Archive for the 'Kommandobrücke' Category

h1

Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu gratulieren

6. Mai 2008

Das geht einem Haufen Leute in meinem Alter so. Trotzdem danke.


Hildegard Knef: Der alte Wolf, aus: Ich bin den weiten Weg gegangen, 1974.

h1

Korrekt gekleidete Melville-Leser weiter auf eigene Zukäufe angewiesen!

16. April 2008
h1

Nackige und nachlässig gewandete Melville-Leser zum letzten Mal aufgerufen!

14. April 2008

Update zu Melville-Leser nackt!,
Katze von der Steuer absetzen! und
Melville-Leser möglicherweise etwas luftig für die Jahreszeit angezogen!:

SchlangenlesemädchenEs ergeht der letzte Aufruf: Morgen, Dienstag, den 15. April 2008, um 23.59 Uhr ist Einsendeschluss für das Gewinnspiel in Moby-Dick™: Machen Sie ein Nacktfoto (oder wenigstens eins, auf dem Sie nicht so dick eingepackt sind…) von sich, auf dem Sie Ihre Affinität zu Weltliteratur, vorzugsweise zu Herman Melville, darstellen, und gewinen Sie ein top Exemplar Moby-Dick; oder: Der Wal in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen! Ich wiederhole: Das ist morgen!

Raus aus den Klamotten und ein Buch und eine Kamera beschafft! Die Hürde zum Gewinn ist niedrig: Wir reden hier über ein 30-Euro-Buch, da möchte ich einfach ein bisschen beeindruckt werden. Das kann nach meiner freudlosen Jugend doch nicht so schwer sein. Die Kommentare für Fotolinks sind offen.


Bild: War kurz vor der Jahrtausendwende mal in unicum.de.
Glaub ich jedenfalls.
Lied: Eric Idle: I Bet You They Won’t Play This Song On The Radio, ca. 1989, nicht by Monty Python und that’s why auch nicht auf der Monty Python Sings, 1991.

h1

Melville-Leser möglicherweise etwas luftig für die Jahreszeit angezogen!

11. April 2008

Update zu Melville-Leser nackt!
und Katze von der Steuer absetzen!:

Noch vier (in Worten: 4) Tage, um ein Nacktfoto von sich zu machen und Moby-Dick; oder: Der Wal in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen zu gewinnen! Oft sag ich das also nicht mehr! Am Dienstag, den 15. April 2008, um 23.59 Uhr ist Einsendeschluss!

Bilden Sie sich selbst nackt und in Beziehung zu einem Werk der Weltliteratur ab, beeindrucken Sie mich mit Ihrer wahnsinnigen Bildidee und warten Sie auf Post. Wegen des bisherigen Ansturms an Nacktbildern lasse ich ab sofort auch eine gewisse Menge an Kleidungsstücken zu.

Verlinkbaren Speicherplatz für Ihre Bilddateien (bitte mindestens 500 Pixel breit — so breit wie die WordPress-Spalte) für kein Geld finden Sie zum Beispiel hier auf WordPress, bei 23, Flickr, Fotocommunity, Geocities, Myspace oder Photobucket, und meine E-Mail-Adresse ist auch kein Geheimnis für Leute, die freundlich fragen.

Bild: Thongflossy #98 auf Brainhack, 6. November 2007.

h1

Das Hörbuch als Video

8. April 2008

Das nullte (34:56 Minuten Präliminarien) und erste (18:00 Minuten) Kapitel sind fertig.

Woman Listening to Old Recording Device, 1920s

Copyright Lesung: marebuchverlag Hamburg, 2007.
Sprecher: Christian Brückner;
Copyright Übersetzung: Zweitausendeins Frankfurt/Main, 2006;
Copyright Bilder von Rockwell Kent: R.R. Donnelley and Sons, 1930.
Buch mit 2 .mp3-CDs kaufen.

Bild: Woman Listening to Old Recording Device, 1920s, Old Picture of the Day, 11. Mai 2007.

Und das können Sie gewinnen! Noch 7 (in Worten: sieben) Tage!

h1

Katze von der Steuer absetzen!

5. April 2008

icken mit Kate Moss! +++++ Flatratekoksen mit Pete Doherty! +++++ Britney Spears gratis downloaden! +++++ Wii umsonst! +++++ Werbetexte und Webdesigns geschenkt! +++++ tickertickerticker +++++ F

Jetzt, wo ich Ihre Aufmerksamkeit habe, seien Sie daran erinnert: Das Gewinnspiel in Moby-Dick™ läuft noch 10 (in Worten: zehn) Tage.

Das ist viel, wenn man für ein Nacktbild von sich selbst nur eine hundertfünfundzwanzigstel Sekunde berechnet, aber wenig, wenn Sie noch keine Bildidee haben. Die erste davon, natürlich nächstliegende, hab ich jetzt nämlich schon selber verwendet. Bislang deutet also alles darauf hin, dass Moby-Dick; oder: Der Wal in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen bei mir bleibt. Strengen Sie sich mal an.

Handeln Sie ähnlich: Gehen Sie in sich, überlegen Sie, wie Sie in Ihrem nackigen Zustand in Verbindung mit Weltliteratur dargestellt sein wollen, dann kommen Sie wieder raus und gucken nach, wie an Ihrem Gerät der Selbstauslöser geht (Ihrer Kamera nämlich), oder lassen sich von einem Menschen Ihres Vertrauens zur Hand gehen. Hopphopp, Wochenende! So günstig wird die Gelegenheit nie wieder!

Erwähnte ich schon, dass ich von jeher ein heilloser Bewunderer des Genres Outdoor-Akt bin?

Wolf der weiße Wal

Setzen Sie sich nackt auf einen Bücherstapel, den Sie aus der Bücherliste zusammenkaufen! Stellen Sie das 18. Kapitel aus Typee nach! Das Sujet “Was Flaubert in Madame Bovary verschweigt” tut’s auch! Bringen Sie Barefoot Candids aus Antiquariaten bei! Lassen Sie sich Melville-Zitate mit chinesischer Tinte auf den Hintern kalligraphieren! Massieren Sie sich die Brüste mit Walrat! Na, und den Jungs wird schon auch irgendwas einfallen.


Und weil grad noch 1 Minute 56 Zeit ist:

Lied: Die angesäuselte Elfe mit den emoschwarzen Fingernägeln ist Cat Power — gut aufgepasst, das ist die mit Lived in Bars und wahrscheinlich die coolste aus dem Genre Klampfenfee — und raunzt und sitztanzt das viel ohrwurmtauglichere Crying, Waiting, Hoping, das ist eins von Buddy Holly, in einem mädchenhaft simplen Zupf auf MyFlyAway.

h1

There’s no business

3. April 2008

Gewinnspielnachricht 1: Aoife hat im Verbund mit ihrer nirgends näher benannten fünfköpfigen Jury das schöne Buch The Cat Who Killed Lilian Jackson Braun von Robert Kaplow an mich verlost — ein Band aus einer Serie mit so verheißungsvollen Titeln wie The Cat Who Tasted Like Chicken, The Cat Who Was Convinced Herman Melville Wrote “Gold Diggers of 1935″, The Cat Who Hated Donald Rumsfeld oder The Cat Who Was Deported by Donald Rumsfeld. Das konnte nur geschehen, weil ich im Verbund mit einer siebenschwänzigen Katze ein zweiköpfiges Kreativteam gebildet habe, um im bestmöglichen Vierzeiler zu begründen: warum ausgerechnet ich. Dass das Ding auf Amazon im Moment bis 54,26 Euro gehandelt wird, seh ich selber grade erst, ehrlich. Danke, Aoife!

The Cat Who Killed Lilian Jackson Braun auf meinem Schreibtisch

Gewinnspielnachricht 2: Frau Wirtin hat auch einen Wanderpokal. Nachdem Medienberichten zufolge die vergangene Winterurlaubssaison eine besonders erfolgreiche für die Kärtner Gastronomie war, wird Stilke nicht länger anstehen, das gute Stück, das einst von Moby-Dick™ ausging, im Verbund mit ihren siebenköpfigen Kreativteams an weitere Würdige zu verlosen.

Gewinnspielnachricht 3: Das Moby-Dick™-Gewinnspiel vom 1. April läuft noch! Und zwar bis 15. April! Demallernächst geht der Veranstalter (das bin ich) mit gutem Beispiel voran und zeigt, wie’s geht. Das Bild ist schon fertig. Das heißt für Sie: Dann ist die erste Bildidee schon verbrannt. Zögern Sie also nicht so rum und machen Sie Nacktbilder von sich, auf denen Sie Ihre Person mit einem Werk der Weltliteratur in Beziehung setzen. Das macht zufrieden und trägt Ihnen mit gar nicht mal so unverschämt viel Glück eins der schönsten Bücher ein, die es derzeit überhaupt gibt: Moby-Dick; oder: Der Wal in der Übersetzung von Friedhelm Rathjen. Aus den Klamotten und an die Kameras!

Bild: Selber gemacht unter Verwendung von Robert Kaplow: The Cat Who Killed Lilian Jackson Braun und des Wikipedia-Bildes über die unparodierte Cat Who Series von Lilian Jackson Braun.

h1

Jürgen kommt an Bord

14. März 2008

Update zu Stephan kommt an Bord:

“Nun, wie lautet die Meldung?” fragte Peleg, als ich zurückkehrte. “Was hast du gesehen?”

“Nicht gerade viel”, antwortete ich, “nichts als Wasser, allerdings auch einen beträchtlich weiten Horizont, und ich denke, eine Bö kommt auf.”

“Tja, willst du jetzt immer noch die Welt sehen? Willst du Kap Hoorn umsegeln, um noch mehr von ihr zu sehen, hm? Kannst du die Welt nicht auch von dort sehen, wo du stehst?”

Kapitel 16: Das Schiff, Übs. Jendis, Seite 138.

Wolf schrieb am 13. März Jessebird ins Stammbuch:

Geschätzter Kollege — wir von der Pequod hatten da so die Idee, ob du nicht fest anheuern magst?

Meine eigene Überlegung in xing.com (sieht man das ohne Einloggen…?) war: “Unser neuertreuer Begleiter Jessebird, der mit der Linkes-Bein-rechtes-Bein-Umfrage, hat auch den Mummendey und bestätigt die Göskische Anmerkung. — Ein guter Mann eigentlich, mobybegeistert, engagiert und dann auch noch Buchhändler. Sollte man den nicht mal fragen, ob er fest in die Mannschaft will…?”

Antwort von Stephan: “Ein Buchhändler, mobyphil? Immer herein spaziert!! Und willkommen an Bord!” — und wie man die Shipmatin Elke so einschätzen darf, wird die auch das wenigste dagegen haben.

Die Unternehmung heißt im Untertitel “Leben mit Herman Melville”, und von dir kommen die Moby-Zitate mit Verweis auf die eigenen Kinder — ja wie sehr mit Melville gelebt geht denn noch? und fruchtbare Recherchen, die dem Mobyblog gerade so zuträglich sind wie deinem eigenen, hast du ja eh schon betrieben.

Im Falle Jajajaichwillmit bau ich dein Bildchen nebst einem Absatz Kurzvorstellung in die Seite “P.E.Q.U.O.D.” und erwarte aller paar Wochen was Nettes, das ich mit allersorgfältigstem Verweis auf deine Urheberschaft verblogge. Im Falle Nölassmal kann sich auch keiner erschießen ;)

Einsteigen könntest du auch mittendrin, glaub ich — wir fallen ja weder durch übertriebene Hetze noch durch Dogmatik auf.

Na, nix? )

Worauf derselbe noch selbigen Tags antwortete:

Jürgen Jessebird SchmitteDa machte mein Herz aber einen Hüpfer, als ich das gelesen habe! “It’s an honor; I consider it an honor.”
Ich würde mich ganz außerordentlich freuen, bei diesem wunderbaren Projekt mitmachen zu dürfen! Habe mich bei Xing angemeldet, auch die letzten Beiträge gelesen, aber noch nicht so ganz herausgefunden, wie ich da eigene Nachrichten schreibe. Das wird aber noch! Also: komme gerne an Bord, Käpt’n! Vielleicht kriege ich ja (bei Xing) nochmal so ‘ne Art Schnellkurs wie ihr da so arbeitet?
Habe ich schon erwähnt, daß ich mich freue? )

Darauf wieder der Wolf:

… und schon geglaubt, wir fragen überhaupt nicht mehr ;)

“Well then, down ye go here, Ishmael, for the three hundredth lay.” (Wir legen zusammen…)

Und kataploff hat Xing einen neuen Kunden und wir unsere beste Konkurrenz auf der eigenen Seite. So sind sie, die Buchhändler: Bestellungen bis 18.00 Uhr über Nacht.

Gil Elvgren, Come on Board

Bilder: Jürgen “Jessebird” Schmitte; Gil Elvgren.
Jürgens Oberbekleidungsfachgeschäft: Jetzt auch mit Louise Brooks!

h1

… for who dreams to find fish in a well?

21. Februar 2008

Another update for My Private Weltverschwörung
and A Note on “Isle of the Cross”:

Lieber Wortarbeiter,

O how I despair of making my words cool and clean like yours. Nevertheless, melvilliana is becoming born again.

http://melvilliana.com

Dein,
Scott

Da wissen wir ja gleich, wer da immer die frisch reingelaufenen Artikel als erstes durch Google Translations schickt (deren Beta-Version erstaunlich gut geworden ist). Dabei wollte ich den Melvilliana in der Linkrolle gerade das grüne Herzchen aberkennen, weil ich nicht die ganze Zeit meine Kundschaft wissenden, wenngleich weinenden Auges auf einen toten Link schicken kann. Schön zu hören, dass er nur schläft.

Und batztadaa, da is er ja wieder und führt Moby-Dick™ als insanely wunderschön and sexy, too. Wow.

...for who dreams to find fish in a well? Herman Melville in Pierre, 1852

h1

Bei Feueralarm zu retten:

10. Februar 2008

Update zur Wolf’schen Bedürfnispyramide
(also There’ll be two winters in the year halt jetzt…):

Herman Melville, Tales, Poems, and Other Writings, ed. John Bryant 2001Das wichtigste hätt ich fast vergessen:

Herman Melville: Tales, Poems, and Other Writings. Edited, With an Introduction, and Notes, by John Bryant. Fluid text editions of Typee, “Camoëns,” “Art,” and “Ur-Billy-Budd” copyright © 2001 by John Bryant, The Modern Library Classics, 2001

Bekannt aus der Bücherliste nebenan. Gerade unter Sie wollen nicht wissen was wiedergefunden. Gibt’s jetzt als Hardcover billiger denn als Taschenbuch (im Bild), wird aber von Auflage zu Auflage teurer, also zacka.

