Archive for the ‘Kombüse’ Category
München am Meer X: 50 Jahre alte Fischstäbchen
Update zur Schaafswolle und
Die Leere trägt jeder in sich allein:
Alle lieben ihn, jeder hat ihn schon mal gesehen: Käpt‘n Iglo aus der TV-Werbung. Diesen kantigen Seemann kennt wirklich jedes Kind. Mit schmucker Uniform und weißem Rauschebart macht er seit Jahren Werbung für die leckeren Fischstäbchen. Was keiner weiß: Der Seemann hat noch einen ganz anderen Job! Mitten in München.
Im echten Leben heißt der TV-Käpt‘n Gerd Deutschmann (74). Der Vater von zwei Töchtern blickt auf eine lange Karriere als Schauspieler zurück. Theater, Fernsehen, Werbespots: Der Hobby-Schwimmer hat alles gemacht.
In der Serie „Löwengrube“ spielte er zum Beispiel neben Christine Neubauer (47) einen Regierungsrat, im „Komödienstadl“ den Ehemann von Veronika von Quast (62). Vor der WM 2006 drehte Deutschmann zusammen mit Fußball-Weltstar David Beckham (34) einen Werbespot für Pepsi in Madrid. „Diese Jobs haben viel Spaß gemacht“, sagt er.
Doch der Werbe-Seebär hat noch einen ganz anderen Job: Er ist ein waschechter Münchner Taxier! Und das seit fast 45 Jahren!
„Früher, als ich noch Theater spielte, bin ich bis 13.30 Uhr Taxi gefahren, bin dann zur Probe und danach wieder ins Taxi.“ Die Ochsentour ging weiter: „Abends bin ich mit dem Taxi vors Theater, bin rein, habe gespielt und nachher weiter Taxi gefahren“, erzählt er.
Im Dezember 2008 wurde die Firma „Iglo“ auf den Münchner aufmerksam. „Bei einem Casting haben mich zwei Damen ausgesucht“, sagt er. Im Januar wurde in Kapstadt der Spot gedreht – seit März läuft er im TV. Inhalt: Käpt‘n Iglo geht mit Kindern auf große Fahrt. Als Proviant gibt‘s was? Genau: Fischstäbchen.
„Ich selbst esse täglich mindestens 120 Stück“, sagt der Käpt‘n augenzwinkernd. Und braust im Taxi davon…
Oliver Grothmann: Seit 45 Jahren! Käpt’n Iglo fährt Taxi in München, 20. November 2009.
Bilder: Bild (Theo Klein, 20. November 2009).
Film: Käpt’n Iglo in Nürnberg! Frankenpirat (sic) am 18. Mai für 25. April 2009.
Fünfzig Inseln, auf denen wir nie waren und niemals sein werden:
Update zu Hood’s Isle and the Hermit Oberlus:
Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln, 2009.
Nur weil sie da geboren ist, wo andere kuschelstudieren: in Greifswald. Süß, das Mädel, noch keine dreißig, blitzgescheit, wird es noch weit bringen im Leben. Erste Abenteuer in der Typographie; urdeutsch, in Fraktur, wie das so ist, wenn man nicht raus darf, mit der großen Freiheit ab 1989 war mit neun Jahren noch nicht zu rechnen und als sie da war, nicht abzusehen, wohin damit. Erste Männergeschichten in unverblümtem Trotz: Blau steht dir nicht. Der Untertitel ihres Meisterwurfs atmet deshalb unfehlbar alle Wehmut der Ozeane, nach denen er geordnet ist: Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde.
Gerade noch am Vertriebsdrachen vorbeigeschmuggelt, die Formulierung, würde man sich vorstellen, wenn nicht die Vorstellung sämtlicher Angestellten bei mare als Stand-ins für den frühen Wolf Larsen vordringlicher wäre. Die erste Auflage null Komma nix vergriffen, denn Sehnsucht ist menschlich. Träume sind der Fluch derer, die sich an sie erinnern, da hol der Klabautermann die 34 Euro für 144 Seiten: Wenn dieses Papier keine Erotik ist, was dann?
Man hat ja auch nie mit einer Sirene geschlafen, sondern nur mit sehr viel Glück mit einer Fischbrötchenfalterin am Rüganer Strand mit rötlichem Pferdeschwanz geflirtet, und wird niemals den Leuchtturmwärter von Tristan da Cunha auf sein Sofa laden, sondern mit sehr viel Glück einen freien Grafikkollegen, der als Junge gern Segelschiffchen gezeichnet hat. Verachten wir keinen von ihnen, denn sie sind es, die das Stück für Weihnachten verfügbar halten. Querstreifen stehen uns nicht.
Danke an Frau Scratch.
Lang ist die Eisenbahnfahrt, kurz ein Leben
Update zu Denn das Herz ist durstiger als Kehle:
Es ist nicht wichtig, was wer wem verleidet.
Es ist kleindumm, wenn jemand bös beneidet.Es ist beneidenswert, was jemand heimlich leidet.
Wir alle leben so gern im Bequemen.
Was du je grübeltest und schriest und sangst — —Es scheint mir gut, wenn du beim Abschiednehmen
Statt um dich selbst um einige Freunde bangst.
Joachim Ringelnatz hat inzwischen lange genug mit mir zu schaffen, dass die Leute, die mich gefragt haben, wie lange Joachim Ringelnatz denn schon mit mir zu schaffen hat, gestorben sind und volljährige Kinder hätten, wenn sie im Kindsbett gestorben wären (ein krauser Vergleich, der schon seinen Sinn hat, glauben Sie mir).
Ich hätte nicht damit gerechnet, dass mir immer noch neue Lieblingsgedichte von ihm auffallen könnten; Schiff 1931 ist mir weitgehend entgangen. Doch ganz praktisch, wenn die Seitenaufteilung der wechselnden Gesamtausgaben gelegentlich umgeschichtet wird: Die Hälfte des noch letztes Jahr empfohlenen Doppelpacks gibt’s heute als Taschenbuch.
Schiff 1931
Wir haben keinen günstigen Wind.
Indem wir die Richtung verlieren,
Wissen wir doch, wo wir sind.
Aber wir frieren.Und die darüber erhaben sind,
Die sollten nicht allzuviel lachen.
Denn sie werden nicht lachen, wenn sie blind
Eines Morgens erwachen.Das Schiff, auf dem ich heute bin,
Treibt jetzt in die uferlose,
In die offene See. — Fragt ihr: „Wohin?“
Ich bin nur ein Matrose.Gedichte dreier Jahre, 1932. Seinem bewährten Hamburger Freunde Muckelmann (Carl M.H. Wilkens)
Dieses schulterzuckende “Ich bin bin nur ein Matrose” findet man oft — vielleicht sogar in sich selber. Bedauern kann erleichtern. Den Besten mag nicht alles vollends wurschtegal sein, helfen können sie trotzdem nicht, und dann halt hey.
Menschen, denen ich das geschenkt hab, kennen mich heute schon gar nicht mehr, der Inhalt ist immer noch der gleiche wie in den antiken Henssel-Backsteinen. Schön, wenn man im Leben doch ein paar Konstanten behält.
Noch einer zum Mitrechnen: Letztes Jahr um diese Zeit ist Ringelnatz 125 geworden, an ein großes Bohei darum erinnere ich mich nicht; deshalb wird er am 17. November seinen 75. Todestag feiern. Oder wir. Oder ach, Sie wissen schon. Alles Gute, Ringel.
Weil man dem Buchhandel ja alles selber wegfeiern muss:
Gewinnspiel
noch bis Sonntag!
Bild: Na, wo wird’s schon her sein.
München am Meer IV: What I Heard about the Apple Barrel
Update zu München am Meer III: Der größte Buchladen Deutschlands:
We had some heavy weather, which only proved the qualities of the Hispaniola. Every man on board seemed well content, and they must have been hard to please if they had been otherwise, for it is my belief there was never a ship’s company so spoiled since Noah put to sea. Double grog was going on the least excuse; there was duff on odd days, as, for instance, if the squire heard it was any man’s birthday, and always a barrel of apples standing broached in the waist for anyone to help himself that had a fancy.
“Never knew good come of it yet,” the captain said to Dr. Livesey. “Spoil fok’s’le hands, make devils. That’s my belief.”
But good did come of the apple barrel, as you shall hear, for if it had not been for that, we should have had no note of warning and might all have perished by the hand of treachery.
Robert Louis Stevenson: Treasure Island, Chapter 10: The Voyage, 1883.
Ernte 2009, Klaräpfel für Apfelstrudel/Apfelmus o.ä.: Irene aus dem 4. Stock, 6. August 2009;
Robert Louis Stevenson recommended online version: Edited with an introduction and notes by Franklin T. Baker, A.M., Professor of English in Teachers College, Columbia University, New York, Charles E. Merrill Co., Copyright 1909.
Most vexatious delays
Update zu Elizabeth Shaw Melville unterbindet den ersten Manuskriptentwurf (1850)
und Chez Pierre:
Water, water, every where,
Nor any drop to drink.Samuel Taylor Coleridge, The Rime of the Ancient Mariner, 1797
In ihrem Artikel “Herman Melville, Wife Beating, and the Written Page” (1994) [in American Literature, LXVI, 1 (1994) p. 123--150] warf dann Elizabeth Renker eine Frage auf, die nach der Dynamik der Publizistik nicht zum Verschwinden gebracht werden kann: Hat Melville, besoffen, seine Frau geprügelt und die Treppe hinuntergeworfen oder nicht? Bewiesen ist nichts, aber immer bleibt etwas hängen. Da seine Frau ihn 1868 verlassen wollte, muß es jedoch ziemlich schlimm gewesen sein.
Hans-Joachim Lang: Nachwort zu Pierre,
in: Herman Melville: Pierre, hg. Daniel Göske, Hanser 2002, Seite 660
Heute vor 133 Jahren, am 3. Juni 1876, erschien Clarel, das Produkt aus Melvilles Weltflucht bei G. P. Putnam & Company in New York. Elizabeth zu Catherine Lansing: “Congratulate us, for the book was published yesterday after a series of the most vexatious delays.” Das wird uns noch beschäftigen.
München am Meer III: Der größte Buchladen Deutschlands
Update zu Kaufen und Flachlegen
und Alles Übersetzungsfrage:

Hugendubel München, Marienplatz: Maritimer Büchertisch, April 2009.

Herman Melville: Moby-Dick; oder: Der Wal. Deutsch von Friedhelm Rathjen, erstmals in einer deutschen Ausgabe mit allen 269 Illustrationen von Rockwell Kent, herausgegeben von Norbert Wehr. Im Anhang ein Essay von Jean-Pierre Lefebvre über “Die Arbeit des Wals”, zeitgenössische Dokumente aus dem Quellgebiet des Romans, u.a. von Owen Chase und Jeremiah Reynolds, ferner Melvilles Essay “Hawthorne und seine Moose” sowie sieben Briefe an Sophia Hawthorne und Nathaniel Hawthorne. Zweitausendeins Verlag 2004; hier: mit vollständiger Lesung von Christian Brückner auf zwei .mp3-CDs im marebuchverlag, 2007.
(Und ins Bild gedrängelt: Julien Green: Erinnerungen an glückliche Tage, Hanser 2008.)</pK
München am Meer II: Captain’s Saloon
Update zu Captain’s Blues:



Captain’s Saloon, Westenrieder Straße 31, München:
Nautik, Technik, Sport, Silber, Glas, Grafik — und “gefahrene” Schreibtische!
München am Meer I: If You Miss Me on the Harbour
Update zu If You Miss Me on the Harbour,
The Poet, the Physician, the Farmer, the Scientist (My Antediluvian Baby)
und Ihr seid so gut:

Idealausguck aufs Kaufhaus Karstadt Oberpollinger vom Stachus aus.
If you miss me on the harbour
for the boat it leaves at three
take this snake with eyes of garnet
my mother gave to me.Shane MacGowan and the Popes: The Snake With Eyes of Garnet, aus: The Snake, 1994.
The Poet, the Physician, the Farmer, the Scientist (My Antediluvian Baby)
Update zu Gone Stag:
Thou art perfect then, our ship hath touch’d upon
The deserts of Bohemia?Shakespeare: A Winter’s Tale III,3
Ich war kein guter Soldat. Ich war Urlaubssachbearbeiter bei den Fernmeldern in Kötzting, weil ich zu faul zum Verweigern war. Irgendwann war es mir egal, wie oft mein Geschäftszimmerfeldwebel, ein blaurasierter Wichtigtuer von fünfundzwanzig, mich am Tag anschiss. Ich hielt aus, versuchte einen Sinn darin zu sehen, Soldaten wenigstens ein paar Tage in Urlaub zu schicken, und wartete aufs Wochenende. An den Wochentagen besoff ich mich allabendlich viehisch und sang Lieder zur Klampfe.
Freitags zum Dienstschluss war es schon dunkel. Meistens war ich der Letzte in der Schreibstube, der die Schicht vom Fernmeldeturm abwartete und alle ins Wochenende schickte, bevor er zusperren durfte. Von der Kaserne ging es bis zur Bushaltestelle stetig bergab. Der letzte Bus des Tages, vielleicht sogar der einzige, was mich nicht wundern würde, fuhr vom Bahnhof aus nach Cham, von wo ein gewisser Bahnverkehr in Richtung Nürnberg herrschte. Dann wälzte er sich eine unverhältnismäßig lange und umständliche Strecke durch den Landkreis mit ein paar Ortschaften, deren Namen selbst ihre Einwohner vergessen. Jedes Mal war ich der einzige Fahrgast.
Schon in der zweiten Woche, in der ich mitfuhr, erwartete der Busfahrer mich, ein junger Schnauzträger mit Fußballermatte. Wir grüßten uns stumm. Zwei arbeitende Mannsbilder in ungeliebten Jobs zur falschen Zeit am falschen Ort, solche erkennen einander. Er wartete nicht auf weitere Mitfahrer und warf den Diesel an, sobald ich saß. Auf dem vorderen Sitz, damit ich möglichst schnell wieder rauskam, mein kleines Sturmgepäck neben mir auf dem Fensterplatz. Er stellte Bayern 3 an, weil klar war, dass man das mit mir machen konnte.
Einmal grüßte er mich nicht mehr. Er wartete, bis ich saß, warf seinen Diesel an und fing an, wie es sein Job war, mit seinem Geschaukel durch die Oberpfalz. Auf Höhe Chammünster fragte er: “Stört’s, wann i rauch?” Ich hatte ihn noch nie sprechen gehört.
“A wo”, sagte ich, “i rauch höchstens mit.”
“Mogst aa oa?” fragte er und schüttelte, ohne den Blick von der Landstraße zu wenden, sein Zigarettenpäckchen in meine Richtung. Er nahm den Zigarettenanzünder vom Armaturenbrett, ich kramte in meinen Grünzeughosentaschen. Wir rauchten stumm. Das war seine Entschuldigung dafür, dass er nicht gegrüßt hatte.
In diesem Moment brach auf Bayern ein neues Lied los. Ein altes, damals schon, so alt wie ich, 1968. Atlantis von Donovan. Und plötzlich konnte Cham mit seinem Bahnhof, mit seinen Zügen in meine Heimat, gar nicht weit genug weg liegen. Der Busfahrer rauchte und bekam einen Blick, wie ihn Seeleute, Cowboys und Country-Musiker haben — Leute, die viel in die Ferne sehen, den Horizont absuchen — Männer, die Dinge kommen sehen. Er wischte sich die Augen, vielleicht weil ihm Rauch hineingekommen war.
Das Lied dauerte fünf Minuten, dann passierten wir das Chamer Ortsschild. Noch nie war mir Cham so vertraut vorgekommen; ich wusste, wo man zum Bahnhof abbiegen musste, wo das Moonlight lag, in dem die Nicki verkehrte, zwei Gassen weiter in der Altstadt sollte noch ein neunzigjähriger Bürstenbinder praktizieren, und dass ich da vorn am Eck mal ins Mephisto wollte.
Verkehrsdurchsage. “Des is a Musik”, sagte ich atemlos, er sah mir meine Geschwätzigkeit nach. Unsere Zigaretten waren gleichzeitig ausgegangen.
“Nächste Woch!”
“Nächste Woch.”
Fünf Minuten erinnerten sich zwei Mannsbilder, die nicht hierher gehörten, daran, dass der Mensch eine Stimme hat. Nicht nur eine innere, die nach zu vielem Schreien nach Liebe heiser wird. Dass der Mensch träumen darf und warten, dass etwas anfängt, aber sich nicht wundern, wenn er den Moment verpasst hat.
Ich habe nie herausgefunden, ob das gut ist oder schlecht. Lieder wie Atlantis lehren uns an eine höhere Instanz glauben, denn sie sind ihr Medium. Und gerade Schleifen wie Way down below the ocean, where I wanna be, she may be kann man endlos vor sich hin singen, mindestens bis nach Nürnberg, sicher bis nach Amerika. Der eine greift mit ihnen im Ohr Sachen an, dem anderen genügt das Wissen um ihre Melodie. Das sind die, die ihr Leben verrauschen lassen. Wieder unter denen jammern die einen darüber, die anderen lernen es nach ein paar Jahrzehnten der Verzweiflung endlich hinzunehmen. Das sind die Weisen.
Wahrscheinlich ist schon die Frage nach Gut oder Schlecht unzulässig. Es ist wie es ist, und fürs Universum ist die Schöpfung damit erledigt, oder was sonst lernen wir aus Büchern wie Moby-Dick? Man muss sich nicht persönlich getroffen fühlen, wenn man einem Lied wie Atlantis begegnen darf. Schon gar nicht, während man durch die meerferne Oberpfalz gondelt.
In der nächsten Woche grüßten der Busfahrer und ich uns stumm. Auf Höhe Chammünster fragte er: “Stört’s, wann i rauch?”
“A wo”, sagte ich, “i rauch höchstens mit.”
Bayern 3 spielte Nicki.
Lied: Donovan: Atlantis, 1968, auf: Barabajagal, 1969.
Medienschau
Update zu Überall ist Entenhausen:
Die gute Nachricht:
Ich bin jetzt Kim Shattucks Freund, hähä. Dabei ist die verheiratet. High-school-Abschluss 1981, selbstständig seit 1991, macht neuerdings verstärkt auf Fotografin (“I’m a musician and photographer. Sometimes I’m a photographer and a musician”), gibt als Lieblingsmusiken Thelonious Monk, Dean Martin und Charlie Parker an.
Die andere gute Nachricht:
Harry Rowohlt hat noch einmal seine alten Leitzordner durchgekramt. Neu ab 1. März und vorbestellbar: Gottes Segen und Rot Front: Nicht weggeschmissene Briefe zweiter Teil.
Die beschepperte Nachricht:
Gleichwohl fragt sich, wem mit dieser Entzauberung der Comic-Parallelwelt gedient ist. Gelüftete Geheimnisse sind nichts mehr, an dem sich des Lesers Vorstellungskraft entzünden könnte. Vielmehr birgt das Zeigen von Straßennetzen, Panoramen und Geländereliefs die Gefahr, Fantasie abstumpfen zu lassen. Insofern scheint das Begehren, selbst das Reich der Fiktion noch zu kartografieren, seinerseits vermessen.
Kim Shattuck tingelt gerade mit ihren Mitte-Ende 40 mit ihren Muffs durch Spanien, Harry Rowohlts Rentnerhobby wird fraglos wieder das vergnüglichste seit der Erfindung von Sex und selbsteingelegten Gurken, dafür soll der Doktor Hendrik Werner vielleicht mal ein bissel Klavier spielen lernen, wie wär’s?
Noch bis 1. März: Februargewinnspiel!
Bild: Nick Sjobeck: Kim Shattuck sucht ihr Heil in Deutschland.
Das Gute-Laune-Lied featuring Kim kurz nach ihrem High-school-Abschluss mit Mitte 30:
Lied: The Muffs: Outer Space on Drew Carey’s Mr.Vegas’ All-Night Party HBO special, 28. Juni 1997. Für dieses Alter ist das eine gute Aufnahme, die man sehr laut stellen kann.
All that we see or seem
Update zu Moby-Dick goes after Arthur Gordon Pym:
Es gibt Gedenktage, die sind zu groß, um an ihnen herumzubegründen: Entweder weiß man sie zu würdigen oder eben nicht.
Edgar Allan Poe ist 200.
Virtuelle Geburtstagsfeier bei James Russell Lowell und Cynthia.
Daguerrotypie: W.S. Hartshorn, Providence, Rhode Island: Edgar Allan Poe, 9. November 1848,
in the Library of Congress, Digital ID cph.3a52078.
Lied: Der Rabe, von einem ungenannten Klampfobarden eingesungen in der einzig wahren Übersetzung von Arno Schmidt.
The steel-shafted harpoon held tight in his hands
Update zu Like as the waves make towards the pebbled shore:
Der Enkel von Arthur Rubinstein passt nicht nur musikalisch in einen Weblog über Wale und Unterhaltungsmedien: Coffin heißen die Leute vorzugsweise auf der Walfanginsel Nantucket, David überall.
David Coffin spielt haufenweise Instrumente, die meistens Flöte heißen, aber auch schon mal bombard, cornamuse, ghemshorn, racket, rauschpfieffe oder shawm, und singt in einem operntauglichen Bassbariton traditionelle und — es gibt welche! — heutige Seemannslieder und Alte Musik, worin er nicht nachgibt, bevor das ganze Publikum mitsingt. Als besonderes Melvilleanum bringt er uns The Wreck of the Whaleship Essex in passenden Liedern nahe.
Hier weiß einer besser als die nächstbeste Wirtshauscombo, was er für Gassenhauer aufführt und warum sie wann auf welchem Wege welche geworden sind, weil er das studiert hat. Maritime Lieder sollten wenigstens potentiell Tiefgang haben.
Wenn Sie es trotzdem gleich mir nicht lieben, zum Gelingen einer Veranstaltung gezwungen zu werden, obwohl Sie korrekt Ihr Eintrittsgeld entrichtet haben, kaufen Sie lieber seine Flight of Time, Nantucket Sleighride und die neueste Safe in the Harbour. Die Hörbeispiele aus der letzteren klingen nämlich ganz okay — wobei die Begriffe Tiefgang und der vom Mangel an Liebe besonders dann einen feinen Doppelsinn gewinnen, wenn die Lieder von Schiffbrüchen handeln und davon, wie ein Mädchen auf Seemänner wartet.
Lieber old-fashioned mit Kistchen und Liner-Notes kaufen statt kostenpflichtig saugen, weil Coffin viel Hirnschmalz in die Reihenfolge der Lieder pro CD hängt, und wie schnell hat man seine audiovisuellen Medien auf Shuffle gestellt. Anspieltipp: Blow Ye Winds.
Limberjack: David Coffin.
Aufmerksamkeit: Elke.
Mauerfallschockfrosten
Update zu Capturing Lafontainitis:
Schauschau, nach dem aufmerksamen mars bei Cohu am 3. Dezember ist noch jemand anderem aufgefallen, was Reinhard Mohr am 21. September 2008 so über Moby-Dick und sonstige Erzeugnisse der Populärkultur dahergeredet hat. Das muss schon Mitte November gewesen sein, weil es in der Dezember-Titanic stand. Wir sagen ja nicht, dass wir die Schnellsten sind, sondern nur die Besten.
Mal wieder zu Ihnen, Reinhard Mohr!
Sie sind im Kino gewesen, haben den »Baader Meinhof Komplex« geguckt und wie bestellt eine fabulöse Textidee gehabt: »Der-Oskar-Lafontaine-Komplex«: »Es ist ganz großes Theater, das den Deutschen nun schon seit Monaten geboten wird. Wie gebannt verfolgt die Republik die spannendste Inszenierung seit langem – den Oskar-Lafontaine-Komplex. Untertitel: Ein Mann sieht rot. Keine Bühne ist groß genug für ihn.« Ein Mann sieht rot? Oskar Lafontaine, der deutsche Michael Douglas der Selbstjustiz? »Wo immer er auftritt, redet er sich binnen Minuten in Rage wie einst Robin Hood, der Rächer der Enterbten.« Robin Hood ein Redner? An welche Verfilmung denken Sie da, an »Helden in Strumpfhosen«? »Das Virus ergreift selbst bislang politisch eher unauffällige Berufsgruppen.« Das Virus? Sind wir jetzt plötzlich in »Outbreak«, dem Film, dem vom deutschen Verleih der Untertitel »Lautlose Killer« verpaßt wurde? Und wie geht das mit dem in Rage geredeten Robin Hood zusammen?
»Aufwärmen, umrühren, fertig: Oskar Lafontaine und die vermeintlich neue, schicke Linke sind genau wie Nescafé. Sie wollen Ideen von gestern aufkochen, um Politik für morgen zu machen – und leiden doch nur daran, den Schock des Mauerfalls nie verwunden zu haben.« Seit wann aber nun ist Nescafé wiederaufgekochter Kaffee? Ist er nicht eher mauerfallschockgefrostet? »Aber so ist er, der Kapitalismus. Am Ende wird er auch noch den Oskar-Lafontaine-Komplex schlucken wie der weiße Wal den Käpt’n Ahab.«
Bon: Virus, Robin Hood, Moby Dick, aufgewärmt und umgerührt – vielleicht gehen Sie, Mohr, alter Schmock, demnächst lieber in weniger aufregende Filme; wie wär’s z.B. mit »Burn After Reading«?
In diesem Sinne:
Titanic [Briefe an die Leser, Dezember 2008]
Bild: kqedquest: “Moby Dick” whale meat, 1. März 2007.
Leben mit Hermann Mellwill
Update zu sieht ja ulkik aus:
Form ist Inhalt, Inhalt ist Form.
Aristoteles, glaub ich.
Wölfin: Schau mal, beim Don Alphonso schreibt der riesenzwerg über Moby Dick. Warst du das?
