Was könnte tröstlicher sein als eine gefakete Mormonenhymne aus dem Munde des großen Gary Floyd (Ex-Punk, Blues-&Country-Sänger und seit langem bekennender Buddhist). Leben den Lebenden!
Und mit Kindern haben sie’s ja, die Mormonen. Das Lied ist eins von denen, die bei Erstkontakt eine Offenbarung bedeuten können. Mein erstes selbstgemixtes Youtube-Video versucht deshalb mit dem geringsten technischen Aufwand spannend genug zu bleiben, dass Sie die 4:26 Minuten bis zu Ende mithören; es haben sich inzwischen genug kinderaffine Wal- und Wasserbilder angesammelt, die ich nicht mehr beitragsweise einzeln verbraten kann, da schien ein dokumentarisches Video noch die mitreißendste Lösung. Das letzte vergurgelnde Kinderstimmchen macht’s schließlich erst.
Hemingway, der natürliche Feind aller Kudus, Stiere, Marlins und Frauen, geht jetzt auch schon gegen die Wale los:
Wir haben in Amerika geschickte Schriftsteller, Könner gehabt. Poe ist ein Könner. Bei ihm ist alles gekonnt, wunderbar konstruiert, aber er ist tot. Wir haben rhetorische Schriftsteller gehabt, die das Glück hatten, eine Spur von dem, wie Dinge wirkliche Dinge sein können, zum Beispiel Walfische, in der Chronik eines andern Mannes zu finden oder auch auf Reisen, und dies Wissen ist von Rhetorik eingehüllt wie Rosinen in Kuchenteig. Gelegentlich ist es allein da, nicht von Kuchenteig umgeben, und es ist gut. Zum Beispiel bei Melville. Aber die Leute, die ihn loben, loben ihn wegen seiner Rhetorik, die unwesentlich ist. Sie geheimnissen etwas hinein, was nicht da ist.
Wortgewaltig ist Herman Melvilles Klassiker “Moby Dick”. Der einsame Kampf des Kapitän Ahab gegen das Böse in Gestalt des weißen Wals auf dem Walfänger “Pequod” ist Urstoff der Weltliteratur und Sinnbild für den Kampf des Menschen gegen sich selbst. Erst auf See findet man die Zeit, sich an Melvilles eigentümlichen Stil zu gewöhnen. Und taucht auch kein Wal auf, so wird bei der Lektüre trotzdem deutlich, wie schmerzlich Planken ächzen und Winde heulen können, wie gewalttätig Wellen übers Deck waschen und wie beängstigend schwarz eine Nacht unter Segeln auf See sein kann.
“Moby Dick”, Hermann Melville, 282 Seiten, 7,50 Euro, Dressler Verlag, ISBN 978-3791535883
Sandra Valeska-Bruhns in: Die Welt, 13. April 2008.
Es ist löblich, den “Moby-Dick” zu empfehlen, es ist ein großartiges Buch. Wenn man aber als Literaturempfehlung eine Kinderbuchausgabe angibt, ist das alles andere als löblich. Die Dressler-Ausgabe ist gut und schön, aber massiv gekürzt, und vermittelt nichts mehr von “Melvilles eigentümlichem Stil”. Wenn’s klein sein soll, dann vielleicht die Übersetzung von Matthias Jendis (als Taschenbuch bei BTB), sonst am besten die von Friedhelm Rathjen (gebunden bei Mare). Mehr unter: http://ismaels.wordpress.com/bucherliste.
Über ein interessantes Filmprojekt bin ich gestolpert: Auf der Seite DARKSTRIDER wird allem Anschein nach eine Stop-Motion-Animation nach Motiven aus Moby-Dick realisiert. Bisher gibt es nur wenige, sehr kurze Szenen zu sehen (die allerdings gefallen mir sehr gut!). Wie “Darkstrider” Mike Brent selbst sagt: “My main focus is on the Eastern European style of stopmotion known as Puppetfilm.”
My main purpose on this page is to relate my progress on my #1 project… what’s come to be known as The Ahab Film. That’s only a working title… I don’t intend to give away too much info this early in the game. As much as I’ve discussed this project on the pages of SMA, I’ve never revealed the real central concept, or my approach to it.
Und dann, als erklärender Text zu diversen Filmschnipseln:
The following are my animation tests of Ahab at the forge. That’s not how it will be in the film… he’s the captain, not the blacksmith, but I haven’t made the blacksmith puppet yet, so Ahab is filling in for now…
Schaut man sich “Hammer Test #8″ an, sieht man, dass dort eine Harpune geschmiedet wird…
Be it said, that though I had felt such a strong repugnance to his smoking in the bed the night before, yet see how elastic our stiff prejudices grow when once love comes to bend them. For now I liked nothing better than to have Queequeg smoking by me, even in bed, because he seemed to be full of such serene household joy then. I no more felt unduly concerned for the landlord’s policy of insurance. I was only alive to the condensed confidential comfortableness of sharing a pipe and a blanket with a real friend. With our shaggy jackets drawn about our shoulders, we now passed the Tomahawk from one to the other, till slowly there grew over us a blue hanging tester of smoke, illuminated by the flame of the new-lit lamp.
The use of tobacco, in any form, is a dirty, filthy, disgusting, degrading habit. No gentleman will use tobacco in this city.
