Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for the ‘Meeresgrund’ Category

Mariä Weltumsegelung

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Anahita Zarineh Paul, 31. Juli 2011

Das Facebookianum: In Bayern ist heute Feiertag.

Anahita Zarineh Paul, 31. Juli 2011

Egal… Wenn du lange genug nach Osten fliegst, kommst du nach Westen.

Dagobert Duck zum fliegenden Teppich,
in: Onkel Dagobert und der fliegende Teppich,
i.e. Rug Riders in the Sky, 26. Dezember 1963,
Melzer-Übersetzung.

Anahita Zarineh Paul, 31. Juli 2011

Wir lagen noch immer im heimischen Bett
Mit ausgestreckten Knochen.
Wir rieben uns aus den Augen den Schlaf,
Und haben gähnend gesprochen:

»Die Welt ist rund. Was nützt es am End’,
Zu schaukeln auf müßiger Welle!
Der Weltumsegler kommt zuletzt
Zurück auf dieselbe Stelle.«

Heinrich Heine: Unsere Marine. Nautisches Gedicht, in: Zeitgedichte, Mai 1844.

Anahita Zarineh Paul, 31. Juli 2011

Weltumseglerinnenbilder: Anahita Zarineh Paul: 1; 2; 3; 4, 31. Juli 2011.

Written by Wolf

15. August 2012 at 3:51 pm

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The whiteness of the abundant marine resource

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Update zu Elkes Kapitel 41: Dreh es o Seele:

Es sind wohl die ersten Fotos und Videoaufnahmen eines solchen Meeressäugers überhaupt. Wissenschaftler und Artenschützer haben im Nordpazifik einen komplett weißen erwachsenen Schwertwal-Bullen aufgespürt. Vermutlich handele es sich um einen Albino, berichtete die österreichische Artenschutz-Agentur Shifting Values über die Entdeckung des Far East Russia Orca Projects (FEROP). Erwachsene Albinos seien unter den Walen selten, weil sie empfindlicher für Sonnenbrand seien und schlechter sehen könnten. Dadurch seien sie etwa auf der Jagd nach Beutetieren im Nachteil, was letztlich auch ihre Lebenserwartung schmälere.

Das Team der Universitäten Moskau und Sankt Petersburg hatte den weißen Orca schon vor einiger Zeit vor den russischen Kommandeurinseln gesichtet. Wegen seiner hoch aufragenden weißen Rückenflosse tauften die Experten ihn Iceberg (Eisberg). Der Schwertwal lebt in einer Schule mit zwölf weiteren Orcas. Icebergs Familie sei einer von 61 identifizierten Sozialverbänden in der Region, erläuterte die Agentur. Die meisten davon seien ortstreue Familien, die sich ausschließlich von Fisch ernährten.

“In vielerlei Hinsicht ist Iceberg ein Symbol für alles Unverfälschte, Wilde und Außergewöhnliche, was da draußen im Ozean noch darauf wartet, entdeckt zu werden”, sagte FEROP-Co-Direktor Erich Hoyt. “Die Herausforderung besteht darin, das Meer intakt zu halten, so dass solche Überraschungen immer wieder möglich sind.” Icebergs Heimat gehört zum größten russischen Meeresschutzgebiet. Artenschützer fordern eine Ausweitung der Schutzzone, um die dort lebenden Tiere vor der zunehmenden Öl- und Gasförderung in der Region zu schützen.

Bei Walen und Delfinen gebe es nur vereinzelte Sichtungen erwachsener Albinos, erläuterte Shifting-Values-Gründer Nicolas Entrup. Die fehlende Pigmentierung der Haut mache die Tiere unter anderem anfälliger für Hautkrebs. Mehr zu schaffen mache ihnen ihre verminderte Sehfähigkeit, die bei vielen Albinos das Leben deutlich verkürzen dürfte. Die Meeressäuger sind für die Jagd auf gute Augen angewiesen. Alternativ kann auch eine Genmutation namens Leuzismus zu fehlenden Pigmenten führen. Beim Leuzismus fehlen die pigmentbildenden Zellen komplett, während sie beim Albinismus nicht in der Lage sind, Pigmente zu bilden.

Schwertwale leben gewöhnlich in stabilen Familienverbänden. Dabei haben sich zwei Lebensweisen herausgebildet: Sesshafte Orca-Gruppen sind mit etwa acht Tieren größer und haben sich auf Fischschwärme als Nahrung spezialisiert, die sie bei der gemeinsamen Jagd einkreisen. Wandernde Schwertwal-Gruppen sind kleiner und jagen andere Meeressäuger. Sie bestehen typischerweise aus nur drei Tieren.

Diese beiden Orca-Typen seien so verschieden, dass sie kaum mehr als das äußere Erscheinungsbild verbinde, erläuterte Entrup. Das müsse bei den Schutzbemühungen berücksichtigt werden. Schwertwale nähmen als größte Vertreter der Delfinfamilie die wichtige Funktion der Großjäger im Nahrungsnetz des Meeres ein.

Ein Orca, so weiß wie ein Eisberg in: Die Zeit, April 2012.

Woraus wir lernen: Weiße Wale, zumindest die der Sorte Orca-Schwertwal, sind im Gegensatz zu Haien nicht nur anfällig für Krebs, sondern sogar für Sonnenbrand. Wer sich monate- und jahrelang damit beschäftigt, wie wehrhaft so ein blasses Ungeheuer sein kann, traut ihnen das gar nicht zu. Wer seinen Gelderwerb darin sieht, ein Land mit Walhappen zu versorgen, das seine eigenen Wale nur noch “zu wissenschaftlichen Zwecken” jagen darf (und Wale immer noch für Fische hält), offenbar auch nicht. Bitte unterzeichnen Sie gegen die letztere Frechheit:

Every year in Iceland, thousands and thousands of critically endangered fin whales are killed for their meat, by an Icelandic whaling company, called Hvalur. Kristjan Loftsson, the big boss of Hvalur exports this whale meat to Japan, where it is considered tastier than Minke whale meat.

However, there is a dying market for whale meat in Japan. If every single one of us can sign this petition, then we could help end this cruel slaughter forever.

The following statement was said by Kristjan Loftsson: Whales are just another fish for me, an abundant marine resource, nothing else.

So, if you would like to end the whale slaughter in Iceland, then please sign this petition.

Klaus Jost, Weißer Wal. Mauergraffiti

The whiteness of the abundant marine resource ist ein Gemeinschaftsartikel
aufmerksamer Moby-Dick™-Leser:
Der weiße Orca wurde gesichtet von Archegonus;
die Petition wird nachdrücklich empfohlen von der Wölfin;
das Bild stiftete Klaus Jost. Endlich passt es zum Thema.

Danke an alle!

Written by Wolf

1. May 2012 at 12:01 am

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München unterm Meer: Das nächste Mal musst du mitkommen

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Update zu Sunk by something big, mythological, and white:

Adolphe SaalfeldIn diesen Minuten vor einhundert Jahren müsste die RMS Titanic unter Wasser mitten auseinandergebröselt sein. An Bord außer 1500 Todesopfern: Adolphe Saalfeld, geboren 1865 in Deutschland, gestorben Samstag, 5. Juni 1926 in Kew Gardens, Surrey. Grab in Section B, Row 30, Position 30, Hoop Lane Cemetery, Golders Green, London.

Dear [Wifey?], Thanks for your letter. I just had an hours roaming abt. on this wonderful boat together with Paul. I like my cabin [C-106] very much. It is like a bed-sitting room & rather large. I am the first man to write a letter on board, they are still busy to finish the last touches onboard. Au revoir in Whitweek please God! Love to you all! And a Kiss for you!

Nach Spink Smythe.

Nach den seit 1985, als das Wrack überhaupt entdeckt wurde, geretteten Dokumenten war Adolphe Saalfeld der erste, der altmodischerweise einen Brief von Bord schrieb, alle anderen nutzten Telegraphie, wenn sie schon mal verfügbar war. Außerdem ist der Mann offenbar die einzige Gewähr dafür, dass auf der Titanic Münchner Spatenbräu nicht nur ausgeschenkt (bestehende Speisekarten verzeichnen “Iced draught Munich Lager Beer”), sondern sogar angenommen wurde: Er habe Suppe, Schollenfilet und Lammkotelett mit Blumenkohl “mit einem großen Spaten-Bier runtergespült”.

Nach allen online auffindbaren Quellen hat der deutschstämmige Herr Saalfeld an seine Frau Gertrude tatsächlich abwechselnd auf Deutsch und Englisch geschrieben. Nach Amerika war er unterwegs, um sein Parfümgeschäft chemists and distillers Sparks, White, and Co. Ltd. von England auszuweiten. Beim Zusammenstoß with dem meistverdammten Eisberg der Welt hielt er sich gerade im Rauchersalon auf. Bei seiner Evakuierung über Rettungsbbot Nr. 3 ließ er in der Kabine seine Parfümmuster zurück, steckte aber noch eine Speisekarte ein. Für den kurzen Rest seines Lebens wurde der bis dahin vermutlich recht gestandene Geschäftsmann (Auswanderung, globaler Handel) von der Katastrophe verfolgt: Er litt an Schlafstörungen und ließ sich nächtens von seinem Chauffeur umherfahren. Seine Dependance in Manchester gab er auf, 1954 erlosch sie ganz.

