Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Kirche & Kanzel: Wolf hat das 7. & 8. Kapitel gelesen

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Wie war das? Calvinistische Reformed Dutch Church in America?

Was immer diese protestantischen Splittergruppen im einzelnen von ihrem Mainstream unterscheidet – ich hab noch nie bei einer verstanden, was sie überhaupt vom Katholizismus abheben soll. Es geht doch allen darum, jenem Jesus von Nazareth zu folgen, der seit 2000 Jahren and still counting Diskussionsstoff hergibt. Das ist ja dann auch okay so.

Ismael, unbeteiligter Beobachter, der er die ganze Zeit zu sein versucht, will doch gleichzeitig ein guter Mensch sein (und vermutlich gleich seinem Schöpfer ein guter Angehöriger der Calvinistischen Reformed Dutch Church in America) und gibt mit großer Selbstverständlichkeit den guten Christen. Überhaupt glaub ich, dass der gesamte Moby genau davon handelt: wie in der Welt ein gottesfürchtiges Leben zu führen sei.

Etwas ratlos macht mich die schon fast bildliche Wiedergabe der Marmortafeln in der Kirche. Wer ein Tausend-Seiten-Opus vorhat, ist ja nicht auf künstliche Seitenschinderei angewiesen. Die Gedenktexte müssen also von einer ziemlichen Wichtigkeit sein, die ich mir nicht erklären kann. “Kaltfröstelnde Inschriften”… Dafür hätte Fließtext gereicht, aber es musste ja 1:1 das Layout sein, im Trauerrand… (Den Rand bringt meine Originalausgabe übrigens nicht, dafür mehr Gedöns mit Schriftarten. Und auch keine genaueren Anmerkungen. – Ob wir mal eine Exkursion nach New Bedford machen und nachschauen, ob die Tafeln – “I do not pretend to quote” – wirklich da sind?)

Man wird sich wohl damit zufriedengeben müssen, dass die Inschriften den Kirchgängern so unmittelbar aufs Gemüt drücken, weil sie von ihrem Schmerz künden. Was man über Melville zusammenforscht, war er ja selber bis hin zur Depression von religiösen Zweifeln zerrissen. So einer kann gut nachvollziehen, wenn anderen irgendwas weh tut.

James UssherHat jemand die Zeitrechnungen nach der Septuaginta vs. Annales Veteris et Novi Testamenti von Bischof James Ussher mitgerechnet – oder aus der Anmerkung Seite 939 f. auch nur verstanden, wer genau wessen Datierungen korrigiert hat? Eine davon kann ja den Jahreszahlen nach nicht besonders lange “traditionell” geblieben sein. Erklär mir mal einer die Anmerkung…

Bevor ich wieder mehr Fragen als Antworten aufbringe, übergeb ich mal an den Herrn Pfarrer von Schrot und Korn. Endlich mal ein Kerl, dem man trauen kann. Vielleicht das, was aus Ahab hätte werden können, wenn er nicht diese lästige Psychose mit sich rumschleppte. Ein solcher möcht ich werden, wie Vater Mapple gewesen ist, sollte ich je groß werden.

Einer, der zu seiner Herkunft steht, indem er sich mit ihren Insignien umgibt (wie die Kanzel-an-sich mit den paar bezwingend knappen Sätzen als führender Teil geradewegs der ganzen Welt hingestellt wird, das find ich ja schon brillant), dazu einer, der durch seine persönliche Autorität wirkt, nicht nur, weil er zufällig der Pfarrer ist, einer, der zu sagen weiß, wie’s geht. Der mit mehr Antworten als Fragen.

Kenophen

Written by Wolf

5. October 2006 at 6:51 am

Posted in Steuermann Wolf

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