Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

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Frau Fernseherin hat mir auf dem Revier des anderen Wolfes ein Stöckchen zugeworfen. Kaum gelernt, was das ist, schon muss man vor der Gemeinde vortanzen. Nee, Quatsch, es ehrt mich natürlich. Alle Menschen werden Geschwister.

Das Stöckchen lautet dahingehend, die zehn nutzlosesten Sachen aufzuzählen, die ich kann. Na, das kann doch einem Geisteswissenschaftler nicht so schwer fallen… – One, two.

1. Ich kann die Ouvertüren zu zahlreichen Operetten fehlerlos nachpfeifen, die Lustige Witwe und die Fledermaus praktisch auswendig mitsingen, alle Rollen. Das rührt aus meiner Kindheit, in der ich den Hausradiosender meines Vaters mitanhören musste. Um eine Vorführung wurde ich noch nie gebeten.

2. Ich kann den besten Kartoffelsalat diesseits des Pecos. Das ist insofern nutzlos, als ein ganzes Glas Mayonnaise nebst der Brühe aus einem Magnum-Glas Essiggurken pro Schüssel nicht jedermanns Sache sind.

3. Ich kann mit der gesamten Historie der Schreibwerkzeuge schreiben. Gänsekiele am lebenden Objekt ausreißen, in heißem Sand härten und zuschnitzen – alles kein Problem. Im Keller oxidiert die Olympia Monica rum, auf der meine Mutter in den 1960ern Stenotypistin gelernt hat. Wenn wer eine Schiefertafel braucht? Spitz-, Bandzug-, Plakat- und Redisfedern? Sepia- oder Eisengallustinte? Kalbs- oder Ziegenpergament? Als nächstes kommt dann Word für Vista.

4. Ich kann als frisch initiierter Donaldist zu meiner ersten Veranstaltung fahren und beim Mairennen 1999 zu Speyer aus dem Stand den ersten Preis abräumen (rund fünf Kilo U-Comix aus den 1980ern). Dabei gelte ich innerhalb der Organisation keineswegs als besonders quellenfest, sondern als Karteileiche, und innerhalb des Mairennens allenfalls als Schmiermaxe meines geschätzten Tandem-Gewinners. Und wiederholen möcht ich das auch nicht müssen.

5. Ich kann barfuß einen Berg besteigen. Nicht grade das Geröllfeld vom Watzmann, aber kieselig darf’s ruhig werden. Und mir macht das auch noch Spaß.

6. Ich kann mich bei Mensch-ärgere-dich-Nicht wirklich nicht ärgern, weil ich voraussetze, dass ich jedes Spiel verliere. Das hat einst dazu geführt, dass niemand mehr mit mir spielen wollte. Bei Trivial Pursuit hatte der gleiche Effekt andere Gründe.

7. Ich kann immer noch die Bürgschaft auswendig. Musste ich in der siebten Klasse lernen. Fast so nutzlos wie Punkt 1.

8. Ich kann zwanzig Jahre warten, bis eine CD endlich erschwinglich wird. Beatles-Platten hab ich mir schon als LP nie gekauft, weil es die nie zu einem Preis gab, über den ich diskutiere. Eine schmerzliche Lücke im Musikrepertoire und eine Ausprägung von Engelsgeduld, die sich schon störend auswirkt.

9. Ich kann mich mindestens zwei Tage lang ausschließlich von Zigaretten ernähren. Wenn die alle sind und man nicht auf mich aufpasst, mach ich’s wie die Sukkulenten.

10. Noch was Barfüßiges: Ich kann Mädchen an den Füßen auseinanderhalten. Bei Mannsbildern funktioniert das auch, aber lange nicht so unfehlbar, ich hab’s versucht. Die an Mädchen angebrachten Zehen dagegen sind fast so sprechend wie Gesichter. Den “Fetischisten” muss ich mir verbitten, vielmehr glaube ich, dass einen das sogar klüger macht, von wegen genauem Hingucken und Einschätzen und allem. Die Füße von Scarlett Johansson, in jüngerer Vergangenheit oft abgefilmt, sind im übrigen heillos überschätzt, die aerodynamischsten hat immer noch Kate Moss.

Hach, wie geläutert ich mich nun fühle. Das Stöckchen geht weiter an die Wölfin und an Elke – und sehr gern an jeden, der es freiwillig auffangen mag.

Written by Wolf

25. January 2007 at 3:04 am

Posted in Mundschenk Wolf

5 Responses

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  1. Mein Gott, wie viele Wölfe sind das denn hier! Da holt man sich ja Flöhe. ;)

    Das mit dem Warten auf einen angemessenen Preis bei Musikträgern kenne ich auch. Und wenn es dann alle Alben einer bestimmten Band für 10 Euro das Stück gibt, kaufe ich mir so viele auf einmal, dass ich keine Lust mehr habe, sie mir anzuhören. ;)

    Bei Spielen ärgere ich mich immer, wenn ich verliere. Sonst würde es mir auch keinen Spaß machen, glaube ich.