Saalfelds Frau Gertrude folgte ihm am 27. April 1929 ins Grab. 2000 wurde sein Parüm “Lily of the Valley” gehoben. Die Erlöse aus den Verkäufen des Nachbaus sollen seine kanadischen Nachfahren bei einer Biographie unterstützen.

Nichts davon sagt etwas über die Qualität von Spaten-Bier aus.

A. Saalfeld & Co., Manchester, Floral Otto Lily of the Valley

Siehe auch:

  • Contract Ticket List, White Star Line 1912 (National Archives, New York; NRAN-21-SDNYCIVCAS-55[279]);
  • Names and Descriptions of British Passengers Embarked at the Port of Southampton, 10 April 1912 (PRO London, BT 27/780B);
  • List or Manifest of Alien Passengers for the United States Immigration Officer At Port Of Arrival (Date: 18th-19th June 1912, Ship: Carpathia) – National Archives, NWCTB 85 T715 Vol 4183;
  • The Mail on Sunday (UK), 8 April 2001, Eau de Titanic;
  • RMS Titanic, Inc, Press Release, 21 June 2000, Carpathia – ‘The Most Famous Rescue Ship In the World’;
  • David Pybus (2001) Adolphe Saalfeld & The History of Perfume.

Saalfeld-Portrait: Rebecca Camber: Titanic survivor’s lost scents are finally uncovered, Manchester Evening News, 10. April 2004;
Parfümprobe: Maiglöckchenduft, Spiegel 30. März 2012.

Written by Wolf

15. April 2012 at 12:01 am

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Wale machen Wind für saubere Energie

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Update zu Sushiideen und Designer retten schützen gewinnen:

Dass mir das wieder nicht eher aufgefallen ist. Volker Strübing slammt und verströmt grundsympathisches Air im Übermaß: am Sonntag, den 11. März 2012 im Substanz. Zum Anfixen verlautet ungekürzt sein:

Maßnahmen zur Weltrettung – Heute: Ressource Wal in: Schnipselfriedhof, 19. Februar 2012:

Hinsichtlich des kürzlich vor Belgien gestrandeten Pottwals Teofiel, der jetzt zu Biodiesel verarbeitet werden soll, stellt sich natürlich sofort die Frage, inwieweit Wale zukünftig einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Allein der aus diesem Tier gewonnene Brennstoff liefert immerhin genug Strom, um 14 Haushalte ein Jahr damit zu versorgen. Beim Wal handelt es sich also um einen nachwachsenden Rohstoff von großem ökonomischen und ökologischen Potential.

Volker Strübing, Wale machen Wind für saubere EnergieInsbesondere sei hierbei darauf hingewiesen, dass die Gewinnung von Bio-Diesel aus Walfett gegenüber dem Anbau herkömmlicher Energiepflanzen wie Raps, Soja oder Ölpalmen den Vorteil hat, das weder Regenwälder gerodet, noch eigentlich für den Nahrungsmittelanbau nötige Ackerflächen umgewidmet werden müssen. Die beiden großen Probleme der Biobrennstofferzeugung wären elegant umgangen, kein Baum müsste für Waldiesel sterben, kein Teller bliebe leer – außer vielleicht in Japan, Island und Norwegen, aber der Verzehr von Walfleisch in diesen Ländern stellt ohnehin eine untolerierbare Barbarei dar. Die gutmütigen und intelligenten Riesen sind viel zu schade zum Essen.

Schon einmal zeigten sie, welches Potential in ihnen steckt. Im 19. Jahrhundert gab es in mehreren europäischen Großstädten eine öffentliche Straßenbeleuchtung mit Waltranlaternen. Aufgrund der Ruß- und Geruchsproblematik, der geringen Lichtausbeute und gewisser logistischer Schwierigkeiten, die allabendliche Betankung und Entzündung betreffend, sind diese natürlich keine ernstzunehmende Alternative zur elektrischen Straßenbeleuchtung mehr.

