Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Zum Walfänger: Steffi hat das 3. Kapitel gelesen

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Steffi sagt:

Da haben wir ihn wieder!

Diesen humorvollen Ton, diese ernst gespielten und doch eindeutig aufs lachen zielende Beschreibungen der Stätte einer großen Begegnung.

Es ließe sich sicherlich schon viel über die Beschreibung des dunklen Bildes sagen, dass sich so beharrlich der Interpretation entzieht und doch am Ende wieder auf den Kampf von Mann gegen Wal zielt.

Eine Vorausdeutung?

Doch an so dunkle Dinge mag man gar nicht denken, wenn man in dieser strahlenden Sprache seine Auseinandersetzungen mit dem Wirt verfolgt; wie er sich dagegen wehrt, mit dem unbekannten Harpunier das Bett zu teilen und deswegen allerlei Gedanken anstellt, wobei dem Leser sofort klar sein dürfte, dass all zu heftige Wehr am Anfang immer zu einer großen Freundschaft führt.

Gesetze des Buddy-Movies gelten auch in der gänzlich unmedialen Zeit eines Melville. Allzu köstlich werden die Vorurteile dem Fremden gegenüber dargestellt, um am Ende doch wieder ad absurdum geführt zu werden.

„Trotz all seiner Tätowierungen war er alles in allem doch ein reinlicher, schmucker Kannibale. Wozu habe ich eigentlich den ganzen Aufstand veranstaltet, frage ich mich – der Mann ist ein Mann, gerade so wie ich: […] Lieber mit einem nüchternen Kannibalen das Bett teilen als mit einem trunkenen Christenmenschen.“ (S. 67)

Ja, genau – warum eigentlich diese ganze Szene?

Es geht doch nichts über einen glanzvollen Auftritt!

Wir, die Leser, haben genügend Zeit, uns mit der Andersartigkeit des Queequeg zu beschäftigen, uns zu vergegenwärtigen, warum es ein besonderer Mensch ist, im neutralen Sinn gemeint.

Und aus der Perspektive eines Zeitgenossen des Autors?

So richtig kann man sich nicht vorstellen, was so einer gedacht haben muss – sicherlich war Queequeg so exotisch für ihn wie für uns ein Marsmensch. Damit ist die offene Einstellung Ismaels nicht hoch genug einzuschätzen!

Als Kontrastmittel möchte ich mal auf den Wirt hinweisen, der einen so freundlichen Eindruck macht und doch als Kind seiner Zeit nicht anders kann: wenn er mit dem Harpunier spricht wie mit einem kleinen Kind („Du vastehn mich – du vastehn?“), weil dieser der englischen Sprache nicht mächtig ist, zeigt er doch, wie es in den Köpfen der Menschen in dieser Zeit bestellt ist.

Und dann denke ich daran, dass es bei vielen meiner Zeitgenossen auch nicht viel anders ist. Ein Mensch, der augenscheinlich aus Afrika kommt, wird automatisch auf Englisch angesprochen, wenn überhaupt. Beim Gespräch mit dem Türken an der Ecke wird überlegt, ob man Fremdwörter zumuten kann und bei der polnischen Putzfrau versucht man es auch mal mit dieser infantilen Babysprache, die wir keinem Dreijährigen mehr zumuten würden. („Du hier nix putzen, du verstehen?“) So weit weg sind wir nicht von den Menschen des Schlags Peter Coffin, den ich ganz sicher nicht als Rassist beschimpfen möchte.

Einfach schön, wenn man manchmal angestupst wird und über das eigene Verhalten nachdenken kann. Ach – ich liebe gute Bücher!

„Ich legte mich hin und schluf so gut wie nie zuvor in meinem Leben.“

Written by Wolf

13. September 2006 at 10:34 am

Posted in Steuerfrau Steffi

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