Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Kapitel 16: Das Schiff

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Steffi hat gelesen und gelernt:

Stefanie Drecktrah“… wenn er auch schrecklich geschlagen und verwüstet sein mag, so hat Ahab doch seine menschlichen Seiten.” (S. 150)

In diesem Kapitel nähern wir uns also einer weiteren wichtigen Hauptperson: der Pequod. Ismael beschreibt sie uns ausführlich, macht uns klar, wie einzigartig sie ist und wie sehr sie sich von den anderen Schiffen unterscheidet, er nennt sie die Kannibalin unter den Schiffen und in der Tat ist sie mit ihrem Schmuckwerk exotisch und im Wesen fremd. Und doch vertraut, alteingesessen, nach einem ausgestorbenen Indianervolk benannt und dadurch mit schlechtem Omen? Ismael zieht Vergleiche aus dem wahrhaft großen Kulturerbe Europas und verweist damit doch auf die dunklen Seite der Geschichte, auf Kreuzzüge, Mord und Verrat.

Eine Kannibalin unter den SchiffenIch wünschte, ich hätte einen unverhangenen Blick auf diese Atmosphäre, wüsste nicht, was das Schicksal dieses Schiffes ist, denn dann hätte ich sagen können, ob ich es wirklich so düster und bedrohlich fände, wie es mir jetzt scheinen soll. Nein, die Pequod umweht in der Tat ein Odem von Abenteuer und Tod und ich weiß nicht so recht, warum Ismael immer davon ausgeht, dass es das richtige für die beiden ist. Ich denke, er folgt damit der Verabredung mit dem Schicksal, das es zu erfüllen gilt.

Melville gibt in diesem Kapitel auch herrlich deutlich wieder, was es mit der (Doppel-)Moral der Quäker auf sich hat. Ehrlich gesagt muss ich bei Quäker immer an einen Film mit Anthony Perkins denken, in der er als Quäkersohn hin– und hergerissen ist zwischen religiöser Pflichterfüllung – Friedfertigkeit bis zur Selbstaufgabe – und dem Wunsch, beim Bürgerkrieg seinen Mann zu stehen.

Diese religiöse Bewegung imponierte mir damals sehr, zumal das Dogma auch herrlich kommentiert wurde, als die Mutter ihrer geliebten Gans – ihrer “Freundin” – zu Hilfe eilt, als es droht, von den Soldaten in den Kochtopf gesteckt zu werden. Ansprüche schön und gut, aber ein Wert wie Freundschaft stand in diesem Fall doch höher.

Genug davon. Quäker sind Pazifisten, lieben den Frieden und würden niemals die Waffe gegen einen Menschen erheben – ich war mir nie bewusst, dass diese Friedfertigkeit zu Tieren bei Gänsen aufhört, die quasi zur Familie gehören. Viele der Seeleute, die auf Walfang gingen, waren Quäker und schienen dabei keine Probleme mit der Vereinbarkeit ihrer Religion zu sehen.

Die beiden Quäker, die wir dabei kennen lernen, fügen sogar noch einen Funken Theaterspiel hinzu, spielen eine Posse, um dem Grünschnabel im Anteil zu drücken. Ich glaube nicht, dass der anfängliche Geiz (nur der 777. Teil) und der Gegenrede des Miteigeners (300. Teil) tatsächlich echt war. Mir erschien es zu theatralisch und aufgeplustert, als dass ich überzeugt wäre. Immerhin ließ sich Ismael mit der Methode von seinen eigentlichen Ansprüchen auf den 275. Teil sehr einfach drücken, ohne dass tatsächlich verhandelt wurde. Ganz schön gerissen, diese Quäker.

Im Ausklang des Kapitels wird weiter an einem Mythos gestrickt, der einen wirklich revueverdächtigen ersten Auftritt verspricht: Kapitän Ahab wird beschworen, als Geist an die Wand gezeichnet und als Führer in den Himmel gelobt. Natürlich weiß unser Peleg von der Schwermut, der Verrücktheit und glaubt doch, dass sich das alles auf der Fahrt – quasi an der frischen Luft – schon legen wird, schließlich hat er Frau und Kind, das sollte doch Grund genug sein, die Schwermut abzulegen. Ja, Ahab wird schon vor seinem ersten Erscheinen dem Normalsterblichen entrückt. Er ist nicht krank und nicht gesund; einer der ganz großen Kapitäne, weitgereist, in der Universität studiert und unter den fremden Völkern gebildet; er hat mehr Wunder gesehen, als jeder andere und doch ist er gezeichnet und – wie wir wissen – für immer verändert.

Es wird hier ein großer Auftritt vorbereitet und ich bin gespannt darauf.

Written by Wolf

5. December 2006 at 1:26 am

Posted in Steuerfrau Steffi

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