Soundtrack:

Bild: Diptychon Herman Melville: Tales, Poems, and Other Writings, meins.

h1

Pretty Good Kunitzburger Eierkuchen

29. Dezember 2007

Update zu Prokrastination jetzt! und Warum die Doppelgängerin Moby-Dick voraussichtlich nicht lesen wird:

Liedchen

Die Zeit vergeht.
Das Gras verwelkt.
Die Milch entsteht.
Die Kuhmagd melkt.

Die Milch verdirbt.
Die Wahrheit schweigt.
Die Kuhmagd stirbt.
Ein Geiger geigt.

Joachim Ringelnatz: Liedchen, in: 103 Gedichte, Seite 7, 1933

Constantin Brancusi, Portrait James Joyce 1929Als James Joyce nach sechzehn Jahren Arbeit, wegen schleichender Erblindung mit dem Zimmermannsbleistift, mit dem verzwicktesten Buch der Welt, Finnegans Wake, fertig wurde, hatte er gut Lust, ein sehr einfaches Kinderbuch zu schreiben. Wenn dieser Salat — oder muss man es eine Bouillabaisse nennen? — hier fertig ist, was im Laufe von 2014 oder so passieren müsste, bloggen wir auch was ganz Überschaubares.

Es darf gerne etwas Deutsches sein, das recherchiert sich leichter. Kürzlich ist mir wieder jenes alte Haus-, Hof-, Leib-, Magen- und Seelengedicht von Joachim Ringelnatz ein- und aufgefallen, das mir und Ihnen und unseresgleichen von den ersten jugendlichen Manifestationen des Charakters an lebenslang an die Wand genagelt gehört.

Das Frappierende daran ist, dass man mit jeder Zeile davon ein Leben lang nicht fertig wird. Allein die Stelle mit dem Kunitzburger Eierkuchen, wie sie gesagt und wo sie eingebaut wird, ist der Anstoß zum Radikalen Konstruktivimus.

Ideal zum Bloggen; ich denke daran, jede Zeile als eigene Kategorie zu definieren und den Schreibfluss mindestens so lange durchzuhalten, wie wir für Moby-Dick — Futur II: — gebraucht haben werden. Das hätte Tiefgang und wäre schlicht genug, dass die Menschen es haben wollen. — Vorsicht, die Händebreit Wasser unterm Kiel werden gleich ein letztes Mal für heuer seichter.

Wir lesen uns 2008.

Ansprache eines Fremden
an eine Geschminkte
vor dem Wilberforcemonument

Guten Abend, schöne Unbekannte! Es ist nachts halb zehn.
Würden Sie liebenswürdigerweise mit mir schlafen gehn?
Wer ich bin? – Sie meinen, wie ich heiße?

Liebes Kind, ich werde Sie belügen,
Denn ich schenke dir drei Pfund.
Denn ich küsse niemals auf den Mund.
Von uns beiden bin ich der Gescheitre.
Doch du darfst mich um drei weitre
Pfund betrügen.

Glaube mir, liebes Kind:
Wenn man einmal in Sansibar
Und in Tirol und im Gefängnis und in Kalkutta war,
Dann merkt man erst, daß man nicht weiß, wie sonderbar
Die Menschen sind.

Deine Ehre, zum Beispiel, ist nicht dasselbe
Wie bei Peter dem Großen L’honneur. –
Übrigens war ich – (Schenk mir das gelbe
Band!) – in Altona an der Elbe
Schaufensterdekorateur. –

Hast du das Tuten gehört?
Das ist Wilson Line.

Wie? Ich sei angetrunken? O nein, nein! Nein!
Ich bin völlig besoffen und hundsgefährlich geistesgestört.
Aber sechs Pfund sind immer ein Risiko wert.

Wie du mißtrauisch neben mir gehst!
Wart nur, ich erzähle dir schnurrige Sachen.
Ich weiß: Du wirst lachen.
Ich weiß: daß sie dich auch traurig machen.
Obwohl du sie gar nicht verstehst.

Und auch ich –
Du wirst mir vertrauen, – später, in Hose und Hemd.
Mädchen wie du haben mir immer vertraut.

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut.
Wo mir alles rätselvoll ist und fremd,
Da wohnt meine Mutter. – Quatsch! Ich bitte dich: Sei recht laut!

Ich bin eine alte Kommode.
Oft mit Tinte oder Rotwein begossen;
Manchmal mit Fußtritten geschlossen.
Der wird kichern, der nach meinem Tode
Mein Geheimfach entdeckt. –
Ach Kind, wenn du ahntest, wie Kunitzburger Eierkuchen schmeckt!

Das ist nun kein richtiger Scherz.
Ich bin auch nicht richtig froh.
Ich habe auch kein richtiges Herz.
Ich bin nur ein kleiner, unanständiger Schalk.
Mein richtiges Herz. Das ist anderwärts, irgendwo
Im Muschelkalk.

Joachim Ringelnatz: Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforcemonument, in: Kuttel-Daddeldu, Seite 61f., 1923

Lied (Hold onto nothing as fast as you can — still: a pretty good year):
Tori Amos: Pretty Good Year, aus: Under the Pink, 1994;
Bild: Constantin Brancusi: Frontispiz aus James Joyce: Tales Told of Shem and Shaun, Paris 1929. Portrait von James Joyce ohne Antlitz.
Das untere ist eins von Gil Elvgren.

Schöne Restfeiertage von Gil Elvgren

h1

Dass man immer so deutlich werden muss

1. Dezember 2007

Update zu Schrott für alle:

Ich kann recherchieren bis es blutet, mir lesen die Kunden hier immer nur das Geständnisstöckchen und das alte hingeschlonzte Ding über Pinguine, wobei wenigstens im letzteren noch eine Melvillestelle vorkommt, die es sonst nirgends on- oder offline auf Deutsch gibt und die ich im Schweiße meiner Künstlerpfötchen abgetippt hab.

Für eine fruchtbare Beschäftigung mit Herman Melville braucht’s heutzutage nicht einfach eine Kaugummiautomatenausgabe Moby-Dick, sondern da schaffen Sie sich, wo Sie so schön seit August 2006 durchhalten, endlich die Inkunabeln der Melvilleforschung an:

Warum genau die alle, erfahren Sie in den einschlägigen Weblog-Einträgen und der angeschlossenen Bücherliste. Die Suchfunktion ist rechts oben. Ich empfehle das und werde wissen warum und deswegen wird das jetzt gemacht. Eigentlich bin ich ein ganz unautoritärer Mensch, aber über meine Sexualgewohnheiten und die Zubereitung von Pinguinen haben Sie jetzt genug herausgefunden und dürfen die verbleibenden Informationen ab sofort zu dem nutzen, wozu sie gedacht waren.

Der Unterschied zwischen meinen und den “Geschenke-Tipps”, die Sie sonst zu lesen kriegen: Ich denk mir was anderes dabei, als wie viele Anschläge (mit Leerzeichen) mir der PR-Arsch von einem namhaften Marktartikelunternehmen bezahlt. Niemand zahlt mir das. Aber ich würd’s nehmen.