Und wären da u.a. nicht die Beschreibungen der gebotenen Verhaltensweisen auf einer Bergtour, man könnte auch hier dem Autor schnell unterstellen, er glaube auf hoher See auf der Jagd nach Mobby Dick zu sein , obwohl er selbst doch nur zuhause in seiner Badewanne sitzt und wie verrückt auf das arme Quietscheentschen einsticht…… :-)
Wolf: Seh ich aus wie ein Riesenzwerg? Außerdem schreib ich Mobby Dick nicht mit Doppel-b.
Wölfin: Du bist doch der letzte arrogante Schnösel bist doch du. Statt dass du froh bist, wie Moby Dick im Bewusstsein der Blogger verankert ist, hängst du dich an Kommafehlern auf.
Wolf: Was für Kommafehlern?
Wölfin: Du weißt schon, wie ich’s meine. Wichtig sind doch die Inhalte!
Wolf: Hab ich was anderes gesagt?
Wölfin: Dann leb doch danach!
Bild: D.S. Ullery: Culture Shock, 1981.
Noch bis 11. Januar: Dezembergewinnspiel!
Die neuen alten Mobys
Jürgen beschenkt sich selbst und uns:
Seit kurzem sind vier neue Mitglieder in der Moby-Dick-Familie hier im Hause. Drei, zu denen in oben genannter Bücherliste bis dato noch genauere Informationen fehlen. Eines, das noch nicht in der Liste steht (und eigentlich auch keinen Platz darin verdient hat…)
Die Informationen will ich jetzt nachreichen.
Erstens: Sonderausgabe für die Stuttgarter Hausbücherei, Copyright Verlag Deutsche Volksbücher, Stuttgart (erstmals 1958), übersetzt und bearbeitet von Hans Trausil. 474 Seiten plus Inhaltsverzeichnis. Das erste Kapitel heisst “Des Meeres Ferne tut sich auf” und beginnt: “Nennt mich Ismael.”
Prolog fehlt komplett, aus Cetology wird “Rangordnung der Wale und Waljäger”.
Die Vergleichsstelle aus Kapitel 28 klingt so:
“Keine Spur von körperlichem Leiden oder überstandener Krankheit war an ihm wahrzunehmen. Er wirkte wie einer, der dem Scheiterhaufen entrissen wurde, als die Flammen schon sengend an ihm emporgeleckt hatten, ohne seinen Körper zu verzehren, ohne seiner ehernen Altersrüstigkeit etwas anzuhaben. Seine hohe, breitschultrige Gestalt sah aus wie in Bronze gegossen, Cellinis Perseus gleichend, geprägt in unvergänglichem Guß. Unter dem grauen Haar hervor verlief eine fahle Narbe seitlich über sein sonnenverbranntes Gesicht bis unter den Hemdkragen, wie von dem Hieb einer schlanken Gerte. Sie glich der senkrechten Naht am hochragenden Stamm eines Baumes, den der Blitz von oben bis unten, eine Rille grabend, durchzuckt, ohne einen einzigen Zweig zu knicken. So stand Ahab, gezeichnet, aber in voller Kraft.”
Garnicht mal so schlecht…
Zweitens: im Eduard Kaiser Verlag erschienen, übersetzt und bearbeitet von Gerhard Lorenz, ohne Jahr und ohne ISBN (was auf eine Veröffentlichung vor 1972 schliessen lässt – vom Gefühl her würde ich aber sagen: deutlich früher, Ende 50er, Anfang 60er?). 392 Seiten inkl. 2 Seiten Nachwort von Herrn Lorenz. Das erste Kapitel heißt “Zum Beginn” und beginnt: “Nennt mich Ismael.”
Den gesamten Prolog lässt Herr Lorenz weg, das Kapitel 32: Cetology gibt es immerhin, es heisst hier “Walkunde”.
Im Ahab-Kapitel (28) liest es sich wie folgt:
“Keine Spur einer noch bestehenden oder einer überstandenen Krankheit war an ihm zu erkennen. Er sah vielmehr wie einer aus, den man im letzten Augenblick dem Scheiterhaufen entrissen hatte, an dem die Flammen schon emporgezüngelt waren, ohne jedoch seine Glieder im Geringsten zu zerstören oder ihrer Altersrüstigkeit Schaden zu tun. Seine hohe und breite Gestalt schien aus kompakter Bronze gegossen zu sein, für die Dauer geformt, gleich Cellinis Perseus. Unter seinem grauen Haar hervor lief über die linke Gesichtshälfte und den sonnengegerbten Nacken eine weißliche Narbe. Ihr weiterer Verlauf war durch den Kragen verdeckt; sie glich einem Peitschenhieb oder der senkrechten Spur, wie sie der Blitz manchmal am Stamme eines Baumes hinterlässt, ohne an diesem auch nur einen Ast zu knicken; sie verliert sich im Boden, aber der Stamm ist, wenn auch noch lebendig, doch gezeichnet.”
Herr Lorenz ist der einzige, der die Narbe auf die linke Seite legt (im Original heisst es: “…and continuing right down one side of his tawny scorched face and neck…”). Und ich habe den Eindruck, dass er die Übersetzung von Hans Trausil kannte…
Drittens: im Ensslin & Laiblin Verlag erschienen, übersetzt und bearbeitet von Karl Bahnmüller, 1950 erschienen (lt. DNB), ohne ISBN, als Jugendausgabe bezeichnet. 392 Seiten inkl. Anhang und Inhaltsverzeichnis. Das erste Kapitel wird hier als “Vorrede” bezeichnet und heisst: “Ihr könnt mich Ismael nennen”. Der erste Satz beginnt dann mit “Vor ein paar Jahren…”
Auch hier: Prolog fehlt, Cetology findet sich auch hier (!) als Kapitel 19: Walkunde. Mit Fussnote: siehe Walkunde nach dem heutigen Stand der Wissenschaft S.381 – dort findet sich der Anhang, durchaus informativ, aus der Zeitschrift “Fette und Seifen”, Berlin, Heft 1 – 1938.
Aus dem Ahab-Kapitel:
“Er sah nicht aus, als habe er eine Krankheit hinter sich, auch nicht, als ob er von einer genesen wäre. Weit eher glich er einem Mann, dem die Flammen schon die Haut versengt hatten, bevor er vom Marterpfahl geschnitten und aus dem Feuer gezerrt worden war. Wie aus Bronze schien er gegossen und für immer geformt. Er war hoch gewachsen, breit. Eine bläulichweiße Narbe lief ihm unter dem grauen Haar hervor, ein dünner Strich, der sich über Gesicht und Hals hinzog und unter den Kleidern verschwand. Er war gezeichnet wie eine Eiche, in die der Blitz eingeschlagen hatte.”
Für eine ausgewiesene Jugendausgabe nicht schlecht… Und auch ziemlich erfolgreich: im Katalog der DNB lässt sich die Übersetzung bis 1994 nachweisen – 175. – 177. Tsd.
Und schliesslich Viertens: (diese Ausgabe ist meine erste gewesen, lange vergessen und durch Zufall wieder entdeckt) im Verlag Tosa erschienen, Neubearbeitung von Hans Hecke, Sonderausgabe, deshalb wohl ohne Jahr und ohne ISBN. 272 Seiten inkl. Inhaltsverzeichnis. Das erste Kapitel heisst “Das weite Meer ruft” und beginnt: “Ich heiße Ismael.”
Prolog: Fehlanzeige. Cetology: Fehlanzeige.
Das Ahab-Kapitel:
“Man konnte ihm keine Spur eines körperlichen Leidens oder einer überstandenen Krankheit ansehen. Seine hohe, breitschultrige Gestalt wirkte wie aus Bronze gegossen. Unter dem grauen Haar hervor verlief eine fahle Narbe seitlich über sein sonnenverbranntes Gesicht bis unter den Hemdkragen, wie von dem Hieb einer schlanken Gerte. So stand Ahab gezeichnet, aber in voller Kraft vor uns.”
Wahrhaftig mächtig gekürzt und stark bearbeitet. Keine empfehlenswerte Ausgabe. Ist ja glücklicherweise auch nicht mehr erhältlich…
Und hier, zum Vergleich, die Stelle aus Kapitel 28 in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen:
“Es schien da kein Zeichen gewöhnlicher körperlicher Krankheit an ihm zu sein, noch solche der Erholung von einer solchen. Er sah aus wie ein Mann, den man vom Scheiterhaufen abgeschnitten, als das Feuer blitzschnell all seine Glieder versehrt hatte, ohne sie zu verzehren oder ihnen ein Jota von ihrer verdichteten gealterten Robustheit zu nehmen. Seine ganze hohe, breite Gestalt schien aus solider Bronze gemacht und in eine unwandelbare Form gebracht wie Cellinis gegossener Perseus. Sich einen Weg bahnend von unterhalb seiner grauen Haare, sich geradewegs fortsetzend die eine Seite seines lohbraun versengten Gesichtes und Halses hinab, bis es in seiner Kleidung verschwand, sah man ein schlankes, gertenartiges Mal von fahler Weißlichkeit. Es glich einer senkrechten Naht, wie sie bisweilen dem aufrechten, hochragenden Stamm eines einsamen Baumes einbeschrieben wird, wenn der Blitz von hochdroben zerfetzend daran niederjagt und, ohne einen einzigen Zweig abzureißen, die Borke von der Spitze bis in den Boden abschält und ausfurcht, ehe er in die Erde springt, den Baum immer noch bei grünem Leben, aber gezeichnet zurücklassend.”
Happy Christmas your arse, I pray God it’s our last (and the bells were ringing out for Christmas day)
Update zu Das heldische Leiden an der Welt:
I went out playing the afternoon around the block got lost, so busy telling all the other kids a fairy tale of New York. That my real father was a tycoon and my mother a princess…
James Patrick Donleavy: A Fairytale of New York, 1973
‘Round yon virgin mother and Child,
Holy infant so tender and mild,
Sleep in heavenly peace,
Sleep in heavenly peace.
Wann immer jemand außerhalb der Weihnachtszeit — was immer noch zwischen erstem Advent und Mariä Lichtmess bedeutet — ein Weihnachtslied singt, stirbt ein Mitglied seiner Familie, wie man von Herbert Rosendorfer weiß.
Nachdem mein pausenloser Versuch gescheitert ist, meine Familie auszurotten, indem mich seit 1987 ganzjährig A Fairytale of New York aus der If I Should Fall From Grace With God begleitet, stehe ich selbst unter Lebensgefahr: An dem Lied entwaffnet mich immer noch und immer wieder die Manier, Weihnachten anhand wüster Beschimpfungen als Wechselgesang zu feiern, das erinnert mich an meine Kindheit — und The Ghosts of Oxford Street ist ein weitgehend verschollener Film. Wer kann so leben?
Das Lied heißt nach dem gleichnamigen Roman von James Patrick Donleavy von 1973, der wiederum nach dessen eigenem Theaterstück von 1961 heißt. Die Melodie ist von Marcia Farquhar inspiriert und musste ein paar Jahre auf kleiner Flamme köcheln, bis Shane MacGowan aus ihr machen konnte, was sie ist. So durchschaubar, so gut.
Der Film jedoch stammt erst von 1991, das ist praktisch vorgestern. Der Regisseur Malcolm McLaren hatte die Finger in den Soundtracks zum zweiten Kill Bill und der Coppolaschen Marie Antoinette, was verdienstreich scheint, aber nicht für den obermegaschimpansentittenspitzengeilen Ruhm reicht. Aber schaut doch den Soundtrack zur Oxford Street mal an!
Belegt sind genau zwei Ausschnitte: einer mit dem o.a. Fairytale of New York — wie es sich gehört, vom einzig wahren und echten, schon zahnlos geborenen Shane MacGowan von den Pogues –, einer mit Stille Nacht — von Sinéad O’Connor.
Das ist als Besetzung für eine britische Fernsehproduktion über windige 56 Minuten Hammers genug. Die Handlung bezieht sich, wie der Titel nahelegt, auf Charles Dickens, entsprechend ist der Film als viktorianischer Kostümschinken aufgemacht: ein Musical aus zweitverwendetem Musikmaterial über den 200. Geburtstag einer Londoner Einkaufsstraße. Es existiert weder auf Video noch DVD, nur den Soundtrack gibt’s — mit dem Regisseur, den Pogues in Variationen, Charles Brown und, irgendwas ist ja immer, Tom Jones.
Dabei hätten wir in dem Film die einmalige Gelegenheit, Kirsty MacColl, MacGowans Duettpartnerin, in ihrer einzigen anständigen Filmrolle zu erleben. Sie war noch in drei Folgen French and Saunders, ansonsten Musikerin. Sie verfügte über eine ganz unwahrscheinliche Nashville-Röhre und eine Bühnenangst, die sie auch als anerkannte Singer-Songwriterin nie so richtig überwand.
Heute vor acht Jahren, am 18. Dezember 2000, riss sie ihren Sohn beim Baden in gefährlichem Gewässer vor Cozumel bei Mexiko aus der Fahrbahn eines Motorboots und rettete ihm unter Einsatz ihres eigenen das Leben. An den Verletzungen, die sie sich dabei zuzog, starb sie mit ihren zarten 41. Als Mutter soll sie wirklich hingebungsvoll gewesen sein.
Der steuernde Matrose zahlte den Schnäppchenpreis von 1034 Pesos für fahrlässige Tötung.
Das Verfahren schwebt.
Am südlichen Eingang zum Londoner Soho Square steht eine Parkbank zu ihren Ehren, wegen An empty bench in Soho Square/If you’d have come you’d have found me there. Hätten sie mal lieber eine DVD von Oxford Street gemacht.
Shane MacGowan behilft sich bei seinen verbleibenden Live-Aufführungen mit Katie Melua.
Weihnachtslieder außerhalb Weihnachten und Badeurlaub außerhalb der Sommerferien, das geht nicht gut.
Das Musikmaterial:
- Kirsty MacColl: Soho Square, 1994;
- The Pogues & Kirsty MacColl: A Fairytale of New York, Originalvideo 1987;
- The Pogues & Kirsty MacColl: A Fairytale of New York, Ausschitt The Ghosts of Oxford Street 1991;
- Sinéad O’Connor: Silent Night, Ausschitt The Ghosts of Oxford Street 1991.
Die Verschollenen zur See singen ein Lied zum Weihnachtstag.
Update zu !מזל טוֹב:
Anfang Januar war klar, was die Platte des Jahres wird. Da erschien die Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon von Get Well Soon. Allein das Veröffentlichungsdatum war schon ein Wahn — und dann noch das Repertoire aus luxusdepressiven Hymnen, als die Zielgruppe Weihnachtslieder über hatte. Dabei sollte Konstantin Gropper, Kopf und Kehlkopf der Kapelle, es besser wissen, der hat nämlich ein Examen von der Popakademie Baden-Württemberg und versteht sich bestimmt trefflich auf die Kontrapunktik des Elektrobasses, Historie der südamerikanischen fünfsaitigen Holzschlaginstrumente unter besonderer Berücksichtigung der [hier irgendwas weblogtypisch Oberskurriles einsetzen] und das Dirigieren eines Hausfrauenchors. Was erringt man dort eigentlich für einen Abschluss? Dipl. zupf. blas. et hau.? Nur in Product Release Timing hat er gefehlt, das spätbarocke Wunderkind. Für die Flops von Wim Wenders lässt man sich nicht ungestraft protegieren, wenn man als Hauptinstrument Symphonieorchester gelernt hat. Was reden wir: Das Ding funktioniert auch außerhalb von Weihnachten, macht mit seinem ganzen Weltschmerz aus Kissenseide und Sofabrokat grinseglücklich und ist gar nicht die Platte des Jahres, sondern der 2008er Alltime-Klassiker. Denken Sie in zwanzig Jahren an meine Worte.
Das Pathos von Liedern mit bedeutungsschwerem Walgesang und unheilschwangerem Echolot als Melodieträger war ab Ludwig Hirsch 1991 bis Smoke City 1997 ausgereizt, darum ist Listen! Those Lost at Sea Sing a Song on Christmas Day auf der Normalversion ihres bisher leider einzigen Longplays gar nicht drauf, nur auf der weihnachtlichen EP-Erweiterung Songs Against The Glaciation. Außerdem, das verlautbare ich jetzt einfach so unbefugt, ist es genau das Video, für das Youtube kürzlich auf Breitwandformat umgestellt hat. Keine halben Sachen jetzt: Lautsprecher auf und Vollbild bitte:
Ihre Beschäftigung fürs Restnikolauswochenende: Widersprechen Sie mir! Finden Sie Get Well Soon doof und eine dekadente Streberklasse voll oscar-wilde-geschniegelter Zierbengel (“Hallo? Hilfe, Alder, das is doch sowas von deutsch!”), verteilen Sie Ihre eigenen Privatgrammys und ersparen Sie sich glühweinbasierte Rauschzustände. Vielleicht nehm ich dann auch Herrn Melville die entwürdigende Betty-Page-Mütze wieder ab.
Weiterhören:
- If This Hat Is Missing I Have Gone Hunting
- Witches! Witches! Rest Now in the Fire
- Christmas in Adventure Parks
- Ticktack! Goes My Automatic Heart
[Edit:] Eine Erwähnung findet das propagierte Lied auch in der Indiepedia: nämlich unter Songtitel, die inklusive Leerzeichen länger als 50 Zeichen sind, was auf eine Aktion im Spreeblick zurückgeht. Genau da sollte man Lieder von Get Well Soon auch zuerst suchen, heiße Anwärter auf viele Buchstaben mit allenfalls metaphysischem Bezug zum Restlied sind die alle. [/Edit]
Campinos Tante
Update zu Absurd and Nonprofit:
Ich habe mich in meinem ganzen Denken den Toten Hosen immer sehr verwandt gefühlt.
Else Stratmann-Heidenreich, August 2006.
Internetvolk hat eine Aufmerksamkeitsspanne von annähernd 28 Minuten? Wenn sich das durchsetzt, hat Ranickel vielleicht nicht ganz umsonst über das rumgemosert, worüber unsereins schon das Augenrollen zu anstrengend findet. Ist ja sein Rentnerhobby, dreinreden will ihm schon gleich gar niemand, seinen Fernsehpreis hat er ja dann doch noch mitgenommen, und die Heidenreichsche wird auch nicht gleich auf Hartz 4 kommen.
Else Stratmann selig wird wieder moderieren gelassen — etwas dérangée sieht sie dabei aus — und der Drei-Goschen-Opa Campino kann lesen. Das alles mag man begrüßen oder nicht, aber eine Titelmusik von Element of Crime ist ja schon mal ein ordentlicher Anfang. Also: Gucken.
War nicht mal die Rede davon, dass bei der Guten unser aller Lieblingsbuch von Christian Brückner vorgelesen wird? Kennt jemand Aufzeichnungen davon? Das wär mal ein Fernsehereignis seit der Erstausstrahlung von Pippi Langstrumpf.
Bild: Elke Heidenreich 1972: Freunde de Hauses der Toten Hosen, August 2006.
Film: Die Toten Hosen: 3 Akkorde für ein Halleluja auf Video, 1989, featuring Elke Heidenreich.
Glühende Mannschaften durch Aufbau Moby!
Elke liest parallel:
Ein freudiges Ereignis wird im höchsten Krähennest aller segelnden Fangflotten gefeiert. Der neue Jungwal aus dem Hause Aufbau, voller Babywalspeck und reichlich sieben Seiten Wirzberger wurde mit offenen Armen adoptiert. Er kuschelte sich sogleich, Wärme suchend, an den gewichtigen dicken Rathjen-Moby. Und plappert allerliebst Seiffertsch, beginnend mit einem entschlossen orakelnden “Nennt mich Ismael”. Aus uns vertrauten Kapitelüberschriften friemelt er schöpferisch, doch durchaus akzeptabel andere: denn warum soll die “Reisetasche” vom Jendis und vom Rathjen nicht auch ein “Reisesack” sein können – sind wir doch unter Seeleuten. Wieviel Chowder und Labskaus gemeinsam haben, weiß ich zwar nicht, aber als was küstennah Nahrhaftes sagt der Letztere dem Nicht-Neuengländer vielleicht mehr als das unvergleichliche Labsal der Mrs. Hosea Hussey. So geht es munter fort. Wenn das nicht ein braves Übersetzerherz, für welche Sprachen es auch immer – und immer mehr – brennen mag, höher schlagen lässt. O der Vorfreude! Und demnächst rücken wir dann auch dem Professore Wirzberger zu Leibe, mit geschärfter Harpune und zappelnden Tippselfingern.
Thar she blows!
Bild: Elke.
Alles wird besser, nichts wird gut
Update zu Tjolahopp tjolahej tjolahoppsan sa:
I see red!
Joseph McCarthy, unsourced.
Letztes Jahr um diese Zeit war wenigstens noch der Hundertste von Astrid Lindgren. Heuer der vom McCarthy-Sepp. Ach kommt, feiern wir lieber nochmal die Astrid (wie klingt der Name eigentlich auf Schwäbisch?).
Dann wacht man am nächsten Morgen mit diesem Stück im Bett auf und fragt sich, wie es so weit kommen konnte.
Update zu Ahab — Held oder Schurke?
und Die einen sagen so, die andern so:
Stay in school and use your brain. Be a doctor, be a lawyer, carry a leather briefcase. Forget about sports as a profession. Sports make ya grunt and smell. See, be a thinker, not a stinker.
Apollo Creed zu Rocky Balboa, 1976.
Interview der Du 8/08 mit Sylvester Stallone: “‘Rocky’ ist gar kein Boxerfilm, sondern eine Liebesgeschichte”, 24. September 2008:
Damals gab es einige der grössten Autoren — Charles Dickens, Henry Wadsworth Longfellow, Herman Melville mit “Moby Dick” und “Billy Budd”, Joseph Conrad, Rudyard Kipling, John Dos Passos, Sinclair Lewis. Es gibt so viele aus dieser Zeit, und ihre Geschichten funktionieren immer noch. Unglaubliche Stoffe. Wer kann heute noch so schreiben? Ich denke, wir werden von Generation zu Generation weniger belesen und visueller.
Soundtrack: Der andere “Rocky” von 1976: Frank Farian bei Ilja Richter.
Bild: Du 8/2008: Helden und Antihelden.
Happy ending the study of doomed monomania
Update zu Disney’s Inferno:
Stellen wir uns vor: All die hämischen Parodieversuche seitens überzeugter Kulturverächter, die uns hier die Bude mit Suchanfragen wie buch präsentation mobbi dick und dörflein singt devil in disguise einrennen, wären überholt und diskreditierten sich damit selbst. Hähähä, würden wir sagen, geht Mundharmonika spielen oder lernt wenigstens anständig Rollbrett fahren, da steht ihr doch drauf, würden wir sagen, ihr könnt euch weiter über Spielsachen unterhalten, die mit einem kleinen i anfangen.
Da hat unser Lieblingsopa (damals 32) Herman Melville schon selber dran gedacht, dass sein Walbuch ein Happy End haben sollte, da brauchte der keine Marketingleitung von Disney dazu. Am 15. Februar 2006 hat der Olive Reader aufgetan:
Imagine, at the end of Herman Melville’s Moby-Dick, that Captain Ahab and the crew of the Pequod kill the white whale instead of the other way around. That Ishmael is not alone in his escape. Steven Olsen-Smith, an associate professor of English at Boise State University, has reconstructed textual evidence that strongly suggests that Melville, whose 1851 novel stands as one of the great achievements of American literature and an enduring study of doomed monomania, entertained just such a scenario.
Die Originalquellen dazu sind teils schon verschwunden — der Olive Reader will es von den Arts & Letters Daily wissen, die nichts darüber hergeben —, teils noch nicht wieder hergestellt: Der erwähnte Steven Olsen-Smith baut zur Zeit die Melville’s Marginalia Online und rettet Melville als Dichter.
Wie lange dergleichen braucht, wissen wir am besten. Bis Olsen-Smith fertig ist mit seiner textual evidence, haben wir zwei tolle neue Bookmarks von ihm in der Linkrolle und können ein bissel Mundharmonika üben.
Bild: Moby Dick the Musical Poster;
Aufmerksamkeit: Jürgen. Danke!
If You Miss Me on the Harbour
48° 8′ nördlicher Breite, 11° 34′ östlicher Länge, 519 Meter (und sechs Stockwerke) über dem Meeresspiegel:
Niemand, nicht einmal die Personalabteilung, kann mehr sagen, wer Frau Kreutzer eingestellt hat. Die Unterlagen sind spätestens bei den Feierlichkeiten zum einhundertsten Eröffnungsjubiläum verloren gegangen, mit den Kollegen in der Abteilung redet sie nicht viel. Die Firmenleitung ist es zufrieden, Frau Kreutzer arbeitet gut, sie kennt sich besser im Gebäude aus als jeder andere.
Der Biograph von Robert Walser hat vor Jahren bei seinen Recherchen in einem Antiquariat eine Erstausgabe des Hesperus von Jean Paul gefunden, 1795 vom Künstler signiert und mit einer Leseanleitung für seine Herzensfreundin darin. 1960 bekam die zuständige Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung ein Rezensionsexemplar rein, das sie nicht gleich in die Grabbelkiste für die Kollegen schmeißen wollte: den dritten Band der großen Gesamtausgabe Jean Paul, den Titan im Hanser Verlag. Diese Zusendungen in die eigenen privaten Bestände zu übernehmen, war nicht ganz im Sinne der Verlage, aber geduldet.
