war ein einschüchternd kluger Mann. Was aber niemanden jemals groß interessierte, am wenigsten seine Frau. – In Heinz Schlaffers o.a. luzider Besprechung kommt auch kurz Melville vor:

Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts entsteht eine autonome amerikanische Literatur, sogleich aber von höchstem Rang: in den Essays Emersons, den Romanen Hawthornes und Melvilles, in der Lyrik Walt Whitmans und Emily Dickinsons. Doch selbst diese Gedichte, so fern sie auch allem praktischen Nutzen zu stehen scheinen, sind dem Geist der Pioniere, die einen Kontinent erobern, verwandt: Sie erkennen keine Konventionen der lyrischen Sprache an; sie wollen nur sagen, was wirklich und wahr ist. Deshalb sind sie rücksichtslos neu. Aus der adamitischen Situation der amerikanischen Kultur, die noch einmal am Anfang der Schöpfung zu stehen glaubt, geht ein eigenständiger Beitrag zur Literatur der Moderne hervor. Die amerikanische Lyrik verabschiedet, wie die europäische seit Rimbaud, die Vorstellung von schönen Versen, um die archaischen Elemente der Poesie wieder freizulegen.

Lolita gibt BärenpfötchenSo führt ein direkter Weg von Melvilles Ishmael und den Lost Boys auf der Pequod über Emily Dicksinsons autistische Lyrik und Nabokovs Lolita, die mit Humbert Humbert die USA bereiste, bis zu den populärpostfeministischen Jodie-Foster-Schinken.

Alle eine Revolution, alle eine Revolte.

Gibt es überhaupt künstlerisches Schaffen, das keine Kindheitsneurosen aufarbeiten will?

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Kaufen und Flachlegen

16. November 2006

Die nette Azubine vom alten Hugendubel am SalvatorplatzAlle Germanisten (und die meisten von ihren Kumpels, den Anglisten) waren mal mit einer Krankenschwester und mit einer Buchhändlerin zusammen, man kann sie auf die Nummer buchen.

Weil man ja ab einem gewissen Alter froh ist, wenn man keine Krankenschwestern trifft, dringt man gerne und oft in die Zielgruppe der Buchhändlerinnen ein, um ihnen Vergriffenes abzukaufen, damit das Verkaufsgespräch länger dauert.

Neu in der Warteschleife: der Sammelband aus der Library of America, klein, kompakt und knuffig (1478 Seiten!), und vor allem mit all jenen Raritäten drin, die zuletzt anno 1985 veröffentlicht und noch nie übersetzt wurden, vulgo Uncollected Prose:

Articles and Reviews: Etchings of a Whaling Cruise
Authentic Anecdotes of “Old Zack”
Mr Parkman’s Tour
Cooper’s New Novel
A Thought on Book-Binding
Hawthorne and His Mosses
Fragments from a Writing Desk

Das wird ein inhaltlicher Boost für die Bücherliste da rechts, und wer noch nie ein abgeschriebenes Exemplar aus der Stadtbücherei von Deep River, Iowa ausgebuddelt hat, kann ja gar nicht wissen, was für eine trostlose Ersatzbefriedigung das Flachlegen von Krankenschwestern ist.

Sollten Sie auch.

Eindringen!

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Eats Bush and Leaves of Grass

26. Oktober 2006

Christian sagt:

Zwei Anmerkungen möchte ich mir erlauben: Schwul oder Buddy-Freundschaft.

Ich glaube, dass Melville beeinflusst war von Walt Whitman, dem amerikanischen Dichter des 19. Jahrhunderts, in seinen Elegien über starke Männer und enge Bande und das Edle im Manne. Zeitgenosse von Melville war er und imposante Stimme der Neuen Welt. In den “Grashalmen” (so etwas wie das offizielle Großwerk auf die amerikanische Nation, die Demokratie und den freien Bürger, der damals eben nur Mann ist) wird seitenweise von Kameradschaft, brüderlicher Liebe usw. geredet und, ja, gesungen. Wie übrigens in der Bibel auch, das zweite Buch, das Melville stark beeinflusste - wie sollte es auch anders sein. Auch dort ist immer wieder die Rede von der Liebe der Jünger, dem weinerlichen und dem starken Mann, die einander stützen, dem einander “erkennen” und sich nähern, sich unterwerfen und liebenliebenlieben - all das weckt für uns 21. Jahrhundertmenschen - wenn man es will - homosexuelle Assoziationen. Was sie natürlich nicht sind. Oder jedenfalls waren sie nicht so gemeint, ganz unabhängig ob die Jünger, ob Whitman oder Melville, respektive Thomas Mann sie mal gelebt haben: Der Text sollte die höchste Form der Freundschaft und des Vertrauens zwischen Geschlechtsgenossen zeigen. So etwas wie ein Ideal der Vereinigung ohne den “schmutzigen” Sex, das Körperliche. Geistige Einheit und gemeinsamer Edelmut. Liebe zu Gott über die Liebe zu Menschen, ganz ohne Körper. Das haben Old Shatterhand und Winnetou auch gezeigt.