Ist doch Advent und so. Soll man sich doch besinnen und alles. Also: Bitte.

Reading Sailorette

Bild: Juliette.

h1

Schrott für alle

1. November 2007

Raoul Schrott: Die Erfindung der Poesie. Gedichte aus den ersten viertausend Jahren. Eichborn: Die Andere Bibliothek, Band 154, September 1997, vergriffen, heute dtv.

Das lesen Sie jetzt. Ich schreib hier erst wieder was, wenn ich das bei jedem voraussetzen kann.

Sappho

Bild: Sappho.

h1

Phasen eines Umschlags von Deutsch into English

13. Oktober 2007

Less an update but more of the consequence to Emmaline is sugar and spice and all things nice. The Mother-Tongue Remix:

I was thirteen years old when I got my first
very cheap guitar.
I rehearsed a real lot and I wrote one song
each day, I was trying hard.
But my English pronunciation fand ich selber bald zum Lachen,
also fing ich an, deutsche Texte zu machen.

Thommie Bayer: Auf jeden Fall verkehrt/
Ich hab das alles mitgemacht Teil 3,
in: Abenteuer, 1979

Yankee Doodle Spirit of 1776On USA Erklärt, an English native speaker in Germany explains American matters to Germans in Germany in German; on German Joys, an English or German native speaker in Germany or America explains German matters to Germans or Americans in English; on raskal trippin, an exiled New York English native speaker in Berlin, Germany and Montreal, Canada explains hopscotch adventures to those who still keep a hint.

Solely on Moby-Dick™, a bunch of German native speakers have been riddling about English-American matters in German, though English-American native speakers might be most interested. Still we could reach a lot more readers by writing in English. There are more German folks who understand English than English folks who understand German.

Still following? The point is: Contributors to Moby-Dick™ are encouraged to write in a language that is received by prospective readers. Articles will preferably be published in English from now on. For the sake of friendly English-German connections and avoiding to be inverse nazis, German language will still be permitted.

On Moby-Dick™, a bunch of German native speakers in Germany will be trying to explain German-English matters to those who are interested using an idom they were supposed to learn in some kind of English lessons. Thank you.

Bild: Pike-Amite-Walthall Library System, Lizenz: Creative Commons.

h1

Metakram: Als ich einmal mein Theme änderte

4. Oktober 2007

Update zu Neat…:

Randall EnosDie Zeichen der Zeit standen nach einem neuen Outfit. Das neue Theme (das ist bei WordPress das, was woanders ein Template ist) heißt Cutline. Das hat Chris Pearson gebaut. Sieht luftig aus.

Perfekt ist es nicht. Zum Beispiel sollte die Überschrift mit und die Brotschrift ohne Serifen stattfinden statt umgekehrt, der Header will ums Verrecken die statischen Seiten darstellen, der Text pappt sich an Bilder, zu denen man Links-Wrap definiert hat, trotz allem v- und hspace gnaden- und abstandslos dran, die Trennstriche in der Bücherliste werden nicht zentriert, die Überschriften in der Seitenleiste erscheinen ausschließlich versal — lauter Sachen, mit denen man leben lernen muss.

Mit denen man leben wird. Der Kaiser und der Ostblog können das ja auch — wobei der erstere offensichtlich das CSS gemietet hat, um darin herumzuändern, aber da hab ich jetzt meinen Dickschädel. Alle anderen Themes in der Auswahl benehmen sich noch viel renitenter. Das neue Erscheinungsbild ist demnach bis auf weiteres nicht verhandelbar.

Besonderer Dank geht an Randall Enos, der das Portrait von Herman Melville in druckfähiger Auflösung in seinem Weblog bereitgestellt und mit seinem Segen zur Verwendung freigegeben hat — sowie an die Firma the missing link für Einrichtung und typografische Beratung.

<edit> 4. Oktober 2007, 08:17 Uhr: Nach ausführlichen Diskussionen am lebenden Objekt wurde von Text, Grafik, Typografie und Content Provision entschieden, wieder das Theme Neat einzuführen (so viel zu “nicht verhandelbar”). Das Bild von Herrn Enos bleibt. Abermals danke an alle Beteiligten. </edit>

Weiter mit Inhalt.

Screenshot alter Look Neat!

h1

Jetzt überrasche ich Sie

29. September 2007

Update (kein Überschreiben mehr möglich)
zu Überraschen Sie mich!:

Waschkörbeweise haben uns die Beiträge zum Gewinnspiel Überraschen Sie mich! vom letzten Dienstag die Kommentarfunktion eingebrandet. Sagt ja keiner, dass Waschkörbe immer voll sein müssen und dass es auf die Größe… nein falsch: die Menge ankommt.

Das Entscheidungsgremium ist zu seinem Ergebnis gelangt und benennt unter den beiden Bewerbern — viel besser noch: Bewerberinnen! — zwei Siegerinnen. Wenn ich Herrn Kapellmeister mal um einen gedämpften Trommelwirbel bitten dürfte.

Gewonnen haben (in zeitlicher Reihenfolge des Eingangs):

Frau Wortteufel mit ihrer Bildunterschrift:

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Der nächste, der mir was von Sushi und Stäbchen erzählt, den lass ich kielholen. Arrgh.

Und:

Frau Hochhaushex mit gleich drei Beiträgen:

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Wal: “Pfffföh, is das nu der scheiß Klimawandel oder brauch ich doch ‘n Navi? Ich hätte schwören können, dass ich letzte Woche noch hier durchgeschwommen bin.”

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Darwin (rechts): “Hmmm… war das nicht andersrum mit der Evolution der Wale, sind die nich vom Land ins Wasser…? Bloß gut, dass mir das keiner mehr anhängen kann.”

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880
Ahab (links): “Damn! Neenee Freundchen, sooo haben wir nicht gewettet. Es war ausgemacht, dass ich den Wal sterbe — zumindest hatte ich den Job. Frag Herman!”
Moby: “Ej, mach mich nich von der Seite an, Großmaul ej! Los ej, gehn wir… äh, schwimmen wir raus, ej!”

Frau Wortteufel gewinnt, weil sie es ihrem Reden nach darauf angelegt hat und das Gremium da mal nicht so sein will, das einwandfrei erhaltene Exemplar Max Reinowski: Wal, Wal! Käppen Bornholdts glücklichste Reise ins Eismeer. Mit Zeichnungen des Verfassers. Hörnemann Verlag, Bonn-Röttgen 1973. Moby-Dick 2.0 und alle angeschlossenen Weblogs wünschen ihr so viel Spaß wie möglich damit, würg.

Frau Hochhaushex gewinnt, weil Buchpreise maritimer Thematik versprochen waren, die mare-Ausgaben Nummer 51, 52 und 58, das sind:

  1. Fischen von August/September 2005,
  2. Kapstadt von Oktober/November 2005 und
  3. Japan von Oktober/November 2006.

Drei Beiträge, drei Preise. Mehr hätte das Gremium sowieso nicht dagehabt. Und die hat es auch nur, weil es vor einem Jahr auf seinen eigenen Ratschlag gehört und die reduzierten Aktionsexemplare eingesackt hat. Inzwischen macht Christiane Paul als Mireille Mathieu verkleidet Werbung für die, aber die Zeitschrift ist weiterhin Oberklasse.

Gratulation und vor allem sehr häufigen Dank für Engagement beim Mitdenken, Mühe beim Rumdichten und Spaß am Mitmachen an die Gewinnerinnen, die praktischerweise WordPress-Nachbarn und Impressumsjunkies sind, so dass die Preise an die jeweiligen Adressen gehen, sobald das Gremium mal wieder zu einer üblichen Postöffnungszeit vor die Tür kommt.

Hätten Sie auch haben können.

mare 51 mare 52 mare 58

Bilder: Nolan Preece Antique Prints, mare;
Lizenz: gemeinfrei, Creative Commons.

h1

Überraschen Sie mich!

25. September 2007

Moby-Dick 2.0 macht ein Gewinnspiel!

Sie kennen den Cartoon Caption Contest beim New Yorker? Sollten Sie; dann haben Sie schon Übung.

Das machen wir jetzt auch. Lassen Sie das Bild da unten auf sich wirken und schreiben Sie in den Kommentar, was der Wal sagt.

Besondere Erschwernis, die Sie sich freiwillig auferlegen dürfen und die mich bei der Preisvergabe unter Umständen günstig für Sie bzw. Ihren Beitrag einnehmen könnte: Schreiben Sie nicht, was der Wal sagt, sondern was einer der ihn umstehenden jungen Männer sagt.

Andere besondere Erschwernis, die Sie sich freiwillig auferlegen dürfen, wenn Sie sich als von z.B. Bernd Pfarr beeinflusst verstehen: Schreiben Sie nicht, was irgendjemand sagt, sondern erfinden Sie eine atmosphärisch im Dunkeln funkelnde Bildunterzeile. Seien Sie halt nicht so fantasielos, mein Gott, will ich gewinnen oder Sie.

Zu gewinnen gibt es ein wundervoll erhaltenes Exemplar von Max Reinowski: Wal, Wal! Käppen Bornholdts glücklichste Reise ins Eismeer. Mit Zeichnungen des Verfassers. Hörnemann Verlag, Bonn-Röttgen 1973. Wegen des zu erwartenden geringen Ansturms von Beteiligungen werden weitere wertvolle Buchpreise maritimer Thematik gestiftet; wie ich den hiesigen Betrieb einschätze, gewinnt sogar jeder halbwegs ernstzunehmende Beitrag irgendwas, so bin ich halt. Details entscheidet das Gremium. Das Gremium bin ich, von einem Rechtsweg kann keine Rede sein. Überraschen Sie mich einfach.

Einsendeschluss ist am kommenden Freitag, den 28. September 2007, Herman Melvilles 116. Todestag. Solche Texte entstehen spontan oder gar nicht, außerdem will ich diese unsägliche Schmonzette los haben.

Sperm Whale Plate XXIX Cetacea, Henry J. Johnson 1880

Bild: Nolan Preece Antique Prints. Chalk Manner LithographSperm Whale Plate XXIX Cetacea c. 1880 is a fine example of chromolithography of its day. The registration marks in the lower left corner were used to print several stones of different colors. The Chalk Manner can be seen as a crayon drawing on paper.

Copyright 1880 by Henry J. Johnson is noted at the bottom of the print.

Lizenz: gemeinfrei.

h1

My Private Weltverschwörung

10. September 2007

Stuntkid, Captured by the Sky PiratesDer, die oder das Weblog kam ungerufen, niemand hat danach gekräht, niemandem ist damit geholfen, die Hut des Passworts habe ich mir ungebeten angemaßt, und jetzt hungern in Afrika weiterhin die Kinder, qualifizierte Arbeit bleibt weltweit im Gegensatz zum Besitz von Kapital weiterhin unterbezahlt, und wenn mal der Bundestrojaner vorbeischaut, wird er mich schön auslachen.

In solchen Stimmungen bekommt man gern sowas zu lesen:

Stuntkid, Soul EaterAuf diesem Wege meine Bewunderung und Freude über diese wundervolle Liste, dazu in so warmem Ton. Mehr als ansprechend.

Ich möchte auf diesem Wege auch gern zu “Billy Budd” die deutsche Ausgabe des Diogenes Verlags ans Herz legen, die zusätzlich (im Gegensatz zu Reclam) ein fabelhaftes Essay von Albert Camus enthält. Lesenswert, und “Billy Budd” ist sowieso bezaubernd.

Glückwunsch zu dieser Internetpräsenz! Weiter so!

Danke, Maria (ein halbes Jahr zu spät).

Bilder: Jason Levesque, stuntkid.com; Lizenz: Creative Commons.

h1

Steffi scheint von Bord

4. August 2007

Update zu Stephan kommt an Bord:

Stefanie DrecktrahWir haben sie gemocht. Sie uns vermutlich auch. Wir haben sie unterstützt. Und sie uns. Wir haben ein Lieblingsbuch geteilt, wir sind miteinander gesegelt, wir haben diskutiert, was Freundschaft ausmacht, und ob Wale oder Dosentunfische schützenswerter sind. Wir waren uns einig.

Sie war unser Mann im Verlag, sie zeitigte nicht nur Ergebnisse auf Google, sondern gar auf Amazon, wovor wir Lesebärchen nur neidisch erblichen. Wir bangten mit ihr, als sie die Wohnung, den Internetanbieter und den Lebensgefährten wechselte. Sie hatte Freude an der Sache und immer ein schönes Foto links oben. Wir hatten einander einen Sommer, genauer: zwei halbe Sommer. Und einen Herbst, Winter und Frühling dazwischen. Sie blieb 22 Kapitel lang.

Nach langer, schwerer Faulheit ist Steffi von uns gegangen. Wir harren ihrer Wiederauferstehung. Bis dahin bleiben uns der Schatz ihrer Beiträge und ihr Mahnmal auf der Mannschaft-Seite.

I'll be a good housewife

Und wenn ich jetzt den Rest der Mannschaft einschließlich mich selbst um Luziditäten zu Kapitel 26 bitten dürfte.

Bild: Net-Games.

h1

In 100 Jahren möchte ich geblogrollt werden

22. Juni 2007

Update zu Grimme Non-Mine Award:

Johannes Sprick, Annette von Droste, 1838Wie schön, dass der Grimme Online Award endlich vergeben ist; dann hat das ganze Gekabbel, wer denn nun wann aus welchen Beweggründen aus der Jury ausgetreten wurde, damit man ihn selber prämieren kann, das man gar nicht im einzelnen verlinken mag, sein Ende gefunden.

Besonders schön: Der Preis geht an ein ähnliches Projekt wie Moby-Dick 2.0 – literarisch, 19. Jahrhundert, interaktiv, versucht einen einzelnen Autor (jaja, es ist eine Autorin, geschenkt, geschenkt) zu verstehen, zeigt Spaß an bleibenden Werten – das seit langem da rechts in der Linkrolle wohnt.

Kann sein, dass Nach 100 Jahren möchte ich gelesen werden innerhalb ein paar Tagen fertig geschrieben war: Aus dem Gutenberg-Projekt abkopieren, in eintraglange Abschnitte aufteilen, alle auf einmal mit verschobenem Datum abschicken, damit sie sich in einzwei Jahren nach und nach veröffentlichen sollten, und was Gutenberg nicht hat, aus der dtv-Ausgabe abscannen.

Wenn man da vorher draufgekommen wäre. Aber will man sich wirklich messen mit all den sonstigen Zweitverwendungsplattformen und kritischen Organen für Stromgeräte?

Siehste.

h1

Die wahren Orte sind es nie [aber mach was]

30. Mai 2007

Update zu Eine Biografie von Hillary Clinton:

Antiquariat Kitzinger, München, Schellingstraße 25Kommt morgen jemand beim Antiquariat Kitzinger in der Schellingstraße vorbei?

Heute erfahren: Die Rathjen-Übersetzung von Moby-Dick ist von Zweitausendeins (in diesem besonderen Fall der sinnigste aller Verlagsnamen) in den Zustand der Ramschware übergegangen (nicht abfällig gemeint, ich werd selber bald 40). Und ich seh’s noch beim Kitzinger rumliegen (das ist nicht der, wo sommers der schwarze Kater im Schaufenster pooft, sondern der eins rechts daneben) für 19,90 statt 29,90, vormals 42,80. Kann ich das auf diesem Weg zurücklegen lassen?

Und dann: Links Jendis, rechts Rathjen weiterlesen. Sag noch einer, Literatur wäre was für beschauliche Gemüter.

Die Zwei, Antiquariat Thomas Rezek, München, Amalienstraße 63

h1

Neat…

22. Mai 2007

Update zum Header-Bild:

Theme Neat!Weil ein gewisser Topi Peltonen bei der Herstellung seines ansonsten recht praktikablen Templates, Entschuldigung, Themes bei der Typografie noch nicht mal ganz fünfe gerade sein hat lassen, soll ich mich inhaltlich einschränken.

“Hä?”

Okay, von vorn. – Die Beitragsüberschriften sind ja wohl ein Witz. Wer hat sowas erlaubt, dass der Permalink ausgerechnet auf der Headline liegt? Noch besser: Wer hält für zulässig, dass Headlines in Blocksatz stattfinden? Und wer unterbindet, dass man Headlines wenigstens mit handelsüblichem Grundschul-HTML formatieren kann?

Besagter Topi Peltonen. Nun leben wir im Internet Nummer zwei Punkt null, sind mit jedem über spätestens sieben Ecken vernetzt und verschwägert und dürfen uns deshalb auch beschweren, wenn wir suboptimale Umstände für menschenrechtswidrig halten. – Und? Haben Sie mal www.aamukaste.org, die Präsenz (!) von Herrn (?) Peltonen angeklickt? – So viel dazu.

Die Lösung wäre gewesen, Topi Peltonen konstruktive Vorschläge zu machen, wie er sein Template, Entschuldigung, Theme mittels weniger Eingriffe in die Formatierung der Headlines zu einem wahrhaft perfekten machen kann. Die Lösung ist, fortan nur sehr, sehr kurze Überschriften zu formulieren.

Grünes BuchEs ergeht deshalb der Disclaimer: Meine Ehefrau und Arbeitskollegin Vroni Gräbel hat nichts und wieder nichts mit der Gestaltung des Templates, Entschuldigung, Themes Neat!, das im Weblog Moby-Dick 2.0 verwendet wird, zu tun. Sie hat es weder gebaut noch gut geheißen und wird es aus Gründen auch nicht tun.

Das Header-Bild dagegen wurde von ihr abgenommen, und das ist ja dann auch wirklich gut.

Ferner ist Moby-Dick 2.0 einer korrekten deutschen und englischen Rechtschreibung verpflichtet und setzt sein Leben darein, ein blitzsauberes Deutsch vorzulegen. Das hilft denken. Und was haben die Typografen, die Herr über ihre CSS sind? Ein schönes Template, Entschuldigung, Theme.

h1

Grimme Non-Mine Award

13. Mai 2007

The Poems of Herman Melville, RobillardJetzt kann ich’s ja sagen: Ich hab Moby-Dick 2.0 im März fristgerecht zum Grimme Online Award angemeldet. Die Nominierungen sind bekannt, und wieder einmal zeigt sich: Es reicht nicht bei jedem, sein Bestes zu geben.

Natürlich war die Aktion vermessen. Ein semipopulärwissenschaftlicher Nischen-Weblog mit gelegentlichen anzüglichen Auswucherungen muss von beschränktem öffentlichem Interesse sein, und dann schlägt sich schon wieder so ein Ego-Frettchen via Anbieter-Formular selber vor, weil sich keine anderen Fans finden und obwohl er offiziell noch drei Mitautoren hat, und ein Preisträger-Interview im Fernsehen hätte der Nerd, der sowas erwartbar betreiben muss, ohnehin nicht durchgestanden.

1300 Bewerbungen, darunter Die Zeit, Stefan Niggemeier und der Moby-Dick 2.0 thematisch nahe, dabei qualitativ bedeutend höher stehende USA-Erklärer: Gerade aus Kelchen, die so utopisch weit vorüberziehen, nicht trinken zu können, hat paradoxerweise auch einen erleichternden Aspekt. Es ist schon okay, wie es ist. Meine in den meisten Fällen neidlosen Glückwünsche begleiten alle 20 Nominés.

Viel wichtiger: Kurz nach den Grimme-Nominierungen erreichen mich The Poems of Herman Melville, mein Geburtstagsgeschenk an mich (verspätet). Die einzige gültige Ausgabe von 1976, revidiert 2000, nach der in nachzählbarer Zukunft wohl nichts mehr kommen wird, England-Import für weniger als den halben Neupreis, previously unpossessed. Das liest sich neben den nächsten Moby-Kapiteln auch nicht von selber. Die Arbeit ist nicht annähernd getan, sondern mehrt sich.

So hat alles einen tiefen Sinn.

Fliers Welt hat's auch versucht

h1

Kanadische Walkunde aus Plastikstühlen

27. März 2007

Update zu Walskelette gucken:

Brian Jungen gilt als der wichtigste kanadische Künstler seiner Generation (Jahrgang 1970). Die Villa Stuck in München ist noch bis 20. Mai 2007 die einzige deutsche Station seiner Ausstellungstournee durch Europa.

Zum Beispiel: Seine Serie von drei Walskeletten aus Plastikstühlen, die Knochen von Cetology 2002, sind untrennbar verknüpft mit einer ganzen Reihe möglicher Assoziationen – im Material verankerte Verknüpfungen, die die Grenzen von Plastik, naturkundlichem Anschauungsobjekt, Kritik am Warenfetischismus und religiös, politisch oder romantisch besetzter Symbolik transzendieren (und wahrscheinlich sowieso das Sinnvollste, was man aus den Folterschrebergartenstühlen nachlässig geführter Café-Freisitze machen kann).

Moderatoren des Zündfunk machen die Führungen gratis. Handlungsanweisung: Hin.

Danke an Frau Fernseherin für Aufmerksamkeit!

h1

Diskussion: Über die Magie des Bösen

25. Februar 2007

Niemals wird die Magie des Bösen mächtiger wirken, als wenn jemand glaubt, das Böse besiegen zu können mit den Instrumenten des Bösen.

Das sagt Eugen Drewermann in seiner Interpretation zu Moby-Dick.

Ein Satz, der erschreckend an die Rhetorik des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush erinnert. Das sagt Dr. Werner Fuchs in seiner Besprechung zu Drewermanns Buch. Und anhand solcher Parallelen wird schon fast körperlich die Aktualität Herman Melvilles spürbar.

Oder?

