Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Hic sunt leones

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Wie weit geht überhaupt der Topos der Faszination von Reisen in ferne Länder zurück? Moby-Dick war ja nicht das erste Buch seiner Art. Nicht mal das erste von Melville; sein Erstling Typee handelte schon von allem, was so eine Seebärenrumtreiberei in der Südsee ausmacht.

Miranda kann wartenAls erstes fällt mir Shakespeare ein, The Tempest.

Vorher weiß man von Berichten aus fernen Ländern – vom alten Europa aus gesehen –, in denen die Leute zwei Köpfe haben oder gar keinen, dafür die Gesichter auf der Brust, die auf den Händen gehen und in höchst wünschenwerter Libertinage leben. Und meistens fällt man unmittelbar dahinter über den Rand der Erde ins All.

Was Herodot, Tacitus und wie die Gelahrten alle heißen, die Eco im Namen der Rose so eindrucksvoll verfeuern ließ, aus den Randgebieten der Erde wussten, bezog sich immer auf Quellen, die wir Heutigen anzweifeln sollten, diente aber immer dem gerade gültigen Verständnis von Wissenschaft.

Welches Weltwissen verbrannte wirklich mit der Bibliothek von Alexandria? Hätte es uns genützt? War es wenigstens spannend? Ist davon mehr auf Shakespeare gekommen als auf uns, bis er beruhigt in sein letztes Stück schreiben konnte: “Be free, and fare thou well”?

Im Nicholas Nickleby von Charles Dickens beschließt die fliegende Schauspielertruppe in einer flauen Zeit, statt aktuellen Theaterstücken lieber Shakespeare zu spielen, weil das ein sicherer Kassenmagnet ist.

Shakespeare fürs sensationsgeile Volk! Auf dass es herbeiströme! Sicherer als in die neuen Stücke! Nicholas Nickleby ist von 1839, das war 223 Jahre, nachdem Shakespeare seinen letzten Huster tat.

Wie wenn ein Club-DJ auf Tingeltour vorsichtshalber Mozartarien trällern wollte. Es scheint, in den 167 Jahren seither hat sich im Rezeptionsverhalten der Theaterzielgruppe noch viel mehr verändert. Und postmoderne Vortragskünstler heißen wieder Moby.

So, und jetzt dürfen Sie nach Kräften kommentieren, was Sie über vergleichende Literaturgeschichte wissen.

Ptolemäischer Sturm

Written by Wolf

27. September 2006 at 3:01 pm

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  1. […] 4 comments Christina Dichterliebchen macht ein Update zu Hic sunt leones, New York 1660, Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, Heimkehr und […]


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