Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Busenfreundschaft und der Weg dorthin

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Steffi sagt:

Ich hatte in der Schlußphase meines Studiums das (wirkliche) Vergnügen, eine Hausarbeit über Gender in den Karl-May-Werken zu schreiben und nutzte in dieser Zeit auch die Studien des geschätzten Arno Schmidt. Die Gedanken waren nachvollziehbar und einleuchtend, dazu gab es im Werk noch ansprechende Illustrationen, die die sexuellen Eindeutigkeiten nicht nur offenlegten, sondern bloßstellten.

In vielen Gesprächen mit meinem Mentor (und bei meiner mündlichen Examinierung zum Magister) hatte ich Gelegenheit, mich noch genauer mit einem Karl-May-Experten auseinaderzusetzen. Von ihm erfuhr ich dann auch, dass Arno Schmidt, so plastisch er auch sein mag, nicht mehr den letzten Stand der Forschung darstellt und somit die sexuelle Konnotierung bei Karl May nicht mehr so evident ist, wie Herr Schmidt es uns nahegelegt hat.

So sehe ich mittlerweile die Freundschaft dieser zwei Männer eher als Ausdruck einer Gesinnung aus dem Kaiserreich, in dem noch andere Männerideale galten und klar war, dass wirkliche Freundschaft – mit der ganzen Unschuld, die dieser Begriff beinhalten kann – nur zwischen Männern zu finden war.

Auch wenn unser Melville zeitlich anders einzuordnen ist, glaube ich auch hier, dass Queequeg und Ismael diesen Typus Männerfreundschaft zelebrieren. Elke hat ja auf sehr famose Art den Begriff der Busenfreundschaft unter die Lupe genommen, so dass mir nichts mehr bleibt, als zu applaudieren und hinter vorgehaltener Hand ein Aber einzuwerfen, dass die Qualität eines Wortes auch immer mit der aktuellen Konnotation zu verbinden ist, und wie treffend und unschuldig die Bedeutung Busenfreund auch mal gewesen sein mag – heute würde kein Mann, den ich kenne, von seinem besten Freund behaupten, er sei sein Busenfreund.

Aber Zeiten ändern sich, haben sich geändert, werden sich ändern. Ich kenne auch keinen Mann, der in heutigen Zeiten so unbeschwert und – pardon – rein mit einem anderen Mann das Bett teilen könnte, ohne in einer Sinnkrise seine sexuelle Orientierung in Frage zu stellen.

Ismael und Queequeg hingegen kaufe ich es hingegen vollkommen ab. Auch da kann ich Elke nur unterstützen. Diese Freundschaft, so spontan und schnell sie sich entwickelt hat, besitzt doch alle Qualitäten einer echten Bande der Herzen, wie man sie heute vielleicht noch bei kleinen Jungen findet und nach der wir uns doch alle sehnen (sollten).

Also: Es ist doch einfach toll, was die beiden haben – Freundschaft bis in den Tod, eine Brücke über alle Kulturen und mit Verlaub – nachts immer warme Füße.

Ich beneide sie.

Written by Wolf

19. October 2006 at 6:24 am

Posted in Steffis Koje

One Response

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  1. […] zu Busenfreundschaft und der Weg dorthin: Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, […]


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