Das darin enthaltene Seebuch des Luftschiffers Giannozzo las die Redakteurin zuerst, weil sie sowieso dazu neigte, die Schlüsse vorzuziehen, und es als “Komischer Anhang” fungierte, das konnte nicht falsch sein. Noch einen Grund gab es, auf den sie nur selbst kommen konnte, den sie aber nicht in sich zuließ:
Jean Paul stammte aus Wunsiedel, aus dem tiefsten Franken, landrattiger geht’s nicht mehr. Und er schrieb ein Seebuch. Jedenfalls etwas, das diesen Namen vertrug. Die Redakteurin, übrigens Kreutzer mit Namen, stammte aus Bremen. Aus der Nähe. Delmenhorst. Kennt sowieso kein Mensch. Begreift sich aber als Waterkant. Und versauerte in einem Bergdorf namens München. Da packte Frau Kreutzer die Wehmut über ihr Leben, das schön hätte werden sollen und schon halb vorbei war.
Da erinnerte sich Frau Kreutzer, wie sie 1905 persönlich für die Kaufmannsfamilie Emden & Söhne, mit der sie damals nach München gekommen war, die Hansekoggen und den Merkur auf die Giebel des neuen Geschäftsgebäudes geschraubt hatte. Das hatte sie sich als einziges hanseatisches Mitbringsel der expandierenden Fischkopfhändler überhaupt nicht nehmen lassen. Sie überlegte genau zwei Minuten und bewarb sich inkognito bei den neuen Besitzern zurück, die auch schon wieder seit Jahrzehnten darin walteten.
Nach dem Vorstellungsgespräch, in dem sie sich für eine Achtzigjährige ganz wacker geschlagen hatte, trat sie an die frische Luft, die kaum Salz enthielt, rief “Ahoi!” und rannte übermütig durch den nahen Brunnen am Stachus.
Mehr Seeluft gab München nicht her.

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BIlder: Kaufhaus Oberpollinger, Neuhauser Straße 18, München, selber gemacht. Vollanzeige hinter der rechten Maustaste;
Film: The Big Store (Marx Brothers im Kaufhaus), 1941, der Schluss mit der Rollschuhjagd.
Freundliche Begegnung: Heute vor 222 Jahren:
Update zu Lachen uns die Engländer mit ihrem großen praktischen Verstande aus und gewinnen die Welt:
Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise. Reisetagebuch an Frau v. Stein, Vom Brenner bis Verona: Trient, den 11. September [1786], früh, cit. Hamburger Ausgabe, Autobiographische Schriften III:
Die aufgebundenen Zöpfe der Frauen, der Männer bloße Brust und leichte Jacken, die trefflichen Ochsen, die sie vom Markt nach Hause treiben, die beladenen Eselchen, alles bildet einen lebendigen, bewegten Heinrich Roos. Und nun, wenn es Abend wird, bei der milden Luft wenige Wolken an den Bergen ruhen, am Himmel mehr stehen als ziehen, und gleich nach Sonnenuntergang das Geschrille der Heuschrecken laut zu werden anfängt, da fühlt man sich doch einmal in der Welt zu Hause und nicht wie geborgt oder im Exil. Ich lasse mir’s gefallen, als wenn ich hier geboren und erzogen wäre und nun von einer Grönlandsfahrt, von einem Walfischfange zurückkäme.
Bild: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe auf zurückgelehntem Stuhl in seiner römischen Wohnung, 1787.
Hinweis in eigener Sache:
Septembergewinnspiel
noch bis 20. September!
Who pays the piper calls the tune
Update zu Und Jan Mayen, der alte Flegel,
LiederJan Mayen und die Wahrheit über den alten Flegel
und The Mermaid Problem:
Jahrelang dachte ich, diese Dreiergruppen von Liedern wären eine eigene Kunstform. Wenn Sie eine Platte besitzen, die entfernt nach etwas Irischem klingen will, kennen Sie das, auf jeder ist unfehlbar genau eine drauf. Vor Jahren hab ich mal ein verschärftes Ohr nach fränkischen Regionalkapellen ausgefahren, die neigen stark zum Keltentum. Marginal Prophets, Forgotten Freaks; Bonny Glee und Fiddler’s Green gibt’s sogar noch, und Carson Sage and the Black Riders schon wieder.
Auf jeder ihrer Veröffentlichungen spielen diese Frankokelten eins der typischen Dreiersets, meistens nicht das langweiligste Stück der Platte, meistens instrumental, Vocals allenfalls wie eine Instrumentalstimme eingesetzt, meistens vom ersten zum dritten Stück im Tempo gesteigert. Jetzt hat’s mich doch mal interessiert, woher dieser Standard rührt.
Viel Theoriewissen ist nicht verbreitet. Die üblichen Unterschiede zwischen Jigs, Reels, Hornpipes, Airs und Ballads merkt man sich schon aus Verzweiflung, wenn man sich die ganzen wüsten Melodien nicht merken kann. Und dann erhellt: Man muss von vornherein mitspielen, dann merkt man sich auch die Melodien, die ganzen Zweitstimmen entstehen wahrscheinlich aus eilig korrigierten Verspielern. They’re not bugs, they’re features, und in Notenform wünscht man sie sich möglicherweise aufgezeichnet, kann aber in der Kneipe nie so schnell nachblättern wie der Bartender zapft. Die brauchbarste Erklärung steht als Gebrauchsanweisung für Sessionspieler bei der Slow-Session im Hamburger Café Sternchance:
Ablauf: Ein Spieler beginnt ein Set — meist drei Tunes hintereinander — zu spielen. Er behält so lange die Führung, wie er Tune an Tune reiht. Manche Musiker spielen feste Sets, andere überlegen sich kurz vorher, welche Tunes tonartlich hintereinander passen, wieder andere entscheiden während des Spiels spontan, welcher Tune als nächster folgt. Die Regel ist, dass jeder Tune dreimal gespielt wird, Single Reels gerne viermal, Hornpipes auch zweimal, in jedem Fall den Lead-Spieler am Ende des zweiten Tunes beobachten, ob er zu erkennen gibt, wann der Wechsel folgt. Dann mit Spielen aufhören und lauschen, welcher Tune nun dran ist. Durch das Set leitet also jeweils ein Musiker. Das ist eine Herausforderung, schließlich ist man derjenige, auf den sich die anderen beziehen; strauchelt der Leader, fliegen auch alle anderen aus der Kurve. Ziemlich gemütlich hinwiederum kann es sein, einfach mitzududeln und sich an den Leader dranzuhängen. Allerdings muss man dann halt warten, bis die “richtigen” Tunes gespielt werden. Kommen sie nicht dran, hilft nur eines: selber ein Set anfangen.
Wie konnte ich zweifeln: Keine definierte Kunstform, sondern ganz praktisch.
Wie ich drauf gekommen bin? Nun, Liederjan waren der Welt zugänglich zu machen; kann ja nicht sein, dass die 1998 drei Walfanglieder in gut zwei Minuten aufgenommen haben und keiner merkt’s. Neu für den interessierten Laien mit Text und bisschen was zum Angeben:
a) Das Grönländische Wachtlied
Reis ut Quartier in Gottes Nam
Ji möt den Mann ant Rohr verfangn
De Utkiek schall nicht länger stahn
Reis ut Quartier in Gottes Nam!b) Unser Bootsmann
Unser Bootsmann, den sien Krefftsack, oh, oh, oh,
is so groht as en Marsfallblock, oh, oh, oh,
und sien Flitt de ist so lang as sien Leeseilspier,
drum reise, reise, reise, reise, reise ut Quartier.
Drum reise, reise, reise, reise, reise ut Quartier.c) Und Jan Mayen, der alte Flegel
Alle segeln nach dem Norden in das eisigkalte Meer.
Rolle, ja rolle, rolle Schifflein hin und her,
tanze, ja tanze, auf dem weltbewegten Meer.Groß und stolz die Flagge wehet in der Luft am Großmasttopp.
Rolle, ja rolle, rolle Schifflein hin und her,
tanze, ja tanze, auf dem weltbewegten Meer.Und Jan Mayen, der alte Flegel, ist passiert mit einem Blick.
Rolle, ja rolle, rolle Schifflein hin und her,
tanze, ja tanze, auf dem weltbewegten Meer.Diese drei Seemannslieder entnahmen wir den Büchern der Glückstädter Volkskundlerin Wanda Oesau über die Geschichte des deutschen Walfangs. Es sind Walfanglieder, die aus einer Zeit stammen, als die Wale noch in kleinen Ruderbooten mit der Handpumpe gejagt wurden. Bisher haben diese Lieder noch keine Aufnahme in einschlägige Liederbücher gefunden. Zu a) Dieses Lied war das Wecklied der abgehenden Wache für die neue. Es wurde in das bestimmte “Quartier” hineingesungen. Zu b) Ein derb-erotisches Spottlied auf einen Bootsmann. Zu c) Ein altes Walfängershanty. Jan Mayen Eiland liegt zwischen Gränland und Spitzbergen und diente den Walfängern als Wegweiser.
Quelle: Wanda Oesau: Alte deutsche Walfanglieder, Glückstadt o.J.
Musik, Text und Bild: Liederjan: Mädchen, Meister, Mönche, 1998.
Da war doch was
Latest News von der Federwelt:
Die Wüstenrot Stiftung, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und der Wallstein Verlag haben sich verbündet, um vergessene Literatur in einer eigenen Edition wieder ins Bewusstsein der Leser zu heben. Dabei übernimmt jeweils ein Schriftsteller die Patenschaft für ein Buch und stellt es in einer bundesweiten Lesereihe vor. Die Wüstenrot Stiftung stellt für fünf Jahre die finanziellen Mittel bereit. Für den ersten Titel, “Das Buch der Bücher” von Peter Altenberg (1859-1919), steht Wilhelm Genazino als Pate ein.
Löbliche Aktion. Soll ich mal raten, was danach kommt? Hans Henny Jahnn, wetten? Und dann Johann Gottfried Schnabel und dann irgendwas von Cooper, die kommen immer, wenn was über Bücher kommt, die angeblich keiner mehr kennt. An Peter Härtling 1966 und vergessene-buecher.de 1903–1908 glaub ich irgendwie nicht — das erste ist zu offensichtlich und das zweite handelt von so einem “System der politischen Ökonomie”, an sowas will ja keiner erinnert werden.
Nein, ist schon okay, dass mal was anderes gefördert wird als Kindheitsaufarbeitungen in der BRD der Siebziger (eigentlich müssten doch die langsam die Kinder schreiben können, die sich an die Neunziger erinnern, oder?) und Tintenherz. Bin ja bloß neidisch, dass es wieder nicht um meinen schönen Reclam-Paralleldruck Werther geht, den ich mal in der Kneipe vergessen hab.
Vergessenes Buch: Some South Seas Mermaids, Never Sea Land, 22. Mai 2008.
Vergessenes Lied: Cindy & Bert: Der Hund von Baskerville, 1971. Musik: Terrence Butler, Frank Iommi, John Osbourne, William T. Ward. Deutscher Text: Bert Berger.
Don’t Give Up Till It’s Over
Update zu Songs the Whalemen Sang:
73 ist er geworden, steinalt mit blitzenden Lausejungenaugen war er irgendwie schon immer. Ronnie Drew, Gründungsmitglied, Mastermind und vor allem Stimme der Dubliners, wurde am 16. August vom Krebs dahingerafft.
Die besten irischen Kapellen, die auch nach Irland klingen, wie man sich’s vorstellt, waren immer die Dubliners und die Pogues, da diskutier ich schon lange allenfalls noch über die Reihenfolge — jede von ihnen auf ihre verdammt spezielle Weise: die Dubliners als Fackelträger der Tradition, die Pogues als ausgelassene Rabauken. Mich hat immer gefreut, wie sich diese Aushängeschilder der verschiedenen Generationen, denen sie angehörten, nicht trotzdem vertrugen, sondern deswegen.
Das fiel unter Kollegen so weit auf, dass die McCalmans mal in nicht ihrem schlechtesten Lied halb neidisch, halb frozzelig gefragt haben: “Who put the Pogues in the Irish Rover?” Die sind Schotten. Das ist nichts Schlechteres als Iren, und daher werden die sich wohl auch mit intertextuellen Bezügen auskennen. Das von den Greenland Whale Fisheries war Mr. Drew dafür unbestreitbar auf den Leib komponiert.
Der intertextuelle Bezug: Überleben wird Mr. Drew durch einen Fernsehauftritt mit den zwei besten irischen Bands, den Irish Rover so intonierend, wie es sich gehört. Die Großvaterfigur als tragende Stimme, umringt von einer ausgelassenen Meute junger Hunde; der besoffene Henkeltopf mit der eingeschlagenen Fresse, der sich bei seinem öffentlichen Auftritt nur nachlässig zu benehmen weiß, dafür seine Lieder zu Hause auf dem groben Niveau von Bob Dylan schreibt, ist Shane MacGowan und lebt noch.
And when you come
And all the flowers are dying,
I f I am dead,
As dead I well may be,
You’ll come and find
The place where I am lying
So kneel and say
An Ave there for me.
Bild: Ronnie Drew ca. 1966: The Balladeers;
Film: The Dubliners & The Pogues: Irish Rover — ein steinalter Fernsehausschnitt mit blitzenden Lausejungenaugen. Schnief.
Danke an den Herrn Nachbarn Stadtneurotiker for the shout-out.
Denn das Herz ist durstiger als Kehle
Update zu Loomings cont.,
Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu,
Das Land der Kuhjungen mit der Seele suchen
und Pretty Good Kunitzburger Eierkuchen:
Es stand nach einem Schiffsuntergange
Eine Briefwaage auf dem Meeresgrund.
Ein Walfisch betrachtete sie bange,
Beroch sie dann lange,
Hielt sie für ungesund,
Ließ alle Achtung und Luft aus dem Leibe,
Senkte sich auf die Wiegescheibe
Und sah — nach unten schielend — verwundert:
Die Waage zeigte über Hundert.
Joachim Ringelnatz: Übergewicht, aus: Geheimes Kinder-Spiel-Buch, 1924.
Mein Vater ist in dem Leipziger Vorort geboren, in dem Hans Bötticher, vulgo Joachim Ringelnatz, in die Schule ging (mir hat ja immer am meisten die Geschichte imponiert, wie er aus seinem Hausaufgabenheft vor der Klasse einen Aufsatz gelesen hat, der da gar nicht drinstand), oder umgekehrt, das konnte ich mir nie merken, so oder so ist es ein erhebender Gedanke, mit dem man bei den Mädels punkten kann, jedenfalls bei den richtigen. Ringelnatzen hätte das gefallen.
Die Gesamtausgabe, die heute bei Diogenes gepflegt wird, war mal blödsinnig teuer in Einzelbänden bei Henssel. Es gibt nicht mal mehr den Verlag; als ich in einem Alter war, in dem ich mein Taschengeld für ein Mofa hätte verschwenden sollen, aber schon noch. Einen Band nach dem anderen plus den mit den Briefen hab ich mir über Jahre vom Kontingent für weiche Drogen und Mädchen abgespart: Angefangen mit dem vierten (“Erzählungen”) — das Festessen waren natürlich die ersten zwei Backsteine mit den Gedichten, von denen wirklich die meisten so funkelnd schön sind wie ein Kristall, manche geschlossene Sammlungen (Reisebriefe eine Artisten 1927, Allerdings 1928, Flugzeuggedanken 1929) haben praktisch keinen Durchhänger — alle sieben-acht so für 65, 70 und 75 Deutsche Mark; der Verlagsprospekt über die Ausgabe kann bei mir eingesehen werden. Es kann auch sein, dass ich ein bisschen in die Buchhändlerin verschossen war, die den Laden als One-Man-Show betrieb; außerdem hatte ich im Fernsehen ein Ringelnatzgedicht nur halb versäumt, in dem das Wort Barfußfee oder so ähnlich vorkam, das fand ich ja sowas von putzig und suchte verbissen danach (soll ich’s sagen? Es war Asta Nielsen weiht einen Pokal: “Glas zerbricht einmal. Menschenfleisch stirbt. Deine große Barfußmädchenseele, Asta, ewig lebt sie, webt und wirbt”). Ringelnatzen hätte das gut gefallen.
Später war ich mal in München zwei Hausnummern vor der Kneipe Drehbuchfuzzi, in der Ringelnatz Hausdichter war, unseren Zigarettentabak namens Zoff kauften wir in dem Tabakladen nebenan, der kurzzeitig Ringelnatz gehört hat. Das hätte ihm noch besser gefallen.
125 wird er heute. Eigentlich wäre es erst nächstes Jahr zu seinem 75. Todestag fällig, denn er hat sich gewünscht — und erfüllt bekommen —, dass auf seiner Beerdigung sein Lieblingslied La Paloma gespielt werde. Zum Geburtstag hätte er allerdings viel besser zuhören können. Und das hätte ihm erst gefallen.
Alles Gute, Ringel. In diesem Leben kommst du mir wohl nicht mehr abhanden.
Bild: Joachim Ringelnatz: Kuttel Daddeldu erzählt seinen Kindern das Märchen vom Rotkäppchen und zeichnet ihnen sogar was dazu, 1923;
Film: Hans Albers: La Paloma, in: Große Freiheit Nr. 7, 1943.
Noch ein Bild: selber gemacht, 2008.
Happy 189th, Herman.
Update zu Happy birthday, Herman:
Astrologie ist der Schatten der Sterne auf den Hirnen der Mädchen.
Weisheit der Pequot
Herman Melville, geboren Sonntag, 1. August 1819 um 23.30 Uhr in New York City, New York State, USA, 74° westlicher Länge und 40°43′ nördlicher Breite, Weltzeit 426, 2. August, Sternzeit 20:09:44, Sonnenzeichen (= Tierkreiszeichen) Löwe, Aszendent Stier, Mond im Zeichen Schütze.

Die Grafik groß und leserlich.
Mit Sonne in Löwe und Mond in Schütze sind Sie eine sehr temperamentvolle Person. Sie sind stolz, haben ein großes Herz, sind großzügig, zuverlässig, willensstark, fest in Ihren Prinzipien und Meinungen. Sie haben eine Menge Lebensenergie und sind sehr von sich selbst überzeugt. Oft vermissen Sie allerdings, daß andere Ihre Selbsteinschätzung bestätigen und reagieren gekränkt.
Unter dem Einfluß von Löwe neigen Sie zu Übertreibungen, dann werden Sie als dominant und egoistisch erlebt. Sie weigern sich, an zweiter Stelle zu stehen. Ihre Zuneigung wirkt oft gönnerhaft. Mit Mond in Schütze sind Sie intelligent und neugierig. Sie suchen nach dem Sinn des Lebens. Sie lieben den Sport und verreisen gern.
Der Schlüssel zu mehr Harmonie liegt darin, in einem Bereich tätig zu sein, in dem Sie Ihre wahre Natur ausdrücken und bewahren können.
Unter der Herrschaft von Stier finden wir Entschlossenheit, gesunden Menschenverstand, eine besitzergreifende Haltung, das Streben nach materiellem Wohlstand und Beständigkeit. Sie haben klar definierte Vorstellungen und sind eine solide und standfeste Person. Sie leben gerne in klaren Verhältnissen und lehnen abstrakte Spekulationen ab.
Venus verstärkt hier die intellektuellen Seiten von Stier und sorgt auch für Veränderungen in Ihrem Leben. Sie reisen und schreiben gerne. Ihr Geist ist auf Ästhetisches, Kunst, Literatur und grundsätzlich alles Schöne eingestimmt.
Ihre wahre Natur zum Ausdruck zu bringen, unterliegt dem Einfluß Ihrer Eltern. Möglicherweise werden Sie erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter zum Erfolg gelangen. Es besteht eine sehr enge Beziehung zu einem Elternteil, was es Ihnen im gesellschaftlichen und beruflichen Leben recht schwer macht. Sie werden während Ihres gesamten Lebens von den Lorbeeren Ihrer Vorfahren profitieren. Die Gefahr ist hier, daß Sie keine Eigeninitiative entwickeln und in einer Art Unwirklichkeit stecken bleiben. Ihr Verlangen nach Privatsphäre ist groß. Im Laufe der Jahre werden in Ihnen seelische Veränderungsprozesse in Gang gebracht, die Sie mit Einsichten konfrontieren und Sie mit den Wurzeln Ihrer familiären Muster in Kontakt bringen. Wenn Sie diese gründlich studieren, werden Sie entdecken, welche spirituelle Aufgabe das Schicksal Ihnen stellt.
Es kann möglich sein, daß sich Ihr Interesse für Sexualität und für übersinnliche oder spirituelle Themen im Laufe der Jahre vertiefen wird. Vielleicht befassen Sie sich auch mit Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod. Aufgrund schlechter Erfahrungen könnten Sie mit der Zeit Ihren Glauben an die Menschen verlieren und allzu mißtrauisch und skeptisch werden.
Diese Aszendentenstellung spricht für eine irdisch-animalische Anziehungskraft. Obwohl Ihnen Ihre Wirkung auf andere wichtig ist, machen Sie das nicht von Ihrem Outfit abhängig. Ihre Ausstrahlung bestimmt Ihre Attraktivität.
Für Sie spielt Ehrlichkeit in einer Beziehung die größte Rolle. Sie bevorzugen eine handfeste Partnerin, die offen und direkt aus dem Herzen spricht. Diese Person wird von Ihrem Wohlwollen und Ihrer Zärtlichkeit regelrecht überschüttet.
Sie wollen Sexualität direkt und körperlich ausleben und nicht nur darüber reden. Sie schätzen eine einfühlsame Partnerin, die zärtlich ist, sich jedoch nicht zu lange beim Vorspiel aufhält.
Löwe ist das Zeichen des Liebhabers schlechthin. Sie verfügen über Anmut, Großzügigkeit und Charme. Sie geben und nehmen Liebe frei und offen, und Sie schenken Ihrer Partnerin Zärtlichkeit und Leidenschaft. Sie neigen dazu, Ihre Partnerin mit Zuneigung zu überschütten. Damit könnten Sie sie aber auch überwältigen oder erschrecken. Erwarten Sie nicht, daß Ihre Geliebte Ihre Zuneigung auf die gleiche Weise erwidert. Nur wenige Menschen sind so direkt und offen wie Sie.
Ihre Partnerin sollte Ihnen ausreichend Raum zugestehen und Sie nicht einschränken. Solange Sie sich frei fühlen, sind Sie ein sehr loyaler Partner. Vermeiden Sie Eifersucht und besitzergreifendes Verhalten.
Ihre Liebhaberin muß erst einmal Ihre gute Freundin werden. Eine schnelle verrückte Affäre mit einer Fremden liegt Ihnen nicht. Sie brauchen eine reifere Beziehung, um eine wirklich befriedigende Sexualität leben zu können.
Sie fühlen sich in einer Ihnen vertrauten Umgebung, die Sie unter Kontrolle haben, wesentlich wohler. Hier können Sie Ihrem Liebesleben freien Lauf lassen. Sie würden sich freier fühlen und mehr sich selbst leben, wenn Sie Ihren Lebensraum ausdehnen und so mehr Möglichkeiten schaffen, die Ihnen vertraut sind. Sie sollten sich deshalb eine Partnerin suchen, die einen gemütlichen Abend zu Hause mehr schätzt, als sämtliche Diskotheken der Umgebung zu besuchen.
Ihr auffälligster Wesenszug ist Ihr Sinn für Humor. Sogar in Situationen, die für andere Menschen entmutigend sind, zeigen Sie noch Heiterkeit. Das kann nur zu einem Problem werden, wenn Sie diese Haltung übertreiben. Menschen, die das Leben sehr ernst nehmen, schätzen es nicht, wenn ihre hausgemachten Tragödien mit Humor herabgesetzt werden.
Vermutlich haben Sie eine blühende Phantasie, die man für übertrieben halten könnte. Ihre sexuellen Phantasien dann auszuleben, bereitet Ihnen wirklichen Genuß. Langfristig betrachtet, gleicht Ihr Liebesleben eher einem warmen, freundlichen Kamin an einem späten Herbstabend: fröhlich und wohltuend in glücklicher Freundschaft vereint.
Je geschickter Ihre Liebhaberin ist, um so besser, denn körperliche Aufmerksamkeit ist Ihnen überaus wichtig. Sollte die Sexualität stimmen und sich positiv für Sie entwickeln, wird die Beziehung reiche Früchte tragen.
Obwohl Ihr Hunger nach Liebe sehr ausgeprägt ist, ignorieren Sie ihn wahrscheinlich eher, als daß Sie ihn stillen. Oft kommt er dann explosionsartig zum Ausdruck. Es fällt Ihnen eher schwer, Ihrer Partnerin Ihre Wünsche mitzuteilen.
Sie finden die Liebe am schönsten, wenn sie allumfassend ist. Sie wollen Ihre Partnerin besitzen und mit ihr verschmelzen. Sie geben sich mit Haut und Haaren in die Beziehung und brauchen täglich und jederzeit die völlige Hingabe Ihrer Partnerin.
Obwohl Ihr Liebesleben sehr intensiv und belebend ist, kann es auch zu einengender Abhängigkeit führen. Sie sollten daher den Wunsch, Ihre Partnerin zu vereinnahmen oder selbst verschlungen zu werden, aufgeben. Diese Wünsche können Sie in der Sexualität ausleben. Ihre Anklammerungstendenzen sollten Sie im Alltagsleben tunlichst vermeiden.
Liebesgeflüster gehört für Sie zur Liebe. Ihre Liebste sollte mit leidenschaftlichen Worten nicht geizen. Sie lieben Komplimente. Vielleicht lesen Sie auch gerne erotische Literatur.
Wählen Sie eine Partnerin, die genau so wißbegierig ist wie Sie selbst. Ihre Partner sollte gesprächig sein und auch gerne mit Ihnen über die Liebe reden. Sie müssen die Liebe erst mit dem Verstand begreifen, bevor Sie sie körperlich umsetzen können.