Das zeigen die Buddy-Movies oder Bücher aber gerade nicht, finde ich. Die zeigen zwar auch keinen schwulen Sex, aber da treffen immer zwei Loner aufeinander, es geht nicht um “geistige Vereinigung”, sondern Bündelung der Kräfte, beide sind stark, beide sind eigenwillige Persönlichkeiten für sich, die sich in Kämpfen und Auseinandersetzungen mit Gegnern nicht nur in ihrer Männlichkeit bestätigen (Frauen und Sex spielen da ja auch immer eine Rolle und bringen nicht selten Unruhe ins System), sondern fern ab aller sexuellen Gedanken, ihr Ding durchziehen - was immer das sein mag, meist jedenfalls ein Deal, ein Bruch, ein Clou. Da geht es selten um Ideale oder Höhere Werte, außer den Mut oder die Kampfkraft allein. Somit wären Ismael und Queequeg eine Mischung aus beidem: Buddies im Kampf gegen den Wal und die Idioten auf dem Schiff und geistige Brüder in der Erkenntnis der Endlichkeit und im Glauben an Vorzeichen, Übersinnliches (die Weissagung, die Predigt etc.), ihre innere Stimme sozusagen.

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Die Schwulendebatte am Rande von Melville

20. Oktober 2006

Marcel sagt:

Das Ergebnis einer für Schmidt nicht weniger bezeichnenden Marotte scheint ebenfalls sein Buch “Sitara und der Weg dorthin” (1963) zu sein, eine - so der Untertitel - “Studie über Wesen, Werk & Wirkung Karl Mays”. Nicht etwa, daß es überflüssig wäre, Werk und Wirkung des seit einem halben Jahrhundert höchst populären Schriftstellers einmal genauer zu untersuchen. Indes ist fast die ganze Monographie dem Nachweis einer einzigen These gewidmet, der eine angebliche Entdeckung Schmidts zugrunde liegt: Karl May sei homoerotisch veranlagt gewesen … Schmidts Begegnung mit der Welt der Psychoanalyse muß, gelinde gesagt, sehr flüchtig gewesen sein. Während das Buch über Fouqué skurril, doch seriös, aber schon des Themas wegen nicht gerade nötig ist, wäre eine Monographie über Karl May gewiß nötig, nur daß mir diejenige von Arno Schmidt skurril und unseriös zu sein scheint.
Marcel Reich-Ranicki in: Die Zeit, 13. Oktober 1967.

Wolf sagt:

Wie lange muss man denn Psychoanalyse studiert haben, um auf keine schwulen Gedanken zu kommen, wenn sich die Kumpels in der Weihnachtsgeschichte von Herrn May mit “Sappho” anreden?

Thank heaven for little girls.

Steffi sagt:

Karl May entstammt bekanntlich einer sehr armen Weberfamilie, die alles daran gesetzt hatte, dem klugen Sohn ein besseres Leben zu verschaffen, was der so aber gar nicht wollte. Weil sie aber für seine Ausbildung gehungert und gefroren haben, musste er wohl oder übel Lehrer werden, auch wenn es ihn nicht lange in diesem Berufsstand gehalten hat. Ich sehe also in dieser Passage mehr Ausruck eines autobiographischen Bezuges als weitere Wasser auf den homoerotischen Mühlen.

Wolf sagt:

Das wäre ja dann umso schwuler, wenn all die Unterjublerei organisch geformter Gebirge auch noch biografisch zu begründen wäre… Was versuchen wir hier eigentlich zu beweisen?

