Archive for the 'Smutjin Elke' Category

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Wie ihr’s auch dreht — der Wal hat Recht

14. Dezember 2007

Elke tut meinen Gedenkjob. Sogar schon zum zweiten Mal:

Melville meets Gernhardt.

Dreh es, o Seele

Die Stirn so feucht,
das Aug’ so fahl,
so kenn ich ihn,
den Grönlandwal.

Im Nordmeer, da
ist er zuhaus,
er kommt nie aus
dem Wasser raus.

Und holt man ihn,
so sagt er knapp:
“Ihr schaufelt mir
das trock’ne Grab.

Das Meer ist tief,
die Welt ist schlecht,
wie ihr’s auch dreht —
der Wal hat recht.

Ein Jammer, dass man ihn nicht mehr fragen kann, den Robert Gernhardt, wo er Walisch gelernt hat. Denn er hat sich im vorletzten Sommer davongemacht, dorthin, wo Herman schon lange ist. Dabei hätten wir nur allzu gern gesehen, was er als munterer Siebziger noch alles für uns auf Lager gehabt hätte.

So müssen wir und Moby-Dick uns mit dem Meer von Robert Gernhardt trösten. Wetten, es hätte ihn gefreut. Und walfreundlich ist es bestimmt auch, sein Meer, oder? Na, unser großer Weißer hätt’s ihm schon gesagt…

Happy Birthday, Robert! Dort im weiten, fernen Meer…

Robert Gernhardt, Schnuffi auf hoher See

Bild: Robert Gernhardt: Schnuffi auf hoher See.

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Moby-Dick undercover: Der Weiße Wal ist kein Weißwal

13. Juli 2007

Daddy Stephan hat Fahrt aufgenommen…:

Yes, the world’s a ship on its passage out, and not a voyage complete.

Chapter 8: The Pulpit

Stephan De MariaAls ich gestern nach Hause kam, hat mich mein Sohn nach einem knappen Hallo sofort gefragt:

“Papa, stimmt das, dass ein Weißwal stärker ist als ein Blauwal?”

Ich war ein wenig überrumpelt und dachte daher sofort an Moby Dick:

“Na klar ist der stärker! Wer nimmt’s denn schon mit dem auf!”

Einen Gedanken später entsann ich mich, dass ein Weißwal ein Beluga ist. Diese überirdisch harmlosen, sanftmütigen, Marshmallow-artigen Tierchen gegen einen Blauwal? Welch ein Massaker, wenn man das mit den Augen eines Fünfjährigen betrachtet.

“Nee”, antwortete ich, “Wale kämpfen eigentlich nicht gegeneinander, also nicht verschiedene Arten gegeneinander, sie haben doch genug Platz im Meer, um sich aus dem Weg zu gehen.”

Mein Sohn, das gute Kind, hat sein Interesse am Meer von seinen Eltern geerbt. Und ich bin sooo glücklich darüber!

Mit Kapitel acht endete mein gestriger Abend, mit bleiernen Augenlidern und sehnsüchtigen Gedanken an das, was da kommen mag. An die fordernd-schneidenden Winde, an das babylonische Sprachengewirr an den Docks von New Bedford. Welche Beziehung pflegen denn diese Seemänner, Walfänger zum Meer und zu ihrer Beute? Gibt es diese religöse Demut vieler uramerikanischer Völker gegenüber der Natur, die sie am Leben erhält? Ist es eine Unterwerfung des Ichs unter die Knute des Schicksals? Schiere Abenteuerlust einiger Greenhorns? Sportlicher Ehrgeiz? Ich werde es erleben.

Beluga Group Logo

… und Elke weist ihn ein:

Elke HegewaldHach, wie salomonisch schlichten doch Eltern die Kämpfe in Kinderseelen. Sowas kann der Liebe zum Meer eigentlich nur zuträglich sein. In mir wohnt sie auch – mehr als man sie in einer Landrättin wie mir vermuten sollte…

Stephan, der Einwand zum Weiß- oder Belugawal ist vollkommen berechtigt. Ich bin auch schon mehrmals über diese Bezeichnung gestolpert. Hui, und der Marshmallow-Vergleich ist ja goldig, vor allem passt er so schön, wenn man das Bild dieser Tiere vor Augen hat.