Für Sie gibt es viele Möglichkeiten, Ihre Sexualität zum Ausdruck zu bringen. Sie haben Ihre eigenen Vorstellungen, die Sie auch schnell in die Tat umsetzen können. Das kann dazu führen, daß Sie all Ihre geistigen Erkenntnisse in einem einzigen Liebesakt unterbringen wollen. Sie sollten mit Ihren Ideen sparsamer umgehen und sich die eine oder andere für später aufheben. Ein stereotyp vollzogenes Liebesspiel langweilt Sie. Eine experimentierfreudige Partnerin wäre für Sie das Beste.
Ihre sexuellen Energien sind äußerst impulsiv. Sie haben einen ausgesprochen direkten Zugang zur Sexualität, der aber eher selten mit dieser Spontaneität gelebt wird. Am wohlsten fühlen Sie sich mit einer Partnerin, bei der Sie Ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ständig unterdrücken müssen.
Ihre Ausdauer in der Sexualität ist wahrscheinlich immens. Auch in anderen körperlichen Bereichen werden Sie nicht schnell ermüden.
Informationen nach
Robert Pelletiers Persönlichkeits-Horoskop
und John Townleys Liebes-Horoskop
Herman Melvilles detailliertes Horoskop — das da oben waren Auszüge aus den Auszügen — wird sich uns für immer verschließen, denn:
Dieses Horoskop kann nur für Personen erstellt werden, die zu Beginn der Horoskoplaufzeit noch nicht 120 Jahre alt sind. Bitte wählen Sie eine andere Person aus der obigen Liste, ändern Sie die Geburtsdaten oder klicken Sie auf ‘abbrechen’.
Schade.
Bilder: Astrodienst; Vintage Beauties.
Thought is a powerful formidable essence
Update zu To Sail You Home:
The media likes to put labels on people. Polly the Sex Goddess, Bjork the Pixie, Tori the Fairy Princess. If you call me a new-age, airy-fairy, hippie-dippy airhead I will shove my crystals up your ass.
Tori Amos (unsourced)
Traut jemand Künstlern, die ihr Medium wechseln? Singenden Schauspielern und “Promis”, die Sätze krachen lassen wie: “Nur weil ich ein paar Schauen gelaufen bin, bin ich doch nicht gleich ein Model”?
Tori Amos ist eine Fee, die dürfen das. Das Bösartigste, was sich über ihren neuen Umtrieb sagen lässt: Inker sind ja nur die, die in den Comics die Striche nachmalen.
Inker sind die, die den Comics ihre Handschrift verleihen. Über 80 Comicmacher haben ihren Liedern zugehört und 50 Comics auf 480 Seiten daraus gemacht. Pia Guerra, Leah Moore, John Reppion David Mack, Hope Larson, Ryan Kelly, Jonathan Hickman, Colleen Doran, Eric Canete, Ted McKeever, Jock, Anthony Johnston, Dame Darcy, Carla Speed McNeil, Kelly Sue DeConnick, Mark Buckingham, Ivan Brandon, C. B. Cebulski. Von denen kenne ich noch keinen einzigen, aber so weit reicht mein Vertrauen. Vor allem auch, weil Frau Amos mit den richtigen Argumenten begründet, warum die Comics in Comic Book Tattoo Tales Inspired by Tori Amos gut geworden sind:
I have been surprised, excited and pleasantly shocked by these comics that are extensions of the songs that I have loved and therefore welcome these amazing stories of pictures and words because they are uncompromisingly inspiring. It shows you thought is a powerful formidable essence and can have a breathtaking domino effect.
Tori Amos im Official Press Release: Comic Book Tattoo,
9. April 2008
Soso, zeichnen kann sie jetzt auch? Klar kann sie. Feen dürfen nicht nur, die können auch alles.
Neil Gaiman geistert immer wieder mal als Anspielung durch ihre Lieder. 1997 hat sie ihm das Vorwort zu Death: The Time of Your Life geschrieben, jetzt hat er sich dem Vorwort zu Tattoo revanchiert. Alles was Gaiman schreibt, spare ich mir immer ängstlich auf, weil es zu schnell alle sein könnte — normalerweise dürfte ich noch nicht mal mit der Sandman-Kernserie durch sein — hören wir also noch kurz den Verleger Rantz Hoseley:
While the connections between comics and music have been long established by generations of creators, Comic Book Tattoo is the pure distillation of how these two art forms inspire and feed off of each other across all the classifications, genres and styles of comic storytelling. Like Tori’s music, these stories run the gamut of human experience, emotion and imagination brought to life by some of the most compelling and innovative creators in the field of comics.
Editor Rantz Hoseley nach Undented, 10. April 2008.
Das Buch erscheint heute, am 23. Juli. Kaufempfehlung ergeht für die Vorzugsausgabe (104,99 Euro) und die Normalausgabe (20,99 Euro), vielleicht sogar über den Tori Store.
Bilder: Comic Book Tattoo Tales Inspired by Tori Amos, 2008 via Myspace;
Everything Tori, Little Earthquakes Era, 1992–1993.
Die Walsichtung zum Tage
Update zu Fröhliche Weihnachten,
im Dienstweblog previously released, extended dance remix:
10. Juli 1682: In Pulsnitz, Oberlausitz kommt Bartholomäus Ziegenbalg zur Welt, der als evangelischer Missionar im südindischen Trankebar das Neue Testament ins Tamilische übersetzen wird.
Und dann heißt’s wieder, die Werber dächten sich alles aus.
Bild: Büste von Bartholomäus Ziegenbalg in Tranquebar,
Tamil Nadu, Südindien, 1993;
Literatur: Bartholomäus Ziegenbalgs Genealogie der malabarischen Götter: Edition der Originalfassung von 1713 mit Einleitung, Analyse und Glossar von Daniel Jeyaraj, Franckesche Stiftungen 2003.
Ohne biographischen Essay von Klaus Harpprecht und mit keinem Nachwort von Frank Vorpahl
Dringend fälliges Update zu Call me Fishmael:
Rechts neben Georg Forster: Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, eine angegraute Suhrkamp-Ausgabe noch mit Hardcover, leider nur die ersten zwei von drei Bänden, dafür acht Euro; links neben Georg Forster: Irgendein alter Käse von einer gewissen Gwen Bristow; in der Mitte: Georg Forster für drei Euro fuchzig. Jetzt vergriffen, ätsch.
Environment: Oxfam-Buchshop München, Fürstenfelder Ecke Kaufinger;
Bild: selber gemacht, 30. Mai 2008.
Und siehe! Zart wie Mondstrahlgluten, weiß wie der Schnee auf Bergesgrat
Elke schießt ein maritimeres Update zu
Hurre hurre, hop hop hop nach:
Die Russalka hat Puschkin über Jahre keine Ruh gelassen (und ja, ich schreib sie mit Doppel-s, so wird sie auch ausgesprochen – mit scharrrfem Es). Sie ist die Herrin im Dnjepr, nackt, mit oder ohne Fischschwanz, ganz wie’s beliebt. Von seinem wunder- und märchensamen Poem “Die Russalka” hab ich nur diese alte Übersetzung von Friedrich Fiedler 1895 im Netz gefunden.
Schön, nicht? Strahlend und düster. Das sind Melusine, die Lau, Wassernixens Tochter, Víla, Mermaid, Lorelei, Undine und eben Russalka in einem. Und irgendwie musst ich auch an die todeslürüsche Lenore denken…
Darüber hinaus – und selbiges war vor allem Puschkins Langzeitgefiesel 1829 bis 1832 – gibt es ein Russalka-Drama in Versen über ihr unheilvolles und rachsüchtiges Wirken – leider nur in Russisch gefunden.
Auch dieses mit ähnlichen untoter Daseinsweise. Es wurde zwischen 1848 und 1855 sogar veropert, von einem Komponisten namens Alexander Sergejewitsch Dargomyschski, kaum noch bekannt und selten aufgeführt.
Und somit um Himmelswillen nicht zu velwexern mit der allseits bekannten Dvořák-Russalka 1901. Die ist nämlich eher mit der kleinen H.C. Andersen-Meerjungfrau verwandt, was die Fabel angeht.
Hach jaah, und ein Rabe kömmt auch vor bei der Puschkinschen: Russalkas Vater nämlich, der in solchiger Gestalt als vor wahnsinniger Trauer quasi auch Untoter den rächenden Handlanger spielen darf. (Sollte man mal erforschen, wer da eigentlich wen inspiriert hat?)
Bilder: Konstantin Vasiliev für Master and Margarita, 1968:
Wikimedia Commons;
Witold Pruszkowski: Rusałki, 1877 und
John William Waterhouse: Undine, 1872: gemeinfrei.
Die Leere trägt jeder in sich allein
Jean Gaumy ist vorzustellen wie Herbert Grönemeyer als lästiger Kriegsberichterstatter auf dem Boot: Steht geschlagene fünfzehn Jahre (1982 bis 1997) auf dem Hochseetrawler Rowanlea im Weg rum und hält mit der Kamera drauf, egal ob sich die arbeitenden Männer langweilen oder im Sturm über Bord gehen. Alles für die Kunst, da muss man durch. Es kann nur besser werden, wenn man mal was mit Romy Schneider hatte.
Ein toller Bildband ist dabei herausgekommen: Men at Sea, da können sich die Fischer über den zusätzlichen Fresser, der so studiert über Lichtverhältnisse, Ausleuchtung und Available Light quasselt, ärgern was sie wollen. Schwarzweiße sind immer die schönsten, die von Gaumy verblüffend tiefenscharf. Art is not for sissies.
Wie ich drauf komme? — Ich kenn den feudalen Band von Philipp Plisson, auch Franzose, mit dem schon fast prätenziös schlichten Namen Das Meer. Keine sieben Monate mehr bis Weihnachten.
Bild: Jean Gaumy bei Philipp Gülland:
Ein Bild und seine Geschichte: Männer, Maschen, Monsterwellen
für den Stern, 30. Januar 2008.
Irgendwann kauf ich mir eine kleine Farm im Süden
Update zu That same image selves see in all rivers, in oceans, in lakes and in Welles:
Die Leute klingen ja heute alle wie schlecht aus dem Englischen übersetzt.
Harry Rowohlt
Was jeder hört und keiner sagt. Eine Frühform dieser Liste hab ich vor Jahren schon mal veröffentlicht — nicht hier –, damals mit 30 Einträgen, und glaubte, das wären viele. Heute kann man seine Schlüsse ziehen, was ich seitdem für Filme angeschaut hab. Further contributions welcome!
- Ab auf dein Zimmer!
- Am Ende ist es das, was wirklich wichtig ist.
- Beweg deinen Arsch hier raus.
- Bin wieder zu Hause!
- Bring uns zu deinem Anführer!
- Dafür werde ich bezahlt.
- Danke, das genügt.
- Daraus wird nichts.
- Darf ich Sie mal zum Essen einladen?
- Das ist alles, was ein Mann tun kann.
- Das ist alles, was wir haben.
- Das ist eine verdammte Lüge!
- Das ist es, was zählt.
- Das ist ganz sicher keine gute Idee.
- Das ist nicht dein Tag heute.
- Das ist nicht, wonach es aussieht.
- Das ist unsere einzige Chance.
- Das kann niemand beweisen.
- Das Mindeste, was ich tun konnte.
- Das muss ich mir in meinem Haus nicht sagen lassen.
- Das Risiko geh ich ein.
- Das Spiel ist aus!
- Das war ich dir schuldig.
- Davon bin ich überzeugt.
- Die Fragen hier stelle ich.
- Die Tiere sind unruhig.
- Drehen Sie sich ganz langsam um.
- Du bist auf dein Zimmer entschuldigt.
- Du bist betrunken.
- Du bist es wirklich!
- Du hast keine Chance.
- Du hast mir das Leben gerettet.
- Du hättest dasselbe für mich getan.
- Du hättest nicht kommen sollen.
- Du weißt, dass du auf mich zählen kannst.
- Ein guter Job, wenn man ihn kriegen kann.
- Ergreift sie!
- Er hat ein Messer!
- Er hätte es so gewollt.
- Er ist doch noch ein Kind!
- Es geht schon wieder.
- Es gibt einen Anderen.
- Es ist besser, wenn Sie jetzt gehen.
- Es ist nicht so, wie du denkst!
- Es ist so lange her.
- Es lohnt sich nicht!
- Es war ein Unfall.
- Fahr zur Hölle.
- Finden Sie ihn.
- Findest du, das steht mir?
- Folgen Sie dem Wagen!
- Für mich nur einen Salat.
- Glaubst du, ich hab nicht gesehen, wie du sie angestarrt hast?
- Gute Arbeit, Officer.
- Haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?
- Haben wir uns nicht schon mal gesehen?
- Halt dich an mir fest.
- Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie wunderschöne Augen haben?
- Hier bleiben wir über Nacht!
- Ich bin Arzt.
- Ich bin zu alt für diese Dinge!
- Ich brauche Ergebnisse!
- Ich finde Sie sehr attraktiv.
- Ich gehöre nicht zu dieser Sorte Mädchen!
- Ich hab das noch nie gemacht.
- Ich kann alles erklären!
- Ich kenne meine Rechte.
- Ich liebe dich.
- Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Sie verstehe.
- Ich ruf Sie an.
- Ich weiß nicht, wovon Sie reden.
- Ich werde darüber nachdenken.
- Ich werde dir jetzt etwas sagen, was mein Vater mir gesagt hat, das er von seinem Vater hatte.
- Ich zähle bis drei.
- Ihr Jungs geht auf die andere Seite!
- In die Wanten, ihr Landratten!
- In diesem Haus gebrauchen wir solche Worte nicht.
- In zehn Sekunden will ich Ihren Arsch in meinem Büro sehen.
- Jeder andere an meiner Stelle hätte das gleiche getan.
- Je eher Sie mir sagen, was ich hören will, desto schneller sind wir hier fertig.
- Jemand zu Hause?
- Klar wie Kloßbrühe.
- Kommen Sie mit erhobenen Händen da raus!
- Lass mich einen Augenblick allein.
- Lass mich los, du tust mir weh.
- Lass mich stolz auf dich sein!
- Lassen Sie Ihre Hände da, wo ich sie sehen kann.
- Lasst mich einfach hier liegen, ohne mich seid ihr schneller.
- Lauf, so schnell du kannst!
- Macht der Rock mich fett?
- Meine Füße bringen mich um.
- Mein Name tut nichts zur Sache.
- Nehmen wir an, Sie hätten Recht.
- Nein, aber jemand könnte es denken.
- Nicht in meinem Haus!
- Nimm gleich die nächste Maschine.
- Oh mein Gott!
- Pass auf dich auf.
- Rufen Sie mich an, wenn Ihnen doch noch was einfällt.
- Rufen Sie uns nicht an!
- Rühren Sie sich nicht vom Fleck!
- Schließlich bin ich ein Mann und Sie sind eine Frau.
- Sie haben achtundvierzig Stunden.
- Sie haben das Recht, die Aussage zu verweigern. Alles, was Sie sagen, kann gegen Sie verwendet werden. Sie haben das Recht auf einen Telefonanruf.
- Sie haben uns reingelegt!
- Sie haben uns umzingelt!
- Sie kommen direkt auf uns zu!
- Sie sind da lang geritten.
- Sie spielen unser Lied!
- Sie wissen doch, was man über Frauen sagt?
- Sie wissen verdammt gut, wovon ich rede!
- Sind Sie O.K.?
- So redet niemand mit mir!
- Taxi, hierher!
- Und nicht weglaufen!
- Und wenn ich Ihnen nicht die absolut reine Wahrheit gesagt habe, soll mich auf der Stelle, wie ich hier stehe, der Schlag treffen und der verdammte Teufel holen.
- Und wenn ihr da rausgeht, will ich, dass ihr alles gebt!
- Uns bleibt nicht mehr viel Zeit.
- Warte, es ist zu gefährlich!
- Was denken Sie eigentlich, wen Sie vor sich haben?
- Was glauben Sie, was Sie hier machen?
- Was halten Sie davon?
- Was hat das zu bedeuten?
- Was in aller Welt hast du dir nur dabei gedacht?
- Was ist dein Problem?
- Was soll das heißen?
- Was springt dabei für mich raus?
- Was wollen Sie dagegen unternehmen?
- Was wollen Sie damit sagen?
- Was wollen Sie von mir?
- Was zum?
- Was zum Teufel geht hier vor?
- Wenn du es jetzt nicht tust, wirst du es niemals tun.
- … wenn Sie wissen, was ich meine.
- Wer will das wissen?
- Werft die Waffen weg!
- Wer sind Sie?
- Wie weit ist es noch nach Mexiko?
- Wir haben alle Zeit der Welt.
- Wir haben es geschafft.
- Wir haben keine andere Wahl.
- Wir melden uns dann bei Ihnen.
- Wir müssen erst die Tiere tränken!
- Wir sprechen uns noch.
- Wir werden uns rächen.
- Wo bist du jetzt?
- Wo ist das Geld?
- Wollen Sie mir drohen?
- Wonach sieht es denn aus?
- Worauf warten wir?
Excitement from adventure’s most colorful chapters:
John Huston, Ray Bradbury et al., 1956;
Bild: ebd.
We Shall Gather Here Forever
Update zu Lesen und schreiben mit Mellvil (sic):
Das Ende muss hoffnungsvoll sein. Was könnte tröstlicher sein als eine gefakete Mormonenhymne aus dem Munde des großen Gary Floyd (Ex-Punk, Blues-&Country-Sänger und seit langem bekennender Buddhist). Leben den Lebenden!
Kommentar aus Fritz Ostermayer:
Dead & Gone 2: Totenlieder — Songs of Death,
Trikont 1997.
Und mit Kindern haben sie’s ja, die Mormonen. Das Lied ist eins von denen, die bei Erstkontakt eine Offenbarung bedeuten können. Mein erstes selbstgemixtes Youtube-Video versucht deshalb mit dem geringsten technischen Aufwand spannend genug zu bleiben, dass Sie die 4:26 Minuten bis zu Ende mithören; es haben sich inzwischen genug kinderaffine Wal- und Wasserbilder angesammelt, die ich nicht mehr beitragsweise einzeln verbraten kann, da schien ein dokumentarisches Video noch die mitreißendste Lösung. Das letzte vergurgelnde Kinderstimmchen macht’s schließlich erst.
Lied: From the Darkness to the Light,
aus: Gary Floyd: Backdoor Preacher Man, Glitterhouse Records 1999;
Bilder: Ist sich verschieden. Die meisten von Shorpy,
Old Picture of the Day
und Duryea PA.
Freundliche Begegnungen: Zur Abwechslung mal Ernest Hemingway beschimpfen
Update zu Unfreundliche Begegnungen: Moby-Dick goes Huckleberry Finn und Warum die Doppelgängerin Moby-Dick voraussichtlich nicht lesen wird:
Hemingway konnte nicht lachen. Nie. Wer frühmorgens um sechs im Stehen anfängt zu schreiben, hat keinen Sinn für Humor. Er will etwas niederzwingen.
Charles Bukowski: Den Göttern kommt das große Kotzen, 2006
Hemingway, der natürliche Feind aller Kudus, Stiere, Marlins und Frauen, geht jetzt auch schon gegen die Wale los:
Wir haben in Amerika geschickte Schriftsteller, Könner gehabt. Poe ist ein Könner. Bei ihm ist alles gekonnt, wunderbar konstruiert, aber er ist tot. Wir haben rhetorische Schriftsteller gehabt, die das Glück hatten, eine Spur von dem, wie Dinge wirkliche Dinge sein können, zum Beispiel Walfische, in der Chronik eines andern Mannes zu finden oder auch auf Reisen, und dies Wissen ist von Rhetorik eingehüllt wie Rosinen in Kuchenteig. Gelegentlich ist es allein da, nicht von Kuchenteig umgeben, und es ist gut. Zum Beispiel bei Melville. Aber die Leute, die ihn loben, loben ihn wegen seiner Rhetorik, die unwesentlich ist. Sie geheimnissen etwas hinein, was nicht da ist.
Ernest Hemingway: Die grünen Hügel Afrikas, 1935,
einzig autorisierte Übertragung von Annemarie Horschitz-Horst
Nochmal leserlich, weil man das in diesem 500-Pixel-Fensterchen nicht lesen kann? Aber immer:
Blonde Frauen!
Schwarze Stiere!
Jede Menge große Tiere!
Ernest, Meister aller Klassen!
Ich kann dich tief und herzlich hassen!
Bild: Hans Traxler: Leute von gestern, Zeit-Magazin,
in: Ode an Hemingway, Diogenes Verlag 1988,
nach dem Österreichischen Schulportal.
Wie schmerzlich Buchhändler ächzen und Leser heulen können, wie gewalttätig der Vertrieb durch die Übersetzungen fegen und wie beängstigend schwarz die Kinder umnächtigt werden können
Update zu Dass man immer so deutlich werden muss:
Die Welt sagt:
Große Literatur nicht nur für Flauten
Wale, Wellen, Weltliteratur
Wortgewaltig ist Herman Melvilles Klassiker “Moby Dick”. Der einsame Kampf des Kapitän Ahab gegen das Böse in Gestalt des weißen Wals auf dem Walfänger “Pequod” ist Urstoff der Weltliteratur und Sinnbild für den Kampf des Menschen gegen sich selbst. Erst auf See findet man die Zeit, sich an Melvilles eigentümlichen Stil zu gewöhnen. Und taucht auch kein Wal auf, so wird bei der Lektüre trotzdem deutlich, wie schmerzlich Planken ächzen und Winde heulen können, wie gewalttätig Wellen übers Deck waschen und wie beängstigend schwarz eine Nacht unter Segeln auf See sein kann.
“Moby Dick”, Hermann Melville, 282 Seiten, 7,50 Euro,
Dressler Verlag, ISBN 978-3791535883Sandra Valeska-Bruhns in: Die Welt, 13. April 2008.
Jürgen sagt:
Es ist löblich, den “Moby-Dick” zu empfehlen, es ist ein großartiges Buch. Wenn man aber als Literaturempfehlung eine Kinderbuchausgabe angibt, ist das alles andere als löblich. Die Dressler-Ausgabe ist gut und schön, aber massiv gekürzt, und vermittelt nichts mehr von “Melvilles eigentümlichem Stil”. Wenn’s klein sein soll, dann vielleicht die Übersetzung von Matthias Jendis (als Taschenbuch bei BTB), sonst am besten die von Friedhelm Rathjen (gebunden bei Mare). Mehr unter: http://ismaels.wordpress.com/bucherliste.
Leserbrief von Jürgen “Jessebird” Schmitte an Obige, 27. April 2008.
Und da hat er doch auch Recht.
Ahab gets a movie (and a T-Shirt)
Jürgen findet die richtigen Filme nebst passenden T-Shirts:
“Would’st thou brand me, Perth?” wincing for a moment with the pain; “have I been but forging my own branding-iron, then?”
“Pray God, not that; yet I fear something, Captain Ahab. Is not this harpoon for the White Whale?”
Über ein interessantes Filmprojekt bin ich gestolpert: Auf der Seite DARKSTRIDER wird allem Anschein nach eine Stop-Motion-Animation nach Motiven aus Moby-Dick realisiert. Bisher gibt es nur wenige, sehr kurze Szenen zu sehen (die allerdings gefallen mir sehr gut!). Wie “Darkstrider” Mike Brent selbst sagt: “My main focus is on the Eastern European style of stopmotion known as Puppetfilm.”
Unter On the table findet sich dann folgendes:
Back on deck
My main purpose on this page is to relate my progress on my #1 project… what’s come to be known as The Ahab Film. That’s only a working title… I don’t intend to give away too much info this early in the game. As much as I’ve discussed this project on the pages of SMA, I’ve never revealed the real central concept, or my approach to it.
Und dann, als erklärender Text zu diversen Filmschnipseln:
The following are my animation tests of Ahab at the forge. That’s not how it will be in the film… he’s the captain, not the blacksmith, but I haven’t made the blacksmith puppet yet, so Ahab is filling in for now…
Schaut man sich “Hammer Test #8″ an, sieht man, dass dort eine Harpune geschmiedet wird…
Auch ein Blog gibt es dazu: Darkmatters. Explorations in the art of stopmotion animation. Dort ist aber wenig über das Filmprojekt zu finden. Immerhin der Hinweis, daß man ein Ahab-T-Shirt bestellen kann.
Bild: Captain Ahab bei Darkstrider.
Hinweis in eigener Sache: Noch 11 Tage bis zum Ende des Gewinnspiels! Mitmachen!
Smoke your pipe and be silent
Update for A thick card was inserted to stiffen them
and Herba Santa:
Be it said, that though I had felt such a strong repugnance to his smoking in the bed the night before, yet see how elastic our stiff prejudices grow when once love comes to bend them. For now I liked nothing better than to have Queequeg smoking by me, even in bed, because he seemed to be full of such serene household joy then. I no more felt unduly concerned for the landlord’s policy of insurance. I was only alive to the condensed confidential comfortableness of sharing a pipe and a blanket with a real friend. With our shaggy jackets drawn about our shoulders, we now passed the Tomahawk from one to the other, till slowly there grew over us a blue hanging tester of smoke, illuminated by the flame of the new-lit lamp.
Chapter 11: Nightgown
TOBACCO
The use of tobacco, in any form, is a dirty, filthy, disgusting, degrading habit. No gentleman will use tobacco in this city.
You have no more right to pollute, with tobacco smoke, the atmosphere which clean people have to breathe, than you have to spit in the water which they have to drink.
CUT IT OUT, YOU FOOL, before you reap smoker’s cancer paralysis, or one of the many other diseases caused by the use of the filthy, nasty, stinking stuff!