Die Umwandlung von Walen, diesen ebenso liebenswerten wie energiereichen Meeressäugern in Biodiesel hingegen stellt eine zeitgemäße Art dar, unseren flossenbewährten Freunden einen angemessenen Platz im nachhaltigen, umweltschonenden und ethisch korrekten Energiemix der Zukunft zuzuweisen. Denkbar ist zum Beispiel die Verwendung des Waldiesels zum Betrieb riesiger Ventilatoren, die direkt vor Windkraftanlagen aufgestellt werden, um drohende Spannungsabfälle an windarmen Tagen zu vermeiden, und so die Windenergie berechenbarer und handhabbarer zu machen.

Für die nötige Akzeptanz in der Bevölkerung würde eine Imagekampagne der Windparkbetreiber sorgen. Ich seh sie schon vor mir: Ein lächelnder Comicwal, der in eine Spielzeugwindmühle pustet und dazu der Spruch: Wale machen Wind – für saubere Energie.

Natürlich ist es dafür entscheidend, eine dauerhaft ausreichende Versorgung mit den gemütlichen, hübsche Lieder singenden Moppelchen der Meere sicherzustellen. Zu Zeiten der Waltranbeleuchtung ging man leider etwas achtlos mit der Ressource Wal um, weshalb die Waljagd heute nicht mehr ausreichen kann, die benötigten Walmengen bereitzustellen. Und auf gelegentliche verirrte Strandwale zu warten, kann auch nicht die Lösung des Problems sein. Die gute Nachricht ist, dass für ein Land wie Deutschland schon die vergleichsweise kleine Zahl von 1,2 Millionen Pott- oder sogar nur 0,7 Millionen Blauwalen ausreicht, um sage und schreibe 12,3 Prozent des Gesamtenergiebearfs zu decken.

Alternativ ließe sich dieselbe Menge auch durch Verdieselung des dicksten Viertels der US-amerikanischen Bevölkerung erzielen, allerdings gilt diese Bevölkerungsgruppe in Amerika als strategische Energiereserve für den Fall eines arabischen Ölembargos. Die Ausfuhr stark übergewichtiger Amerikaner, auch ins befreundete Ausland unterliegt daher strengen Beschränkungen.

Die Walversorgung muss daher mittels Walfarmen sichergestellt werden. Zum Glück sind Wale, diese tot auf dem Strand liegend so rührend hilflos wirkenden, im Wasser aber sehr agilen und eleganten Giganten, sehr gesellige Tiere, wie geschaffen für die massenhafte Haltung in relativ kleinen Unterwasserkäfigen in Nord- und Ostsee.

Darüber hinaus könnte die Walzucht auch dem Tourismus in der Region neue Impulse geben. Insbesondere Massenschlachtungen in kleinen Buchten wären ein Besuchermagnet, der viel geld in chronisch unterentwickelte Regionen bringen würde. Gegen eine entsprechende Gebühr etwa könnte der Tourist sich einen der lustigen Gesellen reservieren lassen und ihn mithilfe einer Art Speer vom Ruderboot aus höchstpersönlich seiner höheren Bestimmung im Rahmen der Energiewende zuführen. Denkbar sind ferner unvergesslich romantische Hochzeitsfeiern. Denken Sie nur an das Hochzeitsfoto: Der Ehemann im Smoking, bis an die Knie im Wasser stehend, dem tausend ausblutende Moby Dickerchens die Farbe der Liebe verliehen haben, auf den Händen die Braut im weißen Hochzeitskleid, Sonnenuntergang, das ganze Programm halt, wenn ich nochmal heirate, dann nur so.

Selbstverständlich sind vorher noch einige Vorbehalte seitens von falsch verstandener Tierliebe geleiteter sogenannter „Walschützer“ auszuräumen. Hierbei ist vor allem darauf hinzuweisen, dass Wale, wenn sie denn wirklich so intelligent sind, wie allenthalben behautet, die ersten wären, die meinem Vorschlag zustimmen würden.

Es ist doch so: Der Wal steht vor einer historischen Entscheidung. Will er wie bisher fröhlich und gedankenlos in den Tag hineinleben, seine ulkigen Lieder pfeifen und auf das Aussterben warten? Oder ist er endlich bereit, Verantwortung für sich und den ganzen Planeten zu übernehmen und sich Seite an Seite mit seinem besten Freund, dem Menschen, dem Klimawandel und der Abhängigkeit von arabischem Öl und russischem Gas entgegenzustellen? Der Wal kann hierbei nur gewinnen. Der Mensch versorgt ihn mit Nahrung und gewährleistet seine massenhafte Vermehrung. Und wie schon andere Tierarten vor ihm – genannt seien das Schwein, die Kuh oder der Hund – käme der Wal in den Genuss einer durch planvolle Züchtung beschleunigten Evolution und stetigen Verbesserung. Sicher sind damit gewisse Einbußen an Lebensqualität und Freiheit verbunden, und auch die Aussicht, bei Erreichen der Volljährigkeit zu Diesel verarbeitet zu werden, mag nicht allzu erfreulich erscheinen, doch die Einsicht in die Notwendigkeit, der Stolz auf die eigene Rolle bei der Rettung des Planeten und das Wissen um die zahlreichen Vorteile für die eigene Spezies, wird den klugen und emfindsamen Trantönnchen die Unannehmlichkeiten versüßen.

