Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Father Mapple Goes to the Top Again

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und Elke weiß warum. Wenigstens einer liest, was dasteht…


Zuvörderst würde ich da doch mal Ismaels eigene Deutung gelten lassen, denn er selbst hat (sich) schließlich zuerst danach gefragt. Und nicht wir, die besserwisserischen Leser, die wir natürlich nur zu gern sind, während wir ihm auf Schritt und Tritt folgen. Man muss sich ja nicht jedesmal gleich seinen ganzen Melville neu erfinden, gell? Erst recht nicht, wenn er sogar eine durchaus klare Antwort gibt.

Er jubelt dem lauteren und frommen Prediger mitnichten einen theatralischen Selbstdarstellungstrieb unter, was auf den ersten naiven Blick ja so abwegig nicht ist. Aber nur auf den ersten – denn das wäre nun doch zu platt für den charismatischen Vater Mapple. Nein, es muss “ein Sinnbild für etwas dem Auge nicht Sichtbares sein. Ob es wohl so ist, dass er durch diesen Akt leibhaftiger Absonderung seinen zeitweiligen inneren Rückzug von allen äußeren, weltlichen Banden und Bindungen kundtut? Jawohl, denn mit dem Fleische und Weine des Wortes versehen, ist diese Kanzel dem glaubensstarken Gottesmann, das sehe ich klar und deutlich, eine Feste, die sich selbst genügt…”

Eine Feste. Ein Fels in der Brandung, den nichts anficht und zerstören kann – der Gottvertrauen heißt. Ja, der weiß, was er tut, der Mann, weiß, was er Gott, sich und seinem Job schuldig ist. Und sein Job ist da unten, sind die Leute auf den Bänken, die zu ihm aufschauen und etwas von ihm erwarten – Trost, Glaube und Hoffnung. Und das überzeugend zelebriert, bittschön. So einer bricht keine Brücken ab – aber seine Brücke ist das Wort Gottes. Postuliert hier ohne Zögern eine Atheistin.

Die Frage ist wirklich spannend. Und eigentlich darf man hier noch gar nicht aufhören mit der Bilderdeuterei. Ist doch die Leiter selbst ein altes christliches Symbol. Jakob, Sohn des Isaak und somit leiblicher Neffe des biblischen Ismael, sah sie in seinem Traum:

“Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder. Und der HERR stand oben darauf und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott […] Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, und will dich wieder herbringen in dies Land. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.” (Genesis 28,10 ff.)

Dass sich nun Vater Mapple seiner eigenen Jakobsleiter bedient, wird ihm von seinem obersten (Dienst-)HERRN hoffentlich nicht als Amtsanmaßung ausgelegt. Die raue Welt der Waljäger und des Seefahrervolkes braucht wohl klare Ansagen und Symbole und vielleicht auch einen, der sich quasi mit den Himmlischen Heerscharen auf eine Sprosse stellt.

Wo wir schon mal dabei und unter Seefahrern sind, deren der Prediger in seinem früheren Leben ja auch einer war: Mir selber würde ja eine andere Deutung auch noch gefallen und passend erscheinen – die der Ankerkette oder des Fallreeps nämlich, die hochgezogen werden, wenn ein Schiff ausläuft. Ist es nicht beinah so, als wollte Vater Mapple mit dieser geradezu allegorischen Geste sagen: “Wir legen ab. Kommt, lasst uns aufbrechen zu neuen Ufern… der Hoffnung, des Glaubens…”?

Written by Wolf

8. October 2006 at 5:56 am

Posted in Krähe Elke

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