Get Zion literature at the administration building 3 blocks North
W.G. VolivaAn undisclosed American city, 1915 AD
Smoke your pipe and be silent;
there’s only wind and smoke in the world.Irish Blessing
Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen
Update for To Be Wanted:
Ahab utters these words—his last—after Moby Dick destroys the Pequod, in Chapter 135. As the action picks up pace, the sense of tragedy becomes heightened. These words, Shakespearean in tone, are meant to match the dramatic nature of the situation in which they are spoken. Ahab dies as he began, defiant but aware of his fate. The whale is “all-destroying but unconquering”: its victory has been inevitable, but it has not defeated Ahab’s spirit. In an ultimate demonstration of defiance, Ahab uses his “last breath” to curse the whale and fate. He is, spiritually, already in “hell’s heart,” and he acquiesces to his own imminent death.
Sparknotes Study Guide:
Important Quotations Explained: Moby-Dick.
Image: David Farley: The Doctor Fun Archive, 8. April 1998;
Video: Birgit Nordin in Trollflöjten by Ingmar Bergman, 1975.
Resources: Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach:
an Eternal Golden Braid, 1979 (deutsch);
Star Trek II: The Wrath of Khan, 1982;
Dr. Herbert Huber, Türkheim: Die Zauberflöte und Moby Dick or, The Whale.
And if the band you’re in starts playing different tunes, I’ll see you on the dark side of the moon
Update zu The Wizard of the Smaragdenstadt:
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um eine Antenne für Apophänien zu entwickeln: Die menschliche Wahrnehmung sucht automatisch nach Parallelen zwischen bekannten Phänomenen; dafür ist sie seit Steinzeiten, seit denen nicht mehr viel passiert ist, gebaut, und deswegen kann man nicht wirklich ungegenständlich malen.
Dazu ermuntert wird die leichtgläubige Liese, die menschliche Wahrnehmung, durch Kifferplatten wie The Dark Side of the Moon von Pink Floyd 1973 und psychedelisch wirksame Filme wie The Wizard of Oz mit Judy Garland 1939. Wollen Sie auch mal?
Dann treiben Sie die DVD Der Zauberer von Oz auf in einer Ausfertigung, die das englische Original bringt, und zwar mit dem schwarz-weißen MGM-Löwen als Filmlogo. Die Version mit dem farbigen Löwen ist geringfügig anders geschnitten und funktioniert nicht. Sobald der Löwe zum dritten Mal brüllt, starten Sie die CD The Dark Side of the Moon (die haben Sie sowieso, stimmt’s?) und lassen beide gleichzeitig durchlaufen.
Was sie dann erleben, ist erstens ein Heidenrabatz und zweitens der Effekt, der in dieser Zusammenstellung seit einer Usenet-Diskussion von 1994 Dark Side of the Rainbow oder The Wizard of Floyd heißt: Mindestens 100 Stellen, die in Film und CD gleichzeitig kommen, wenn Sie beide richtig gestartet haben, korrespondieren in einer Weise miteinander, die es schwer macht, an über hundert Zufälle zu glauben. Das macht den Film zu einem gespenstischen Musikvideo und die Platte zu einem ebensolchen Soundtrack. Die CD spielt auf die Filmlänge etwa zweieinhalb Mal.
Glauben Sie nicht? Für einen ersten Eindruck verfolgen Sie gerne mal den ersten Durchlauf bei Google Video: Wizard of Oz — Dark Side of the Moon — Pink Floyd Dub (with voice track).
Das dauert 42 Minuten Ihres Lebens, die Sie Ungläubiger natürlich nicht erübrigen wollen. Darum hat der Rolling Stone eigens für Sie ein Mashup von vier Stellenbeispielen versammelt, die Ihnen nur ein paar Sekunden klauen. Am frappierendsten darunter finde ich Beispiel 2, wo der schwarz-weiße Teil des Films ins Farbige umschlägt, während das Intro von Money einsetzt. Danach gehen selbst Sie bei Eris Abbitte leisten und die fertig gemischte Version von The DeVille kaufen.
Das ist nicht die einzige Koinzidenz dieser Art, noch nicht mal innerhalb des Werkes der Pink Floyd: Ähnliche Untersuchungen laufen mit der Disney-Verfilmung von Alice in Wonderland gegen The Wall und anderen. Der letztendgültige Beweis: Pink Floyd leugnen alles.
Bilder: SyncMovies; Jamin, 18. Juni 2006;
Danke: an USA Erklärt und Elke.
While some folks row way up to heaven I’m gonna sing the pirate’s gospel
Update zu Reden-wie-Piraten-Tag:
“Viel schon ist getan,
mehr noch bleibt zu tun”,
sprach der Wasserhahn
zu dem Wasserhuhn.Robert Gernhardt zum Internationalen Frauentag
War nicht gerade Valentinstag? Und schon haben die Frauen ihren nächsten Tag, gar ihren Internationalen.
Ein kurzer Scan durchs morgendliche Bordradio lehrt, dass unsereins ja schließlich die restlichen 364 Tage für sich hat (hey! Was ist mit Valentinstag?), in den letzten 97 Jahren viel getan wurde, mehr aber noch zu tun bleibt, vor allem in Richtung Gewalt gegen Frauen, Prostitution und Arbeitsgehälter. Find ich auch…
Vor so einem Hintergrund, der impliziert, dass jeder an der Weltmisere mindestens mitschuldig ist, der im Stehen pinkeln kann, finde ich burschikose Frauen, die unangestrengt und dogmenfrei ihren Job tun, geradezu beruhigend. Alela Diane, eine neuere Hoffnung am engen, aber erhebenden Country-Folk-Himmel, hat eine Platte mit lauter ernsthaften Schönheiten vollgesungen. Dabei sieht sie nicht aus wie eine jener arischen Spitzenzüchtungen, die vom “Spiegel” als elitäre Alphamädchen entdeckt wurden und sich über ihre Benachteiligung allemal mehr echauffieren als Leute mit Grund zur Klage, von der Physiognomie her mehr indianisch bis mexikanisch — ihre MySpace-Seite verortet sie im kalifornischen Nevada City —, wirkt aber wie jemand, der sich gut mit dem fühlt, was er tut. Frauen werden benachteiligt, weil sie Frauen sind? Ich bin entsetzt. Dann muss man das scheiße finden und zuschauen, wie es besser geht. Dass man da extra Aktionstage einrichten, ja sich überhaupt drüber unterhalten muss. Alela Diane singt doch auch Piratenlieder, veröffentlicht sie 2003 im Selbstverlag und 2007 endlich mit Bezahlung. Respekt.
Anspieltipp: The Rifle, das sturztraurigste Video der Geschichte, in Buster-Keaton-Optik. — The Pirate’s Gospel aus The Pirate’s Gospel:
Danke an Billy Budd für Aufmerksamkeit.
Ich verbitte mir solche zoologischen Spitzfindigkeiten! (Eine regelrechte Walschule)
Update zu Sondern müsstet alle tot sein:
Die überaus verdienten Donaldisten Oliver Martin, Dr. paTrick Martin, Peter Jacobsen und Klaus Harms, in einen Sack gesteckt ein wahrer Olymp an Trägern bombastischer Würden, darunter Zaster sparende Ehrenmitgliedschaften, toll tönende Titel von imposanter Amtswürde und vetterliche Vergünstigungen in der D.O.N.A.L.D. und der Professor-Püstele-Preis, haben im Jahr 2001 anlässlich des 24. D.O.N.A.L.D.-Kongresses zu Carlsruhe die Ausstellung Barks’ Thierleben. Biodiversität in Entenhausen gestaltet. Website und .pdf-Dokument waren als ausstellungsbegleitend geplant, wurden von der pflichtvergessenen Bande jedoch erst irgendwann 2005 fertig gestellt. Der Katalog ist schon wieder vergriffen und muss allenfalls mit sehr viel Glück über Bookcrossing gefunden werden.
Die Ausstellung selbst deckte anhand der aufs verdienstreichste hergestellten Präparate nahezu die gesamte Fauna auf stella anatium ab. Carlsruhe wurde als Veranstaltungsort gewählt, um dem zu erwartenden Ableben des Schöpfers Carl Barks eine etwas vorauseilende Ehre zu erweisen. Präsidente und zuständig für die anstehende Todesanzeige war damals die junge, dunkelschöne Österreicherin Nicola Waldbauer, der heute noch definitiv etwas von einem Todesengel anhaftet, was im Rahmen dieser Ausstellung, deren Thema von so geballter Lebendigkeit schwirrte, noch einmal so plastisch auffiel. Sie hat ihre Aufgabe würdig versehen, die Ausstellung hätte man nicht günstiger unterbringen können.
Wir erheben uns zur Hymne und vertiefen uns sodann in schweigender Demut in den Abschnitt über die Entenhausener Cetacea.
Ordung: Cetacea (Waltiere)
Familie: Delphinidae (Delphine)
Mediterraner Mörderwal
Odontocetus mediterraneus

Der mediterrane Mörderwal ist eigentlich, wie sein Verwandter, der gewöhnliche Orca (auch: „Mörderwal“), eigentlich ein sehr großer Delphin (also ein luftatmendes Säugetier und kein Fisch). Er unterscheidet sich vom Orca durch seinen einfarbig-dunklen Körper und die wenig ausgeprägte Rückenflosse. Seine Körperlänge beträgt bis zu 10 m.
Die Lebensweise des mediterranen Mörderwales ist weitgehend unerforscht. Er ist grundsätzlich schlecht gelaunt (wahrscheinlich weil er im überfischten Mittelmeer Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche hat). Versuche, ein Exemplar mit einem Nylonlasso einzufangen, quittierte dieses mit Tobsuchtsanfällen, welche das Meer aufwühlten (Augenzeugenbericht: „Das Meer schäumt wie das Bier beim Maibock“).
WDC 292; TGDD 64 „Die schwarze Suppe“, p. 4-5
Familie: Physeteridae (Pottwale)
Entenhausener Pottwal
Physeter Entenhausensis
Der Entenhausener Pottwal gleicht vom Körperbau her unserem Pottwal (Physeter catodon). Er ist (wie alle Wale) ein Säugetier. Dennoch wird in Entenhausen zum Einfangen eines solchen Tieres aus formaljuristischen Gründen ein Angelschein verlangt. Während der irdische Pottwal sich vorwiegend von Tintenfischen (Kopffüßern) ernährt, wird von den Entenhausener Tierschutzinstanzen als angemessene Nahrungsration für in Gefangenschaft gehaltene Pottwale eine Mischdiät von täglich „etwa einer Tonne pelagischer Kopffüßer, Wasserflöhe und so“ für ausreichend betrachtet. Es ist aber auch belegt, dass sich der Entenhausener Pottwal von Fischen ernährt. Hungrige Individuen geraten so in ihrem Bestreben einen Fisch zu verzehren manchmal auch ungewollt an Angelhaken, was für den Angler unerfreuliche Konsequenzen nach sich zieht. Der Entenhausener Pottwal ist ein Tier mit ausgeprägtem Territorialverhalten, er attackiert fremde Eindringlinge umgehend. Der Angriff eines Entenhausener Pottwales auf eine von Herrn Duck gefertigte, lebensgroße Walimitation von rosa Farbgebung („Was könnte einen schwarzen Walfisch wütender machen als ein rosa Wal ?“), könnte allerdings auch vermuten lassen, dass der Entenhausener Pottwal eventuell farbenblind ist.

Ein weiterer Unterschied zum Verhalten des uns bekannten Pottwales ist die Tatsache, dass der E. Pottwal in der Lage ist, ähnlich wie Delphine aus dem Wasser herauszuspringen.
Die gelegentlich drastische Reaktion des Entenhausener Pottwales auf Lockmittel (so lässt er sich z.B. durch extrem laute auf Lachse eingestellte Lockpfeifen anlocken), Amulette und dergleichen ist noch weitgehend unerforscht.
FC 256; TGDD 8 „Familie Duck auf Nordpolfahrt“
WDC 193; TGDD 19 „Der Walfisch“
U$ 25; TGDD 39 „Der Fliegende Holländer“; BL-OD 16/1
Text und Bilder:Oliver Martin, Dr. paTrick Martin, Peter Jacobsen, Klaus Harms, Walt Disney Inc. in: Barks’ Thierleben. Biodiversität in Entenhausen.
Ein Job für Andy Superkaufman
Update zu A Chevrolet Is Not A Disney:
Do we really have to watch Mighty Mouse and the Pirates from 1945 to know the plot? Heck, it’s a superhero cartoon… For the first time, it features Oil Can Harry in a Mighty Mouse cartoon, as a crossover appearance from other series, who was nine years older than Mighty Mouse and would stay his counterpart until When Mousehood Was in Flower, 1953. And for the first time in Mighty Mouse, the dialogue is opera style (rather sung than spoken). Enjoy this, if you can.
So. Nachdem wir alle da lebendig wieder raus sind, haben wir endlich eine Ausrede zu gucken, was Andy Kaufman so treibt.
Dass er außer bei ein paar Verschwörungstheoretikern nur mehr über sein Bio-Pic Der Mondmann bekannt ist (wenn man den irren Blick von Rainald Grebe nicht mitzählt), dass er die Leute in Fernsehsendungen ernsthaft gegeneinander aufbringen konnte, am besten noch die Interviewer gegen sich selbst, dass man als Zuschauer nie sicher sein konnte, in seinen Shows etwas zu erleben, für das man bezahlen mochte, ja nicht einmal, ob er aus künstlerischen Gründen überhaupt erscheinen sollte, auch wenn seine Elvis-Parodie richtig gut war, dass immer am spannendsten war, ob er heute wieder eine Neurose oder eine Psychose eigentherapieren wollte, dass er am Ende wirklich so ein Arschloch war, wie er immer tat — alles Binsen. Hauptsache, er hat mal Mighty Mouse… was eigentlich? parodiert? aufgelegt? zu Sinn verholfen?
Das Zuschauen, obwohl eingeladen und sozial gerechtfertigt, hat etwas unbequem Voyeuristisches: Der Mann spinnt ja womöglich in echt.
Films: Mighty Mouse and the Pirates, 1945,
When Mousehood Was in Flower, 1953,
Andy Kaufman Elvis Impersonation, Johnny Cash Show 1979,
and Andy Kaufman Performs Mighty Mouse Theme;
Image: Man on the Moon, 1999: Fair Use.
Proposing a city in which I would not, in fact, be allowed to exist
Update zu Happy Birthday, Herman,
The New York Rant,
New York 1660
und Vorabendvorstellung:
Bildende Kunst ist immer am schönsten, wenn ein bissel was zu grinsen mit drin ist. Staatstragende Farbflächen, Gouachen zur Kritik bourgeoiser Wahrnehmungsgewohnheiten — hübsch, und jetzt?
Die Manhattaner Künstlerin Melissa Gould, vulgo MeGo, hat aus den Stadtplänen von Mahnhattan und ausgerechnet Berlin eins von jenen Kunstwerken gemacht, mit denen man eine Ewigkeit nicht fertig wird. Ein Guckbild. Besser als Fernsehen (Kunststück…), und eine über den Inhalt hinausweisende Dimension obendrauf.
Die Lithographie Neu-York zeigt New York in den Grenzen von 1939 (also ohne Nachkriegsneuerungen wie das Lincoln Center) mit Straßennamen, die so tun, als ob sie im nazischen Berlin lägen. Papier und Farbgebung imitieren ein originales Zeitdokument:
An obsessively detailed alternate-history map, imagining how Manhattan might have looked had the Nazis conquered it in World War II.
Vierfarbdruck, 68 auf 109 Zentimeter, limitiert auf 20 Exemplare, 2.500 Dollar zuzüglich Porto und Zoll.
Für die historische (keineswegs politische) Korrektheit ihrer Fälschung hat MeGo zeitgenössische Straßenpläne eingescannt und digital die jüdischen Spuren daraus entfernt: Synagogen und Ortsnamen nach Juden. Das ist das Konzept der unbuilt landscape auf die Spitze getrieben.
Paradoxerweise will MeGo ihr Projekt ironisch verstanden wissen, bezeichnet es aber unter anderem als Hommage an die deutsche Sprache, die Sprache ihrer eigenen Vorfahren, und an die poetischen Aspekte der deutschen Kultur. Deutsch spricht sie selbst noch fließend, und in einem deutsch-österreichischen Umfeld könnte sie heute leben, wenn da nicht durch eine Verkettung saudummer Umstände die historische Kontinuität über den Haufen geraten wäre. Es ist nicht ihre erste Arbeit mit deutschem Bezug: Die Installationen From Adler to Zybler und Schadenfreude sprechen von ähnlichen Ausgangs- und Zielpunkten.
In Neu-York heißt der Hudson River Havel, der East River Spree, die Fifth Avenue Kurfürstendamm, überhaupt sind die Avenues allesamt etwas mit “Kaiserlich” und “Königlich”, die numerierten Querstraßen sind ausgeschrieben benannt. Unterhalb der 14. Street sind sogar geschlossene Berliner Stadtviertel durchgehalten. Unter den Straßennamen nach großen Deutschen finden sich auch Deutschjuden: ein Missgriff, der gerade für Nazigebräuche charakteristisch ist und die Sammlung umso authentischer macht. Am Columbus Circle steht das Brandenburger Tor, der Central Park ist der Tiergarten, mittendrin der Wannsee, der Times Square der Potsdamer Platz, das Museum of Natural History das Pergamon Museum. Mein persönlicher architektonischer Liebling in New York, die Brooklyn Bridge, heißt Potsdamer Brücke; eine der gelungensten Umdeutungen. Auch schön: Der Grunewald liegt in Bauernschädel-New-Jersey.
Als Muttersprachler stört mich, dass nirgends ein ß vorkommt — in diesem einen Falle gibt die Unsitte Sinn, die meisten “Strassen” als “Str.” abzukürzen — und die Straßennamen, die unter einem Albert Speer zustande gekommen wären oder wer immer unter den Nazis für dergleichen zuständig war, mit Leerschritt geschrieben sind statt zusammen oder bei längeren Wortgebilden mit Bindestrich. “Niebelungen Weg”! Nibelungenweg heißt das.
Die Website ist überaus liebevoll und interaktiv gestaltet; MeGo gibt alles, um ihre 20 Exemplare à 1.726,10 Euro (Stand vom 8. Februar 2008) zu inszenieren. Hilfreich ist die “Zeichen-Erklärung” mit Konkordanz in beide Sprachrichtungen nebst Übersetzung der deutschen Namen. Schlagen Sie ruhig mal die 21 Ausschnitte der Reproduktion auf und direktvergleichen Sie in Google Earth mit: ein lehrreicher Spaß.
Was den Melvilleaner interessiert: Die Pearl Street mit Herman Melvilles Geburtshaus und erstem Wohnort heißt “Monbijou Strasse” (grrr! Die Schreibweise!), sinnvoll oder nicht.
Ein paralleles Projekt mit New Yorker Hotels im Berlin von 1935 oder Berliner Hotels im New York von 1935 ist in Arbeit.
Bilder: Melissa Gould, Lower Manhattan;
Film: Insterburg & Co.: Ich liebte ein Mädchen.
Moby Dünn
I read the crap so you don’t have to.
MadHaiku, 24. Januar 2008
Im Februar 2008 fällt endlich auch in Deutschland auf, was der Orion Publishing Group, das ist die mit der verdienstreichen Everyman-Reihe, für Mai 2007 eingefallen ist. Die Neon, ein Blatt für die gleiche Zielgruppe wie für Weblogs, interviewt auf einer Doppelseite Gail Paten, Lektorin für die Compact Edition.
Worum geht’s? Gekürzte klassische Romane, die typischen dicken Bücher, die angeblich gut sein sollen, aber halt viel zu dick. Neon titelt auf Seite 142f.: “Editor’s Cut. Ein englischer Verlag kürzt Klassiker der Literaturgeschichte – damit wir sie lesen können.”
Bla. Das Problem ist bekannt: Jeder würde entweder ja gern die ganzen tollen Klassiker lesen, aber leider fängt grade Sex in the City an, oder ist sowieso in der Schule dafür versaut worden. Für die ersteren, die noch nicht ganz für lizenzfreie Weltliteratur verloren sind, ist die Compact Edition. Great books in half the time! Bis jetzt ist es bei zwölf solchen Ausgaben geblieben, laut Frau Paten sind weitere geplant.
Und wo heute zwölf Klassiker versammelt sind, da ist Moby-Dick mitten unter ihnen. In der Compact Edition ist er von 135 auf 94 Kapitel reduziert, was eigentlich noch ein moderater Eingriff ist. 336 Seiten. Natürlich fehlen darin die ganze zoologische Einteilung der Wale und Fachsimpeleien über Walfang.
Einen Punkt hat Frau Paten: Wenn es nicht zufällig Klassiker wären, hätte auch keiner was dagegen, dass Lektoren straffend eingreifen, um das Tempo der Handlung zu erhöhen. Heiligtümer wie David Copperfield sind als Fortsetzungsroman erschienen. Charles Dickens konnte also seine Brotgewinste dadurch sichern, dass er sich möglichst viel Zeit nahm, Nebenhandlungen mit schön vielen Nebenfiguren einführte und ausführlich abschweifte. Gute Gründe für einen langen Atem waren im 19. Jahrhundert zahlreicher als heute.
Worauf Frau Paten sich allerdings gehütet hat hinzuweisen, ist die Folter der Umzugshelfer, das Ärgernis der Flohmarkthändler, die Enttäuschung der Nachlassverwalter, die Verhöhnung der Literaten: Reader’s Digest Auswahlbücher, angeblich die beliebteste Buchreihe der Welt, die seit 1955 genau das gleiche macht, nur nicht als great books in half, sondern sogar quarter the time — außerdem, dass Robert A. diCurcio 1995-2000 einen sinnvoll gekürzten Moby-Dick als Nantucket’s Tried-Out Moby-Dick in der Funktion eines “Companion Reader” online gestellt hat, ebenfalls nach literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten, wie Frau Paten sie für sich behauptet — und dass gerade Moby-Dick auf eine Geschichte als zuschanden gekürztes Kinderbuch aus lauter “spannenden Stellen” zurückblickt, mit dem einzig ruhmreichen Aspekt, dass er immer noch unbeschadet da rausgekommen ist. Übrigens genau wie David Copperfield, Jane Eyre oder The Count of Monte Cristo — ebenfalls seit 2007 in Ihrer Compact Edition.
Kollegial anerkannt wird Jane Austen, die sehr dicht erzählt, so dass kaum Puffertext zum Kürzen übrig bleibt — nach modernen Maßstäben ein guter Job. Alle sieben Bände Harry Potter auf 400 Seiten will Frau Paten nicht prinzipiell ausschließen. Ist leider Copyright drauf, sowas aber auch. Den Text bei so spannenden Büchern mittendrin
Lesetipps:
- MadHaiku: MoBy-DiCk In HaIkU. Nur 15 x 17 Silben, und Bilder sind auch dabei!
- Caroline Jayne-Church: Einschlafen mit Wuff. Nur 5 Seiten!
- Winsor MacCay: Little Nemo in Slumberland. Leider 432 Seiten.
Bild: Electrocuting Whales and Machine Gunning Sea Lions, November 1931;
Film: Jaws in 30 seconds, Angry Alien.
(All together now:) Heathcliff!!
Update zu Emmaline is sugar and spice and all things nice (available in English)
und Brontësaurus:
Haben Sie mal versucht, den Text zu verstehen? Und? Geschafft? Merken können? Und mit diesem Wissen versucht mitzusingen? Mitgehalten? Danach nur noch versucht mitzupfeifen? Wenigstens die Melodie gemerkt? Genervt aufgegeben und fortan mitleidig den überkandidelten Ausdruckstanz bespöttelt? — Willkommen im Club.
Aussichtslos, geliebt, gehasst, verehrt, verachtet, aber niemals mitgesungen (außer von ein paar Profis) seit 30 Jahren: Am 20. Januar 1978 erschien die Single Wuthering Heights von Kate Bush, ab 17. Februar Bestandteil ihres Debüt-Albums The Kick Inside.
Dieser Text, hinter den man dann doch unbedingt kommen will, weil er offenbar von etwas anderem handelt als Ich-hab-dich-lieb, aus Sicht der seit langem verstorbenen Catherine Earnshaw, wie sie sich an ihren Peiniger wendet und alles in und an ihr zu ihm zurückdrängt; dieser in Schüben voranschlängelnde Rhythmus; diese Melodie, in der man kaum Strophe, Bridge und Refrain vorhersagen kann; dieses Micky-Maus-Falsett einer Besessenen! — Dieses Lied sperrt sich, sticht und spukt auf allen Ebenen. Hat jemals jemand bezweifelt, dass die achtzehnjährige Kate das Lied innerhalb weniger Sommernachtstunden mit Blick zum Dachfenster hinaus auf den Vollmond nicht irgendwie profan “schrieb”, sondern vielmehr: empfing?
Es geschah nach Inspiration durch den Film Wuthering Heights, es war die Verfilmung von 1970, das ist die mit Timothy “James Bond” Dalton, es waren deren letzte zehn Minuten, und es war nach der Erkenntnis, dass Kate Bush den Geburtstag mit Emily Brontë teilt, nur exakt 140 Jahre verschoben, der Schöpferin dieser unglaublichen Buchvorlage.
Eine Verkettung nachgerade diskordischer Zufälligkeiten, und in den Videos und den gut dokumentierten Fernsehauftritten tanzt sie wahrscheinlich satanische Botschaften rückwärts (der Blick! der Blick!), aber ich wüsste nicht, dass dieses Lied schon mal jemanden kalt gelassen hätte.
Damit wurde Kate Bush 19-jährig die erste Frau, die ein selbst komponiertes und aufgeführtes Lied vier Wochen lang auf Platz 1 der englischen und amerikanischen Charts halten konnte — ein Rekord, der sich seither nicht gerade wöchentlich wiederholt. David Gilmour von Pink Floyd entdeckt keine Luschen, die Besetzung von Alan Parsons Project arbeitet nicht mit Versagern zusammen. Maritimes Randwissen: The Saxophone Song, das zweite Lied auf The Kick Inside, wird von Walgesang eingeleitet.
