Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Archive for December 2006

Meinten Sie: Stinkbomben

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Holland ist vielleicht doch mehr als ein ins Groteske verzerrtes Ostfriesland. Sogar Watteninseln haben sie. Mit Walvisvangers drauf. Und einem Museum, das eine Ausstellung über dieselben macht: Voor traan, vet en stinkebonken. Noch bis 28. Oktober 2007.

Vor lauter Schönheit und Angst vor der letzten Entzauberung traut man sich gar nicht nachzuschlagen, was stinkebonken bedeutet.

Written by Wolf

21. December 2006 at 3:01 am

Posted in Moses Wolf

End of the Struggle, Ende von Wal

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Wenn man heute von kämpfenden Walen hört, haben sie meistens verloren. Der Eden-Wal (Bryde’s whale) von Kota Kinabalu (Borneo) ist nun auch in die ewigen Fischgründe eingegangen, und keiner hat’s gewollt.

Written by Wolf

20. December 2006 at 1:18 am

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Kapitel 16: Sailor, can you hear the Pequod’s sea wings?

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Elke hat alles mögliche gelesen und weiß:

Elke HegewaldOh ja, dieses sechzehnte Kapitel verdient die Ehrfurcht, die es gebietet. Es hat was zum Dran-Herumzausen und verbindet sich mit einer diffusen Erwartung, die zunehmend in einem selber rumort und sich schwer artikulieren lässt…

Ich für meinen Teil wurde beim Anblick dieses “Kannibale[n] unter den Schiffen, der sich mit den erjagten Gebeinen seiner Feinde schmückt” (S. 133), von einer wahren Sturmflut an Bildern heimgesucht, die aus meinem Kopf, meinem Bauch oder von sonstwoher kamen. Eine ganze Schiffsflotte segelte da tollkühn am Horizont entlang. Travens “Totenschiff” nur eines davon – in illustrer, gruselig-unheilvoller Gesellschaft. Der Schatten eines mit wilden Trophäen geschmückten Wikingerschiffes (das des wüsten Thorkill-Hake?) spukte mir ebenso durch den Sinn wie Charon, der Fährmann des Totenreichs der alten Griechen oder Wilhelm Hauffs Geschichte von dem Gespensterschiff.

Westwärts WikingGanz vorne auch der verfluchte Fliegende Holländer, der bis zum jüngsten Tag in Sturm und Flaute über die Meere jagt, wie nicht nur Heines Herr von Schnabelowopski bereits wusste. Sind sie nicht alle – jedes auf seine Weise – vom Hauch des Todes, von einer düsteren Unausweichlichkeit des Schicksals und/oder dem Fluch und der (Ohn)macht ihrer Kapitäne umweht, die ihre Besatzungen in selbiges mitreißen?

Nicht zu vergessen Davy Jones, die Mutation des Flying Dutchman, dessen Legende neben anderen der Erfinder der amerikanischen Kurzgeschichte Washington Irving Leben einhauchte. In seinen Adventures of the Black Fisherman nämlich.

Besagter Davy Jones treibt übrigens auch in Fluch der Karibik 2 mit seinem sinnigerweise eben Flying Dutchman benannten Schiff sein Unwesen. Sollte es noch der Erwähnung bedürfen, dass er ein Holzbein trägt und für viele Seeleute ein Symbol für den Teufel des Meeres ist, um meine ausufernden Gedanken um die Pequod und Käpt’n Ahab zu entschuldigen und den Bogen zurück zu schlagen? Na gut, für den, dem das nicht genügt, hier noch eine gängige Deutung des Nachnamens von Davy Jones: er könnte auf den Propheten Jona hinweisen, dessen Geschichte in und um den Wal für Seeleute Unglück bedeutet, woran wir uns dunkel aus Vater Mapples Predigt erinnern.

Mhja, der geheimnisvolle und unsichtbare Käptn Ahab – aus mehr oder weniger unklar angedeuteten Gründen abwesend. Obwohl: Für den Leser ist er das eigentlich gar nicht. Seine gewichtige Präsenz wird ja von Peleg und Ismael geradezu herbeigeredet. Und – schau an! – dieser Kapitän Peleg, schlitzohrig und geschäftstüchtig, hält doch tatsächlich mit Wärme ein Plädoyer ganz eigener Art auf Ahab. Dabei dringt ihm eine verschrobene Sympathie und Verehrung aus allen Knopflöchern, für diesen unheimlichen Sonderling, unter dem er einst Steuermann war. Er nennt ihn aus Überzeugung einen guten Menschen, gottlos und gottgleich in einem, voller Schwermut und Wildheit, mit Weib und Kind, und trifft damit weise wohl ziemlich genau den Grat zwischen seiner Menschlichkeit und der Tragik seines krankhaft-fanatischen Stolzes. “Denn alle tragischen Männer gewinnen ihre Größe durch etwas Krankhaftes in ihnen”, sagt Melville (S. 140). Und manchmal fürchtet man, er könnte Recht haben…

Selbst Peleg gewinnt während seiner Ansprache an Ismael an Menschlichkeit; er sucht ihm und sich das unheildrohende Orakel um Ahab und seinen Namen auszureden. Und in seinem fast rührenden Eifer wird eben jener Ahab zu diesem wohlbekannten, sehr menschlichen Wesen, dem zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust.

Fliegende GespensterSchade, nun kommen mir hier wohl die beiden Quäker mit den biblischen Namen, jeder für sich seine eigene Legende, etwas zu kurz. Dabei hätten sie ein würdiges Plätzchen hier durchaus nochmals verdient, nicht nur wegen der hintergründigen Bibelsymbolik, der versteckten Gleichnisse darin und dem Anspielungen aus der Bergpredigt vor sich hin murmelnden Bildad.

Man möchte gern noch ein bisschen in der wechselvollen und nicht widerspruchsfreien Geschichte der Society of Friends, der “Fighting Quakers”, wie Melville sie zweideutig nannte, kramen. Nun ja…

Doch zumindest scheint es mir angebracht, auf das auch von Jendis/Göske (Seite 945) erwähnte Gedicht The Quaker Graveyard of Nantucket des zweifach pulitzerpreisbekränzten Robert Lowell zu verweisen, mit dem dieser Melvilles Darstellung der Quaker sailors, Ahabs Pequod und Moby-Dick ein Denkmal setzte:

… They died
When time was open-eyed,
Wooden and childish; only bones abide
There, in the nowhere, where their boats were tossed
Sky-high, where mariners had fabled news
Of IS, the whited monster. What it cost
Them is their secret. In the sperm-whale’s slick
I see the Quakers drown and hear their cry:
“If God himself had not been on our side,
If God himself had not been on our side,
When the Atlantic rose against us, why,
Then it had swallowed us up quick.

Der flatternde Herzogenauracher

Written by Wolf

19. December 2006 at 4:18 am

Posted in Steuerfrau Elke

Ab heute neu in der Blogrolle:

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Die so dicke Bretter wie wir bohrenden Kollegen (vielleicht, ja nahezu sicher, sind es auch Kolleginnen) von den Projekten:

Lewis Carroll: Alice In Wonderland, das zu jedem Kapitel beider Bände wissenschaftlich benutzbare Essays dort aufführt, wo man sie braucht (englisch); in der Blogroll am 20. Februar 2007 umgelinkt auf alice-in-wonderland.net, da findet man das gleiche, nur über Umweg;

John Milton: Paradise Lost, das fast mehr zum Werk aufführt, als man je wissen wollen wird (auch englisch, logisch) (Vorsicht Bürosurfer: Da bricht umgehend ein Heidenkaracho los);

Marcel Proust: A la recherche du temps perdu, das einem das Lesen von 5000 Seiten pathologischer Langeweile erspart, darin dem Moby-Dick-2.0-Projekt am nächsten verwandt: gleich zwei Weblogs über die Lesereise im Bauch des Wals von einem Buch, beide schon länger nicht mehr upgedatet, was uns eine Lehre sein sollte (alles davon englisch, was im Falle Proust schon nicht mehr ganz so selbstverständlich ist).

Auf die Gefahr hin, der der ansonsten zutiefst verwerflichen Selbstreferenzialität von Weblogs anheim zu fallen: Hey – Menschen beschließen, bis auf weiteres sehr tiefe Gedanken und einen großen Haufen Arbeit auf ein altes Buch zu verwenden. Sie schließen sich dafür zusammen und tauschen sich mit den jeweils modernsten Mitteln der Technik darüber aus, die sich schnurrige Printleser leisten können. Was soll das noch von Meditation unterscheiden, von quasireligiöser Arbeit an jenem rauhen Stein, der die Seele ist? Und solang wir das noch machen, wird die Welt nicht zwangsläufig gerettet, aber schon gar nicht vollends verrottet sein.

Ingres, La Grande Odalisque, Louvre, Paris, 1814

Written by Wolf

17. December 2006 at 8:59 am

Posted in Kommandobrücke

Der Fall Moby Dick

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Relaunch 15. Dezember 2006:

Humphrey WeyershausenIm Hannoveraner Comic-Magazin Ilsemann, heute nur noch bekannt im Zusammenhang mit RRAAH!, erschien irgendwann in den 1990er Jahren eine zweiseitige Geschichte mit der Rottecker Katze von Karsten Weyershausen – das ist der mit dem Horst –, die mit Elementen aus Moby-Dick und Black Series spielt.

Zur Version, die ich unten ungekürzt präsentieren darf, sagt der Künstler:

Ich hab die Seiten damals mit einer Schmuckfarbe versehen, konnte die Dateien aber lange Zeit nicht finden – bis gestern. Diese Version bedeutet also quasi eine Erstveröffentlichung.

Premiere auf Moby-Dick 2.0 – wir machen uns. Der Fall Moby Dick ist somit an dieser Stelle die erste und bis auf weiteres einzige Veröffentlichung seiner selbst. Danke an den Vereinskollegen!

Written by Wolf

15. December 2006 at 11:33 am

Kapitel 16: Das Schiff trägt keine Seewölfe

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Speaking words of wisdomEin großes Kapitel, alles was recht ist. Eigentlich mindestens drei. So gesehen kein Wunder, dass man wochenlang so misstrausisch außenrum schleicht… Gelesen hat man’s ja bald, es liest sich sogar ausgesprochen süffig – aber was Kluges drüber zu sagen ist nochmal ein ganz anderes Unterfangen: Man stinkt ja so leicht dagegen ab. Ist es Zufall, dass einer der beiden verdienstreichen Volltexte in Weblog-Form ausgerechnet mit dem 16. Kapitel abgebrochen wurde? (Weiterhin online steht Moby Dick By Herman Melville.)

Gegen Melville abstinken kann keine Schande sein, also was soll die Schüchternheit. Machen wir’s mal extra realschülermäßig.

Was erfahren wir? – Erstens die Pequod. Ein Totenschiff ist sie sichtlich. Was uns dazu einfallen darf: B. Traven, Das Totenschiff, 1959 verfilmt mit Horst Buchholz, Mario Adorf und Elke Sommer, über das Traven vielleicht ohne Anklang an die Pequod schreiben konnte, aber nicht ohne an sie zu denken – und dann bitte wieder etwas gezügeltere Bahnen.

Zweitens: Die Schiffseigner Captain Peleg und Bildad veranstalten mit Ismael ein Good-Cop-Bad-Cop-Spiel, damit er dankbar ist, überhaupt den 300. Teil vom Gesamtumsatz zu bekommen, was ja über 100% mehr als der zuerst veranschlagte 777. Teil ist (woher eigentlich die schiefe Zahl? Eine Reminiszenz an die Number of the Beast aus der Bibel?) – und dann bitte wieder mehr Text und weniger unbegründete Textaufgaben.

Drittens: Captain Ahab ist ein sehr kluger, weitgereister, respektabler Mann, noch bevor er überhaupt auftritt – und ein glücklicher noch dazu, weil er trotz einer schweren Körperbehinderung in einem Beruf, der aus Körpereinsatz ja geradezu besteht, bei seinen Vorgesetzten derart gut angeschrieben ist. Am spannendsten fand ich im Jendis/Göske (Seite 946 f.), dass Ahabs biblischer Namensvater nach heutigem Maßstab kein rein verworfener Teufelsbraten, sondern ein ausgesprochen fähiger Staatsmann gewesen sein muss. Oder sieht man an beiden Umständen doch nur, wie sehr in den letzten paar tausend Jahren die Ansprüche an Führungskräfte gesunken sind?

Und dann: Ahab als Miltonscher Satan. Das ist eine dermaßen verlockende Parallele, dass man sich gar nicht einzulesen traut… Kommt noch, kommt noch…

Je länger man das ganze Kapitel vor sich herschiebt, desto mehr wächst mit dem Zugzwang der Respekt.

Written by Wolf

12. December 2006 at 4:02 am

Posted in Steuermann Wolf

Große, fette Wale zu Oldenburg

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Der Pottfisch, so Jonam verschlungen Die Landesbibliothek Oldenburg präsentiert noch bis zum 27. Januar 2007 eine Ausstellung über die Geschichte des Walfangs in Drucken des 15. bis 21. Jahrhunderts.

Ich würde ja zügellos gerne sogar bis in die bedeutende Walfangstadt Oldenburg fahren, schon allein um mal einen Walfangdruck aus dem 21. Jahrhundert zu sehen oder gar Arbeitslieder der Tiefwassermatrosen auf frachttragenden Großseglern des 18. und 19. Jahrhunderts a capella zu hören; ich finde sowas ja schnulli. Aber mach was gegen landrattige Sachzwänge.

Der Eintritt ist frei.

Written by Wolf

8. December 2006 at 12:10 pm

Posted in Meeresgrund