Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

The Encantadas, Sketch Ninth: Hood’s Isle and the Hermit Oberlus

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This island’s mine, by Sycorax my mother.
Shakespeare, The Tempest I, ii, 481

Herman Melville bereiste fünf Jahre vor Darwin die Galapagos-Inseln. Ausgesprochen lebendige und informative Miniaturen davon lieferte er in den Encantadas, an deren Wahrheitsgehalt es keinen Grund zu zweifeln gibt.

GegenweltDie neunte der zehn Skizzen berichtet von dem Eremiten Oberlus, der um 1800 auf die Hood-Insel desertiert war und seitdem ein misanthropisches Leben dort führte. Zottig, ungewaschen, verhuscht und misstrauisch, ein wenig gottesfürchtiger Nachfahre von Robinson Crusoe, empfing er die selten anlegenden Seeleute, denen er selbstgezogene Kartoffeln und Kürbisse gegen Branntwein und Dollars verhökerte. Nachts rollte er sich in seinem Verschlag aus Lava und Schlacken zusammen und sah wie ein zusammengewehter Blätterhaufen aus. Alles, was ihn über seine Nachbarn, die Galapagos-Schildkröten, erhob, war der Drang, sich gelegentlich zu besaufen. Niemand mochte ihn, und er mochte niemanden.

Irgendwann eignete er sich nicht nur eine Donnerbüchse und ein paar rostige Entermesser, sondern auch noch vier gestrandete Desperados an, die er als autokratischer Sklavenhalter jahrelang in Schach hielt. Das Zusammenleben der fünfe muss sich nicht sehr erbaulich gestaltet haben. Das nächstbeste Schiff, das an Oberlus’ Landing kam, um Kartoffeln und Brennholz zu fassen, enterte er mit ihrer Hilfe und entkam nach Guayaquil in Peru.

In einem Brief, den er den zurückgelassenen Seeleuten in seiner Hütte an die Steinwand nagelte, setzte er gallig, jedoch überraschend eloquent auseinander, wie er seit Jahrzehnten versucht hatte, vorbeikommenden Kapitänen ein Boot abzukaufen und ein paar Dollars für einen menschenwürdig gearteten Lebensabend zusammenzukratzen, deren er aber immer wieder von vorgeblichen Christenmenschen beraubt wurde. Also nichts für ungut, es war Notwehr.

Im peruanischen Payta gelang es Oberlus, eine braunhäutige Schönheit für sich zu gewinnen. Jenes abgelegene Eiland voller Fels und Schlacken, auf dem er den Großteil seines Lebens verbracht hatte, schilderte er ihr als blühendes Paradies.

Nach dem neuerlichen Versuch, sich ein Schiff anzueignen – und zwar diesmal, um auf die Hood-Insel zu gelangen statt von ihr zu fliehen –, verliert sich Oberlus’ Fährte im Gefängnis von Payta, das einen womöglich noch unerfreulicheren Aufenthalt als die Hood-Insel darstellte.

Oberlus ist, sagt Melville, außerdem noch in Voyage into the Pacific von einem gewissen Potter belegt, und das ist das einzige an dem Bericht, was nicht weiter belegt ist….

Was wir daraus lernen? Ach Gott, muss ich denn alles kaputterklären?

Written by Wolf

13. February 2007 at 2:25 am

Posted in Moses Wolf

5 Responses

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  1. Verbesserung: Darwin war durchaus vor Melville auf Galapagos. Auf der zweiten Reise der HMS Beagle nämlich, am 15. September 1835:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Second_voyage_of_HMS_Beagle#Gal.C3.A1pagos_Islands

    Und was machen wir nun mit dieser Information? Suggestions, anyone?

    Wolf

    6. June 2007 at 3:23 am

  2. Hm, uns über chronologische und historische Exaktheit freuen vielleicht? Auf die ja der wissenschaftlichen und auch sonstigen Seriosität halber schon Wert gelegt wird.

    Andererseits hat sich für mich die Frage, v o r oder n a c h wem Darwin gekommen ist (also mit seinen umwälzenden Erkenntnissen jetzt ;) ), auf seltsame Weise relativiert und beinahe eine feste Feste ins Wanken gebracht. Oder wie sollte man das sonst nennen, wenn man in einer Fernsehdokumentation über Artenschutz auf einmal erfährt, dass der große Darwin gar nicht derjenige (zumindest nicht der erste und einzige) war, der die Evolutionstheorie begründet hat?

    Es gab da nämlich noch einen Herrn Wallace. Der, den ich jetzt meine, hat ausnahmsweise keine Krimi-Schinken im Londoner Nebel verzapft, sondern wird von Insidern als d e r Pionier der Feldforschung gefeiert. Auf Galapagos war er übrigens auch nicht, nicht ganz. Dafür lange Jahre mehr so in der Südsee. Unter Alfred Russel Wallace findet sich in der Wiki u.a. der schlichte Satz: “Unabhängig von Charles Darwin formulierte er die Evolutionstheorie.” Die Macher der Fernsehsendung (von der ich leider den Titel vergessen habe) versicherten sogar, dass seine Dokumente Darwin ins Zwielicht geraten lassen:

    Er, gegen den Wallace, nie Ansprüche auf den Vorrang an der Evolutionstheorie geltend machte, hat vermutlich erheblich von dessen Forschungsergebnissen und Aufzeichnungen profitiert, auf die er bei der Veröffentlichung seiner “On the Origin of Species” sehr zurückhaltend verwies. Zurückhaltung wird ihm auch noch in anderer Hinsicht vorgeworfen: in der rechtzeitigen Veröffentlichung (nämlich wohlweislich erst nach seinen eigenen) von Wallace’s entscheidendem Manuskript, dem Ternate-Essay, worum dieser ihn gebeten hatte. Was ihn in den Ruch – wenigstens teilweisen – geistigen Diebstahls setzt.

    Wallace selbst war Zeit seines Lebens ein glühender Darwinist und ein ebenso flammender Kritiker unter den ersten Darwinisten. Er stand mit Darwin bis zu dessen Tod im Briefwechsel und trug sogar höchstpersönlich seinen Sarg mit zu Grabe….

    Was das jetzt mit dem Wolfschen Aufruf nach Suggestions zu schaffen hat, weiß ich nun auch nicht so recht. Genauso wenig, was wir mit DIESER Information nun machen sollen. Vielleicht daraus die Erkenntnis schöpfen, dass es noch mehr und andere kauzige Typen wie unsern verehrten Papa Melville gegeben hat, denen wir Großes verdanken? Und dass sie einander manchmal fast gegenseitig vor den Füßen rumgelaufen sind. Aber spannend ists schon, gell? :o)

    Ui, sorry for spamming!

    hochhaushex

    8. June 2007 at 10:36 pm

  3. Nu ja, es führt durchaus weg von Melville – aber machense doch trotzdem mal einen Gastbeitrag aus Ihren Forschungen fertig, Frau Bordkameradin.

    Wenn wir hier gelesen würden, hätten wir jetzt schon den zweiten Wissenschaftsskandal in der Röhre: Der Musikus Moby hat sich bis heute nicht dagegen verwahrt, dass er unter Umständen gar nicht von dem Melville, den man in der Schule lernt, abstammt :o)

    Wolf

    9. June 2007 at 3:13 pm

  4. […] leave a comment » Update zu Hood’s Isle and the Hermit Oberlus: […]

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