Selbst Tori Amos, als Fee eben doch keine allschaffende Göttin, außerdem fünf Jahre jünger, beruft sich auf Kate Bush. Man glaubt es ihr, denn bösartig gesagt, kann sie genauso sphärisch Klavier klimpern und drei Oktaven zu hoch singen. Sogar Toris Themen wie Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und der Zusammenhang zwischen Patriarchat, Religion und Gewalt verblassen neben Kates frühen Vertiefungen in Geschwisterliebe, Atomkrieg und die Faszination der Zahl Pi. Dafür lebt Tori praktisch tingelnd, während Kate seit 1979 auf keiner Tournee mehr war. Irgendwie war sie trotzdem immer da, vor Tori Amos, vor Björk, ja vor Madonna gar (17 Tage jünger als Kate Bush).
Am 30. Juli 2008 wird Catherine Bush 50, Emily Brontë wird 190. Glückwünsche zum 30. von Wuthering Heights werden Frau Bush via ihre Fansite auf Myspace übermittelt.
Links:
- Wuthering Heights in der deutschen und englischen Wikipedia;
- Das offizielle Red Dress Video;
- Das offizielle White Dress Video, alternate take;
- Deutsche Live-Erstaufführung in der ersten Sendung von Bios Bahnhof, ARD 9. Februar 1978,
kompletter Auftritt: Ansage, Kite, Wuthering Heights und Interview; - Interview zum Lied, Gaffa 1979.
- Ausgewählte Cover-Versionen:
- Margrét Eir: Heiðin há (isländisch), 2007 oder vorher;
- Albert Niland, 2004 oder vorher;
- Puppini Sisters, 2006;
- Josh Pyke, 2007;
- ♥: Ukulele Orchestra of Great Britain (auch live empfohlen!), 2005 oder vorher;
- Hayley Westenra, 2004.
Kaufen, kaufen, kaufen:
- Emily Brontë: Wuthering Heights, Studienausgabe bei Norton Critical Classics, 1847/2003;
- Kate Bush: The Kick Inside, 1978.
Bonus Track:
- Herzlieblink zu Emily Brontës Sämtlichen Gedichten. In der Ansicht als Flipbook sind sie am besten.
Bilder: Kate in a box, 1978: El Vagon Alternativo;
Tori Amos in a box für Little Earthquakes, 1992: Pearl Jam;
Single Wuthering Heights, 20. Januar 1978: Die offizielle Schweizer Hitparade.
1 Tonne Nagetier
Update zu That’s Chevrotainment:
Terrorvogel — Säbelzahnkatze — Mastodon, ein Treibauf…
Südamerikanisches Wasserschwein?
Bild: Monstermaus, The Royal Society;
Lied: J.B.O.: Schlaf Kindlein schlaf, aus: Explizite Lyrik, 1995.
Die Wölfin meint: “Hat was Waliges.”
Hunderttausend heulende Höllenhunde
Update zu Das Land der Kuhjungen mit der Seele suchen
und Miss You:
Bitte kaufen: Das Strapazin 89 zum Thema Seefahrt. Gibt’s schon seit Dezember. Im Comicladen Ihres Vertrauens, in Rufweite gut geführter Bahnhofsklos und bestellbar über jede Buchhandlung.
strapazin.de und strapazin.ch: “Seit 1984 das deutschsprachige Forum für neue Strömungen in der internationalen Comic-Szene.”
Bild: Christoph Schuler: Liebe Eltern, in: Strapazin 89, Dezember 2007.
Danke: Billy Budd, Aufmerksamkeit, Januar 2008.
Herba Santa
Update for Eingesang (concerning Monody),
Geopfert (concerning Immolated),
and Geviertstriche (concerning To ———):
Timoleon, Etc. was the last work by Herman Melville published during his life. It was printed by Caxton Press in May 1891, in an edition of 25 copies. The Northwestern-Newberry edition will establish and make available the authoritative texts of these 42 poems. What we have for the time being, is The Poems of Herman Melville, edited by Douglas Robillard, where the following counter-argument to smoking ban is cited from (remember it was Melville’s last book…).
Herba Santa
I
After long wars when comes release
Not olive wands proclaiming peace
An import dearer share
Than stems of Herba Santa hazed
In autumn’s Indian air.
Of moods they breathe that care disarm,
They pledge us lenitive and calm.
II
Shall code or creed a lure afford
To win all selves to Love’s accord?
When Love ordained a supper divine
For the wide world of man,
What bickerings o’er his gracious wine!
Then strange new feuds began.
Effectual more in lowlier way,
Pacific Herb, thy sensuous plea
The bristling clans of Adam sway
At least to fellowship in thee!
Before thine altar tribal flags are furled,
Fain woulds’t thou make one hearthstone of the world.
III
To scythe, to sceptre, pen and hod—
Yea, sodden laborers dumb;
To brains overplied, to feet that plod,
In solace of the Truce of God
The Calumet has come!
IV
Ah for the world ere Raleigh’s find
Never that knew this suasive balm
That helps when Gilead’s fails to heal,
Helps by an interserted charm.
Insinuous thou that through the nerve
Windest the soul, and so canst win
Some from repinings, some from sin,
The Church’s aim thou dost subserve.
The ruffled fag fordone with care
And brooding, Gold would ease this pain:
Him soothest thou and smoothest down
Till some content return again.
Even ruffians feel thy influence breed
Saint Martin’s summer in the mind,
They feel this last evangel plead,
As did the first, apart from creed,
Be peaceful, man—be kind!
V
Rejected once on higher plain,
O Love supreme, to come again
Can this be thine?
Again to come, and win us too
In likeness of a weed
That as a god didst vainly woo,
As man more vainly bleed?
VI
Forbear, my soul! and in thine Eastern chamber
Rehearse the dream that brings the long release:
Through jasmine sweet and talismanic amber
Inhaling Herba Santa in the passive Pipe of Peace.
Image: Kevin Cornell: Three-Legged Girl,
pen and ink on Vellum Bristol Board, November 8, 2006;
Song: Ruth Händel: Meine letzte Zigarette, 1975.
Plan 12/24 From Outer Space
Update zu That same image selves see in all rivers, in oceans, in lakes and in Welles:
Der Plot von Santa Claus Conquers The Martians oder Santa Claus Defeats the Aliens, 1964 könnte ohne größere Eingriffe aus dem aktuellen Jahrtausend stammen: Die Marsianer kidnappen den Nikolaus oder jedenfalls etwas, das Amerikaner dafür halten, damit sie auf dem Mars auch endlich Geschenke kriegen. Ist das world-of-warcraft-fähig oder nicht?
War als typischer Weihnachts-”Film für die ganze Familie” gedacht, wird aber heute in eine Reihe mit Plan 9 From Outer Space 1959, dem vierten Weißen Hai 1987, Showgirls 1995 oder Catwoman 2004 als einer der objektiv schlechtesten Filme aller Zeiten gestellt und ist deshalb de facto nichts für Mimosen. Joe Gandelman hat das Ding zum Nikolaustag 2007 in The Moderate Voice endlich in der gebotenen Ausführlichkeit ernst genommen.
Insiderwissen: Wir können darin der 80er-Softporono- und Sangesmieze Pia Zadora mit ihren acht Jahren beim Debütieren als Jungmarsianerin “Girmar” zuschauen. Ihr nächster Film war erst wieder 1981 Butterfly — dafür jetzt gleich richtig mit Orson Welles. Auf Deutsch hieß er Der blonde Schmetterling und setzte für Frau Zadora einen Golden Globe als beste Newcomerin, für den selbst Meister Welles als beste Nebenrolle nur nominiert war, weil das 1964er Weihnachtsdebüt gnädig übergangen wurde, und eine Goldene Himbeere als schlechteste Newcomerin, und noch eine solche als schlechteste Schauspielerin.
Die Vollversion dauert 81 Minuten; ihre Zugänglichkeit in der Public Domain ist legal, wahrscheinlich weil dergleichen von soziologischem, nicht aber kommerziellem Interesse sein kann. Zum Anfixen und Eingewöhnen tut’s erst mal das zehnminütige Mashup, das keine gute Stelle auslässt.
Bilder: Wikimedia Commons, Taskboy.
Wie ihr’s auch dreht — der Wal hat Recht
Elke tut meinen Gedenkjob. Sogar schon zum zweiten Mal:
Melville meets Gernhardt.
Dreh es, o Seele
Die Stirn so feucht,
das Aug’ so fahl,
so kenn ich ihn,
den Grönlandwal.Im Nordmeer, da
ist er zuhaus,
er kommt nie aus
dem Wasser raus.Und holt man ihn,
so sagt er knapp:
“Ihr schaufelt mir
das trock’ne Grab.Das Meer ist tief,
die Welt ist schlecht,
wie ihr’s auch dreht —
der Wal hat recht.
Ein Jammer, dass man ihn nicht mehr fragen kann, den Robert Gernhardt, wo er Walisch gelernt hat. Denn er hat sich im vorletzten Sommer davongemacht, dorthin, wo Herman schon lange ist. Dabei hätten wir nur allzu gern gesehen, was er als munterer Siebziger noch alles für uns auf Lager gehabt hätte.
So müssen wir und Moby-Dick uns mit dem Meer von Robert Gernhardt trösten. Wetten, es hätte ihn gefreut. Und walfreundlich ist es bestimmt auch, sein Meer, oder? Na, unser großer Weißer hätt’s ihm schon gesagt…
Happy Birthday, Robert! Dort im weiten, fernen Meer…
Bild: Robert Gernhardt: Schnuffi auf hoher See.
With fairest flowers, whilst summer lasts, and I live here, Fidele—
Thanksgiving update to Gay religions full of pomp and gold
on Herman Melville’s invention of the isolato:
They were nearly all Islanders in the Pequod, Isolatoes too, I call such, not acknowledging the common continent of men, but each Isolato living on a separate continent of his own.
Moby-Dick, Chapter 27, Knights and Squires
The house is old. Seventy years since, from the heart of the Hearth Stone Hills, they quarried the Kaaba, or Holy Stone, to which, each Thanksgiving, the social pilgrims used to come. So long ago, that, in digging for the foundation, the workmen used both spade and axe, fighting the troglodytes of those subterranean parts—sturdy roots of a sturdy wood, encamped upon what is now a long landslide of sleeping meadow, sloping away off from my poppy-bed. Of that knit wood, but one survivor stands—an elm, lonely through steadfastness.
Herman Melville: The Piazza, 1856
Image: Arrowhead.
The film: The Gold Rush, 1925: Thanksgiving Meal.
The links:
- Bartleby the Isolato, 20 March 2007;
- Thanksgiving Day Celebrates A Massacre, 19 October 1990;
- The Piazza, May 1856;
- Arrowhead, 1860s.
The Ports of Rostock and Shanghai
Update to Wir sind hier in der Wall Street, Dirk
and Die Zeit steht still und mir ist kalt:
Few are the bands these days who sound more German than Tocotronic. Most German thing about them is probably that they used to try something English, and did it practically clandestine: as a B-side to the maxi CD of Hi Freaks, 2002.
Sailor Man is a cover version from Darkness Forever! by Turbonegro, 1999. They added their own flavor to the original song — which takes me to a question to the English native readers among us:
Can a voice sound granulous?
Comments are open.
Rathjen geht aufs Mare
Update zu Nu in da houze: Moby-Dick; oder: Der Wal. Der Rathjen:
Ausgebuffte Bücherchecker, die wir sind, bleibt uns nur ganz selten noch mal die Luft weg angesichts einer Neuerscheinung (“Daff wirrt ein haifferr Büüchärrhärrpfft!”).
Es ist kürzlich wieder passiert, als die Rathjen-Übersetzung von Moby-Dick nicht mehr nur in den paar über Deutschland verstreuselten Zweitausendeins-Filialen erhältlich war und auf den freien Büchermarkt, man muss sagen: schwappte. Seit 4. Oktober gibt es den Rathjen-Moby im marebuchverlag.
Das Buch ist seitengleich von Zweitausendeins übernommen, also mit der ganzen historischen Möblierung “aus dem Quellgebiet”. Gerne wiederhole ich mich:
- Essay von Jean-Pierre Lefebvre: Die Arbeit des Wals. Red Moby &/or: Das Kapital
- Auszüge aus Owen Chase: Bericht vom Schiffbruch des Walfängers Essex aus Nantucket, der im Pazifischen Ozean von einem großen Pottwal angegriffen und schließlich zerstört wurde
- Herman Melvilles Notizen zum letzteren
- Jeremiah N. Reynolds: Mocha Dick, erstmals deutsch
- Herman Melville: Skizzen einer Walreise
- Herman Melville: Hawthorne und seine Moose, die 1850er Rezension zu Mosses From an Old Manse, die Melvilles herzliches Verhältnis zu Nathaniel Hawthorne begründete, erstmals deutsch
- Sieben Briefe Hermans Melvilles an Sophia und Nathaniel Hawthorne nebst Tagebucheintragungen der letzteren beiden
- Sophia und Julian Hawthorne: Wie wir ihn sehen. Erinnerungen an Herman Melville
- Friedhelm Rathjen: Wie ich Herman Melvilles Moby-Dick übersetzt habe;
Verstärkung erfährt es durch die vollständige (!) Lesung auf zwei mp3-CDs durch Christian Brückner, dessen synchronisierende Stimme ganze Hollywoodflops rumreißen kann.
Alles zusammen ergibt eine veritable Fan-Edition. Die Übersetzung, wie hier im Weblog wiederholt begründet, muss man mögen, um sie zu mögen, denn im Vergleich zur sehr viel braveren Jendis-Übersetzung wirkt das, was Rathjen ein paar Jahre vor Jendis aus dem Urtext gemacht hat, geradezu sturmzerzaust. Ein Studienbausatz für die Jungs. Wird ab sofort standardmäßig verlinkt. 69,90 und jeden Cent wert.
(Ping!)
Bilder: marebuchverlag, Flappers and Philosophers;
Lizenz: Creative Commons, Public Domain.
Die Zeit steht still und mir ist kalt
Update zu Walgesang in seiner Sprache:
Die damals nicht besonders viel jüngere Frau und das Meer standen 2003 Apocalyptica zur Seite, der einzigen Metal-Kapelle mit drei Cellisten, um Seemann von Rammstein 1998 aufzunehmen. Sowas kann natürlich wieder nur in Finnland gedeihen — aber wenn jemand noch so eine findet, darf er es hier gerne weitergeben.
In diesen Tagen hat das ewig kindische Stimmwunder Nina Hagen, die, wenn man wirklich sehr genau hinhört, schon immer ihren Hang zu maritimem Liedgut öffentlich auslebte, das Ding nochmal live gesungen, unter sichtlichem Einfluss lustiger Substanzen. Aber über unseren (?) Herman lästern…
Die Lieder:
- Apocalyptica featuring Nina Hagen 2003: Seemann
- Nina Hagen Fanvideo: Fisch im Wasser
- Nina Hagen live 2003: Seemann
- Nina Hagen live 1979: Herman ist high
- Rammstein Video: Seemann
Die Platten:
- Apocalyptica: Reflections, 2004
- Herman Brood, Nina Hagen & Lene Lovich: Cha-Cha. The Soundtrack, 1997 (Rarität — soll gut sein!)
- Nina Hagen: Nina Hagen Band, 1985
- Rammstein: Herzeleid, 1998
Orson Whales
Update zu That same image selves see in all rivers, in oceans, in lakes and in Welles:
Den Film Orson Whales hat sich der Schöpfer Alex Itin selbst zum Geburtstag geschenkt. Der Materialwert beläuft sich auf zwei Exemplare derselben Ausgabe Moby-Dick, ein paar… was ist denn das… passenderweise Wasserfarben? und das bisschen Software, das man heutzutage sowieso auf jedem Computer hat, um Videos zu basteln und zu veröffentlichen.
In diesem Fall hat sich’s gelohnt: Was will man in die Wüste predigen, wie sehr es doch auf Inhalt ankommt und nicht das Material, mit dem einer ein überteuertes Feuerwerk abbrennt, wenn man abseits von Youtube solche Videos trifft, die jedenfalls mehr mit Kunst zu tun haben als [Zutreffendes einsetzen, je nachdem ob sie einen Fernseher haben oder innerhalb des letzten Monats bei Basic eingekauft haben]. — Die bildliche Darstellung des Liedes Moby Dick von Led Zeppelin ist praktisch untersagt, die Lesung des gleichnamigen Romans durch Orson Welles 1971, abseits der Verfilmung, spärlich dokumentiert, da preist das Werk den Schöpfer schon sehr.
Gefunden (nur nicht auf Youtube) hat das mal wieder der Lachende Knochen.
Orson Welles liest 1971 noch mehr Moby-Dick, gesammelt 1995 in Orson Welles — The One Man Band:
Orson Welles liest in keinem Fall Herman Melvilles Originaltext; grämen Sie sich also nicht über Ihr mieses Englisch, wenn Sie in Ihrer Ausgabe mitzulesen versuchen.
One of the best works on the whale fishery
Will man ein Buch, das Narrative of a whaling voyage round the globe, from the year 1833 to 1836. Comprising sketches of Polynesia, California, the Indian Archipelago, etc. with an account of southern whales, the sperm whale fishery, and the natural history of the climates visited heißt, nicht einfach nur habenhabenhaben?
Sie nicht? Mir recht, dann können Sie gern weiter die Men’s Health lesen.
Das Ding ist 1840 bei Herman Melvilles Londoner Stammverlag Richard Bentley erschienen und wurde 1970 mal von der New Yorker Da Capo Press neuveröffentlicht; seitdem kann man es lange und fruchtlos suchen.
Nach einem lapidaren Vermerk von Rainer G. Schmidt in seiner 1997er Übersetzung von Mardi bei Achilla Presse hat Melville das gute Stück “häufig benutzt”, was man gut verstehen kann, wenn man es schließlich findet: Antipodean Books, Maps & Prints verkauft ein zweibändiges Exemplar für schon 2.750,00 Dollar.
Auf den drei Bildern, die sie davon stolz herzeigen, umbranden den wohlwollenden Leser sämtliche Gründe, aus denen er sich als Bub unter Bettdecke mit einem Arena Kinderklassiker Moby-Dick beholfen hat: Kalbsledereinbände mit Reliefstruktur, marmorierte Buchdeckel, Aquatinta-Frontispiz und ordentlich hineingefaltete Seekarten. Yummy…
Bis wir die momentan 1.983,78 Euro beieinander haben, lesen wir schon mal beim Plough Boy die Volltexte von Band 1 und Band 2, dann müssen wir die bibliophilen Stücke nicht so runterwanzen.
Bild: Antipodean Books, Maps & Prints (it’s called publicity, folks!).
The Beginning of iPods
Update zu Bordfunk:
Nicht gar zu lange her, da galt das Konzept der iTunes als Ende der Literatur und Gegenstand ungläubiger Erheiterung.
People of small means will not be ruined, you must admit, by a tax of four or five cents for an hour’s ‘hearing,’ and the fees of the wandering author will be relatively important by the multiplicity of hearings furnished to each house in the same quarter.
Is this all? By no means. The phonography of the future will be at the service of our grandchildren on all the occasions of life. Every restaurant-table will be provided with its phonographic collection; the public carriages, the waiting-rooms, the state – rooms of steamers, the halls and chambers of hotels will contain phonographotecks for the use of travellers. The railways will replace the parlor car by a sort of Pullman Circulating Library, which will cause travellers to forget the weariness of the way while leaving their eyes free to admire the landscapes through which they are passing.
Octave Uzanne: The End of Books,
Scribner’s Magazine, vol. 16, no 2, August 1894.
Bild: Albert Robida in Wikimedia Commons; Lizenz: Public Domain.
Amiot!
Vage ein Update zu Moby-Dick als Comic:
Die Lucky-Luke-Hefte waren immer exklusiver Jungenskram. Selbst Asterix haben die netteren von den Mädchen gelesen, den haben ja sogar die Lehrer empfohlen. Bis heute will es einem kurios erscheinen, wenn die Originale dieser zutiefst amerikanischen Reihe in Wort und Bild französisch parlieren: vom Belgier Morris und dem Pariser René Goscinny. Um sie wegen des schwulen Anflugs, dem dieser französische Singsang unter Schulbuben anhaftet, auszulachen, waren sie von Natur aus zu gut.
Ein seltener Glücksfall von Kalauer ist dem Texter Goscinny in Lucky Luke Band 36: Dalton City, 1968 gelungen – jedenfalls einer, dem in der deutschen Übersetzung kein Gramm Komik verloren geht (weil er mit Eigennamen und einem gr.-lat. Fremdwort arbeitet) und der die Handlung erst in Gang setzt:
Im Gefängnis, in dem die Daltons einsitzen, kommt ein Morse-Telegramm vom Gouverneur an, dass Joe Dalton wegen guter Führung freizulassen sei. Joe hält das bei seinem Ehrgeiz, seine Strafe so renitent wie möglich abzubüßen, für eine Beleidigung und muss gewaltsam rausgeschmissen werden.
Im selben Gefängnis sitzt auch der unschuldige Joe Milton ein, der in seiner Rechtschaffenheit bis zur Unterwürfigkeit gegenüber dem Gefängnisdirektor das schiere Gegenteil von Joe Dalton ist. Es stellt sich heraus, dass er es war, der vom Gouverneur begnadigt werden sollte, und nur der trottelige Funker Sparks ein Problem mit den Morsebuchstaben D, A, M und I hat, von denen die Namen Dalton und Milton unterschieden werden.
Milton muss gerade wegen seiner Gutmütigkeit ebenso gewaltsam wie Dalton freigesetzt werden. Letzterer mus allerdings wieder her, der Handlungsstrang ist auf den Weg gebracht.
Am Schluss der gesamten Handlung morst der Gouverneur – aus Gründen – erneut ins Gefängnis das einzelne Wort: “Amiot!”
Der Gefängnisdirektor erkennt die Botschaft sofort und schimpft seinen Funker Sparks: “Idiot!”
“Sie sind begabt fürs Morsen, Chef.”
Wenn jemandem noch ein handlungstragendes Wortspiel auffällt: Ich sammle sowas.
Bilder: Dargaud S.A. Éditeur, 1968; Fans de Lucky Luke; Lucky Luke Band 35: Sarah Bernhardt, 1982, deutsch 1983. Lizenz: Creative Commons.
Kapitel 44 oder 78774-mal E

Moby Dick: Chapter 44 or 6618 times E,
Kaltnadel, 23 auf 28 Zentimeter, 2006.
Wir treffen in der conduitgallery in Dallas, Texas auf Justin Quinns Transkription von Moby-Dick in den Buchstaben E: den Zyklus Chapter 44 or 78,774 times E; Graphitzeichnungen auf Hanfpapier, Kaltnadel-Tiefdruck und Öl auf Leinen, 2004–2006.
Der Werkzyklus untersucht zu wiederholten Malen Herman Melvilles Kapitel 44: The Chart, ausgehend von der Textstelle:
Almost every night some pencil marks were effaced, and others were substituted. For with the charts of all four oceans before him, Ahab was threading a maze of currents and eddies, with a view to the more certain accomplishment of that monomaniac thought of his soul.
Captain Ahab zeichnet nachts in seinem Kartenzimmer zwanghaft Seekarten nach, was seine Besessenheit mit der Suche nach dem weißen Wal veranschaulicht.
Quinn transkribiert nicht etwa den ganzen Roman in den genannten Kunsttechniken, sondern setzt sich mit seiner Arbeit selbst an die Stelle von Ahab in dieser Situation, indem er abertausendfach den Buchstaben E in diese verschlungenen, labyrinthischen Strukturen stellt: Seine Bahnen führen statt zu einem Ziel immer nur zu sich selbst zurück. Durch die Verwendung immer nur des einzigen Buchstaben E wird die Grenze zwischen Prosa und visueller Kunst aufgehoben.
Es bestehen Bearbeitungen anderer Kapitel, noch mehr sind in der Entstehung.
Ein gespenstisch schön geratendes Korpus, vor allem wenn man sich die dem Selbstversuch nahestehende Arbeitsweise des Künstlers vergegenwärtigt.
Danke an den Lachenden Knochen, 26. August 2007,
und den Kunstverein Frechen!
Keine Mehrfachnennungen möglich
Jetzt online: Quohog – his mark
Update zum Preisrätsel (ja, das läuft noch!),
Quohog. sein Zeichen. und Nachtrag zu
Dem Wolf sein Zeichen:
Seit 15. Januar hat die Moby-Dick-2.0-Forschung den Fortschritt getan, dass wir heute in der Lage sind, Queequegs Originalunterschrift online zur Verfügung zu stellen, wie Herman Melville sie von eigener Hand in sein Manuskript malte: die queer round figure which was tattooed upon his arm, und Captain Pelegs Erklärung gleich mit drumrum.
Bis auf weiteres bietet keine der bestehenden Online-Volltexte Moby-Dick eine Reproduktion von Queequeg-Melvilles Unendlichkeitszeichen, vielmehr behelfen sich alle mit einem X. Nun gut, das spricht sich ja genauso.
Die Teile 2 und 3 des Preisrätsels entfallen somit als obsolet, zur Erforschung der Teile 1 und 1a wird hingegen erneut aufgerufen. Die Kommentarfunktion ist offen.
T-Shirts sind in Arbeit.
Bild: Das einzige erhaltene Fitzelchen aus Herman Melvilles verschollenem Originalmanuskript Moby-Dick (weil es mit in die Druckerei gegeben wurde), Scan aus der deutschen Übersetzung von Friedhelm Rathjen, Zweitausendeins 2004 (es wird auch in anderen Ausgaben wiedergegeben); Lizenz: Public Domain oder Creative Commons, je nachdem.
Happy birthday, Herman.