Ich sage: Eine bessere Welt ist möglich. Wir haben die Wal. Denn wir haben den Wal!

Tori Mercedes Walls, i am a pirate you are a princess, 1. Januar 2011

Text & Bild: Volker Strübings & Andreas Krenzkes Schnipselfriedhof, 19. Februar 2012;
anderes Bild (mit Wind drin!): Tori “Mercedes” Walls: i am a pirate you are a princess, 1. Januar 2011.

Written by Wolf

10. March 2012 at 12:01 am

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Sauerlanditis

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Update zu From hell’s heart I stab at thee und Capturing Lafontainitis:

Klaus Jost denkt mal wieder mit und schickt uns:

Oliver Schmeer: OB Sauerlands und Kapitän Ahabs Wa(h)lkampf. Kommentar in: Der Westen, 25. November 2011, 19:36 Uhr:

Duisburg. „Armer Kapitän Ahab“. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Einer von einigen Sätzen in der Ratssitzung zum Abwahlverfahren, die eine Betrachtung wert sind.

Armer Kapitän Ahab. So verglich FDP-Ratsherr Wilhelm Bies Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Foto dapd

Kapitän Ahab. Legendär mit Gregory Peck verfilmt, hat man Herman Melvilles Romanfigur des einbeinigen Walfängers vor Augen, der bis zu seinem Untergang Moby Dick, den weißen Wal jagt, der ihm einst ein Bein abriss. Sturheit bis zur Verblendung.

„Armer Kapitän Ahab“: Die tragische Romanfigur spiegelte FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies in der Ratssondersitzung am Donnerstag auf Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Ein – wenn auch harter – rhetorischer Volltreffer, aber kein Schlag – wie andere – unter die Gürtellinie. Ein Bild zudem, das Sauerland mit seiner Stellungnahme nach der Ratssitzung allzu offenbar bestätigte: Sein Moby Dick ist der politische Gegner. Allein dieses Freund-Feind-Denken, das Abtun der Abwahl als Kampagne gegen den ungeliebten CDU-Mann scheint ihn den Druck aushalten zu lassen. Sauerlands Sicht und auch die der CDU: Die „Roten“ wollen den „Schwarzen“ aus ihrem roten Rathaus, aus dem Amt jagen. Für die CDU ist Sauerland der gejagte Wal.

Shiko Derbyblue, Olive Oil Sings the Blues, 24. Mai 2011Die „Pequod“, Ahabs Walfangschiff, geht in Melvilles Roman unter. Keine Sorge, keine Dramatisierung: Das Schiff Duisburg wird nicht sinken. Doch der drohende Lager-Abwahlkampf wird die Stadt in schwere See bringen.

Kein Wort von Sauerland in seiner Reaktion, um was es bei dem Abwahlverfahren gegen ihn eigentlich geht, was Zigtausende hat das Bürgerbegehren unterschreiben lassen. Es ist die Loveparade, die politisch-moralische Verantwortung, die er hätte übernehmen müssen. Auch daran erinnerte FDP-Mann Bies. Und es geht um das Desaster nach der Katastrophe. Muss man wirklich an Pressekonferenzen, fragwürdige Gutachten, Leugnungen und Verleugnungen, an verbale Fehltritte erinnern?

Stattdessen: Wagenburg, Legendenbildungen. Spaltung der Stadt. Lähmung. Die Loveparade-Katastrophe wird zur nicht heilenden Wunde Sauerland. Auch fraglos für den Betroffenen selbst – trotz aller Bekundungen der Gelassenheit. Natürlich ist der Abwahlkampf nunmehr auch zum Kampf um die Macht im Rathaus geworden. Das politische Leben schaukelt sich hoch. All das hätte nicht sein müssen.