Im Ernst glaub ich ja nicht, dass Karl May seine Bücher ausschließlich mit Sachen vollgeschrieben hat, mit denen er eventuell eine wie auch immer geartete Homoerotik etabliert hätte. Damit hätte er zu leicht einbrechen können: Entweder es fällt niemandem auf - außer einem Herrn (ausgerechnet) Schmidt, 51 Jahre nach seinem Tod - oder er riskiert, auf den kaiserlichen Index zu kommen - und das bei was für einem Erfolg, falls es denn tatsächlich funktioniert? - Sein Coming-out hat man ja zu Kaisers Zeiten sorgsam vermieden: Schwule Neigung war in Deutschland bis 1969 ein Straftatbestand. (Heute ist sie in. Ich erwarte täglich, dass sie Pflicht wird.)

Wir reden hier über je nach Verlag zwischen 60 und 120 seit einem geschlagenen Jahrhundert rasend erfolgreiche Bücher. Sowas schreibt man in dieser Häufung, in dieser Kontinuität, weder aus Versehen, noch indem man einem Volk von Homophoben einfach eine Arschlandschaft nach der anderen ins Unterbewusstsein flüstert. Mal pragmatisch gesehen, mag ein Erfolgsschreiber durchaus solche Scherze einfließen lassen, aber nicht sein Gesamtwerk danach ausrichten.

Elke sagt:

Mir ist als Leserin, nebenbei gesagt, herzlich egal, ob Karl May nun schwul war oder nicht. Er ist Kult und kaum einem, dem er je, und das fast unausweichlich, über den Weg laufen musste, zu verderben. Womöglich würde der Karl sich totlachen über die ganze Aufregung und Interpretiererei, die es um seine gelegentlichen anzüglichen Späßlein mit dem Leser gibt, sofern der die überhaupt checkt. Sein Riesenerfolg kommt jedenfalls woanders her.

Und falls mich selber einer fragte (wo wir ja eh schon einen etwas ausschweifenderen Ausflug um das Thema machen): Ich würde nur mal so zum Beispiel mehr als vor allem anderen davor warnen, uns Mädels und Jungs vor dem Angesicht unserer Kultbücher so tiefenpsychologisch teilen zu lassen. Diese Versuche (in denen - meine Meinung - oft ‘ne Menge gequirlter Unsinn steckt), haben mit ganz anderen Dingen zu tun, für die sich in jedermanns Leben irgendwann einer (wenn nicht eine ganze Gesellschaft) findet, sie ihm mehr oder weniger erfolgreich einzubläuen.

Wer suggeriert nur ganzen Generationen der westlichen Zivilisation, dass ein Mann nicht weinen darf, weil es weibisch ist? Wer will nur die Frau immer anschmiegsam, schutzbedürftig und abhängig sehen? Wer verbietet abwechselnd dem einen oder anderen Geschlecht, Dinge zu tun, die angeblich wider dieses Geschlecht stehen und doch von Natur aus jedem menschlichen Wesen einfach gegeben sind, ob er nun ein zartes Weib oder ein stattlicher Kerl ist?

Warum müssen Hobby-, Tiefen- und sonstige Psychologen in allem gleich etwas Abseitiges oder gar Abartiges sehen wollen (wozu Schwulsein btw nicht gehört). O Welt, wie hast du uns verbogen!

Aber es besteht Hoffnung - drum lese jeder seinen May-Melville, wie er mag. Ach ja, und ich kenne schon Kerle, die auch heut noch ihren Busenfreund genau so nennen und ohne Identitätskrise ihr Haupt neben das des Kumpels oder Schicksalsgenossen aufs selbe Kissen betten. Ganz zu schweigen von den ungezählten Busenfreundschaften und zärtlich umarmenden Verbrüderungen, die täglich an unzähligen Kneipentresen verkündet werden. Nix für ungut, Steffi, wollt ich sagen, diese Tirade geht gar nicht gegen dich. Und wenn ihr wollt, dürft ihr mich auch einen Nestbeschmutzer nennen - schließlich komm ich ja auch aus dem Stall… dieser Welt und der Literaturchirurgen.

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Kwal, der

19. Oktober 2006

Kwalbein

Daniela tanzt auf einem Walbein.

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Wie schwul geht es bei Karl May wirklich zu?

19. Oktober 2006

Auszug aus Steffis Hausarbeit:

Als Arno Schmidt in seiner 1963 erschienen Studie „Sitara und der Weg dorthin“ veröffentlichte, war ihm klar, dass Karl May schwul sein musste. Er sah bei May „eine für Leser faszinierende, aber nicht bewusst wahrnehmbare “Sexualberieselung”, die der vermeintlich schwule May seinen Lesern unterjubelt.