You have no more right to pollute, with tobacco smoke, the atmosphere which clean people have to breathe, than you have to spit in the water which they have to drink.
CUT IT OUT, YOU FOOL, before you reap smoker’s cancer paralysis, or one of the many other diseases caused by the use of the filthy, nasty, stinking stuff!
Get Zion literature at the administration building 3 blocks North
W.G. Voliva
An undisclosed American city, 1915 AD
Smoke your pipe and be silent;
there’s only wind and smoke in the world.
Ahab utters these words—his last—after Moby Dick destroys the Pequod, in Chapter 135. As the action picks up pace, the sense of tragedy becomes heightened. These words, Shakespearean in tone, are meant to match the dramatic nature of the situation in which they are spoken. Ahab dies as he began, defiant but aware of his fate. The whale is “all-destroying but unconquering”: its victory has been inevitable, but it has not defeated Ahab’s spirit. In an ultimate demonstration of defiance, Ahab uses his “last breath” to curse the whale and fate. He is, spiritually, already in “hell’s heart,” and he acquiesces to his own imminent death.
Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um eine Antenne für Apophänien zu entwickeln: Die menschliche Wahrnehmung sucht automatisch nach Parallelen zwischen bekannten Phänomenen; dafür ist sie seit Steinzeiten, seit denen nicht mehr viel passiert ist, gebaut, und deswegen kann man nicht wirklich ungegenständlich malen.
Dazu ermuntert wird die leichtgläubige Liese, die menschliche Wahrnehmung, durch Kifferplatten wie The Dark Side of the Moon von Pink Floyd 1973 und psychedelisch wirksame Filme wie The Wizard of Oz mit Judy Garland 1939. Wollen Sie auch mal?
Dann treiben Sie die DVD Der Zauberer von Oz auf in einer Ausfertigung, die das englische Original bringt, und zwar mit dem schwarz-weißen MGM-Löwen als Filmlogo. Die Version mit dem farbigen Löwen ist geringfügig anders geschnitten und funktioniert nicht. Sobald der Löwe zum dritten Mal brüllt, starten Sie die CD The Dark Side of the Moon (die haben Sie sowieso, stimmt’s?) und lassen beide gleichzeitig durchlaufen.
Was sie dann erleben, ist erstens ein Heidenrabatz und zweitens der Effekt, der in dieser Zusammenstellung seit einer Usenet-Diskussion von 1994 Dark Side of the Rainbow oder The Wizard of Floyd heißt: Mindestens 100 Stellen, die in Film und CD gleichzeitig kommen, wenn Sie beide richtig gestartet haben, korrespondieren in einer Weise miteinander, die es schwer macht, an über hundert Zufälle zu glauben. Das macht den Film zu einem gespenstischen Musikvideo und die Platte zu einem ebensolchen Soundtrack. Die CD spielt auf die Filmlänge etwa zweieinhalb Mal.
Das dauert 42 Minuten Ihres Lebens, die Sie Ungläubiger natürlich nicht erübrigen wollen. Darum hat der Rolling Stone eigens für Sie ein Mashup von vier Stellenbeispielen versammelt, die Ihnen nur ein paar Sekunden klauen. Am frappierendsten darunter finde ich Beispiel 2, wo der schwarz-weiße Teil des Films ins Farbige umschlägt, während das Intro von Money einsetzt. Danach gehen selbst Sie bei Eris Abbitte leisten und die fertig gemischte Version von The DeVille kaufen.
Das ist nicht die einzige Koinzidenz dieser Art, noch nicht mal innerhalb des Werkes der Pink Floyd: Ähnliche Untersuchungen laufen mit der Disney-Verfilmung von Alice in Wonderland gegen The Wall und anderen. Der letztendgültige Beweis: Pink Floyd leugnen alles.
War nicht gerade Valentinstag? Und schon haben die Frauen ihren nächsten Tag, gar ihren Internationalen.
Ein kurzer Scan durchs morgendliche Bordradio lehrt, dass unsereins ja schließlich die restlichen 364 Tage für sich hat (hey! Was ist mit Valentinstag?), in den letzten 97 Jahren viel getan wurde, mehr aber noch zu tun bleibt, vor allem in Richtung Gewalt gegen Frauen, Prostitution und Arbeitsgehälter. Find ich auch…
Vor so einem Hintergrund, der impliziert, dass jeder an der Weltmisere mindestens mitschuldig ist, der im Stehen pinkeln kann, finde ich burschikose Frauen, die unangestrengt und dogmenfrei ihren Job tun, geradezu beruhigend. Alela Diane, eine neuere Hoffnung am engen, aber erhebenden Country-Folk-Himmel, hat eine Platte mit lauter ernsthaften Schönheiten vollgesungen. Dabei sieht sie nicht aus wie eine jener arischen Spitzenzüchtungen, die vom “Spiegel” als elitäre Alphamädchen entdeckt wurden und sich über ihre Benachteiligung allemal mehr echauffieren als Leute mit Grund zur Klage, von der Physiognomie her mehr indianisch bis mexikanisch — ihre MySpace-Seite verortet sie im kalifornischen Nevada City —, wirkt aber wie jemand, der sich gut mit dem fühlt, was er tut. Frauen werden benachteiligt, weil sie Frauen sind? Ich bin entsetzt. Dann muss man das scheiße finden und zuschauen, wie es besser geht. Dass man da extra Aktionstage einrichten, ja sich überhaupt drüber unterhalten muss. Alela Diane singt doch auch Piratenlieder, veröffentlicht sie 2003 im Selbstverlag und 2007 endlich mit Bezahlung. Respekt.