Auch das: Linke lobt die Verdienste des OB

In der Ratssitzung fiel ein weiterer bemerkenswerter Satz: „Sauerlands Verdienste als Oberbürgermeister gerade in der Anfangszeit sind unbenommen.“ Das sagte ausgerechnet Linken-Fraktionschef Hermann Dierkes. In der Tat: Aufgebrochene Verkrustungen mit Sauerlands Amtsantritt nach jahrzehntelanger SPD-Herrschaft, frischer Wind im Rathaus, neue Gesichter an Schaltstellen, Aufbruch namentlich in der Innenstadt, neue Attraktivität für Investoren. Alles richtig und unbenommen. Nur darum geht es längst nicht mehr.

Ein dritter Satz aus der Ratssitzung: „Ich bitte Sie, keine Gräben aufzureißen, die wir nur schwer wieder zuschütten können“, appellierte Stadtdirektor Peter Greulich. Der Satz ging im Tumult unter. Man hört sich nicht mehr zu. So richtig die Mahnung ist, auch sie kommt zu spät. Zu groß das Misstrauen zwischen Politik und Verwaltung, zu heftig die gegenseitigen Schuldzuweisungen, Verdächtigungen, Mutmaßungen.

Ein letzter Satz aus dem Rat, der fatal klingt, zweifelsohne zwiespältig ist, aber dennoch brachte Linken-Chef Dierkes das Duisburger Dilemma auf den Punkt: „Für die Stadt wäre nichts gewonnen, wenn Sauerland das Abwahlverfahren gegen zigtausende Bürger überstehen würde.“

Danke an den Westen, das Portal der WAZ Mediengruppe für Text & Bild (dapd),
Shiko Derbyblue für das Techno-Girl Olive oil Sings the Blues, 24. Mai 2011
und an Klaus Jost für die Aufmerksamkeit!

Written by Wolf

28. November 2011 at 8:01 am

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Du singst, waaßt eh, dei Schmoizmelodie

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Update zu Walgesang in seiner Sprache:

Auf geht’s, mitten in’ Himmel eine,
In a neiche Zeit, in a neiche Welt. [...]
Nicht traurig sein, naa naa, is kaa Grund zum Traurigsein.
I wer’ singen, ich wer’ lachen, ich wer’ “des gibt’s net” schrei’n,
i wer’ endlich kapiern, ich wer’ glücklich sein.

Wer hätte das geglaubt, dass Ludwig Hirsch sterben kann? Der Mann war doch selber der Todesengel.

Man konnte viel gegen ihn einwenden. Das Sonderbare ist: Niemand hat es getan. Er passte nicht in die Zeit, in gar keine. Für einen Liedermacher zu schmalzig, für einen Schnulzensänger zu gemein. Sein Gesamtwerk besteht aus hinterkünftig hereinschleichenden Engelsmelodien mit Texten, aus denen nie alle lebendig rauskommen.

Seine erste Platte sollte aus elf Watschn bestehen, die er denen zurückgab, die es verdienten. Was folgte, war federbettweiche Gemeinheit, zugleich knüppelharter Trost. Jeder erinnert sich, wann und unter welchen Umständen er Ludwig Hirsch begegnet ist, diese Samtstimme war so eindeutig wie eindrucksvoll. Vielleicht ist ihm nicht jeder verfallen, aber keiner ist ihm ausgekommen.

Man lernte von ihm: Nein, du musst nicht cool bleiben, wenn dein Gefühl stärker wird als du; du musst nicht stark tun, wenn du etwas Größeres triffst. Du darfst dich einlullen lassen von einem, der das drauf hat, du darfst sogar zusammenzucken, wenn er dich hinterher zwickt. Dann schau genau nach, ob er das böse meint oder ob du ein Stück Weisheit davon mitnehmen kannst. Du darfst weinen. Du darfst lachen. Wenn dir danach ist, auch gleichzeitig. Aber wenn du kannst, sollst du deine Worte wählen. Wer eine Platte von Ludwig Hirsch besitzt, braucht keine andere mehr, die eine trägt bis zum Tod. Woanders endet sowieso keiner.

Hat schon mal jemand Ludwig Hirsch hergegeben, ohne ein Backup davon zu behalten? Man braucht sie alle, glaubt man alsbald. Ungestützt fällt mir genau ein Lied von ihm ein, in dem keiner der Handelnden gewaltsam zu Tode kommt, das ist sein Gel du mogst mi — sein breitenwirksamer Hit, ein Elvis-Cover, 1983 (na gut, in erkennbaren Watschnliedern wie I kann auf meiner Wampn Motorradl fohrn stirbt auch nicht direkt einer). Es war das zum Anfixen allzu lebenszugewandter Jünglinge und vor allem Madln, denen noch nicht klar ist, worauf das alles hinausläuft. Eins zum Tanzen, Anfassen und Flachlegen. Wer erst mal weiterhörte, begriff unmittelbar den Zusammenhang von Liebe und Tod, und dessen Schönheit gleich mit: Es tut nicht weh. Sowas können nur Österreicher.