Zu erkennen glaubte er das an den Organabbildungen, die Schmidt in rein sexuellem Sinne zu deuten wusste. Mit einfachen Pinselstrichen macht Arno Schmidt klar, wie Karl May in seinen Augen die Landschaft konzipiert hat. Die Sekundärliteratur jüngeren Datums hat seinen eigenen Blick auf Arno Schmidt:

“So richtig geht die Interpretationspost [bei Schmidt] aber ab, wenn man alles Doppeldeutige beäugt und mit einem etwas eigenem Freud-Verständnis – alles was höher ist als breit, ist ein Phallus – liest. Beispiele wären das Potenzgehabe mit den Flinten, das häufige Eindringen in Höhlen, die Landschaftsbeschreibungen, die angeblich nur so wimmeln von Verweisen: Hintern als Felsenkessel; Hintern als Tälchen (wo ‘Rote’ ruhen auf Rasengrund, (’gleich bei der Hand, in voller Erwartung’ geht’s weiter); Hintern als Höhlen schlimme Klüfte ….”

Die ironische Schreibweise verrät auch schon die Distanz der Autoren zu Schmidt, dem sie eigene Motive unterstellten wie etwa, „dass Schmidt hier eine Les- und Schreibart fand, die ihn inspirierte, die ihn als Autor zu neuen Ufern aufzubrechen erlaubte.“

Fairerweise muß man aber sagen, dass Arno Schmidt im Nachhinein indirekt widerrufen hat.

Doch mal ganz abgesehen von der Frage, ob Arno Schmidt Recht hat oder nicht: Ist erst mal der Blickwinkel justiert, fallen einem als Leser schon Phrasen und Sätze auf, die eine durchaus sexuelle Botschaft tragen können.

Martin Lowsky, der Arno Schmidts Forschungsstandpunkt kritisch gedeutet hat, gibt aber zu, dass Schmidt in dem Sinne recht behält, „dass sich in Mays Männerbündnissen der Freundschaftsbegriff von vorpubertären Knaben kundtut, die die Neigung zum anderen Geschlecht nicht kennen und so generell homosexuell sind.“

Es begegnen den Helden selten Frauen und sie sehnen sich auch nicht nach ihnen, wohl auch weil sie eine Einschränkung ihrer absoluten Freiheit bedeuten würden und die Bindungslosigkeit, mit der die Freundschaften zwischen den Männern gekennzeichnet sind, beenden würden.

Eine besondere Rolle in diesem Zusammenhang nimmt der Artikel von Barbara Sichtermann ein, die Karl May als Jugendautor verstanden haben will und damit auch implizit mit einer sexuellen Botschaft beladen.

FilmkurierDadurch, dass es keine weiblichen Identifikationsfiguren gibt, ist die weibliche Leserin darauf angewiesen, sich in die männlichen Protagonisten hineinzuversetzen. Zwar ist die Ideenwelt von Karl May nicht gänzlich frauenlos, aber die existierenden Weiblichkeiten bieten nur wenig Projektionsfläche für Frauen. Zumal sexuell attraktive Frauen der Abenteuerromane meist böse sind, wie die Judith in ‚Satan’. „Von physischer Attraktivität bei Frauen ist nur selten die Rede; vor allem die guten zeichnen andere Eigenschaften aus. Sie sind edel und verkörpern geistige und sittliche Macht wie Marah Durimeh, Hanneh und Nscho-tschi, führen in Ausnahmefällen ein ganz unweibliches Leben in der Wildnis wie Kolma Puschi [...] oder sie agieren als komische Figur wie Rosalie Ebersbach im ‚Ölprinz’.“

Doch sind eben nicht nur die mangelnden weiblichen Rollen, nicht nur weil die dramaturgische Autokratie des Ich-Erzählers keine Alternative zuließ, der Grund für die Identifikation mit den männlichen Protagonisten - Barbara Sichtermann gibt auch an, dass sie in der Zeit kein besonderes Bedürfnis hatte, weiblich zu sein.

Damit ist keine homosexuelle Neigung von ihr als Kind gemeint, vielmehr ist darauf hingewiesen, dass es in der Entwicklung von Kindern eine Phase gibt, in der sie spielerisch ihr eigenes und das fremde Geschlecht erforschen. Sie haben in ihrer Beziehung zum Geschlecht noch keine Starrheit erreicht, die sie als Erwachsene haben werden.