Am Sonntag, den 1. August 1819, eine halbe Stunde vor Mitternacht, wird Herman Melville in New York City geboren. Er ist das dritte von bald acht Kindern der Eheleute Allan und Maria Gansevoort Melvill [sic]. Die Geburt findet unter ärztlicher Aufsicht zu Hause statt, in der Pearl Street Nr. 6, nur wenige Steinwürfe von der Battery an der Südspitze Manhattans entfernt. Am nächsten Morgen berichtet der stolze Vater seinem Schwager Peter Gansevoort von der Ankunft seines zweiten Sohnes: “unsere liebe Maria bewies ihre bekannte Tapferkeit in der Stunde der Gefahr, & es geht ihr so gut wie es die Umstände & die starke Hitze erlauben – und der kleine Fremdling hat gute Lungen, schläft gut & trinkt mit Maßen, er ist wirklich ein prächtiger Knabe.”
Nachweise: Text: Daniel Göske, 1. Absatz aus: Herman Melville. Ein Leben, Kapitel I: “Harte Zeiten”. Kindheit, Jugend, frühe Reisen (1819–1844); Lizenz: Creative Commons. Bild: Cover-Motiv zu Ahab: The Call of the Wretched Sea, 2006, Copyright unsicher, zur Feier des Tages wiedergegeben in 300 dpi druckfähiger Auflösung; Lizenz: höchstwahrscheinlich Public Domain, im Zweifelsfall aber Creative Commons.
Pissed about having to work in a post office to support himself
Update zu Warum es kaum Fotos von Herman Melville gibt
und Chez Pierre:
Nach dem Whale schrieb Herman Melville seinen Kraken, den natürlichen Feind des Wals. Wenn schon out, dann richtig.
Pierre, die gleichnamige Hauptfigur des Kraken und seines Zeichens Lohnschreiber auf dem unaufhaltsamen Weg in den Untergang, sträubt sich in einem Verlegerbrief, sich für seine Veröffentlichung ablichten zu lassen:
Eine bestechend klare Ansage, die Melville offenbar persönlich teilte und in einem eigenen Brief an den eigenen Verleger etwas zurückgenommener formulierte:
Almost everybody is having his “mug” engraved nowadays; so that this test of distinction is going to be reversed; and therefore, to see one’s “mug” in a magazine, is presumptive evidence that he’s a nobody… I respectfully decline being oblivionated.
Wir Heutigen, die Mugshots für eine Erfindung von rotten.com halten und damit liebäugeln, uns als Leserreporter bei den großen vier Buchstaben registrieren zu lassen, würden mit so einer Auffassung von hinten rum schon wieder in.
Von Herman Melville sind dann doch noch drei Daguerrotypien bekannt geworden. Glücklich sieht er auf allen dreien nicht aus.
Moby-Dick undercover: Der Weiße Wal ist kein Weißwal
Daddy Stephan hat Fahrt aufgenommen…:
Yes, the world’s a ship on its passage out, and not a voyage complete.
Als ich gestern nach Hause kam, hat mich mein Sohn nach einem knappen Hallo sofort gefragt:
“Papa, stimmt das, dass ein Weißwal stärker ist als ein Blauwal?”
Ich war ein wenig überrumpelt und dachte daher sofort an Moby Dick:
“Na klar ist der stärker! Wer nimmt’s denn schon mit dem auf!”
Einen Gedanken später entsann ich mich, dass ein Weißwal ein Beluga ist. Diese überirdisch harmlosen, sanftmütigen, Marshmallow-artigen Tierchen gegen einen Blauwal? Welch ein Massaker, wenn man das mit den Augen eines Fünfjährigen betrachtet.
“Nee”, antwortete ich, “Wale kämpfen eigentlich nicht gegeneinander, also nicht verschiedene Arten gegeneinander, sie haben doch genug Platz im Meer, um sich aus dem Weg zu gehen.”
Mein Sohn, das gute Kind, hat sein Interesse am Meer von seinen Eltern geerbt. Und ich bin sooo glücklich darüber!
Mit Kapitel acht endete mein gestriger Abend, mit bleiernen Augenlidern und sehnsüchtigen Gedanken an das, was da kommen mag. An die fordernd-schneidenden Winde, an das babylonische Sprachengewirr an den Docks von New Bedford. Welche Beziehung pflegen denn diese Seemänner, Walfänger zum Meer und zu ihrer Beute? Gibt es diese religöse Demut vieler uramerikanischer Völker gegenüber der Natur, die sie am Leben erhält? Ist es eine Unterwerfung des Ichs unter die Knute des Schicksals? Schiere Abenteuerlust einiger Greenhorns? Sportlicher Ehrgeiz? Ich werde es erleben.
… und Elke weist ihn ein:
Hach, wie salomonisch schlichten doch Eltern die Kämpfe in Kinderseelen. Sowas kann der Liebe zum Meer eigentlich nur zuträglich sein. In mir wohnt sie auch – mehr als man sie in einer Landrättin wie mir vermuten sollte…
Stephan, der Einwand zum Weiß- oder Belugawal ist vollkommen berechtigt. Ich bin auch schon mehrmals über diese Bezeichnung gestolpert. Hui, und der Marshmallow-Vergleich ist ja goldig, vor allem passt er so schön, wenn man das Bild dieser Tiere vor Augen hat.
Unser Weißer Wal (mit großem W, wenns nach mir ginge) ist ja bekanntlich ein riesiger Pottwal, nur seeehr entfernt verwandt und keineswegs zu verwechseln mit jenen verschmitzt dreischauenden Marshmallow-Tierchen (die – hehe! – aber immer noch die beachtliche Länge von 3 bis 6 Metern erreichen und an die eintausend Kilogramm auf die Waage bringen können). Beluga (von bela, belyj) bedeutet übrigens auch weiß – auf Russisch.
Die Frage, warum Moby Dick dennoch der Weiße Wal heißt (obwohl Pottwale sonst eher bräunlich dunkel sind), führt uns zunächst unausweichlich wieder zu – Mocha Dick. Der soll ja, wie man hört, eine große weiße Narbe auf seiner gewaltigen angriffslustigen Stirn gehabt haben, das Zeichen bestandener Kämpfe mit nicht weniger angriffslustigen Waljägern. Tja, und auch die spinnen gern Seemannsgarn, um sich ins rechte Licht zu rücken. So wurde mit jedem Bericht über eine Begegnung mit diesem Ungetüm des Meeres die weiße Narbe größer – und der Wal immer weißer, und “irgendwann war der ganze Wal weiß geredet und gerüchtet”. Und trug so zur weiteren Legendenbildung und Manifestierung seines Mythos bei.
Na, und unserm guten Melville kam ja der Weiße Riese erst recht zupasse. Was konnte er besser gebrauchen als diesen symbolistischen Anstrich (ui, wat’n Wortspiel) für seinen Moby Dick. Der uns bestimmt auf hoher See, dort, wo selbiger uns und Ahab die weiße Stirn bieten wird, wohl noch tiefer zu beschäftigen hat.
Zwecks Entfachen der ungestümen Leidenschaft, die diesbezüglich irgendwo tief in uns wohnen sollte, und zum einstweiligen vorkostenden Beknabbern der Weiße des Wals werfe ich einfach mal ein – Ismael ins Maul gelegtes – Melvillesches philosophisch-welträtselndes Fragenbündel unter euch:
Ist es so, dass das Weiß durch seine Unbestimmtheit die herzlose Leere und unermessliche Weite des Weltalls andeutet und uns so den Gedanken an Vernichtung wie einen Dolch in den Rücken stößt, wenn wir in die weißen Tiefen der Milchstraße blicken? Oder ist es so, dass das Weiß seinem Wesen nach nicht so sehr eine Farbe ist als vielmehr die sichtbare Abwesenheit von Farbe und zugleich die Summe aller Farben? Ist das der Grund, weshalb eine weite Schneelandschaft dem Auge eine so öde Leere bietet, die doch voller Bedeutung ist – eine farblose Allfarbe der Gottlosigkeit, vor der wir zurückschrecken? [...] Für all dies war der Albinowal das Symbol. Wundert euch nun noch die feurige Jagd?
Kapitel 42: Das Weiß des Wals, Jendis-Moby Seite 322
Uff! Schön, dass wir wir schonmal drüber gesprochen haben. Das Kapitel hat zweiundzwanzig und a bisserl Seiten – und die gehn von Anfang bis Ende so.
Hey, Stephan, und was die Beziehung zumindest der Walfänger zum Meere und ihrer Beute angeht: Das findest du heraus, einiges häppchenweise schon in den nächsten Kapiteln, die du ansteuerst. – Man will ja schließlich nicht alles schon vorher verraten. Verflixt, dass ich mich immer nicht bremsen kann!
Die Urvölkler in dem nordamerikanischen Staatengebilde könnten, was das angeht, allerdings nochmal einer genaueren Beschnüffelung wert sein. Ja doch, ich bin ja schon still! Und wenn ich hier zu ausgiebig klugscheiße – sorry! –, dann pfeift mich ruhig zurück, okay?
Unschuldig pfeifend übers Deck schlendernd –
die Kajüten-Klabauterin
Merke: Blauwal ungleich Beluga gleich Weißwal ungleich Weißer Wal ungleich Marshmallow.
Brush your teeth for America!
Was man hierzulande so leicht vergisst: Auf seinen Nationalfeiertag kann man auch stolz sein. – Wie spät ist es gerade in Amerika? Alle Zeitverschiebungen innerhalb jenes enormen Landes, das um die halbe Erde lappt, eingerechnet, ist immer irgendwo Zeit zum Zähneputzen.
Happy Fourth of July to you who couldn’t read the rest!
Film (10:24 Minuten): Ziptrivia; Bild: DealBreaker.
Erfolg ist eine Nutte
Update zu The People of Poets and Philosophers:
Ist Herman Melville eine gescheiterte Existenz, wie sich das für einen Künstler gehört?
Wie man’s nimmt. Angefangen hat er mit seinen größten Erfolgen, zwei Bestsellern am Stück, die ihn zum Popliteraten machten (Typee, Omoo). Nach einem kommerziellen Einbruch (Mardi) schaffte er in vier Monaten zwei sehr dicke Romane, einer wieder kommerziell, einer beispiellos politisch erfolgreich (Redburn, White Jacket).
Danach beschloss er einfach, mit solchen pot boilers aufzuhören und den Inbegriff der Weltliteratur zu schreiben (Moby-Dick). Für einen, der eine Familie durchzubringen hat, bestimmt keine leichte Entscheidung, aber you get what you pay for.
Die 3000 Stück Startauflage der amerikanischen Harper-Ausgabe wurden nicht verkauft. Melville verdiente daran insgesamt 556,37 $, an der britischen Bentley-Ausgabe überhaupt nichts, weil das internationale Copyright erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist.
Melville setzte noch vier Romane in den Sand (Pierre, Israel Potter, The Isle of the Cross, The Confidence-Man), von denen einer vollends verschollen ist (The Isle of the Cross), wandte sich absehbar erfolgloser Lyrik zu (Clarel et al.) und verdiente seinen Lebensunterhalt beim Zoll im New Yorker Hafen. Seine literarische Karriere mit zehn Romanen und einem ganzen Schwung Erzählungen, von denen etliche ins Weltkulturerbe gehören, beläuft sich damit auf keine zwölf Jahre.
Als er nach weiteren 40 Jahren starb, staunten seine früheren Bewunderer, dass er überhaupt noch gelebt hatte. Seine Todesanzeige in der New York Times nannte ihn “Hiram Melville”.
Er hat nie etwas geschrieben, hinter dem er nicht stand, und er hat damit sein Leben lang nicht aufgehört. Erfolg findet im Kopf statt.
Mit diesem Stoff dürfen die Lehrer unter Ihnen gern zwei Schulstunden bestreiten: eine in Englisch, eine in Ethik.
Bild: Randall Enos.
The secret’s in the sauce
In handelsüblichen Hollywood-Filmen kommt Moby-Dick immer nur in Kontexten vor, in den deutsche Filmschaffende etwa Klopstock-Oden stellen würden: Schon mal gehört, sollte man vielleicht gelesen haben, laaaaangweilig.
Spaß gemacht hat’s in Grüne Tomaten von Jon Avnet, 1991 (gibt’s auch als Buch von Fannie Flagg, in dem sich die Handlung nicht erheblich unterscheiden wird).
Idgie Threadgoode, eine burschikose junge Frau aus Alabama, die durch barfüßiges Umherstapfen, ein loses Mundwerk und einen naturwüchsigen Gerechtigkeitssinn auffällt, wird des Mordes am Ehemann ihrer latent lesbischen Freundin angeklagt. Leider ist der Zeuge der Verteidigung ihr schwarzer Angestellter, mit dem sie das Whistle Stop Café betreibt, und dem die Ordnungskräfte des Südstaaten-Ortes mit starker Ku-Klux-Klan-Vertretung schon wegen seiner Hautfarbe kein Wort glauben.
Zweiter und letzter Zeuge der Verteidigung ist allerdings Reverend Herbert Scroggins (Richard Riehle), dem die besagten Ordnungskräfte aus ebenfalls ideologischen Gründen eben doch glauben müssen. Zur Zeugenvereidigung besteht er darauf, auf seine eigene Bibel zu schwören; ein ohnehin als leicht verschroben geltender Geistlicher darf das.
Sein Argument, mit dem er Idgie das entscheidende Alibi verschafft:
Nun, falls Sie zu einer unserer Erweckungsversammlungen gegangen wären, müsste Ihnen bekannt sein, dass sie drei Tage und drei Nächte dauern.
Der Tote, ohnehin nie aufgefunden, muss somit seinen Pickup betrunken in den See gesteuert haben, Tod durch Unfall, Klage abgewiesen.
Idgie arbeitet nach der Verhandlung ihren Freispruch mit ihrer Freundin auf:
I can’t believe he actually swore on the bible.
Well, not really. If that judge had looked any closer, he would have seen it was really a copy of Moby-Dick.
But why did he do it?
Well, sure of joy of seeing you in church again, which I suggested to him might be your penance.
You didn’t promise him…
Yes ma’am I did, and I never break my word.
If I live a thousand years, I’ll never forgive you for this. I don’t know what’s worse, church or jail.
Oder synchronisiert:
Ich kann es nicht glauben – er hat tatsächlich auf die Bibel geschworen.
Nun, hat er auch nicht. Hätte der Richter genau hingesehen, hätte er erkannt, dass es eigentlich eine Ausgabe von Moby-Dick war.
Warum hat er das getan?
Nun, wahrscheinlich aus reiner Freude, dich endlich wieder in der Kirche zu sehen. Das hab ich ihm als deine Buße vorgeschlagen.
Du hast es ihm doch hoffentlich nicht versprochen?
Doch, das habe ich, und ich breche niemals mein Wort.
Und wenn ich tausend Jahre alt werde, das werde ich dir niemals verzeihen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Kirche oder Kittchen.
Der Reverend leistet also seinen Meineid und wendet ihn mit einem juristisch fadenscheinigen Kniff ab, um ein verlorenes Schaf in seine Gemeinde zurückzuholen. Fraglich, ob er das auch getan hätte, “nur” um den Schwarzen zu retten.
Der Moby-Dick wird im Film nur dieses eine Mal erwähnt und bleibt stehen als bibelähnlicher Wälzer (Hardcover, Rotschnitt, die Ausgabe wird nicht ersichtlich), den keiner so genau anschaut. Aber er rettet als tragendes Requisit einer Eulenspiegelei zwei gesellschaftliche Schwache vor der Todesstrafe, und das sähe Herman Melville durchaus ähnlich.
Reverend Herbert Scroggins (links) schwört auf den Moby-Dick, Filmminute 1:27:45:
Screenshots aus Grüne Tomaten; Lizenz: Creative Commons.
Aspects of Abraham
Ganz bestimmt kein Update zu Losing My Religion:
Wer sich mit der Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs befasst, lernt alsbald:
Abraham Lincoln war ein hünenhafter Bauernsohn aus einer Quäkerfamilie in Kentucky mit langen Armen, auffallend großen Händen und noch größeren Füßen und Ohren wie Dumbo. Mit seinen grundsätzlich abgenutzten, immer verknitterten schwarzen Anzügen mit zu kurzen Ärmeln und Hosenbeinen und dem Ausdruck von Melancholie, der nie aus seinem Gesicht wich, erinnerte er an einen Leichenbestatter.
Dabei war er berüchtigt für seinen derben Humor, den vor allem er selbst komisch fand, während er seinen Gesprächspartnern meist die Sprache verschlug. Eine Karikatur von John Cameron stellt noch 1864 bei fortgeschrittenem Bürgerkrieg dar, wie ihm in einer Regierungsversammlung als erstes ein kapitaler Witz einfällt.
Abgesehen davon nahm er durch die Einfachheit und Güte seiner knorrigen Gesichtszüge ein. Durch seine Mischung aus Bodenständigkeit, Frömmigkeit, Gutherzigkeit, Leutseligkeit und einer fundamentalen Ehrlichkeit vermittelte er eine geheimnisvolle innere Größe, gerade auch, weil er sich im Gegensatz zu seinen aktionistischen Mit-abolitionists gern zur Kontemplation zurückzog, um aus einer nicht näher ergründbaren Kraftquelle in seinem Unbewussten zu schöpfen.
Bei öffentlichen Auftritten überragte sein zerfurchtes Gesicht auf dem Geierhals die Menge, sein Rednerpult erklomm er etwas ungelenk. Beim Sprechen hatte er die wenig elegante Angewohnheit, in die Knie zu gehen und sich an den wichtigen Stellen ruckartig zu seiner vollen Länge zu strecken.
Im Lincoln Memorial in Washington thront der Marmorne mit einem mysteriösen Gesicht auf dem Hinterkopf und vor allem: in absichtlich verzerrte Körperproportionen gemeißelt – weil er sonst, aus der Sicht seiner Bewunderer von unten, erst recht verzerrt wahrgenommen würde. Die tiefere Bedeutung dieser Information dürfen Sie jetzt erst mal auf sich wirken lassen.
Die thematische Parallele für Verschwörungstheoretiker: Melville und Lincoln: beide vier Kinder, beide mutmaßlich schwul.
Warum werden solche Käuze mit einer eindeutigen, wenngleich undogmatischen Message heute keine Präsidenten mehr? – Die Zeiten sind visuell. Mit so einem valentinesken Gestell konnte man es mal auf den Fünf-Dollar-Schein und in den Mount Rushmore schaffen, weil man 1861 weder in Fernsehduellen beurteilt noch hinterrücks von Handy-Kameras an die Bildzeitung gesimst wurde. Darum geht Honest Abe Lincoln heute noch als richtig cooler Hund durch.
Come to think of it, hätte ich nicht ein Arbeitsleben lang ausschließlich unverknitterte Anzüge getragen (und mich etwas strebsamer um eine Arbeitsgenehmigung da drüben bemüht), hätte ich’s wer weiß noch zum amerikanischen Präsi bringen können.
Bilder: Wiki, Superfreaky Memories; Lizenz: Creative Commons.
5–7–5
Dear Mr. Queequeg, you have been informed your life’s been saved
oder: Urviecher unter sich
Elke rockt auf:
Eine Lesemannschaft, die seit Monaten mit Herman Melville lebt, weiß längst nicht mehr nur von Experten, dass es kulturelle Standardwerke gibt, die langlebig und nachhaltig in ganze Generationen gesickert sind. Über die man auf Schritt und Tritt – in der Kunst und im Alltag – in Form von Zitaten, Insider-Sprüchen und Symbolen geradezu stolpert. Moby-Dick gehört ohne Zweifel zu ihnen. Ob er nun in seichten Filmkomödchen als Nachweis für die Belesenheit eines Kerls herhalten muss, der um eine Angebetete herumbaggert, die Helden kultiger Fernsehserien ihren Hund und ihren Daddy nach einem Romanhelden benennen oder sich in ebensolchen gar selber mit ihm identifizieren. Ja, manch einer trifft Queequeg sogar in einer Berliner Kneipe. Sowas kann uns Jäger und Sammler auf Mobys Spuren kaum noch überraschen – aber es hält den Jagdtrieb wach. Und was dabei herauskommt, ist nicht zuletzt in diesem Blog in bunter Folge dokumentiert.
Was wir auch schon wissen: dass es viel mehr so schnurrige Leute wie uns gibt als man denkt, die dieses alte Buch nicht loslässt. Das freut uns doch. Und einige von denen machen sich ihren eigenen Moby-Dick.
So auch eine Band mit dem urigen Namen Mastodon, vielleicht nicht nur Insidern und Fans ein Begriff. Jedenfalls haben sie mit ihrem Konzeptalbum Leviathan, das man auch gut eine Rock-Oper nach der Melvilleschen Vorlage nennen kann, 2004 mit Wahnsinnserfolg ihren großen (Wal-)Fang eingeholt. Die Idee dazu hatte Brann Dailor, der Drummer der Band. Und herausgekommen ist die Geschichte von Moby Dick in bemerkenswertem Songwriting und facettenreicher Musik, die von verschiedenen Metal-Genres bis Rock und Hardcore reicht.
Eine mitreißende und flott zu lesende Rezension, deren Ausführlichkeit kaum Fragen offen lässt, habe ich bei Captain Chaos gefunden und kann mir ein paar Auszüge daraus hier nicht verkneifen, um einen Eindruck zu vermitteln:
[...] um so ein Album zu erschaffen, braucht es mehr als nur musikalisches Können, es braucht Visionen und Konsequenz in erhöhter Dosis. MASTODON haben dies. [...] die jeweiligen Stimmungen der Texte müssen eben eingefangen werden. Dadurch steht das geheimnisvolle und düstere “Seabeast”, das so intensiv ist, dass man Moby Dick wirklich vorbeischwimmen sieht, in trauter Eintracht neben dem brutalem und verschachtelten “Island”. Noch wilder wird es mit “Megalodon”, das relativ dezent und ruhig beginnt, nach einem Break mit Country-Gitarren jedoch in eine METALLICA-mäßige Speed Metal-Richtung abdriftet. Mit seinen fast 14 Minuten ist das progressive Epos “Hearts Alive”, das die Stimmung wechselt wie ein Chamäleon seine Farbe am undurchdringlichsten. Großes Kino, doch gleichzeitig der einzige Song, der leicht zerfahren wirkt.
Dafür gibt es große Gänsehautmomente in “Iron Tusk”, zu dem man sich vorstellen kann, wie ein betrunkener, bärtiger aber trotzdem erhabener Seemann Geschichten erzählt, das ist eine tolle Leistung von Sänger Troy Sanders. “Naked Burn” reißt von Anfang an mit, ist eine leidenschaftliche Nummer, die von dem cleanen, an Ozzy Osbourne erinnernden Gesang von Brent Hinds lebt und bei dem man sich richtig vorstellen kann, wie ein Matrose nachts an Deck steht, seine Liebste vermisst aber gleichzeitig hofft, noch viel von der Welt zu sehen. Das beeindruckendste und wahnsinnigste Stück auf “Leviathan” trägt den verdienten Titel “Aqua Dementia”. Ein wildes und unkontrolliertes Meisterwerk, das nicht mal vor Black Metal-Gekreische halt macht und zusätzlich mit der unvergleichlichen Stimme von NEUROSIS-Sänger Scott Kelly veredelt wurde. Unfassbar intensiv und atemberaubend spannend. [...]
Dem Quartett ist das geglückt, was ich erhofft, aber nicht für möglich gehalten habe: [...] einen der besten Romane der Erde würdig zu vertonen. MASTODON zeigen, dass sie eine Band sind, die nicht belächelt werden darf, denn sie schaffen es, die Qualitäten der alten Rock- und Metalbands ins 21ste Jahrhundert zu befördern. Respektiert dieses emotionale, intensive, spannende und gehaltvolle Album, alles andere wäre Frevel. MASTODON retten den Rock.
Auf YouTube und der offiziellen Band-Site sind diverse Musikvideos, auch mit Titeln aus diesem Album, zu finden. Ansehenswert finde ich vor allem die Seabeast-Version, die neben der musikalischen Umsetzung ein Feuerwerk an Effekten bietet: von schattenspielähnlichen Szenen über verfremdende und expressive Pantomime bis hin zu durch das Bild tanzenden Ballettmädchen in Spitzenröckchen – großes Kino.
Wem das noch nicht reicht, der kann auch gerne noch in ein Interview des Man in Front zum Leviathan reinhören. Oder sollte ihm die Jagd zu wild und die Musik zu laut sein, in den Lyrics wühlen.
Yeah! White whale – holy grail…
Rock Revolution
Update zu Mobylied:
Das mit dem “Ururgroßonkel” von Herrn Richard Melville Hall aka Moby hat mich nun doch nicht in Ruhe gelassen; es wird mir ja wohl keiner weismachen wollen, dass das eine Bezeichnung für einen Verwandtschaftsgrad sein soll.
Und siehe: Die große dicke Melville-Biographie mit dem beeindruckenden Stammbaum hinten drin kennt ihn nicht. Eine Doppelseite für Herman Melvilles Vorfahren seit 1751 (man leistete sich damals viele Gewschwister), eine Doppelseite für seine Nachfahren bis Geburtsjahr 2001. Und auch im Index: kein Richard Melville Hall.
Also weiter ins Internet. Hier ist Herr Hall auch immerhin ein paarmal außerhalb von Musikinterviews bekannt, am besten in The Extended Family of Geoffrey and Heidi (Messick) Trowbridge.
Von hier aus kann man seinen Stammbaum, am übersichtlichsten im Pedigree, in jede beliebige Richtung verfolgen, es kommt kein Herman Melville dabei raus.
Moby-Fans und solche, die sich als deren Gegenteil verstehen, müssen jetzt sehr stark sein:
Moby ist kein Nachfahre von Herman Melville.
Auch wenn diese Behauptung ziemlich viele Google-Ergebnisse (und Imagepunkte bei Techno-Fans mit Abitur) einbringt.