Die überaus verdienten Donaldisten Oliver Martin, Dr. paTrick Martin, Peter Jacobsen und Klaus Harms, in einen Sack gesteckt ein wahrer Olymp an Trägern bombastischer Würden, darunter Zaster sparende Ehrenmitgliedschaften, toll tönende Titel von imposanter Amtswürde und vetterliche Vergünstigungen in der D.O.N.A.L.D. und der Professor-Püstele-Preis, haben im Jahr 2001 anlässlich des 24. D.O.N.A.L.D.-Kongresses zu Carlsruhe die Ausstellung Barks’ Thierleben. Biodiversität in Entenhausen gestaltet. Website und .pdf-Dokument waren als ausstellungsbegleitend geplant, wurden von der pflichtvergessenen Bande jedoch erst irgendwann 2005 fertig gestellt. Der Katalog ist schon wieder vergriffen und muss allenfalls mit sehr viel Glück über Bookcrossing gefunden werden.
Die Ausstellung selbst deckte anhand der aufs verdienstreichste hergestellten Präparate nahezu die gesamte Fauna auf stella anatium ab. Carlsruhe wurde als Veranstaltungsort gewählt, um dem zu erwartenden Ableben des Schöpfers Carl Barks eine etwas vorauseilende Ehre zu erweisen. Präsidente und zuständig für die anstehende Todesanzeige war damals die junge, dunkelschöne Österreicherin Nicola Waldbauer, der heute noch definitiv etwas von einem Todesengel anhaftet, was im Rahmen dieser Ausstellung, deren Thema von so geballter Lebendigkeit schwirrte, noch einmal so plastisch auffiel. Sie hat ihre Aufgabe würdig versehen, die Ausstellung hätte man nicht günstiger unterbringen können.
Wir erheben uns zur Hymne und vertiefen uns sodann in schweigender Demut in den Abschnitt über die Entenhausener Cetacea.
Ordung: Cetacea (Waltiere)
Familie: Delphinidae (Delphine)
Mediterraner Mörderwal
Odontocetus mediterraneus
Der mediterrane Mörderwal ist eigentlich, wie sein Verwandter, der gewöhnliche Orca (auch: „Mörderwal“), eigentlich ein sehr großer Delphin (also ein luftatmendes Säugetier und kein Fisch). Er unterscheidet sich vom Orca durch seinen einfarbig-dunklen Körper und die wenig ausgeprägte Rückenflosse. Seine Körperlänge beträgt bis zu 10 m.
Die Lebensweise des mediterranen Mörderwales ist weitgehend unerforscht. Er ist grundsätzlich schlecht gelaunt (wahrscheinlich weil er im überfischten Mittelmeer Schwierigkeiten bei der Nahrungssuche hat). Versuche, ein Exemplar mit einem Nylonlasso einzufangen, quittierte dieses mit Tobsuchtsanfällen, welche das Meer aufwühlten (Augenzeugenbericht: „Das Meer schäumt wie das Bier beim Maibock“).
WDC 292; TGDD 64 „Die schwarze Suppe“, p. 4-5
Familie: Physeteridae (Pottwale)
Entenhausener Pottwal
Physeter Entenhausensis
Der Entenhausener Pottwal gleicht vom Körperbau her unserem Pottwal (Physeter catodon). Er ist (wie alle Wale) ein Säugetier. Dennoch wird in Entenhausen zum Einfangen eines solchen Tieres aus formaljuristischen Gründen ein Angelschein verlangt. Während der irdische Pottwal sich vorwiegend von Tintenfischen (Kopffüßern) ernährt, wird von den Entenhausener Tierschutzinstanzen als angemessene Nahrungsration für in Gefangenschaft gehaltene Pottwale eine Mischdiät von täglich „etwa einer Tonne pelagischer Kopffüßer, Wasserflöhe und so“ für ausreichend betrachtet. Es ist aber auch belegt, dass sich der Entenhausener Pottwal von Fischen ernährt. Hungrige Individuen geraten so in ihrem Bestreben einen Fisch zu verzehren manchmal auch ungewollt an Angelhaken, was für den Angler unerfreuliche Konsequenzen nach sich zieht. Der Entenhausener Pottwal ist ein Tier mit ausgeprägtem Territorialverhalten, er attackiert fremde Eindringlinge umgehend. Der Angriff eines Entenhausener Pottwales auf eine von Herrn Duck gefertigte, lebensgroße Walimitation von rosa Farbgebung („Was könnte einen schwarzen Walfisch wütender machen als ein rosa Wal ?“), könnte allerdings auch vermuten lassen, dass der Entenhausener Pottwal eventuell farbenblind ist.
Ein weiterer Unterschied zum Verhalten des uns bekannten Pottwales ist die Tatsache, dass der E. Pottwal in der Lage ist, ähnlich wie Delphine aus dem Wasser herauszuspringen.
Die gelegentlich drastische Reaktion des Entenhausener Pottwales auf Lockmittel (so lässt er sich z.B. durch extrem laute auf Lachse eingestellte Lockpfeifen anlocken), Amulette und dergleichen ist noch weitgehend unerforscht.
Do we really have to watch Mighty Mouse and the Pirates from 1945 to know the plot? Heck, it’s a superhero cartoon… For the first time, it features Oil Can Harry in a Mighty Mouse cartoon, as a crossover appearance from other series, who was nine years older than Mighty Mouse and would stay his counterpart until When Mousehood Was in Flower, 1953. And for the first time in Mighty Mouse, the dialogue is opera style (rather sung than spoken). Enjoy this, if you can.
So. Nachdem wir alle da lebendig wieder raus sind, haben wir endlich eine Ausrede zu gucken, was Andy Kaufman so treibt.
Dass er außer bei ein paar Verschwörungstheoretikern nur mehr über sein Bio-Pic Der Mondmann bekannt ist (wenn man den irren Blick von Rainald Grebe nicht mitzählt), dass er die Leute in Fernsehsendungen ernsthaft gegeneinander aufbringen konnte, am besten noch die Interviewer gegen sich selbst, dass man als Zuschauer nie sicher sein konnte, in seinen Shows etwas zu erleben, für das man bezahlen mochte, ja nicht einmal, ob er aus künstlerischen Gründen überhaupt erscheinen sollte, auch wenn seine Elvis-Parodie richtig gut war, dass immer am spannendsten war, ob er heute wieder eine Neurose oder eine Psychose eigentherapieren wollte, dass er am Ende wirklich so ein Arschloch war, wie er immer tat — alles Binsen. Hauptsache, er hat mal Mighty Mouse… was eigentlich? parodiert? aufgelegt? zu Sinn verholfen?
Das Zuschauen, obwohl eingeladen und sozial gerechtfertigt, hat etwas unbequem Voyeuristisches: Der Mann spinnt ja womöglich in echt.
Bildende Kunst ist immer am schönsten, wenn ein bissel was zu grinsen mit drin ist. Staatstragende Farbflächen, Gouachen zur Kritik bourgeoiser Wahrnehmungsgewohnheiten — hübsch, und jetzt?
Die Manhattaner Künstlerin Melissa Gould, vulgo MeGo, hat aus den Stadtplänen von Mahnhattan und ausgerechnet Berlin eins von jenen Kunstwerken gemacht, mit denen man eine Ewigkeit nicht fertig wird. Ein Guckbild. Besser als Fernsehen (Kunststück…), und eine über den Inhalt hinausweisende Dimension obendrauf.
Die Lithographie Neu-York zeigt New York in den Grenzen von 1939 (also ohne Nachkriegsneuerungen wie das Lincoln Center) mit Straßennamen, die so tun, als ob sie im nazischen Berlin lägen. Papier und Farbgebung imitieren ein originales Zeitdokument:
An obsessively detailed alternate-history map, imagining how Manhattan might have looked had the Nazis conquered it in World War II.
Vierfarbdruck, 68 auf 109 Zentimeter, limitiert auf 20 Exemplare, 2.500 Dollar zuzüglich Porto und Zoll.
Für die historische (keineswegs politische) Korrektheit ihrer Fälschung hat MeGo zeitgenössische Straßenpläne eingescannt und digital die jüdischen Spuren daraus entfernt: Synagogen und Ortsnamen nach Juden. Das ist das Konzept der unbuilt landscape auf die Spitze getrieben.
Paradoxerweise will MeGo ihr Projekt ironisch verstanden wissen, bezeichnet es aber unter anderem als Hommage an die deutsche Sprache, die Sprache ihrer eigenen Vorfahren, und an die poetischen Aspekte der deutschen Kultur. Deutsch spricht sie selbst noch fließend, und in einem deutsch-österreichischen Umfeld könnte sie heute leben, wenn da nicht durch eine Verkettung saudummer Umstände die historische Kontinuität über den Haufen geraten wäre. Es ist nicht ihre erste Arbeit mit deutschem Bezug: Die Installationen From Adler to Zybler und Schadenfreude sprechen von ähnlichen Ausgangs- und Zielpunkten.
In Neu-York heißt der Hudson River Havel, der East River Spree, die Fifth Avenue Kurfürstendamm, überhaupt sind die Avenues allesamt etwas mit “Kaiserlich” und “Königlich”, die numerierten Querstraßen sind ausgeschrieben benannt. Unterhalb der 14. Street sind sogar geschlossene Berliner Stadtviertel durchgehalten. Unter den Straßennamen nach großen Deutschen finden sich auch Deutschjuden: ein Missgriff, der gerade für Nazigebräuche charakteristisch ist und die Sammlung umso authentischer macht. Am Columbus Circle steht das Brandenburger Tor, der Central Park ist der Tiergarten, mittendrin der Wannsee, der Times Square der Potsdamer Platz, das Museum of Natural History das Pergamon Museum. Mein persönlicher architektonischer Liebling in New York, die Brooklyn Bridge, heißt Potsdamer Brücke; eine der gelungensten Umdeutungen. Auch schön: Der Grunewald liegt in Bauernschädel-New-Jersey.
Als Muttersprachler stört mich, dass nirgends ein ß vorkommt — in diesem einen Falle gibt die Unsitte Sinn, die meisten “Strassen” als “Str.” abzukürzen — und die Straßennamen, die unter einem Albert Speer zustande gekommen wären oder wer immer unter den Nazis für dergleichen zuständig war, mit Leerschritt geschrieben sind statt zusammen oder bei längeren Wortgebilden mit Bindestrich. “Niebelungen Weg”! Nibelungenweg heißt das.
Die Website ist überaus liebevoll und interaktiv gestaltet; MeGo gibt alles, um ihre 20 Exemplare à 1.726,10 Euro (Stand vom 8. Februar 2008) zu inszenieren. Hilfreich ist die “Zeichen-Erklärung” mit Konkordanz in beide Sprachrichtungen nebst Übersetzung der deutschen Namen. Schlagen Sie ruhig mal die 21 Ausschnitte der Reproduktion auf und direktvergleichen Sie in Google Earth mit: ein lehrreicher Spaß.
Was den Melvilleaner interessiert: Die Pearl Street mit Herman Melvilles Geburtshaus und erstem Wohnort heißt “Monbijou Strasse” (grrr! Die Schreibweise!), sinnvoll oder nicht.
Ein paralleles Projekt mit New Yorker Hotels im Berlin von 1935 oder Berliner Hotels im New York von 1935 ist in Arbeit.
Bilder:Melissa Gould, Lower Manhattan; Film: Insterburg & Co.: Ich liebte ein Mädchen.
Im Februar 2008 fällt endlich auch in Deutschland auf, was der Orion Publishing Group, das ist die mit der verdienstreichen Everyman-Reihe, für Mai 2007 eingefallen ist. Die Neon, ein Blatt für die gleiche Zielgruppe wie für Weblogs, interviewt auf einer Doppelseite Gail Paten, Lektorin für die Compact Edition.
Worum geht’s? Gekürzte klassische Romane, die typischen dicken Bücher, die angeblich gut sein sollen, aber halt viel zu dick. Neon titelt auf Seite 142f.: “Editor’s Cut. Ein englischer Verlag kürzt Klassiker der Literaturgeschichte – damit wir sie lesen können.”
Bla. Das Problem ist bekannt: Jeder würde entweder ja gern die ganzen tollen Klassiker lesen, aber leider fängt grade Sex in the City an, oder ist sowieso in der Schule dafür versaut worden. Für die ersteren, die noch nicht ganz für lizenzfreie Weltliteratur verloren sind, ist die Compact Edition. Great books in half the time! Bis jetzt ist es bei zwölf solchen Ausgaben geblieben, laut Frau Paten sind weitere geplant.
Und wo heute zwölf Klassiker versammelt sind, da ist Moby-Dick mitten unter ihnen. In der Compact Edition ist er von 135 auf 94 Kapitel reduziert, was eigentlich noch ein moderater Eingriff ist. 336 Seiten. Natürlich fehlen darin die ganze zoologische Einteilung der Wale und Fachsimpeleien über Walfang.
Einen Punkt hat Frau Paten: Wenn es nicht zufällig Klassiker wären, hätte auch keiner was dagegen, dass Lektoren straffend eingreifen, um das Tempo der Handlung zu erhöhen. Heiligtümer wie David Copperfield sind als Fortsetzungsroman erschienen. Charles Dickens konnte also seine Brotgewinste dadurch sichern, dass er sich möglichst viel Zeit nahm, Nebenhandlungen mit schön vielen Nebenfiguren einführte und ausführlich abschweifte. Gute Gründe für einen langen Atem waren im 19. Jahrhundert zahlreicher als heute.
Worauf Frau Paten sich allerdings gehütet hat hinzuweisen, ist die Folter der Umzugshelfer, das Ärgernis der Flohmarkthändler, die Enttäuschung der Nachlassverwalter, die Verhöhnung der Literaten: Reader’s Digest Auswahlbücher, angeblich die beliebteste Buchreihe der Welt, die seit 1955 genau das gleiche macht, nur nicht als great books in half, sondern sogar quarter the time — außerdem, dass Robert A. diCurcio 1995-2000 einen sinnvoll gekürzten Moby-Dick als Nantucket’s Tried-Out Moby-Dick in der Funktion eines “Companion Reader” online gestellt hat, ebenfalls nach literaturwissenschaftlichen Gesichtspunkten, wie Frau Paten sie für sich behauptet — und dass gerade Moby-Dick auf eine Geschichte als zuschanden gekürztes Kinderbuch aus lauter “spannenden Stellen” zurückblickt, mit dem einzig ruhmreichen Aspekt, dass er immer noch unbeschadet da rausgekommen ist. Übrigens genau wie David Copperfield, Jane Eyre oder The Count of Monte Cristo — ebenfalls seit 2007 in Ihrer Compact Edition.
Kollegial anerkannt wird Jane Austen, die sehr dicht erzählt, so dass kaum Puffertext zum Kürzen übrig bleibt — nach modernen Maßstäben ein guter Job. Alle sieben Bände Harry Potter auf 400 Seiten will Frau Paten nicht prinzipiell ausschließen. Ist leider Copyright drauf, sowas aber auch. Den Text bei so spannenden Büchern mittendrin
Lesetipps:
MadHaiku: MoBy-DiCk In HaIkU. Nur 15 x 17 Silben, und Bilder sind auch dabei!
Haben Sie mal versucht, den Text zu verstehen? Und? Geschafft? Merken können? Und mit diesem Wissen versucht mitzusingen? Mitgehalten? Danach nur noch versucht mitzupfeifen? Wenigstens die Melodie gemerkt? Genervt aufgegeben und fortan mitleidig den überkandidelten Ausdruckstanz bespöttelt? — Willkommen im Club.