„[...] Mädchen lassen sich von Scout-Kult und Reiterromantik fesseln, ohne das Gefühl zu haben, sie liehen ihr weibliches Interesse einer fremden Welt, wie umgekehrt Knaben sich ohne Schwierigkeiten vom Roman einer verkannten Komtess faszinieren lassen.“

Kinder zeichnen sich da in ihrer Themenwahl und in ihren Identifikationswillen als sehr tolerant aus. Dass dies nicht unbedingt ein neumodisches Phänomen ist, zeigen die Bilder, die Karl May in seinem Leseralbum zusammengestellt hatte. So gibt es durchaus Frauen, resp. Kinder, die sich mit Karl Mays Welt identifizierten.

So besitzt Mays Werk für Mädchen den Reiz des Transsexuellen und für Jungen die erotische Qualität der Neigungen und Antipathien, der Tierliebe und der Jagdlust, der Freundschaften und der Verfolgungen.

„Das schwule Antlitz der berühmtesten Liebe im (als Jugendliteratur gängigen) Werk von May, die zwischen Winnetou und Old Shatterhand“, so Sichtermann, „ist klar genug.“

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Busenfreundschaft und der Weg dorthin

19. Oktober 2006

Steffi sagt:

Ich hatte in der Schlußphase meines Studiums das (wirkliche) Vergnügen, eine Hausarbeit über Gender in den Karl-May-Werken zu schreiben und nutzte in dieser Zeit auch die Studien des geschätzten Arno Schmidt. Die Gedanken waren nachvollziehbar und einleuchtend, dazu gab es im Werk noch ansprechende Illustrationen, die die sexuellen Eindeutigkeiten nicht nur offenlegten, sondern bloßstellten.

In vielen Gesprächen mit meinem Mentor (und bei meiner mündlichen Examinierung zum Magister) hatte ich Gelegenheit, mich noch genauer mit einem Karl-May-Experten auseinaderzusetzen. Von ihm erfuhr ich dann auch, dass Arno Schmidt, so plastisch er auch sein mag, nicht mehr den letzten Stand der Forschung darstellt und somit die sexuelle Konnotierung bei Karl May nicht mehr so evident ist, wie Herr Schmidt es uns nahegelegt hat.

So sehe ich mittlerweile die Freundschaft dieser zwei Männer eher als Ausdruck einer Gesinnung aus dem Kaiserreich, in dem noch andere Männerideale galten und klar war, dass wirkliche Freundschaft - mit der ganzen Unschuld, die dieser Begriff beinhalten kann - nur zwischen Männern zu finden war.

Auch wenn unser Melville zeitlich anders einzuordnen ist, glaube ich auch hier, dass Queequeg und Ismael diesen Typus Männerfreundschaft zelebrieren. Elke hat ja auf sehr famose Art den Begriff der Busenfreundschaft unter die Lupe genommen, so dass mir nichts mehr bleibt, als zu applaudieren und hinter vorgehaltener Hand ein Aber einzuwerfen, dass die Qualität eines Wortes auch immer mit der aktuellen Konnotation zu verbinden ist, und wie treffend und unschuldig die Bedeutung Busenfreund auch mal gewesen sein mag - heute würde kein Mann, den ich kenne, von seinem besten Freund behaupten, er sei sein Busenfreund.

Aber Zeiten ändern sich, haben sich geändert, werden sich ändern. Ich kenne auch keinen Mann, der in heutigen Zeiten so unbeschwert und - pardon - rein mit einem anderen Mann das Bett teilen könnte, ohne in einer Sinnkrise seine sexuelle Orientierung in Frage zu stellen.

Ismael und Queequeg hingegen kaufe ich es hingegen vollkommen ab. Auch da kann ich Elke nur unterstützen. Diese Freundschaft, so spontan und schnell sie sich entwickelt hat, besitzt doch alle Qualitäten einer echten Bande der Herzen, wie man sie heute vielleicht noch bei kleinen Jungen findet und nach der wir uns doch alle sehnen (sollten).

Also: Es ist doch einfach toll, was die beiden haben - Freundschaft bis in den Tod, eine Brücke über alle Kulturen und mit Verlaub - nachts immer warme Füße.

Ich beneide sie.

