Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Elke 11: Schlafrock; Elke 12: Biographisches

leave a comment »

Elke had a dream:

Ahoi Mannschaft,

Elke Hegewaldsteigen da nicht, gleich schillernden Luftblasen, vertraute Bilder vom Meeresgrund der Erinnerung herauf? – An die schlaflos durchschwatzten Nächte kindlicher und halbwüchsiger Pyjamapartys oder an das Bei-der-besten-Freundin-Übernachten? Was gibt es Innigeres und Verklärteres als diese Momente, da man, Schulter an Schulter in wärmende Decken gehüllt und gegen die Welt da draußen verschworen, einander seine Geheimnisse anvertraute und über das Leben fabulierte.

Und das Unterbewusstsein taucht nach diesen versunkenen Perlen, während man, schon wieder schamlos und gespannt lauschend, Queequegs Geschichte hört und endlich sein Geheimnis erfährt: ein Königssohn ist er also, ein rebellischer dazu, geboren auf einer paradiesischen Insel – auf der Suche nach dem Guten und Wahren.

Und als er aufbrach, ausbrach, hat er wohl nicht geahnt, dass “sein unbändiges Verlangen, die Länder der Christenheit kennenzulernen” und “das Licht der Aufklärung zu seinen ungebildeten Landsleuten zu tragen”, ihm dereinst die ganze Welt in Frage stellen würde. Hat er sich etwa deshalb von seiner Menschenfresserinsel auf dieses fremde Schiff gestürzt, nur um zu erfahren, “dass selbst Christenmenschen so jämmerlich wie böse sein konnten, und dies unendlich viel mehr, als alle Heiden seines Vaters zusammengenommen”?! (S. 113)

Da wundert es denn auch keinen noch groß, dass ausgerechnet den der Ismael finden muss, genau so ein Aussteiger. Auch er ein Suchender und Zweifler vor dem Herrn und der hergebrachten bürgerlichen Gesellschaft so fern und fremd, wie Queequeg der seinen. So braucht es nur noch den liebevoll sanften Heidenfreund, dass ihm nun gänzlich alle Werte seiner Abkunft fragwürdig werden, nichts mehr heilig, alles vorläufig und offen scheint (Jendis/Göske: Nachwort, S. 893 f.), was ihn wieder mal zur faszinierenden Übersetzung seines biblischen Pendants ins Irdische macht (Genesis 16,12).

Ich find ja Wolfs Vorstellung vom Puppenspieler Melville sehr reizvoll und treffend. Der lässt nicht nur seine selbst zurechtgeschnitzten Figuren an selber gesponnenen Fäden nach seiner Pfeife tanzen – die Kunst des Meisters dabei, dass sie – “leben” –, nein, er ist auch ein Teil von ihnen. Und gibt in jeder einzelnen zwischen den Zeilen ein gutes Stück seines Innersten preis, des eigenen zerrissenen Bildes von der Welt.

Dem hochverehrten Publikum verlangt er dabei Erkleckliches ab – es erstarre gefälligst nicht vollends in Faszination und Ehrfurcht, sondern begebe sich selbst auf den Weg zu ergründen, was er ihm zu sagen hat:

Dieses seltsame Wesen Queequeg, das so durch und durch gut ist – hat es nicht irgendwas von einer Vision, einem heimlichen, diffusen und unfertigen Ideal? Das nach einem Weg tastet, einem Leben, das man leben kann. “I have a dream”, meint man doch geradezu Melville hier und da vor sich hin murmeln zu hören, oder geht jetzt wieder meine Fantasie mit mir durch?

Ist nicht vielleicht der ganze Queequeg für Melville vielmehr ein gewichtiges Symbol, als eine wahrhaftige Figur? – fragt etwas in mir. Oder hat es so gar nichts zu bedeuten, dass die Urheimat des weltenwandernden Königskindes, eine “Insel weit im Westen und Süden” mit exotischem Namen, auf keiner Landkarte verzeichnet ist?

Und wie man sie dort so hocken zu sehen meint, unsere zwei, blitzt ein Gedanke auf, der hier schon mal da war – und es drängt mich danach, dem Wolf Recht zu geben: Ja! Sie sind die Lost Boys aus dem Peter Pan, einer wie der andere. Auf der Suche nach einer anderen, glücklicheren Welt, auf dem Flug ins lockende Abenteuer, weit weg von schicksalhaften Bindungen und Zwängen – und doch bereit, an etwas zu glauben. Sie wissen nicht, was sie finden werden, und die Pequod mag ihnen ihr Nimmerland scheinen.

Und keiner ahnt auch nur, dass die alte Welt sie gerade dort unentrinnbar einholen wird, weil nicht Peter Pan, sondern Captain Ahook auf sie wartet – auf einem Schiff, beladen mit dieser Welt bis obenhin – und statt der Hand fehlt ihm ein Bein. Nun, vielleicht würde bei dieser Assoziation nicht nur Herr Melville widersprechen und sich dagegen verwahren, sie weiter auszumalen – doch die Parallelität menschlicher Träume und Sinngebungen fasziniert schon … und kann doch nicht nur ein Zufall sein. – Herr Dr. Freud??

Written by Wolf

30. October 2006 at 5:01 pm

Posted in Steuerfrau Elke

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: