Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Steffi erlebt nach ihrem Ramadan Melville at His Best

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Steffi hat das 17. Kapitel gelesen:

Stefanie Claudette Colbert DrecktrahWenn man die letzten Tage Revue passieren lässt und sich vor Augen führt, was für einen Bohei man um die Feiertage macht, um die Zeit zwischen den Jahren, um Silvester und Konsorten, dann drängt sich der Verdacht auf, dass es für völlig außenstehende auch ziemlich befremdlich wirken muss.

Und da sind wir auch schon mitten im Kapitel.

Queequeg folgt seinem Ritus, unbeirrbar, auch wenn es unbequem ist und niemand ihn so recht versteht. Schade finde ich es, dass man als Leser nicht erfährt, was seine Gründe für dieses Verhalten ist, was seine religiöse Motivation ist.

Man erfährt allerdings einiges über Ismael und lernt einige Facetten dazu. Wir lernen etwas über seine Toleranz und lesen zwischen den Zeilen eine (weitere) Kritik Melvilles an der Kirche. So legt er Ismael, als dieser sich Gedanken über Religion und die Religion Queequegs im speziellen macht, die Worte in den Mund:

“Ich finde, als gute presbyterianische Christen sollten wir in diesen Dingen Nachsicht üben und uns anderen Sterblichen, seien sie Heiden oder was auch immer, nicht so haushoch überlegen fühlen, nur weil sie auf dem Gebiete halt närrischen Hirngespinsten anhängen.”
(S. 152)

Das Hocken auf dem Boden (wohlgemerkt auf den Fersen balancierend und mit einem Stück Holz auf dem Kopf) sei “schierer Blödsinn […], schlecht für die Gesundheit, nutzlos für die Seele, kurz gesagt: den selbstverständlichen Gesetzen der Hygiene und des gesunden Menschenverstandes zuwiderlaufend.” (S. 158)

Besonders diesen letzten Halbsatz finde ich höchst amüsant, zeigt er doch die scheinbare Toleranz humoristisch verdreht und damit auch noch unterhaltend.

Nein, ein wirklich witziges Kapitel. Massenpanik in der Unterkunft, weil Queequeg einen Schlaganfall gehabt haben könnte! Bedenken, ob man die Tür einschlagen soll; das Mädchen, das zum Zimmermann geschickt wird, mit der Bitte um ein Schild “Hier sind Selbstmorde nicht erlaubt”… Das erinnert mich an die Screwball-Komödien des alten Hollywood, das ist Entertainment pur! Sagen wir: Melville at his best, und freuen uns der Dinge, die da noch kommen mögen.

War Mrs. Hussey Bibliothekarin?Die Charakterzeichnungen der Figuren werden immer vielfältiger, blühen auf von zarten Knospen zu vielgestaltigen Blütenkelchen und doch ist es bis zur vollen Blüte noch ein weiter weg – nicht nur kalendarisch, will ich sagen.

Written by Wolf

9. January 2007 at 1:08 am

Posted in Steuerfrau Steffi

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