Unser Weißer Wal (mit großem W, wenns nach mir ginge) ist ja bekanntlich ein riesiger Pottwal, nur seeehr entfernt verwandt und keineswegs zu verwechseln mit jenen verschmitzt dreischauenden Marshmallow-Tierchen (die – hehe! – aber immer noch die beachtliche Länge von 3 bis 6 Metern erreichen und an die eintausend Kilogramm auf die Waage bringen können). Beluga (von bela, belyj) bedeutet übrigens auch weiß – auf Russisch.

Die Frage, warum Moby Dick dennoch der Weiße Wal heißt (obwohl Pottwale sonst eher bräunlich dunkel sind), führt uns zunächst unausweichlich wieder zu – Mocha Dick. Der soll ja, wie man hört, eine große weiße Narbe auf seiner gewaltigen angriffslustigen Stirn gehabt haben, das Zeichen bestandener Kämpfe mit nicht weniger angriffslustigen Waljägern. Tja, und auch die spinnen gern Seemannsgarn, um sich ins rechte Licht zu rücken. So wurde mit jedem Bericht über eine Begegnung mit diesem Ungetüm des Meeres die weiße Narbe größer – und der Wal immer weißer, und “irgendwann war der ganze Wal weiß geredet und gerüchtet”. Und trug so zur weiteren Legendenbildung und Manifestierung seines Mythos bei.

Na, und unserm guten Melville kam ja der Weiße Riese erst recht zupasse. Was konnte er besser gebrauchen als diesen symbolistischen Anstrich (ui, wat’n Wortspiel) für seinen Moby Dick. Der uns bestimmt auf hoher See, dort, wo selbiger uns und Ahab die weiße Stirn bieten wird, wohl noch tiefer zu beschäftigen hat.

Zwecks Entfachen der ungestümen Leidenschaft, die diesbezüglich irgendwo tief in uns wohnen sollte, und zum einstweiligen vorkostenden Beknabbern der Weiße des Wals werfe ich einfach mal ein – Ismael ins Maul gelegtes – Melvillesches philosophisch-welträtselndes Fragenbündel unter euch:

Ist es so, dass das Weiß durch seine Unbestimmtheit die herzlose Leere und unermessliche Weite des Weltalls andeutet und uns so den Gedanken an Vernichtung wie einen Dolch in den Rücken stößt, wenn wir in die weißen Tiefen der Milchstraße blicken? Oder ist es so, dass das Weiß seinem Wesen nach nicht so sehr eine Farbe ist als vielmehr die sichtbare Abwesenheit von Farbe und zugleich die Summe aller Farben? Ist das der Grund, weshalb eine weite Schneelandschaft dem Auge eine so öde Leere bietet, die doch voller Bedeutung ist – eine farblose Allfarbe der Gottlosigkeit, vor der wir zurückschrecken? [...] Für all dies war der Albinowal das Symbol. Wundert euch nun noch die feurige Jagd?

Kapitel 42: Das Weiß des Wals, Jendis-Moby Seite 322

Uff! Schön, dass wir wir schonmal drüber gesprochen haben. Das Kapitel hat zweiundzwanzig und a bisserl Seiten – und die gehn von Anfang bis Ende so.

Hey, Stephan, und was die Beziehung zumindest der Walfänger zum Meere und ihrer Beute angeht: Das findest du heraus, einiges häppchenweise schon in den nächsten Kapiteln, die du ansteuerst. – Man will ja schließlich nicht alles schon vorher verraten. Verflixt, dass ich mich immer nicht bremsen kann!

Die Urvölkler in dem nordamerikanischen Staatengebilde könnten, was das angeht, allerdings nochmal einer genaueren Beschnüffelung wert sein. Ja doch, ich bin ja schon still! Und wenn ich hier zu ausgiebig klugscheiße – sorry! –, dann pfeift mich ruhig zurück, okay?

Unschuldig pfeifend übers Deck schlendernd –
die Kajüten-Klabauterin

Merke: Blauwal ungleich Beluga gleich Weißwal ungleich Weißer Wal ungleich Marshmallow.

Freundlicher Beluga

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Dear Mr. Queequeg, you have been informed your life’s been saved

4. Mai 2007

oder: Urviecher unter sich

Elke rockt auf:

Elke HegewaldEine Lesemannschaft, die seit Monaten mit Herman Melville lebt, weiß längst nicht mehr nur von Experten, dass es kulturelle Standardwerke gibt, die langlebig und nachhaltig in ganze Generationen gesickert sind. Über die man auf Schritt und Tritt – in der Kunst und im Alltag – in Form von Zitaten, Insider-Sprüchen und Symbolen geradezu stolpert. Moby-Dick gehört ohne Zweifel zu ihnen. Ob er nun in seichten Filmkomödchen als Nachweis für die Belesenheit eines Kerls herhalten muss, der um eine Angebetete herumbaggert, die Helden kultiger Fernsehserien ihren Hund und ihren Daddy nach einem Romanhelden benennen oder sich in ebensolchen gar selber mit ihm identifizieren. Ja, manch einer trifft Queequeg sogar in einer Berliner Kneipe. Sowas kann uns Jäger und Sammler auf Mobys Spuren kaum noch überraschen – aber es hält den Jagdtrieb wach. Und was dabei herauskommt, ist nicht zuletzt in diesem Blog in bunter Folge dokumentiert.

Was wir auch schon wissen: dass es viel mehr so schnurrige Leute wie uns gibt als man denkt, die dieses alte Buch nicht loslässt. Das freut uns doch. Und einige von denen machen sich ihren eigenen Moby-Dick.

Three Inches of BloodSo auch eine Band mit dem urigen Namen Mastodon, vielleicht nicht nur Insidern und Fans ein Begriff. Jedenfalls haben sie mit ihrem Konzeptalbum Leviathan, das man auch gut eine Rock-Oper nach der Melvilleschen Vorlage nennen kann, 2004 mit Wahnsinnserfolg ihren großen (Wal-)Fang eingeholt. Die Idee dazu hatte Brann Dailor, der Drummer der Band. Und herausgekommen ist die Geschichte von Moby Dick in bemerkenswertem Songwriting und facettenreicher Musik, die von verschiedenen Metal-Genres bis Rock und Hardcore reicht.

Eine mitreißende und flott zu lesende Rezension, deren Ausführlichkeit kaum Fragen offen lässt, habe ich bei Captain Chaos gefunden und kann mir ein paar Auszüge daraus hier nicht verkneifen, um einen Eindruck zu vermitteln:

[...] um so ein Album zu erschaffen, braucht es mehr als nur musikalisches Können, es braucht Visionen und Konsequenz in erhöhter Dosis. MASTODON haben dies. [...] die jeweiligen Stimmungen der Texte müssen eben eingefangen werden. Dadurch steht das geheimnisvolle und düstere “Seabeast”, das so intensiv ist, dass man Moby Dick wirklich vorbeischwimmen sieht, in trauter Eintracht neben dem brutalem und verschachtelten “Island”. Noch wilder wird es mit “Megalodon”, das relativ dezent und ruhig beginnt, nach einem Break mit Country-Gitarren jedoch in eine METALLICA-mäßige Speed Metal-Richtung abdriftet. Mit seinen fast 14 Minuten ist das progressive Epos “Hearts Alive”, das die Stimmung wechselt wie ein Chamäleon seine Farbe am undurchdringlichsten. Großes Kino, doch gleichzeitig der einzige Song, der leicht zerfahren wirkt.

Dafür gibt es große Gänsehautmomente in “Iron Tusk”, zu dem man sich vorstellen kann, wie ein betrunkener, bärtiger aber trotzdem erhabener Seemann Geschichten erzählt, das ist eine tolle Leistung von Sänger Troy Sanders. “Naked Burn” reißt von Anfang an mit, ist eine leidenschaftliche Nummer, die von dem cleanen, an Ozzy Osbourne erinnernden Gesang von Brent Hinds lebt und bei dem man sich richtig vorstellen kann, wie ein Matrose nachts an Deck steht, seine Liebste vermisst aber gleichzeitig hofft, noch viel von der Welt zu sehen. Das beeindruckendste und wahnsinnigste Stück auf “Leviathan” trägt den verdienten Titel “Aqua Dementia”. Ein wildes und unkontrolliertes Meisterwerk, das nicht mal vor Black Metal-Gekreische halt macht und zusätzlich mit der unvergleichlichen Stimme von NEUROSIS-Sänger Scott Kelly veredelt wurde. Unfassbar intensiv und atemberaubend spannend. [...]

Dem Quartett ist das geglückt, was ich erhofft, aber nicht für möglich gehalten habe: [...] einen der besten Romane der Erde würdig zu vertonen. MASTODON zeigen, dass sie eine Band sind, die nicht belächelt werden darf, denn sie schaffen es, die Qualitäten der alten Rock- und Metalbands ins 21ste Jahrhundert zu befördern. Respektiert dieses emotionale, intensive, spannende und gehaltvolle Album, alles andere wäre Frevel. MASTODON retten den Rock.

Auf YouTube und der offiziellen Band-Site sind diverse Musikvideos, auch mit Titeln aus diesem Album, zu finden. Ansehenswert finde ich vor allem die Seabeast-Version, die neben der musikalischen Umsetzung ein Feuerwerk an Effekten bietet: von schattenspielähnlichen Szenen über verfremdende und expressive Pantomime bis hin zu durch das Bild tanzenden Ballettmädchen in Spitzenröckchen – großes Kino.

Wem das noch nicht reicht, der kann auch gerne noch in ein Interview des Man in Front zum Leviathan reinhören. Oder sollte ihm die Jagd zu wild und die Musik zu laut sein, in den Lyrics wühlen.

Yeah! White whale – holy grail…

Mastodon die Band

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Der letzte Wal?

6. April 2007

Elke macht zum Karfreitag ein passendes Update zu Reste in Pieces:

Elke HegewaldWie fänden Sie es, wenn statt Nachbars Lumpi, der immer ungenehmigt ausm Hausflur zu Ihrer Wohnungstür reinwutscht, oder statt der paarungswilligen Tauben, die zur Zeit massiv Ihren Balkon zu benisten versuchen, ein lebensgroßer Wal Sie besuchte? Na dann rücken Sie mal schön die Möbel an die Wand und füllen ihr Wohnzimmer randvoll mit Meerwasser. Ach ja, und gastfreundlicherweise sollte es wenigstens so an die 30 Meter, besser doppelt so lang und breit sein (von wegen der Wendemöglichkeit) und seeehr hoch… am besten nach oben offen.

Haben Sie nicht? Tja, schade. Ich auch nicht – eine aktuelle Vermessung ergab nur sechs mal vier mal knapp drei Meter, zwar mit direktem Kontakt zum Himmel, aber kein Schiebedach. Ha, aber es geht trotzdem! Die WDCS machts möglich! Was die Whale and Dolphin Conservation Society ist. Die zaubert Ihnen und uns aus akutem Anlass das größte interaktive Web-Banner ever auf den Bildschirm, einen Blauwal in voller Lebensgröße nämlich, den voluminösesten Verwandten aus der weitläufigen Familie unseres Moby-Dick und das größte Wesen überhaupt auf unserem Globus.

Dass er da – Zentimeter für Zentimeter – auch drauf passt, haben in Walschützers Auftrag und zur eigenen Imagepflege die “Jung(s) von Matt” so hingefrickelt. Wir schreiben es trotzdem an unsere internetzliche Klotür, schon deshalb, weil wir beim Schließen dieses Fensters zu den Weiten des Ozeans nicht wissen, ob wir grad zum letzten Mal Wal in Lebensgröße gesehen haben werden. Verkündigen jedenfalls die WDCSler. Und wenn die nicht wissen, was sie da sagen, wer dann?

Wer was gegen diese trüben Aussichten hat, kann übrigens mit dagegen anklicken – rechts auf großes Auge von Wal und dann vor Close den Link im aufspringenden Text. Wer gern engere Bande knüpft, kann gar Patenonkel oder -tante werden für einen Moby-Dick.

Und jetzt: Schau mir in die Augen, Großer!

*

Nachtrag 5. April 2007:

Springt mir doch heute Morgen am Dienstwege die Ampel auf Rot – und an derselbigen ein großflächiges lukullisches Angebot von mehr als zweifelhaftem Geschmack ins Auge:

Hä? – stutz und denk ich vor mich hin –, die japanische Walfang-Mafia? Und war spontan mit mir im Reinen, dass ich – ungelogen – Moby-Dick zwischen zwei Buchdeckeln jederzeit dem in einer Fladenbrotecke vorziehe. Genauso wie die Piece-für-Piece-für-Pixel-Darstellung des Riesenviehs auf meinem Monitor der fachmännisch zerteilten Beute eines Walfängers – aber sowas von.

Ach ja, sollte jemand gerade zum Wal-Fastfood-Fresser mutieren wollen und der auf dem Plakat beworbenen Adresse hinterhersurfen: Ätsch. Nix Wal-Burger; Walschützer! Gar nicht so doof, die Profis und ihre Kampagne. Cooles Ding. Aber der Countdown läuft – für oder gegen Moby und Familie!

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Auf der Jagd nach Nantucket

7. November 2006

Elke hat noch was gefunden:

Die Jagd nach Dr. U englischBeinahe hätte ich mein kleines Fundstück vergessen, welches nur bestätigt, dass an Nantucket kein Weg vorbei führt. Denn hätte es wohl sonst seinen Platz sogar im Kosmos der Länder, Sprachen und Figuren eines H.C. Artmann gefunden, dieses, wenn im vorliegenden Fall auch nur kopfreisenden, Weltenbummlers vor dem Herrn? Auf seiner stetigen “Poetischen Suche nach dem Randständigen und Bedrohten”?

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Moby-Dick ist ein Gummitier,

20. September 2006

wie Elke weiß,

jawohl, so eins zum Aufblasen, mit Ventil und Stöpsel. Er war nicht weiß, sondern blau, und planschte vor vielen Jahren mit einem kleinen, blondbezopften Mädchen in den Ostseewellen. Meine erste Erinnerung an diesen Namen hat ein süß lächelndes Gesichtchen mit Kulleraugen und so überhaupt nichts mit diesem mythischen Wesen, dem Bild des gewaltigen und unheimlichen Gegenspielers des Kapitän Ahab zu tun.

Wie so vieles andere übrigens auch nicht, wofür Moby-Dick heutzutage alles herhalten muss. Das hätte der gute Herman Melville, der den Welterfolg seines Buches nicht mehr erlebt hat, sich nicht träumen lassen, welch unvorstellbaren Siegeszug auf bisweilen recht eigenwillige, ja kuriose Weise sein weißer Wal ein gutes Jahrhundert später sogar bis in die letzten Ecken des Alltagslebens antreten würde. Ihn gar für werbeträchtig zu halten, wäre ihm erst recht niemals nicht eingefallen. Und als aufrechte reale Poeten hoffen wir nur, dass er sich nicht im Grabe umdrehen möge angesichts des schwungvollen Handels mit nicht nur den erwähnten Schwimmhilfen (die ja noch eine gewisse, wenn auch seeehr entfernte Ähnlichkeit mit dem Namensgeber haben), sondern auch Kinderplanschbecken, Fischtellern, Surfbrettern und anderen Fortbewegungungsmitteln, Ferienunterkünften und was sonst noch alles von findigen Geldmachern mit Moby in Verbindung gebracht wird.

Dem Weißwal, der einstens sein eigenes Geheimnis den Rhein stromaufwärts bis nach Bonn getragen und retour wieder mitgenommen, dazu noch der Umweltbewegung einen kräftigen Push gegeben hat, legt man da allerdings gern und ehrfürchtig ein „Nennt mich Moby-Dick“ ins Maul.

Und ganz bestimmt werden sich auch die Täufer von Kindertagesstätten und die Sauna- und Muckibudenbetreiber bei den symbolträchtigen Benamsungen ihrer Häuser was Großes gedacht haben – fragt sich nur: Was?

Moby Dick, DresdenEines tiefen Nachdenkens wert finde ich vor allem die Namensidee für ein ohne Frage sehr lobenswertes Kindergesundheitsprojekt - ob man sie wohl etwas skurril nennen darf? Oder habe ich den tiefen Sinn des Ganzen nur nicht verstanden?

Die Begegnungen mit ähnlichen Merkwürdigkeiten sind Legion. Und lassen einen mit einem leisen Kopfschütteln auf die „Pequod“ zurückkehren wie an einen Zufluchtsort, an dem Moby-Dick noch das ist, was Melville um ihn gewoben hat. Unergründlich… vielleicht – aber auf jeden Fall ganz anders.

Moby Blau-aber-Nützlich