Ja, das kann nerven, diese ewige Todessehnsucht im Wiener Lied, dieses ständige mondsüchtige Taumeln auf ein Seidenkissen zu, um nur ja nicht mehr mühsam aufstehen zu müssen. Junge Leute sollten mit ihrer besten Lebenszeit etwas anderes vorhaben als sie mit luxuriösem Totentanz und morbidem Getändel hinzubringen. Der Flirt mit der eigenen Gruft findet immer zur Unzeit statt, die wird einen schon auffinden — und wer schon mal jemanden erlebt hat, der sterben muss, obwohl er leben will, kann sich schwer etwas noch Frivoleres ausdenken, als den Tod mit seiner Poesie zu besingen. Sich mit der eigenen Endlichkeit abfinden, ist das nicht am Ende — und vor allem so lange davor — schon zynisch?

Kann sein; es gibt Argumente. Bei Ludwig Hirsch haben die Leute wenigstens ernsthafte Sorgen, gestorben muss werden. Meistens wissen sie es lange vorher und haben viel Zeit, es verdammt noch mal hinzunehmen, die unvermittelten verdienen es nicht anders. Ein Problem schien er immer mit Vätern zu haben — die den Kindern im Tode vorausgehen, für die hörbar eine große Liebe in ihm lebte (wofür es würdigere Belege gibt als Spuck den Schnuller aus). Wenn das Gras hoch steht, muss es geschnitten werden, damit das junge nachwächst. Daran ist nichts Befremdliches, es lässt sich in ein Schlaflied fassen, und es sitzt alles und stimmt und ist so wahr wie das Leben selber.

Einmal, ungefähr mit siebzehn, hab ich angefangen, einen Brief an ihn zu schreiben. Bei mir muss da schon was kommen, ich bin nicht so der Groupie-Typ, und jetzt wäre es Fanpost geworden; ich war besoffen. In meinem Jungszimmer saß ich bei einem Kasten Bier, Kulturgut draufschaffen, was Siebzehnjährige halt so mit ihren Samtagabenden machen. Da ging mir — ich glaube, es war unter dem Eindruck der Landluft und der Traurige Indianer — unfreundliche Kellner — die enorme, dabei lebensnützliche Schönheit dieses selbst im Österreichischen monolithisch dastehenden Schaffens auf sowie eine Ahnung, dass ich mir mit diesem Manne was zu sagen haben könnte. In dieser Nacht drehte sich mein Weltverständnis ein Stück weiter, dafür war die Sauferei in Wechselwirkung mit der psychogenen Musik gut. Im Morgenlicht fand ich auf meinem Schreibtisch ein schlimmes Gekrakel, das ich am allerwenigsten jemandem zumuten mochte, dem ich Respekt aussprechen wollte. Es wäre um die Bedeutung seiner Musik für die Welt und speziell für mich gegangen — nichts, was er von anderen noch nicht genügend und nüchterner erfahren hätte.

So ist es mal wieder der Todesfall eines mir persönlich unbekannten Menschen, der mir mehr ausmacht, als er müsste: Wenn dieser Mann sterben kann, dann meinen sie’s ernst. Er hat uns gewarnt, mit allen seinen fünfundzwanzig Platten, mit seinen Büchern und seinen Auftritten in seltenen Filmen, öfter am Theater, immer wie der Tod persönlich, leicht zerzaust, aber sobald er den Mund aufmachte, mit einer echten Botschaft, und bei dieser Stimme konnte man nun wirklich nicht mehr weghören. Bei ihm war Lage nie ernst, aber nicht hoffnungslos — bei ihm war die Lage immer hoffnungslos, aber hey, noch lange nicht ernst.

Das darf man jetzt nicht falsch auffassen, wenn wir es mal so formulieren, dass es eigentlich schon immer so war, als sei dieses Lebenssinn stiftende, quicklebendig anwesende Mannsbild schon immer tot gewesen. Dafür wird es immer so sein, als ob er noch lebt. Die Frage von oben bleibt: Hat schon mal jemand Ludwig Hirsch hergegeben, ohne ein Backup davon zu behalten? Es zählt zu den besten Sachen in dieser vom Stirb und Werde gezeichneten Welt, dass er da war.