    Ahoi.

    fernseherin

    25. January 2007 at 1:29 pm

  2. Ähm, alsooo, 10 der nutzlosesten Sachen, die ich kann.

    1. Da wär schon mal das Bloggen und das Design. Wie nützlich ist das denn.

    2. Ich erkenne Katzenrassen und ob sie Freigänger sind oder Stubenhocker am Geruch ihres Fells (Freigänger riechen frisch, weil sie den Sauerstoff in ihr Fell reingepludert haben). Vollkommen verschwendete Gabe.

    3. Ich kann sogar noch telefonieren, wenn der Akku schon runter ist. Da kann man dem Anderen am anderen Ende der Leitung Sachen sagen, die er nie hören wird. Klasse.

    4. Ich kann den zweitperfektesten libanesischen Auberginenauflauf auf der Welt nach Dominique, meinem syrischen Ex-Nachbarn. Das ist auch besser so, dass es nur der zweitperfekteste ist, die Ranzen der Esser spannen danach jedesmal ganz schlimm.

    5. Ähnliches ist über meine Wan Tan Suppe zu vermelden, deren Teigbeutelchen ich mit handgemachtem Nudelteig mache und einer echten Farce mit frischem Bambussprossen und Sake. Es gibt fast immer Fress-Tote.

    6. Ich kann supergut und laut mit Grashalmen pfeifen. Weil ich das Pfeifen mit den Finger im Mund überhaupt nicht kannn. Aber: Gibt es keinen Grashalm am Wegesrand, dann kein Pfiff. Logisch, oder.

    7. Ich kann Buchbinden. Japanische Bindung, Fadenbindung. Braucht auch kein Mensch mehr.

    8. Das können sicher nicht mehr sehr viele: Ich kann mein Kinder-Nachtgebet noch. Auch nicht mehr so nützlich, denn ich geh zu gottesfürchtiger Zeit kaum noch ins Bett.

    9. Ich kann Mauern superglatt verputzen. Nein, nicht esse, verputzen. Scheint aber nicht nützlich zu sein, denn ich brauche sehr lange dazu. Kommt Mann mit Maschin’, schmeißt Kleisterschmodder an die Wand, reibt mit Riesenprügel drüber, ist fertig an einem Tag, frage nicht.

    10. Ich kann 2 Stunden vorher hören, bevor ein Erdbeben kommt. Es gibt ein hohes Sirren, das wohl oft nur Hunde oder andere Tiere hören. Ist nicht sehr nützlich, denn in 2 Stunden kommt man nicht vom Epizentrum auch nicht weg, vor allem wenn man es direkt unter dem Hintern hat.

    Tschüß, mein Gudster
    die Wölfin

    Das Stöckchen geht weiter an Silke.

    vroni

    26. January 2007 at 2:17 am

  3. Liebe Mitwölfe-

    Kochen ist niemals sinnlos!- Sage ich jetzt mal so, während mir klarwird, daß ich damit angefangen habe. Aber immerhin mit etwas, was niemand essen will. Ihr zählt da Sachen auf, nach denen ich mir die Finger ablschlecke. Nun, bis auf den Auberginenauflauf, aber das ist eine persönliche Sache.

    Und das mit den Katzenpelzen… Ich weiß nicht. Mein einer kleiner Liebling riecht grade ständig, als wäre er in ein Sauerkrautfass gefallen, die Sauerstoffassimilation scheint also nur bedingt zu funktionieren, wenn Silage greifbar ist. Und die Rasse… Das glaub ich erst, wenn ich es sehe! Leider habe ich nur zwei Katzenrassen zur Verfügung, die sich zu einfach an der Fellstruktur unterscheiden lassen. Aber wenn es mir gelingt, ihren Geruch zu isolieren, bestehe ich auf einem Test. Einstweilen begnüge ich mich damit, daß ich im Fell meiner Kätzchen erschnüffeln kann, in welchem von zehn Mitbewohnerbettchen sie geschlafen haben (Huch! Ich bin nicht Schneewittchen, daß das klar ist!) und bereue, daß mir diese unnütze Fähigkeit nicht früher eingefallen ist.

    So. Und nun habe ich erfolgreich den einzigen Kommentar, für den ich heute Zeit habe, ausserhalb meines Blogs verschleudert. Verdammt. ;)

    P.S.: Auch Buchbinden ist zu schön, um sinnlos zu sein. L’art pour l’art, oder so.

    Wolf

    26. January 2007 at 7:52 pm

  4. Stimmt eigentlich… Man hätte viel genauer definieren müssen, was noch “nutzlos” und was schon “schön” ist…

    Wolf

    27. January 2007 at 12:37 am

  5. Unnütz oder nütz…

    Spät kommt sie, aber sie kommt.
    Die Elke bringt das Stöckchen. Braav? ;o)

    hochhaushex

    28. January 2007 at 5:26 am


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