Wenn’s mir nicht zuviel Arbeit wäre, das täglich dreimal wieder zurückverbessern zu müssen, würd ich’s ja wenigstens in die Wiki schreiben. Ich zähl auf die Querulanten.
Kapitän Ahab will sich an einem Fisch rächen, benimmt sich wie der Teufel aus dem Verlorenen Paradies und geht aber unter.
Aus Sicht der USA muss Neuseeland sowas ähnliches sein wie die Schweiz für Deutschland: ein ins Groteske verzerrtes Österreich respektive Australien, wo es genau drei bekannte Tierarten gibt: giftige, komische und Schafe.
Meine immanente Weigerung, Moby-Dick als Kinderbuch zu behandeln, erfährt auf dem New Zealand Post Children’s Book Festival endlich seine Rechtfertigung: Es kann halt einfach nicht jeder. Melville konnte Seefahrergeschichten, bei denen man gefälligst nicht kalauernd grinst, wenn man ihnen Tiefgang zuschreibt, die Kindergeschichten lassen wir mal lieber bei Lewis Carroll. Oder wenn’s denn schon was Aktuelles sein soll: bei Janice Marriott, Preisträgerin 2007 in Neuseeland, zuständig für Seefahrer und Kinder.
Der wurmstichige Kulturbeutel aber, der Moby-Dick weiland als erster als Kinderbuch verunglimpft hat, gehört heute noch giftigen komischen Schafen vorgeworfen.
Like as the waves make towards the pebbled shore
Neu in den Freundlichen Begegnungen:
The Sea Change featuring Lew Soloff: Moby Dick. Songs & Paintings, 2006 beim Label I Sea Music. The Sea Change besteht aus zwei Künstlern: Sven Gordon Williams und Ralf Walter Marquardt. Die Verstärkung Lew Soloff ist der mit der Trompete, die so nach Miles Davis klingt.
Die Musik, eine der unüberschaubaren Spielarten des Jazz, von der man sich beim Label einen legalen Eindruck verschaffen kann, wird als atmosphärisch dicht beschrieben. Mir ist sie zu knochenlos, aber ich bin ja mehr so der Zupfgeigenhansel. Was das (obgleich schöne und meeresthematische) Shakespeare-Sonett 60 da mittendrin soll, hab ich auch nicht verstanden.
Wer aber eine moderne Vertonung von Moby-Dick haben will, soll sich das gern mal kaufen. Wirklich schlecht kann’s nicht sein.
Der letzte Wal?
Elke macht zum Karfreitag ein passendes Update zu Reste in Pieces:
Wie fänden Sie es, wenn statt Nachbars Lumpi, der immer ungenehmigt ausm Hausflur zu Ihrer Wohnungstür reinwutscht, oder statt der paarungswilligen Tauben, die zur Zeit massiv Ihren Balkon zu benisten versuchen, ein lebensgroßer Wal Sie besuchte? Na dann rücken Sie mal schön die Möbel an die Wand und füllen ihr Wohnzimmer randvoll mit Meerwasser. Ach ja, und gastfreundlicherweise sollte es wenigstens so an die 30 Meter, besser doppelt so lang und breit sein (von wegen der Wendemöglichkeit) und seeehr hoch… am besten nach oben offen.
Haben Sie nicht? Tja, schade. Ich auch nicht – eine aktuelle Vermessung ergab nur sechs mal vier mal knapp drei Meter, zwar mit direktem Kontakt zum Himmel, aber kein Schiebedach. Ha, aber es geht trotzdem! Die WDCS machts möglich! Was die Whale and Dolphin Conservation Society ist. Die zaubert Ihnen und uns aus akutem Anlass das größte interaktive Web-Banner ever auf den Bildschirm, einen Blauwal in voller Lebensgröße nämlich, den voluminösesten Verwandten aus der weitläufigen Familie unseres Moby-Dick und das größte Wesen überhaupt auf unserem Globus.
Dass er da – Zentimeter für Zentimeter – auch drauf passt, haben in Walschützers Auftrag und zur eigenen Imagepflege die “Jung(s) von Matt” so hingefrickelt. Wir schreiben es trotzdem an unsere internetzliche Klotür, schon deshalb, weil wir beim Schließen dieses Fensters zu den Weiten des Ozeans nicht wissen, ob wir grad zum letzten Mal Wal in Lebensgröße gesehen haben werden. Verkündigen jedenfalls die WDCSler. Und wenn die nicht wissen, was sie da sagen, wer dann?
Wer was gegen diese trüben Aussichten hat, kann übrigens mit dagegen anklicken – rechts auf großes Auge von Wal und dann vor Close den Link im aufspringenden Text. Wer gern engere Bande knüpft, kann gar Patenonkel oder -tante werden für einen Moby-Dick.
Und jetzt: Schau mir in die Augen, Großer!
*
Nachtrag 5. April 2007:
Springt mir doch heute Morgen am Dienstwege die Ampel auf Rot – und an derselbigen ein großflächiges lukullisches Angebot von mehr als zweifelhaftem Geschmack ins Auge:
Hä? – stutz und denk ich vor mich hin –, die japanische Walfang-Mafia? Und war spontan mit mir im Reinen, dass ich – ungelogen – Moby-Dick zwischen zwei Buchdeckeln jederzeit dem in einer Fladenbrotecke vorziehe. Genauso wie die Piece-für-Piece-für-Pixel-Darstellung des Riesenviehs auf meinem Monitor der fachmännisch zerteilten Beute eines Walfängers – aber sowas von.
Ach ja, sollte jemand gerade zum Wal-Fastfood-Fresser mutieren wollen und der auf dem Plakat beworbenen Adresse hinterhersurfen: Ätsch. Nix Wal-Burger; Walschützer! Gar nicht so doof, die Profis und ihre Kampagne. Cooles Ding. Aber der Countdown läuft – für oder gegen Moby und Familie!
Warum die Doppelgängerin Moby-Dick voraussichtlich nicht lesen wird
Update zu Here’s one for Moby Dick:
Ich nehme mich überhaupt nicht aus von jener Mehrheit, die schon mehr Bücher angefangen als durchgehalten hat. Frau Doppelganger steht in ihren 50 Books mit mehr vergnüglichen Formulierungen dazu, als ich je Gründe gesucht hab:
Moby Dick and Other Books I Will Never Read:
I used to have this super-impressive old hardcover edition of Moby Dick, and I think I started to fear and resent it. It sat there on my shelf, unread and judging me in leather-clad stentorian tones. Well, you know what, Mr. Melville? I’ve already read The Old Man and the Sea, and I think I’ve had my fill of “the fish was HOW big?” stories.* At least Hemingway had the decency to make his short.
*Yes, I know that whales are not fish.
Hausaufgabe über Ostern: Gründet literarische Weblogs und verteidigt darin eure eigene Lesefaulheit! Aber so, dass wir davon so hin und weg sind wie von der Doppelgangerin. Sind wir doch, sind wir nicht?
With Life to His Fingertips
Update zu Hatte Herman Melville Kinder?:
Sophia Amelia Peabody Hawthorne, Frau von Nathaniel Hawthorne, Herman Melvilles Freund seit 5. August 1850, gab 1850 die genaueste erhaltene Beschreibung von Herman Melville (also des 31-Jährigen) für William Aspinwall Tappan, ihren Vermieter, der Melville wegen religiöser Differenzen nicht in sein Haus lassen wollte:
I have no doubt he will be repaid by finding Mr Melville a very different man from what he imagines – & very agreeable & entertaining – We find him so – a man with a true warm heart & a soul & an intellect – with life to his fingertips – earnest, sincere & reverent, very tender & modest – And I am not sure that he is not a very great man – but I have not quite decided upon my own opinion – I should say, I am not quite sure that I do not think him a very great man – for my opinion is of course as far as possible from settling the matter. He has very keen perceptive power, but what astonishes me is that his eyes are not large & deep – He seems to see every thing very accurately & how he can do so with his small eyes, I cannot tell. They are not keen eyes, either, but quite undistinguished in any way. His nose is straight & rather handsome, his mouth expressive of sensibility & emotion – He is tall & erect with an air free, brave & manly. When conversing, he is full of gesture & force, & loses himself in his subject – There is no grace nor polish – once in a while his animation gives place to a singularly quiet expression out of these eyes, to which I have objected – an indrawn, dim look, but which at the same time makes you feel – that he is at that instant taking deepest note of what is before him – It is a strange, lazy glance, but with a power in it quite unique – It does not seem to penetrate through you, but to take you into himself. I saw him look at Una so yesterday several times.
Cit. Hershel Parker: A Biography, Vol. 1, 1819–1851, p. 773.
Diskussion: Über die Magie des Bösen
Niemals wird die Magie des Bösen mächtiger wirken, als wenn jemand glaubt, das Böse besiegen zu können mit den Instrumenten des Bösen.
Das sagt Eugen Drewermann in seiner Interpretation zu Moby-Dick.
Ein Satz, der erschreckend an die Rhetorik des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush erinnert. Das sagt Dr. Werner Fuchs in seiner Besprechung zu Drewermanns Buch. Und anhand solcher Parallelen wird schon fast körperlich die Aktualität Herman Melvilles spürbar.
Oder?
Könnte Bush das gesagt haben? Wäre er dazu intelligent genug oder müsste man solche Aussagen auf seine reduzierte Gesamtverfassung zurückführen? Wie würde so ein Satz von Bush in der Welt aufgenommen? Könnte man ihm zustimmen? Wäre so eine Aussage doch eher einem Bush-Gegner zuzuschreiben? Hätte er damit Recht? Heiligt der Zweck die Mittel? Muss man den Teufel in der Hölle bekämpfen? Muss man ihn denn bekämpfen? Wer ist dazu berufen? Ist jeder dazu verpflichtet? Ist irgend jemand dazu befugt? Hat Captain Ahab das Böse bekämpft? War er selbst böse? Warum? Weil er sich der Instrumente des Bösen bediente? Ist, wer böse handelt, böse? Was macht einen guten Menschen aus? Entsteht moralisches Handeln bestenfalls zufällig?
Sind das zeitgemäße, sind es wichtige Fragen oder kann oder sollte einem das wurscht sein?
Die Kommentarfunktion ist offen.
The Encantadas, Sketch Ninth: Hood’s Isle and the Hermit Oberlus
This island’s mine, by Sycorax my mother.
Shakespeare, The Tempest I, ii, 481
Herman Melville bereiste fünf Jahre vor Darwin die Galapagos-Inseln. Ausgesprochen lebendige und informative Miniaturen davon lieferte er in den Encantadas, an deren Wahrheitsgehalt es keinen Grund zu zweifeln gibt.
Die neunte der zehn Skizzen berichtet von dem Eremiten Oberlus, der um 1800 auf die Hood-Insel desertiert war und seitdem ein misanthropisches Leben dort führte. Zottig, ungewaschen, verhuscht und misstrauisch, ein wenig gottesfürchtiger Nachfahre von Robinson Crusoe, empfing er die selten anlegenden Seeleute, denen er selbstgezogene Kartoffeln und Kürbisse gegen Branntwein und Dollars verhökerte. Nachts rollte er sich in seinem Verschlag aus Lava und Schlacken zusammen und sah wie ein zusammengewehter Blätterhaufen aus. Alles, was ihn über seine Nachbarn, die Galapagos-Schildkröten, erhob, war der Drang, sich gelegentlich zu besaufen. Niemand mochte ihn, und er mochte niemanden.
Irgendwann eignete er sich nicht nur eine Donnerbüchse und ein paar rostige Entermesser, sondern auch noch vier gestrandete Desperados an, die er als autokratischer Sklavenhalter jahrelang in Schach hielt. Das Zusammenleben der fünfe muss sich nicht sehr erbaulich gestaltet haben. Das nächstbeste Schiff, das an Oberlus’ Landing kam, um Kartoffeln und Brennholz zu fassen, enterte er mit ihrer Hilfe und entkam nach Guayaquil in Peru.
In einem Brief, den er den zurückgelassenen Seeleuten in seiner Hütte an die Steinwand nagelte, setzte er gallig, jedoch überraschend eloquent auseinander, wie er seit Jahrzehnten versucht hatte, vorbeikommenden Kapitänen ein Boot abzukaufen und ein paar Dollars für einen menschenwürdig gearteten Lebensabend zusammenzukratzen, deren er aber immer wieder von vorgeblichen Christenmenschen beraubt wurde. Also nichts für ungut, es war Notwehr.
Im peruanischen Payta gelang es Oberlus, eine braunhäutige Schönheit für sich zu gewinnen. Jenes abgelegene Eiland voller Fels und Schlacken, auf dem er den Großteil seines Lebens verbracht hatte, schilderte er ihr als blühendes Paradies.
Nach dem neuerlichen Versuch, sich ein Schiff anzueignen – und zwar diesmal, um auf die Hood-Insel zu gelangen statt von ihr zu fliehen –, verliert sich Oberlus’ Fährte im Gefängnis von Payta, das einen womöglich noch unerfreulicheren Aufenthalt als die Hood-Insel darstellte.
Oberlus ist, sagt Melville, außerdem noch in Voyage into the Pacific von einem gewissen Potter belegt, und das ist das einzige an dem Bericht, was nicht weiter belegt ist….
Was wir daraus lernen? Ach Gott, muss ich denn alles kaputterklären?
Ein Wal von einer Biografie
Update zu Nu in da houze etc.,
automatisch zugleich zu Kaufen und Flachlegen:
Die Büchereien, deren abgelegte Exemplare ich an mich reiße, werden immer idyllischer. Diesmal ist es die Sea Cliff Village Library, nach der man unweigerlich Fernweh bekommen muss. Traditionell europäisierendes Yankee-Melville-Land.
Dabei war mir gar nicht klar, dass ich mir für lausige acht Steinchen die Hardcover-Version von Herman Melville 1819–1851: A Biography eingehandelt hab. 941 Seiten, dabei ist das nur der erste Teil dieser imposanten Faktenhuberei von Hershel Parker. Sobald ich den zweiten Teil 1851–1891 mit seinen nochmal 1056 Seiten erbeutet (und mir selbstverständlich eifrig studierend auch geistig angeeignet) hab, singe ich umgehend erneut aus.
Erwartet hab ich einen angefledderten Pappdeckelband, in Sea Cliff Village allerdings ruhte bis vor kurzem nichts anderes denn die Erstauflage von 1996, zweifellos von einer bebrillten Bibliomanin regelmäßig abgestaubt. Man kommt sich ganz schäbig vor, dass einem Amazon nur das Standardporto von drei Euro abgezogen hat.
Es ist, als ob man sich mit Sigrid Löffler verabredet hat, und dann klingelt Nicolette Krebitz.
Nu in da houze: Pierre, Israel Potter, The Piazza Tales, The Confidence-Man, Uncollected Prose, Billy Budd
Update zu Kaufen und Flachlegen:
Gedauert hat’s, aber irgendwann entscheidet man sich dann doch für das ausgemusterte Büchereiexemplar von der Uncollected Prose von Melville.
Uncollected bedeutet, dass manches in diesem Schatz seinen derzeit einzigen Ort der Veröffentlichung gefunden hat, ich denke da an das erste der Fragments from a Writing Desk oder die Authentic Anecdotes of “Old Zack”, die nicht mal in dem verdienstvollen Sampler Tales, Poems, and Other Writings von John Bryant Platz hatten; Prose bedeutet, dass immer noch die Lyrik fehlt.
Natürlich ist das ein Gelehrtenspaß. Es ist unnötig, es ist verschroben, dazu noch kompliziert, kurz: Es ist nerdig. Selbst wenn heute einer glaubt, weil die Achilla Presse vergleichsweise frisch den Confidence-Man übersetzt hat, müsse er ihn im Original lesen, hat er mit der Norton Critical Edition von 1971 eindeutig mehr Spaß. Aber auch wenn sonst noch haufenweise Zeug drinsteht, das man schon in anderer Darreichungsform hat, gehört in jeden Haushalt ein schmucker Band aus der Library of America, deren editorische Grundsätze jedes Volk von Dichtern und Denkern ehren. Und das Papier gilbt nicht.
Hey: Das Ding ist laut Stempel mitten aus der amerikanischen Provinz, der Public Library von Indianola, Iowa, via Jonathan Grobe Books. Das Vorsatzblatt fehlt, die hundertfünfzig winzigen Eselsöhrchen waren in der Beschreibung taktvoll verschwiegen, aber allein die usual markings sind ein Roman für sich.
Gelangweilte Breithosen haben es ausgeliehen, um für Show and Tell ein ungeliebtes Referat über Billy Budd zusammenzustopseln. Immer wieder, 21 Jahre lang. Beim Blättern in diesem Backstein, der ihre jugendliche Leidenschaft für Mädchen und Führerscheinmissbrauch überforderte, haben sie über das einzige Bild (auf Seite 1129) angewidert den Kopf geschüttelt. Für die Erstauflage von 1984 ist das ein gelebtes Leben.
Wale jagen aus dem Heißluftballon
In Hollywood bauen sie weite Teile ihrer Blockbuster schon lange als animierte Excel-Tortendiagramme, die Dokumentarfilmer brauchen einen Monat Drehzeit für zwei Minuten Film. Nach guten Erfahrungen mit Die Wüste lebt, Mikrokosmos, Nomaden der Lüfte und Happy Feet haben sich auch Thierry Ragobert und Thierry Piantanida an einen kinofähigen Dokumentarfilm getraut: Der weiße Planet. Kalt. Und läuft in Frankreich schon seit 22. März, bei uns erst seit 28. Dezember 2006.
Der Stern war dabei, wie sie vom Heißluftballon Wale jagen. Gar nicht unspannend. Und aufs Titelbild der Titanic muss es ein Filmszenenfoto erst mal schaffen.
Bild: A large wolf spider with babies clinging to its back als gemeinfreier Platzhalter, bis der Suchbegriffspam aufhört.
Bücherliste 3:00
Selten, ganz arg selten erwachsen in mir Zweifel, warum ich mir seit August mit der Bücherliste nebenan so einen abbreche. Zum Beispiel dann, wenn andere Leute die erste Hälfte davon in drei Minuten meistern.
Walskelette gucken
Talking of Ostfriesland: Was nicht mal die Wiki kennt, versteckt sich seit 10. Dezember (2006…) in den hiesigen als Spam eingestuften Kommentaren: Im Borkumer Heimatmuseum Dykhus haben sie ein Pottwalskelett. Und sie sind bei weitem nicht die einzigen damit. Mit dem Pottwalpenis als Feuchtpräparat und Dermatoplastik stehen sie dagegen so ziemlich als einzige da – was man ihnen auch gönnen möchte.
Die Borkumer Fotos zum Beispiel, wie die ganze Internetpräsenz, sehen etwas hausbacken aus – aber erstens ist das irgendwas zwischen historisch und nostalgisch, zweitens gerade deswegen vertrauenerweckend, und drittens wird das demnächst in (vor allem, wenn in Europa der Stinkebonken knapp wird und die Leute wieder Sachen zu schätzen wissen, die man weder in der Wiki noch alle Tage in Ebay findet).
Meinten Sie: Stinkbomben
Holland ist vielleicht doch mehr als ein ins Groteske verzerrtes Ostfriesland. Sogar Watteninseln haben sie. Mit Walvisvangers drauf. Und einem Museum, das eine Ausstellung über dieselben macht: Voor traan, vet en stinkebonken. Noch bis 28. Oktober 2007.
Vor lauter Schönheit und Angst vor der letzten Entzauberung traut man sich gar nicht nachzuschlagen, was stinkebonken bedeutet.
Der Pinguin als Speise. Und als Film.
Leben mit Melville: Werbeblogger diskutieren von sonderbaren Umtrieben in Studentencommunities ausgehend über das Pinguinbild bei Herman Melville. Schon erstaunlich.
And truly neither fish, flesh, nor fowl is the penguin; as an edible, pertaining neither to Carnival nor Lent; without exception the most ambiguous and least lovely creature yet discovered by man. Though dabbling in all three elements, and indeed possessing some rudimental claims to all, the penguin is at home in none. On land it stumps; afloat it sculls; in the air it flops.
Aus: The Encantadas, Sketch Third: Rock Rodondo, 1854.
Oder in der Übersetzung von Richard Mummendey:
Und tatsächlich, weder Fisch noch Fleisch noch Geflügel ist der Pinguin, und als Speise weder zum Karneval noch zur Fastenzeit gehörend, zweifellos das zweideutigste und am wenigsten ansprechende Tier, das der Mensch je entdeckt hat. Obgleich der Pinguin sich in allen drei Elementen herumtreibt und tatsächlich einige verkümmerte Ansprüche an alle drei hat, ist er in keinem zu Hause. Auf dem Lande watschelt er, im Wasser paddelt er, und in der Luft plumpst er herunter.
So spaßig das gesagt ist, hat Melville offenbar seine Wikipedia nicht gelesen. Eine ehrbar zusammengereiste Meinung ist es immerhin. Dafür bedient sich der neue Pinguinfilm frech beim Oscarpreisträger des Vorjahres.
Auf der Jagd nach Nantucket
Elke hat noch was gefunden:
Beinahe hätte ich mein kleines Fundstück vergessen, welches nur bestätigt, dass an Nantucket kein Weg vorbei führt. Denn hätte es wohl sonst seinen Platz sogar im Kosmos der Länder, Sprachen und Figuren eines H.C. Artmann gefunden, dieses, wenn im vorliegenden Fall auch nur kopfreisenden, Weltenbummlers vor dem Herrn? Auf seiner stetigen “Poetischen Suche nach dem Randständigen und Bedrohten”?
Moby-Dick ist ein Gummitier,
wie Elke weiß,
jawohl, so eins zum Aufblasen, mit Ventil und Stöpsel. Er war nicht weiß, sondern blau, und planschte vor vielen Jahren mit einem kleinen, blondbezopften Mädchen in den Ostseewellen. Meine erste Erinnerung an diesen Namen hat ein süß lächelndes Gesichtchen mit Kulleraugen und so überhaupt nichts mit diesem mythischen Wesen, dem Bild des gewaltigen und unheimlichen Gegenspielers des Kapitän Ahab zu tun.
Wie so vieles andere übrigens auch nicht, wofür Moby-Dick heutzutage alles herhalten muss. Das hätte der gute Herman Melville, der den Welterfolg seines Buches nicht mehr erlebt hat, sich nicht träumen lassen, welch unvorstellbaren Siegeszug auf bisweilen recht eigenwillige, ja kuriose Weise sein weißer Wal ein gutes Jahrhundert später sogar bis in die letzten Ecken des Alltagslebens antreten würde. Ihn gar für werbeträchtig zu halten, wäre ihm erst recht niemals nicht eingefallen. Und als aufrechte reale Poeten hoffen wir nur, dass er sich nicht im Grabe umdrehen möge angesichts des schwungvollen Handels mit nicht nur den erwähnten Schwimmhilfen (die ja noch eine gewisse, wenn auch seeehr entfernte Ähnlichkeit mit dem Namensgeber haben), sondern auch Kinderplanschbecken, Fischtellern, Surfbrettern und anderen Fortbewegungungsmitteln, Ferienunterkünften und was sonst noch alles von findigen Geldmachern mit Moby in Verbindung gebracht wird.
Dem Weißwal, der einstens sein eigenes Geheimnis den Rhein stromaufwärts bis nach Bonn getragen und retour wieder mitgenommen, dazu noch der Umweltbewegung einen kräftigen Push gegeben hat, legt man da allerdings gern und ehrfürchtig ein „Nennt mich Moby-Dick“ ins Maul.
Und ganz bestimmt werden sich auch die Täufer von Kindertagesstätten und die Sauna- und Muckibudenbetreiber bei den symbolträchtigen Benamsungen ihrer Häuser was Großes gedacht haben – fragt sich nur: Was?
Eines tiefen Nachdenkens wert finde ich vor allem die Namensidee für ein ohne Frage sehr lobenswertes Kindergesundheitsprojekt – ob man sie wohl etwas skurril nennen darf? Oder habe ich den tiefen Sinn des Ganzen nur nicht verstanden?
Die Begegnungen mit ähnlichen Merkwürdigkeiten sind Legion. Und lassen einen mit einem leisen Kopfschütteln auf die „Pequod“ zurückkehren wie an einen Zufluchtsort, an dem Moby-Dick noch das ist, was Melville um ihn gewoben hat. Unergründlich… vielleicht – aber auf jeden Fall ganz anders.
Bordfunk
Bloggen kann ich viel. Im Falle Melville wird es Freizeitbeschäftigung bleiben.
Der Bayerische Rundfunk hat sich schon anno 2002 fundiertere Gedanken gemacht und ein paar Experten – genau genommen eine Expertin – auf das Thema angesetzt. Das Hörstück heißt Melville, der Rätselhafte. Leben und Werk eines großen amerikanischen Dichters, wird am Montag, den 4. September 2006 ab 20.30 Uhr wiederholt und dauert 55 Minuten. Welch wohltätiger Rückenwind für den Lesespaß als Gemeinschaftsunternehmen.
Auszug:
Herman Melvilles Leben und Werk gehören zu den großen Rätseln der Literaturgeschichte. Es gibt von ihm keine Tagebücher, ein Großteil seiner Korrespondenz ging verloren. Mit Hilfe der erhaltenen und wiederentdeckten Dokumente und Texte porträtiert Mira Alexandra Schnoor den großen Dichter.
“Aber ich wohn doch gar nicht im bayerischen Hinterland, äh, Sendegebiet, wollt ich sagen!”
Das ist kein Argument. Bayern 2 hat Livestream. Also Mitreisende und -lesende am 4. September bitte da hineinloggen, Real Player fit machen und kulturferne Dazwischenquasselstrippen ins Kino schicken.


















































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