Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Ramadan. Wolf hat das 17. Kapitel gelesen

leave a comment »

Ramadan, das ist, wenn meine türkischen Nachbarn ausrasten. Haben den ganzen Tag so einen beseligten Blick, einen handfesten Widerstand gegen flüssige und feste Nahrung, die Frauen hennarote Handflächen, aber in der Nacht Halligalli und kein Gedanke an Widerstand. Das geht einen ganzen Monat lang so.

Mein zuständiger Gemüsehändler hat mir mal “Und fröhliche Weihnachten auch!” gewünscht.

“Wie – Weihnachten? Sind Sie nicht Moslem?”

“Dochdoch schon!” grinste er extrabeseligt.

“Was hamse denn dann mit Weihnachten an der Mütze?”

“Hähä – ich feiere alles!”

Wohl dem, der einen Ramadan hat. Und was hat das Christentum? Eine Fastenzeit. Und zwar eine, die keineswegs irgendwelche Ausschweifungen nach Sonnenuntergang vorsieht, ja sogar mehrere.

Und Ismaels religiöse Auffassung vom Anfang hab ich mir beim ersten Moby-Lesen vor zwanzig Jahren voll Bewunderung und Klar-warum-nicht-gleich-So spontan zu eigen gemacht: “Ich hege den größten Respekt gegen jedermanns religiöse Pflichten, wie absonderlich sie auch sein mögen, und brächte es nicht einmal übers Herz, eine Ameisengemeinde geringzuschätzen, die einen Fliegenpilz anbetet.”

Militante Toleranz. Sollte man so vielen auf der Welt unter die Nase reiben, die glauben, sie hätten die Religion erfunden. Da kann ich intolerant sein…

“Je ne suis pas d’accord avec ce que vous dites, mais je me battrai jusqu’au bout pour que vous puissiez le dire.” Es lebe mein Gemüsehändler, der Voltaire eifrig beigepflichtet hätte.

Lieblingssatz aus dem Kapitel: “Zum einen war er es nämlich offenbar leid, sich etwas über diese wichtige Frage zu Gemüte zu führen, wenn sie nicht von seinem eigenen Standpunkt aus betrachtet wurde.”

Queequeg, der in der üblichen Rollenverteilung Gegenstand der Toleranz sein sollte, lässt in den letzten Dingen selber nicht übertrieben gern mit sich reden. Aber es bleibt eine menschliche Regung und wird nicht gleich ein Clash of Cultures.

Knackiger kann man das nicht sagen.

Written by Wolf

5. January 2007 at 4:35 am

Posted in Steuermann Wolf

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: