Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Kapitel 13: Elke kennt sich aus mit Schubkarren

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Elke redet noch von was anderem als dem Wetter:

Elke HegewaldOh ja, es wird Zeit für unsere zwei Busenfreunde, sich zur Überfahrt nach Nantucket einzuschiffen. Und Melville geleitet sie sicher dorthin. Ging er doch als einundzwanzigjähriger Abenteurer selbst im New Bedforder Hafen an Bord der Acushnet, um achtzehn Monate später von seiner ersten und einzigen Walfangreise zurückzukehren – zum gestandenen Manne gereift und lebend, denn Mocha Dick ist er wohl nicht begegnet…

An diesem ruhigen… hm, nach des Wolfes Zeitforschung und Herrn Adam Riese müsste – nach zwei gemeinsamen Nächten des frischvermählten Freundespaares – grad das zweite Adventswochenende vorbei sein… an diesem ruhigen Montagvormittag also schieben sie, einander brav abwechselnd, ihren Schubkarren mit diversem Gepäck zum Einchecken an den Kai. Das Wetter ist akzeptabel, wenn man von ein paar Windböen, die es ja in diesem Kapitel wegen der Dramaturgie und gemäßigten Dramatik noch brauchen wird, einmal absieht.

Seamen's BethelEin paar Straßen weiter, in Seamen’s Bethel, dem Gottesort der Walfänger, wird Vater Mapple nun auch sie in seine Gebete einschließen, denn es wird langsam ernst mit dem Abenteuer Mann gegen Wal.

Der Schubkarren, in seinen verschiedenen Erscheinungsformen (und vielleicht sogar Nicht-Erscheinungs-Formen) sicher sowohl für Mundartforscher als auch für die Jünger der einschlägigen urbanen und ruralen Historie ein lohnendes Objekt, gibt nicht nur dem 13. Kapitel seinen Namen, sondern darf gleich noch für einen (zumindest für mich in meiner beruflichen Prägung) deliziösen Exkurs herhalten. Über Missverständnisse kultureller Art nämlich. Und schau an: Unser guter Queequeg erweist sich durchaus nicht als drolliger Wilder, der ulkige Bräuche praktiziert, sondern offenbart eine Weisheit, gepaart mit offensichtlichem Humor und gesunder Selbstironie, wie sie die ach so zivilisierten Weißen, die durchs Bild stolpern, heftigst vermissen lassen. Also, in heutiger, globalisierender Lesart würde ich ja dem Jungen mit der Harpune ohne Zögern interkulturelle Kompetenz bescheinigen. “Na, was du jetz denken? Unsere Leute nicht lachen müssen?”

Zudem weiß er sich bei einem Angriff auf seine Würde durchaus seiner Haut zu wehren und sich handfest Respekt zu verschaffen. Und seine mit gelassener Ruhe vollbrachte Rettungstat enthüllt eine Selbstlosigkeit und Menschlichkeit, die mich in meinem schon woanders geäußerten heimlichen Verdacht nur noch bestärkt, dass Melville mit ihm so eine Art weißen Raben als Ideal der (christlichen?) Nächstenliebe in die Geschichte schnitzen wollte. Für den die “Welt […] eine Gesellschaft auf Gegenseitigkeit mit unbeschränkter Haftung [ist], und zwar in allen Breiten”, in der “[w]ir Menschenfresser […] diesen Christenmenschen beistehen [müssen]”. (S. 122) Hmm…

Written by Wolf

6. November 2006 at 5:40 pm

Posted in Steuerfrau Elke

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