Könnte Bush das gesagt haben? Wäre er dazu intelligent genug oder müsste man solche Aussagen auf seine reduzierte Gesamtverfassung zurückführen? Wie würde so ein Satz von Bush in der Welt aufgenommen? Könnte man ihm zustimmen? Wäre so eine Aussage doch eher einem Bush-Gegner zuzuschreiben? Hätte er damit Recht? Heiligt der Zweck die Mittel? Muss man den Teufel in der Hölle bekämpfen? Muss man ihn denn bekämpfen? Wer ist dazu berufen? Ist jeder dazu verpflichtet? Ist irgend jemand dazu befugt? Hat Captain Ahab das Böse bekämpft? War er selbst böse? Warum? Weil er sich der Instrumente des Bösen bediente? Ist, wer böse handelt, böse? Was macht einen guten Menschen aus? Entsteht moralisches Handeln bestenfalls zufällig?

Sind das zeitgemäße, sind es wichtige Fragen oder kann oder sollte einem das wurscht sein?

Die Kommentarfunktion ist offen.

h1

Melvilles Reisen (des anderen)

17. Februar 2007

Wer Melvilleana hinterherjagt, findet bald zu zahlreichen Melville Locations, nämlich mit dem Zeiger auf Google Earth und meistens in Nordpolnähe.

Die Melville Bay, Melville Lake, Melville Peninsula, Melville Sound und mein neues Fernwehobjekt, die Melville-Insel, wo der Moschusochse Flechten käut, liegen in Kanada dort, wo kein Erdkundelehrer mit seinem VW-Bus hinkommt. Allein die andere Melville-Insel liegt entgegengesetzt, nördlich Australien vorgelagert.

Enttäuschend nur: Die heißen nicht so, weil man da so viele weiße Wale trifft, und nicht mal nach dem schottischen Reformer Andrew Melville, sondern nach dem 2. Viscount Melville Robert Dundas, Sohn des ersten Henry, für fortgesetzte Verdienste in der Erforschung der Arktis.

Was mich nicht abgehalten hat, die deutschen Wikipedia-Artikel für die Melville-Halbinsel und den Melville-Sund anzulegen. Ich vernerde immer rasanter.

Bild: Melville Island, Canada: Wikimedia Commons.

h1

Gewinnen mit Moby-Dick 2.0: Dreifach tolle Preise!

21. Januar 2007

This Eintrag is an Update zu Quohog. sein Zeichen:

Moby Dick, Bild Reclam-Ausgabe, gedruckt 1972; Link zur Insel-AusgabeDabei hätte ich als erster drauf kommen müssen: Blättern in alten Papieren macht noch am klügsten. Die Moby-Dick-Übersetzung von Alice und Hans Seiffert bringt brühwarm auf Seite 138 oben Queequegs Zeichen, wie es Melville in sein Manuskript gemalt haben muss: als Unendlichkeitszeichen.

Preisrätsel 1:

Wer mir sagen kann, ob so ein Unendlichkeitszeichen in Form einer liegenden Acht auf einen mathematischen Fachterminus hört (und wenn ja, auf welches, Sie Schlauberger…), gewinnt eine lobende Erwähnung hier im Weblog.

Preisrätsel 1a:

Wer mir sagen kann, wieso das Bild links oben im Beitrag nicht aus dem Original stammen kann, kriegt anerkennend in die Wange gekniffen.

Preisrätsel 2:

Wer mir zur Veröffentlichung hier im Weblog eine Reproduktion von Queequegs Zeichen aus einer Originalfassung beschafft, sei es als digitale Bilddatei oder als analoges Stück Papier, gewinnt die jeweils gerade bei amazon.de am billigsten erhältliche Ausgabe der Moby-Dick-Übersetzung von Alice und Hans Seiffert, von Insel oder von Reclam – und die lobende Erwähnung in erweiterter Form gleich mit dazu, da bin ich wirklich nicht so.

Preisrätsel 3:

Wer mir schlüssig begründen kann, woher Alice und Hans Seiffert anno 1956 wissen konnten, wie Queequegs Zeichen aussah, obwohl das Manuskript von Moby-Dick, wie wir wissen, nicht erhalten ist (gab ja nüscht in d’r Zone…), gewinnt hohes wissenschaftliches Ansehen.

Moby Dick an der IsarDie Auswahl der Gewinner unterliegt meiner blanken Selbstherrlichkeit; Einsendeschluss ist, wenn ich es sage. Von einem Rechtsweg kann keine Rede sein.

h1

Quohog. sein Zeichen.

15. Januar 2007

This entry was pimped on 15. Januar 2007:

Außerdem it is closely connected to the Preisrätsel!

Je nach Zählung existieren online 54 oder 56 englische Volltexte von Moby-Dick, auf Deutsch überhaupt keiner, und von den englischen bringt keiner Queequegs Zeichen als Bild, nicht mal die in .pdf-Format, die es technisch leicht einfügen könnten, sondern geben es durch den Platzhalter

Quohog.

his X mark.

wieder. Diesem Missstand hilft Moby-Dick 2.0, Ihr Lieblingsblog für kauzige Nischeninhalte der Weltliteratur, ab. Die Fotografie stammt von Seite 164 in meinem Exemplar der deutschen Übersetzung von Matthias Jendis, die Sie auch kaufen sollten. Das Copyright wird deshalb der Hanser Verlag inne haben.

Queequegs Zeichen ähnelt in den Druckausgaben fatal einem Eisernen Kreuz, das Melville allerdings 1851 in seiner heutigen Bedeutung unbekannt gewesen sein dürfte. Überhaupt widerspricht diese Form Melvilles Beschreibung: an exact counterpart of a queer round figure which was tattooed upon his arm, das als illustration of the infinity sign angegeben wird. Nun ist das Manuskript von Moby-Dick nicht erhalten; trotz allem liegt nahe, dass der Schriftsetzer der Erstausgabe einfach eine Type verwendete, die im Gegensatz zur queer round liegenden Acht des Unendlichkeitszeichens gerade zur Hand war.

Weil ich nicht entscheiden müssen will, ob man Bilder übersetzen kann und ob sie Bestandteil einer Übersetzung sein können oder Teil der Originalvorlage bleiben, mag es auch beim amerikanischen Rechteinhaber von Moby-Dick, den es nicht gibt, liegen, oder bei Herman Melvilles Erben oder was weiß denn ein kleiner Blogger. Ich zitier das nur und empfehle jedem, der es verwenden will, wenigstens anstandshalber bei Hanser anzufragen.

h1

Schon jetzt: Das Schnäppchen des Jahres 2007: Melville auf Ebay:

4. Januar 2007

Aktuell! Dringend! Jetzt! Zackzack! Sofort zuschlagen! – : Auktion endet am 9. Januar 2007 um 19.05 Uhr (das ist am Dienstag):

Drei (!) Bücher, das sind: sechs (!!) Romane plus alle (!!!) kürzeren Erzählungen von Herman Melville, die alten, teuren Ausgaben bei Artemis & Winkler, übersetzt von Richard Mummendey: Moby Dick, Redburn, Israel Potter, Typee, Omoo, Weißjacke, Sämtliche Erzählungen einschließlich Bartleby, Benito Cereno, Billy Budd, Encantadas und allem.

In dieser Vollständigkeit und Qualität der Übersetzung und der Kommentierung nebst Nachworte und in so einer liebevollen Ausstattung gab es erst neulich wieder eine vergleichbar feudale Werkausgabe bei Hanser. Und die Sämtlichen Erzählungen gab es überhaupt nicht wieder. Außer auf Englisch.

Zustand laut Ebay-Beschreibung neuwertig. Dünndruck auf Persia Bibeldruckpapier, das sich geradezu erotisch anfasst. Selber kauf ich die Dinger allein deswegen nicht, weil ich sie schon hab, ätsch.

3x Melville

“Och nö”? – Selber schuld.

Disclaimer: Das verbreite ich ausschließlich aus meiner angeborenen Großherzigkeit heraus. Ein materieller Nutzen erwächst mir daraus nicht.

h1

Ab heute neu in der Blogrolle:

17. Dezember 2006

Die so dicke Bretter wie wir bohrenden Kollegen (vielleicht, ja nahezu sicher, sind es auch Kolleginnen) von den Projekten:

Lewis Carroll: Alice In Wonderland, das zu jedem Kapitel beider Bände wissenschaftlich benutzbare Essays dort aufführt, wo man sie braucht (englisch); in der Blogroll am 20. Februar 2007 umgelinkt auf alice-in-wonderland.net, da findet man das gleiche, nur über Umweg;

John Milton: Paradise Lost, das fast mehr zum Werk aufführt, als man je wissen wollen wird (auch englisch, logisch) (Vorsicht Bürosurfer: Da bricht umgehend ein Heidenkaracho los);

Marcel Proust: A la recherche du temps perdu, das einem das Lesen von 5000 Seiten pathologischer Langeweile erspart, darin dem Moby-Dick-2.0-Projekt am nächsten verwandt: gleich zwei Weblogs über die Lesereise im Bauch des Wals von einem Buch, beide schon länger nicht mehr upgedatet, was uns eine Lehre sein sollte (alles davon englisch, was im Falle Proust schon nicht mehr ganz so selbstverständlich ist).

Auf die Gefahr hin, der der ansonsten zutiefst verwerflichen Selbstreferenzialität von Weblogs anheim zu fallen: Hey – Menschen beschließen, bis auf weiteres sehr tiefe Gedanken und einen großen Haufen Arbeit auf ein altes Buch zu verwenden. Sie schließen sich dafür zusammen und tauschen sich mit den jeweils modernsten Mitteln der Technik darüber aus, die sich schnurrige Printleser leisten können. Was soll das noch von Meditation unterscheiden, von quasireligiöser Arbeit an jenem rauhen Stein, der die Seele ist? Und solang wir das noch machen, wird die Welt nicht zwangsläufig gerettet, aber schon gar nicht vollends verrottet sein.

Ingres, La Grande Odalisque, Louvre, Paris, 1814

h1

Auf nach Nantucket

1. November 2006

Google Maps empfiehlt, Nantucket von New Bedford aus über Cape Cod anzufahren.
Ich vermisse den Fährenplan.

Nicht auf Nantucket spucken!

h1

Übersetzung The Lightning-Rod Man: Der Blitzableitermann!

26. Oktober 2006

BlitzableitermannWer immer das ist, der, die oder das seit Wochen nicht müde wird, nach übersetzung lightning-rod man zu googeln und fortgesetzt auf meiner Bücherliste rauskommt, darf gerne Laut geben. Dann kriegt er, sie oder es gerne eine Kopie von der Mummendey-Übersetzung, ich bin da wirklich nicht so. Das passt auf vier A4-Seiten und kostet keinen Euro Porto.

“Der Blitzableitermann” gibt’s nämlich nicht als Online-Text und wenn doch, soll er, sie oder von mir aus auch es erst recht was sagen. Bitte.

h1

Mummendey hatte Recht

12. September 2006

Also mein persönlicher Internet-Fund des Monats sind ja die beiden Links zu Putnam’s Monthly Magazine und Harper’s New Monthly Magazine, in denen Melvilles abgelegenere Geschichten erschienen sind. Schön, das schon Mitte des Monats zu wissen.

In meinem alten Melville, übersetzt, kommentiert, erläutert, bibliografiert, herausgegeben und auch sonst mit selbstangebautem Grießbrei gefüttert von Richard Mummendey, stehen seit vor 1960 kryptische Quellenangaben, die von lange vergessenen und eingestampften amerikanischen Literaturzeitschriften handeln. Fünfzig Jahre später ist die Menschheit so weit, sie morgens um drei im Internet nachgucken zu können. Über Mummendeys Übertragungen kann man stellenweise diskutieren, aber insgesamt war es schon a piece of lion work, und wenn man nach seinen Arbeiten seine Bücherliste verlinken will - : Batz! ist alles da.

Die USA sind für alles mögliche beliebt und berüchtigt, nur nicht für geisteswissenschaftliche Grundlagenforschung. Making of America erinnert einen dann wieder daran, dass sie non solum den einen oder anderen Krieg, sed etiam die systematische Ausbildung in Creative Writing erfunden haben, und der nächste, der ich weiß nicht wem nachsabbelt, “Die Amis ham ja ka Kuldur, nix Eigns und alles vo di andern Länder abgschaut”, fängt eine. Es ist eine junge Kultur, auf irgend einen anderen Steinbruch wird sie sich beziehen müssen. Wie weit waren die Deutschen nach 300 Jahren ihrer eigenen Geschichte? Jedenfalls anderthalb Jahrtausende von dem Wissen entfernt, wer sie überhaupt sind.

Ich stelle mir vor, wie ein entsetzter Hiwi dazu abgestellt wurde, aus dem Uniarchiv so viele Jahrgänge von Putnam’s und Harper’s auszuleihen, wie er auf seinen Ausweis kriegen konnte, und sie zum Scanner in dem staubigen Büro der Bibliothek von Cornell zu schleppen. Missmutig und mit den Gedanken bei seinen Kumpels, mit denen er am Freitagabend wieder im Cabrio beim Table-Dance vorfahren wollte, brach er jedem Einzel-Issue das Kreuz, dass vergilbter Papierabrieb herausrieselte, und legte manche Blätter ein bisschen schief auf.

Der Nächste, der sich von dem selbstverständlich geißbärtigen, vieräugigen projektleitenden Professor misshandelt vorkam, war der mit einer Staubschicht überzogene Nerd im Computerraum, der aus den Scans eine Website bauen sollte. Das hielt ihn wochenlang vom Counterstriken ab, aber wenigstens hielt der Prof danach bis auf weiteres den Mund.

Und es war den beiden überhaupt nicht klar, was sie da zum Fortschritt der Menschheit beitrugen: Grundlagenforschung aus der Zeit, als ihr Land, auf das stolz zu sein man sie ihre ganze Education lang gelehrt hatte, genau halb so alt war wie jetzt. Als ihnen auffiel, dass eine Geschichte von Melville in der selben Ausgabe wie eine Fortsetzung eines Dickens-Romans ersterschienen war, unterlief ihnen eben doch ein anerkennendes Nicken.

Die etwas davon haben, sollen gern noch eine Zeitlang ihr Web 2.0 durchs Dorf treiben. Der wahre Wert des Internet ist doch, dass in ihm das Wissen über die Zeiten und Plattformen getragen werden kann.

Putnam und der Wolf

h1

Bonny Approaches the Ocean

30. August 2006

Sollte ich miese kleine Landratte vergessen haben, den Neuzugang zu begrüßen?