Den Teufel werd ich tun und zum Nachrufen auf den Freund Hein unter den Musikpoeten Raffelvideos seiner eigenen Lieder herbeizerren, so passend viele — die meisten — auch wären: Wie viele Menschen haben aufgehört, den Tod, vor allem den eigenen, als fernes, ungreifbares Gespenst zu betrachten, sobald sie I lieg am Ruckn kannten? Wie viele Menschen haben über seine Sichtweise im skurrilsten aller Kurzwestern Billy, Bobby und Jack erst verstanden, was in jedem Western erzählt wird? Wie viele haben über sein Konzeptalbum Bis zum Himmel hoch erkannt, was die Mordgeschichten im Alten Testament mit dem verständigen Heranwachsen von Kindern zu tun haben — und zwar erst, dafür dann umso schlagender, wenn das letzte Lied ins Schloss schnappt? Wie selbstverständlich ist es nach der Kenntnis einer beliebigen ganzen Platte von ihm geworden, eigentlich nur noch unter Tränen zu lachen? Ist ein Glück ohne das heilige Flennen, das man von Komm, großer schwarzer Vogel kriegt, überhaupt denkbar? Wie viele Menschen haben sich genau damit schon über einen Todesfall getröstet? Wie viele davon erfolgreich?

Und wie nah hat er sich selber an dem interpretationsbedürftigen, nur mutmaßlich todessehnsüchtigen Anstaltsinsassen aus dem traurigsten und hoffnungsfrohesten Vogellied der Welt orientiert, und wie viel sagt uns das über den Ernst makabrer Späße und wie viel über die Nähe der Poesie zu tödlichen Vorgängen, als er sich gestern, mit 65, aus dem Krankenhausfenster gestürzt hat?

Man muss auch mal merken, wann es Zeit ist, die Klappe zu halten. Herrgott, Ludwig Hirsch ist tot. Kann danach noch jemand sterben?

~~~\~~~~~~~/~~~

A geh, weil’s eh scho wurscht is: Nochmal sein alttestamentarisches Waltriptychon Jonas I/In deiner Sprache/Jonas II, bis jetzt legal anklickbar in: In meiner Sprache, 1991.

Written by Wolf

25. November 2011 at 8:23 am

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Free Rupert!

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Update zu Sushiideen
und Designer retten schützen gewinnen:

Wenn etwas im Argen liegt, so gehen Franzosen zur Verantwortlichen und machen ihr Komplimente. Schweizer gehen zum Verantwortlichen und jammern ihm was vor. Deutsche gehen zu irgendwem und drohen mit der Gerichtsbarkeit.

Angi, Free RupertÖsterreicherinnen — und ich beziehe mich hier auf Angelika Huber — gehen in eine irische Kneipe — und ich beziehe mich hier auf das Jurys Inn zu Galway — und gründen eine Facebook-Gruppe: Free Rupert!

Rupert mag ja bloß ein oller Goldfisch sein. Fakt ist: Die Lebenserwartung oller Goldfische liegt zwischen 25 und 30 Jahren. Das allerdings nur bei artgerechter Haltung. Von einer solchen kann in Ruperts Fall nicht einmal ansatzweise die Rede sein. Die arme Kreatur fristet ihr Dasein in einem etwas zu groß geratenen Cognacschwenker. Und das in der Lobby des Jurys Inn in Galway, Irland — einer Hotelkette, die sich eine “Enviromental Policy” auf ihre Fahnen heftet. Mit der Umwelt verantwortungsvoll umzugehen heißt allerdings nicht nur, morgens die Lichter abzudrehen und Handtücher ein zweites Mal zu benutzen.

Die Haltung von Fischen in Goldfischgläsern ist in Deutschland und Österreich sowie auch in der Schweiz gesetzlich verboten. Das heißt, nach den Bestimmungen sind die Tiergehege so einzurichten, dass die Tiere, je nach ihren arteigenen Bedürfnissen, sich fortbewegen, fressen und trinken, sich verstecken und ruhen sowie ihr Komfortverhalten ausüben können. In Goldfischkugeln ist dies offensichtlich nicht möglich.

Bitte beitreten. Es winken — noch! — dreistellige Mitgliedsnummern, Basisdemokratie zum Anfassen, eine sehr freundliche Österreicherin — und für jeden, der mir nachweist, dass er sich aktiv für Rupert engagiert, ein angemessener Buch- oder Tonträgerpreis.

Written by Wolf

9. August 2011 at 7:04 am

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