Aussichtslos, geliebt, gehasst, verehrt, verachtet, aber niemals mitgesungen (außer von ein paar Profis) seit 30 Jahren: Am 20. Januar 1978 erschien die Single Wuthering Heights von Kate Bush, ab 17. Februar Bestandteil ihres Debüt-Albums The Kick Inside.
Dieser Text, hinter den man dann doch unbedingt kommen will, weil er offenbar von etwas anderem handelt als Ich-hab-dich-lieb, aus Sicht der seit langem verstorbenen Catherine Earnshaw, wie sie sich an ihren Peiniger wendet und alles in und an ihr zu ihm zurückdrängt; dieser in Schüben voranschlängelnde Rhythmus; diese Melodie, in der man kaum Strophe, Bridge und Refrain vorhersagen kann; dieses Micky-Maus-Falsett einer Besessenen! — Dieses Lied sperrt sich, sticht und spukt auf allen Ebenen. Hat jemals jemand bezweifelt, dass die achtzehnjährige Kate das Lied innerhalb weniger Sommernachtstunden mit Blick zum Dachfenster hinaus auf den Vollmond nicht irgendwie profan “schrieb”, sondern vielmehr: empfing?
Es geschah nach Inspiration durch den Film Wuthering Heights, es war die Verfilmung von 1970, das ist die mit Timothy “James Bond” Dalton, es waren deren letzte zehn Minuten, und es war nach der Erkenntnis, dass Kate Bush den Geburtstag mit Emily Brontë teilt, nur exakt 140 Jahre verschoben, der Schöpferin dieser unglaublichen Buchvorlage.
Eine Verkettung nachgerade diskordischer Zufälligkeiten, und in den Videos und den gut dokumentierten Fernsehauftritten tanzt sie wahrscheinlich satanische Botschaften rückwärts (der Blick! der Blick!), aber ich wüsste nicht, dass dieses Lied schon mal jemanden kalt gelassen hätte.
Damit wurde Kate Bush 19-jährig die erste Frau, die ein selbst komponiertes und aufgeführtes Lied vier Wochen lang auf Platz 1 der englischen und amerikanischen Charts halten konnte — ein Rekord, der sich seither nicht gerade wöchentlich wiederholt. David Gilmour von Pink Floyd entdeckt keine Luschen, die Besetzung von Alan Parsons Project arbeitet nicht mit Versagern zusammen. Maritimes Randwissen: The Saxophone Song, das zweite Lied auf The Kick Inside, wird von Walgesang eingeleitet.
Selbst Tori Amos, als Fee eben doch keine allschaffende Göttin, außerdem fünf Jahre jünger, beruft sich auf Kate Bush. Man glaubt es ihr, denn bösartig gesagt, kann sie genauso sphärisch Klavier klimpern und drei Oktaven zu hoch singen. Sogar Toris Themen wie Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und der Zusammenhang zwischen Patriarchat, Religion und Gewalt verblassen neben Kates frühen Vertiefungen in Geschwisterliebe, Atomkrieg und die Faszination der Zahl Pi. Dafür lebt Tori praktisch tingelnd, während Kate seit 1979 auf keiner Tournee mehr war. Irgendwie war sie trotzdem immer da, vor Tori Amos, vor Björk, ja vor Madonna gar (17 Tage jünger als Kate Bush).
Am 30. Juli 2008 wird Catherine Bush 50, Emily Brontë wird 190. Glückwünsche zum 30. von Wuthering Heights werden Frau Bush via ihre Fansite auf Myspace übermittelt.
Bitte kaufen: Das Strapazin 89 zum Thema Seefahrt. Gibt’s schon seit Dezember. Im Comicladen Ihres Vertrauens, in Rufweite gut geführter Bahnhofsklos und bestellbar über jede Buchhandlung.
strapazin.de und strapazin.ch: “Seit 1984 das deutschsprachige Forum für neue Strömungen in der internationalen Comic-Szene.”
Timoleon, Etc. was the last work by Herman Melville published during his life. It was printed by Caxton Press in May 1891, in an edition of 25 copies. The Northwestern-Newberry edition will establish and make available the authoritative texts of these 42 poems. What we have for the time being, is The Poems of Herman Melville, edited by Douglas Robillard, where the following counter-argument to smoking ban is cited from (remember it was Melville’s last book…).
Herba Santa
I
After long wars when comes release
Not olive wands proclaiming peace
An import dearer share
Than stems of Herba Santa hazed
In autumn’s Indian air.
Of moods they breathe that care disarm,
They pledge us lenitive and calm.
II
Shall code or creed a lure afford
To win all selves to Love’s accord?
When Love ordained a supper divine
For the wide world of man,
What bickerings o’er his gracious wine!
Then strange new feuds began.
Effectual more in lowlier way,
Pacific Herb, thy sensuous plea
The bristling clans of Adam sway
At least to fellowship in thee!
Before thine altar tribal flags are furled,
Fain woulds’t thou make one hearthstone of the world.
III
To scythe, to sceptre, pen and hod—
Yea, sodden laborers dumb;
To brains overplied, to feet that plod,
In solace of the Truce of God
The Calumet has come!