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Karl May und seine Schwulitäten

18. Oktober 2006

Anmerkung noch zu Karl May: In Sitara und der Weg dorthin hat Arno Schmidt etliche Stellen in Karl Mays Werk aufgetan, die nur bei geflissentlichem Wegschauen noch unerotisch gemeint sein können. Das geht bis hinein in die Landschaftsbeschreibungen - ja tobt sich gerade in den Landschaftsbeschreibungen aus - bei denen ich regelmäßig ausgestiegen bin… Dass sich das allerdings so exakt belegen lässt, hat mich auch zuerst erschreckt.

Im Gedächtnis geblieben ist mir die Schilderung von zwei runden Hügeln, die sich in der Ferne einladend nebeneinander wölben… in der Mitte ein finsterer, finsterer, enger, enger Hohlweg… und dreimal dürft ihr raten, wohin sich Shatterhand, der alte Männer- und Busenfreund, demnächst hineinbohren muss.

Weiß jemand Genaueres? Eine Kurzfassung müsste in einem alten Raben stehen; im Arno-Schmidt-Raben aber schon mal nicht, und den Karl-May-Raben hab ich nicht, außerdem kann man nicht sicher sein, dass man, wenn man auf amazon von 1,99 aufwärts ausgegeben hat, auch was drin findet. Es ist ein Skandal.

Eine Möglichkeit ist natürlich, sich endlich Sitara und der Weg dorthin zuzulegen. Das muss anno 1963 ein wirklich dicker Hund in der deutschen Literaturkritik gewesen sein.

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Ismael wie…

12. Oktober 2006

Leopold Bloom (Ulysses)
Bonaventura (Nachtwachen)
Faust (Faust)
Frodo (Der Herr der Ringe)
Hamlet (Hamlet)
Jim Hawkins (Die Schatzinsel)
Hiob (Buch Hiob)
Simplicius Simplicissimus (Der abenteuerliche Simplicissimus)
Ulrich (Der Mann ohne Eigenschaften)
Zorg (Betty Blue)

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Bartleby, Michaela und ich

11. September 2006

I would prefer not to.
Bartleby

„Ich bin ein ziemlich bejahrter Mann“, fängt Herman Melville: Bartleby, 1853, in der Übersetzung von Elisabeth Schnack, 1962 für die sechsfache Anthologie „Der Connaisseur“ bei Diogenes, Band 2: „Eine Sammlung von Hassgeschichten von Rudyard Kipling bis D.H. Lawrence, für den Literaturfreund ausgewählt von Mary Hottinger“, an.

Trotzdem ersteht vor meinem Geist noch plastisch, wie ich mit meiner neuen Freundin eines Sonntagmorgens in meinem viel zu engen Single-Bett lag und mit ihr tat, was man mit seiner neuen Freundin sonntagmorgens in einem viel zu engen Single-Bett tun sollte: uns gegenseitig Geschichten vorlesen.

Wir waren noch mitten dabei, einander kennenzulernen. Darum rezitierten wir uns nicht irgendwas, sondern was uns etwas bedeutete. Bartleby zum Beispiel – obwohl oder weil das von Melville ist und deshalb von einer fundamentalen Asexualität.

Besser noch: Gerade bei diesem rätselhaften Allroundverlierer, dem verhuschten Schreibgehilfen Bartleby, der sich aus eigentlich überhaupt keinen Gründen in den Ruin verweigert, stellt sich das Thema der Erotik überhaupt nicht. Außer vielleicht, man liegt neben einem Mädchen von der Farbe und dem Geruch bettwarmer Vanillemilch. Sie hieß Michaela und sollte später todsicher eine Lady werden.

„‚Stellen wir uns einen Mann vor, der infolge von Veranlagung und Missgeschick schon einer fahlen Hoffnungslosigkeit zuneigt – welche Beschäftigung wäre wohl geeigneter, ihn darin noch zu bestärken, als das tägliche Hantieren und Sichten unbestellbarer Briefe für ein Ende in den Flammen? Denn ganze Wagenladungen voll werden alljährlich verbrannt. Manchmal nimmt ein blasser Angestellter aus dem zusammengefalteten Papier wohl einen Ring – der Finger, für den er bestimmt war, modert vielleicht längst im Grabe; oder eine Banknote, aus Hilfsbereitschaft eiligst fortgesandt – doch der, dem sie zu Hilfe kommen sollte, ist jenseits allen Hungers; oder er liest von Verzeihung für solche, die verzweifelt starben, von Hoffnung für andere, die ohne Hoffnung starben, von froher Botschaft für alle, die die unter der Bürde ungelinderten Unglücks zusammenbrachen und starben. Mit Leben befrachtet, eilten diese Briefe in den Tod.