IV
Ah for the world ere Raleigh’s find
Never that knew this suasive balm
That helps when Gilead’s fails to heal,
Helps by an interserted charm.
Insinuous thou that through the nerve
Windest the soul, and so canst win
Some from repinings, some from sin,
The Church’s aim thou dost subserve.
The ruffled fag fordone with care
And brooding, Gold would ease this pain:
Him soothest thou and smoothest down
Till some content return again.
Even ruffians feel thy influence breed
Saint Martin’s summer in the mind,
They feel this last evangel plead,
As did the first, apart from creed,
Be peaceful, man—be kind!
V
Rejected once on higher plain,
O Love supreme, to come again
Can this be thine?
Again to come, and win us too
In likeness of a weed
That as a god didst vainly woo,
As man more vainly bleed?
VI
Forbear, my soul! and in thine Eastern chamber
Rehearse the dream that brings the long release:
Through jasmine sweet and talismanic amber
Inhaling Herba Santa in the passive Pipe of Peace.
Der Plot von Santa Claus Conquers The Martians oder Santa Claus Defeats the Aliens, 1964 könnte ohne größere Eingriffe aus dem aktuellen Jahrtausend stammen: Die Marsianer kidnappen den Nikolaus oder jedenfalls etwas, das Amerikaner dafür halten, damit sie auf dem Mars auch endlich Geschenke kriegen. Ist das world-of-warcraft-fähig oder nicht?
War als typischer Weihnachts-”Film für die ganze Familie” gedacht, wird aber heute in eine Reihe mit Plan 9 From Outer Space 1959, dem vierten Weißen Hai 1987, Showgirls 1995 oder Catwoman 2004 als einer der objektiv schlechtesten Filme aller Zeiten gestellt und ist deshalb de facto nichts für Mimosen. Joe Gandelman hat das Ding zum Nikolaustag 2007 in The Moderate Voice endlich in der gebotenen Ausführlichkeit ernst genommen.
Insiderwissen: Wir können darin der 80er-Softporono- und Sangesmieze Pia Zadora mit ihren acht Jahren beim Debütieren als Jungmarsianerin “Girmar” zuschauen. Ihr nächster Film war erst wieder 1981 Butterfly — dafür jetzt gleich richtig mit Orson Welles. Auf Deutsch hieß er Der blonde Schmetterling und setzte für Frau Zadora einen Golden Globe als beste Newcomerin, für den selbst Meister Welles als beste Nebenrolle nur nominiert war, weil das 1964er Weihnachtsdebüt gnädig übergangen wurde, und eine Goldene Himbeere als schlechteste Newcomerin, und noch eine solche als schlechteste Schauspielerin.
Die Vollversion dauert 81 Minuten; ihre Zugänglichkeit in der Public Domain ist legal, wahrscheinlich weil dergleichen von soziologischem, nicht aber kommerziellem Interesse sein kann. Zum Anfixen und Eingewöhnen tut’s erst mal das zehnminütige Mashup, das keine gute Stelle auslässt.
Die Stirn so feucht,
das Aug’ so fahl,
so kenn ich ihn,
den Grönlandwal.
Im Nordmeer, da
ist er zuhaus,
er kommt nie aus
dem Wasser raus.
Und holt man ihn,
so sagt er knapp:
“Ihr schaufelt mir
das trock’ne Grab.
Das Meer ist tief,
die Welt ist schlecht,
wie ihr’s auch dreht —
der Wal hat recht.
Ein Jammer, dass man ihn nicht mehr fragen kann, den Robert Gernhardt, wo er Walisch gelernt hat. Denn er hat sich im vorletzten Sommer davongemacht, dorthin, wo Herman schon lange ist. Dabei hätten wir nur allzu gern gesehen, was er als munterer Siebziger noch alles für uns auf Lager gehabt hätte.
So müssen wir und Moby-Dick uns mit dem Meer von Robert Gernhardt trösten. Wetten, es hätte ihn gefreut. Und walfreundlich ist es bestimmt auch, sein Meer, oder? Na, unser großer Weißer hätt’s ihm schon gesagt…
Happy Birthday, Robert! Dort im weiten, fernen Meer…
They were nearly all Islanders in the Pequod, Isolatoes too, I call such, not acknowledging the common continent of men, but each Isolato living on a separate continent of his own.
Moby-Dick, Chapter 27, Knights and Squires
The house is old. Seventy years since, from the heart of the Hearth Stone Hills, they quarried the Kaaba, or Holy Stone, to which, each Thanksgiving, the social pilgrims used to come. So long ago, that, in digging for the foundation, the workmen used both spade and axe, fighting the troglodytes of those subterranean parts—sturdy roots of a sturdy wood, encamped upon what is now a long landslide of sleeping meadow, sloping away off from my poppy-bed. Of that knit wood, but one survivor stands—an elm, lonely through steadfastness.
Few are the bands these days who sound more German than Tocotronic. Most German thing about them is probably that they used to try something English, and did it practically clandestine: as a B-side to the maxi CD of Hi Freaks, 2002.
Ausgebuffte Bücherchecker, die wir sind, bleibt uns nur ganz selten noch mal die Luft weg angesichts einer Neuerscheinung (”Daff wirrt ein haifferr Büüchärrhärrpfft!”).
Es ist kürzlich wieder passiert, als die Rathjen-Übersetzung von Moby-Dick nicht mehr nur in den paar über Deutschland verstreuselten Zweitausendeins-Filialen erhältlich war und auf den freien Büchermarkt, man muss sagen: schwappte. Seit 4. Oktober gibt es den Rathjen-Moby im marebuchverlag.
Das Buch ist seitengleich von Zweitausendeins übernommen, also mit der ganzen historischen Möblierung “aus dem Quellgebiet”. Gerne wiederhole ich mich:
Essay von Jean-Pierre Lefebvre: Die Arbeit des Wals. Red Moby &/or: Das Kapital
Sieben Briefe Hermans Melvilles an Sophia und Nathaniel Hawthorne nebst Tagebucheintragungen der letzteren beiden
Sophia und Julian Hawthorne: Wie wir ihn sehen. Erinnerungen an Herman Melville
Friedhelm Rathjen: Wie ich Herman Melvilles Moby-Dick übersetzt habe;
Verstärkung erfährt es durch die vollständige (!) Lesung auf zwei mp3-CDs durch Christian Brückner, dessen synchronisierende Stimme ganze Hollywoodflops rumreißen kann.
Alles zusammen ergibt eine veritable Fan-Edition. Die Übersetzung, wie hier im Weblog wiederholt begründet, muss man mögen, um sie zu mögen, denn im Vergleich zur sehr viel braveren Jendis-Übersetzung wirkt das, was Rathjen ein paar Jahre vor Jendis aus dem Urtext gemacht hat, geradezu sturmzerzaust. Ein Studienbausatz für die Jungs. Wird ab sofort standardmäßig verlinkt. 69,90 und jeden Cent wert.
Die damals nicht besonders viel jüngere Frau und das Meer standen 2003 Apocalyptica zur Seite, der einzigen Metal-Kapelle mit drei Cellisten, um Seemann von Rammstein 1998 aufzunehmen. Sowas kann natürlich wieder nur in Finnland gedeihen — aber wenn jemand noch so eine findet, darf er es hier gerne weitergeben.
In diesen Tagen hat das ewig kindische Stimmwunder Nina Hagen, die, wenn man wirklich sehr genau hinhört, schon immer ihren Hang zu maritimem Liedgut öffentlich auslebte, das Ding nochmal live gesungen, unter sichtlichem Einfluss lustiger Substanzen. Aber über unseren (?) Herman lästern…
Den Film Orson Whales hat sich der Schöpfer Alex Itin selbst zum Geburtstag geschenkt. Der Materialwert beläuft sich auf zwei Exemplare derselben Ausgabe Moby-Dick, ein paar… was ist denn das… passenderweise Wasserfarben? und das bisschen Software, das man heutzutage sowieso auf jedem Computer hat, um Videos zu basteln und zu veröffentlichen.
In diesem Fall hat sich’s gelohnt: Was will man in die Wüste predigen, wie sehr es doch auf Inhalt ankommt und nicht das Material, mit dem einer ein überteuertes Feuerwerk abbrennt, wenn man abseits von Youtube solche Videos trifft, die jedenfalls mehr mit Kunst zu tun haben als [Zutreffendes einsetzen, je nachdem ob sie einen Fernseher haben oder innerhalb des letzten Monats bei Basic eingekauft haben]. — Die bildliche Darstellung des Liedes Moby Dick von Led Zeppelin ist praktisch untersagt, die Lesung des gleichnamigen Romans durch Orson Welles 1971, abseits der Verfilmung, spärlichdokumentiert, da preist das Werk den Schöpfer schon sehr.
Orson Welles liest in keinem Fall Herman Melvilles Originaltext; grämen Sie sich also nicht über Ihr mieses Englisch, wenn Sie in Ihrer Ausgabe mitzulesen versuchen.
Will man ein Buch, das Narrative of a whaling voyage round the globe, from the year 1833 to 1836. Comprising sketches of Polynesia, California, the Indian Archipelago, etc. with an account of southern whales, the sperm whale fishery, and the natural history of the climates visited heißt, nicht einfach nur habenhabenhaben?
Sie nicht? Mir recht, dann können Sie gern weiter die Men’s Health lesen.
Das Ding ist 1840 bei Herman Melvilles Londoner Stammverlag Richard Bentley erschienen und wurde 1970 mal von der New Yorker Da Capo Press neuveröffentlicht; seitdem kann man es lange und fruchtlos suchen.
Nach einem lapidaren Vermerk von Rainer G. Schmidt in seiner 1997er Übersetzung von Mardi bei Achilla Presse hat Melville das gute Stück “häufig benutzt”, was man gut verstehen kann, wenn man es schließlich findet: Antipodean Books, Maps & Prints verkauft ein zweibändiges Exemplar für schon 2.750,00 Dollar.
Auf den drei Bildern, die sie davon stolz herzeigen, umbranden den wohlwollenden Leser sämtliche Gründe, aus denen er sich als Bub unter Bettdecke mit einem Arena KinderklassikerMoby-Dick beholfen hat: Kalbsledereinbände mit Reliefstruktur, marmorierte Buchdeckel, Aquatinta-Frontispiz und ordentlich hineingefaltete Seekarten. Yummy…
Bis wir die momentan 1.983,78 Euro beieinander haben, lesen wir schon mal beim Plough Boy die Volltexte von Band 1 und Band 2, dann müssen wir die bibliophilen Stücke nicht so runterwanzen.