O Bartleby! O Menschenlos!’“ schloss ich.

Michaela hatte ernst zugehört, an ihren Daumennägeln herumknapsend.

„Warum liest du mir das vor?“ fragte sie endlich, kurz bevor ich aufstehen und Frühstück machen wollte.

Erwischt.

„Weil der Refrain von dem Wurstel mit ‚Ich möchte lieber nicht’ schmissiger übersetzt ist als von Mummendey in meinen Sämtlichen Erzählungen mit ‚Ich würde vorziehen, es nicht zu tun.’“

„Red dich nicht raus.“

Doch, natürlich redete ich mich raus. In Wahrheit hatte es damit zu tun, dass ich eigentlich gar nicht vorlesen kann, weil meine Stimme ein nach innen gerichteter Gießkannenbariton ist, und ich das Vorlesen von vornherein bleiben lasse, wofern es an dem Samstagabend vor dem Sonntagmorgen nicht gerade Whisky gab, weil als Stimmbalsam weder Bier noch Obstler hilft. Und damit, dass ich an einem Sonntagmorgen nach einem whiskyschwangeren Samstagabend nur mühsam neben nackten Mädchen stille liegen kann, die nach Vanillemilch duften und denen schon früh im Leben von den Zehenschildchen widerspiegelt, dass sie mal eine Lady werden, und mich mit 75 Seiten langen Geschichten von fundamentaler Asexualität ablenken muss.

„Lass mich doch rausreden“, quakte ich.

Michaela lachte hell; unsere Liebe war jung.

„Komm mal her“, ließ sie von ihren Daumennägeln ab und begann mit Armen und Beinen in der abgestandenen Luft einer Junggesellenbude an einem ungefrühstückten Sonntagmorgen herumzurudern. Dann waren wir uns ein Stündchen gut.

Michaela und ich lernten aneinander, Beziehungen zu führen. Das war eine ihrer Lektionen. Weitere Lektionen waren, dass ich mir besser merken kann, mit welcher Tonlage und Ausdauer Mädchen im Zustand der Wonne stöhnen, als welche für ihr Seelenleben bedeutsamen Geschichten sie mir ihrerseits vorgelesen haben, und dass sie sich auch oberhalb der Schienbeine rasieren.

Dafür konnte sie fortan niemals eine fadenscheinige Migräne vorschützen, ohne dass ich sie anfeixte: „Ich möchte lieber nicht.“ Man glaubt nicht, wenn man nicht erlebt hat: wie anzüglich „Mach mir den Bartleby“ klingen kann. Und plötzlich wird sich den Bartleby vorlesen im wörtlichsten Sinne kinky.

Das war ein Tipp, Jungs.

Gescheitert ist es an etwas anderem.

Oder doch?

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Sex and the Sea

21. August 2006

Fast das Schönste an dem ganzen Moby-Dick ist ja die vollständige Abwesenheit von Erotik. Oder sollte ich was übersehen, gar verdrängt haben? Wenn jemandem noch ein anderes Monument der Weltliteratur auffällt, das ohne Liebesgeschichte auskommt, soll er sich bei mir melden.

Es kommt ja in dem ganzen Ding nicht mal eine Frau vor - außer in einem einzigen Satz die Wirtin der Hafenkneipe von Nantucket, 2. Kapitel, glaub ich. Außer einem Hardcore-Freudianer wird niemand auch nur die übliche latente Homosexualität in diesem Jungsverein feststellen.

Es gibt Zeiten im Leben, da wirkt das sehr entlastend. Endlich mal ein reines Jungensbuch, ohne Weiberkram, einfach auf der gebotenen Breite von ein paar hundert Seiten die Probleme, die im Leben wirklich wichtig sind: der Kampf Mensch gegen Kreatur. Danach hat das erst wieder Hemingway verstanden und für seine Entspannungsarbeit prompt einen Nobelpreis eingefahren.

Schön, dass wir auch darüber gesprochen haben. Warum es dann heißt: Thar she blows, kriegen wir nächstes Semester. Weiter mit Deckschrubben.