Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Reger Betrieb: Elke hat das 20. Kapitel gelesen

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Galionsfigurine Elke glaubt an gar nix mehr:

Dieses heftige Gewusel und Geschleppe an Bord macht einen ganz aufgeregt und nervös. Ist das jetzt Reisefieber? Und dann steht man auch noch das ganze Kapitel lang irgendwie im Weg rum, wo überall wer was herankarrt, verstaut und in die richtigen Luken dirigiert.

Und wieso zum Teufel muss eigentlich Ismael, dieser nichtsnutzige Hilfsmatrose, der gerade mal für den dreihundertsten Teil in der Musterrolle steht, da nicht mit zupacken? So ein Walfänger ist doch sowas wie ein kleines Wirtschaftsunternehmen mit allem Drum und Dran, für zweidrei Jährchen auf dem weiten Meer auf sich allein gestellt. Eine eigene kleine Welt, von ein paar knauserigen und profitgeilen Quäkern finanziert – kann sich so ein Laden solch müßige (Zu-)Schauermänner überhaupt leisten? Oder darf der Kerl sich ein bisschen im Licht seines privilegierten Superharpuniers Queequeg sonnen?

Ordentliche Verpflegung scheint ja wenigstens schon mal vorgesehen zu sein, wo sogar Rindfleisch in den Laderaum wandert. Eine Selbstverständlichkeit war nämlich das Bei-Kräften-und-bei-Laune-Halten der wilden Waljäger durchaus nicht überall. Erfährt man jedenfalls aus einschlägigen Berichten eines bekannten und allseits beliebten Küstenvolkes über das Leben auf hoher See:

Trotz großer Mengen Proviant brachte der Küchenzettel auf einem Walfänger nicht viel Abwechslung und fast unverändert bekamen die Waler Woche für Woche:

  • Sonntag Graue Erbsen mit Pökelfleisch
  • Montag Gelbe Erbsen mit Stockfisch
  • Dienstag Graue Erbsen mit Fleisch
  • Mittwoch Gelbe Erbsen mit Stockfisch
  • Donnerstag Gelbe Erbsen mit Stockfisch
  • Freitag Graue Erbsen mit Fleisch
  • Samstag Gelbe Erbsen mit Stockfisch

Nur selten gab es weiße Bohnen oder Sauerkraut.

Wenn vielleicht solcherart Abwechslung aus der Kombüse droht – ins Neuenglische übersetzt, vermutlich eine chowderhafte – ist doch die Initiative und rührende Emsigkeit von Omma Charity mit ihrem sauer Eingelegten gar nicht hoch genug zu schätzen. Bejahen wir sie also ohne Wenn und Aber – zumal die aufdringliche Fürsorge auf zwei Beinen an Land zurückbleibt.

Stutzen ließ mich allerdings Ismaels Reaktion auf das Erscheinen der alten Dame auf dem Schiff. Die zunächst ein weiteres Mal unsere Ausgangsthese von der Abwesenheit des weiblichen Geschlechts in der mannsbildokkupierten Handlung widerlegt. Ismael findet ihr Auftauchen erschreckend. Und ich frage mich, ob vielleicht noch mehr als sein frühkindlicher Stiefmutterkomplex dahinterstecken mag. Er ist ob des unheimlichen, weil hartnäckig unsichtbaren, Ahab eh schon von Zweifeln und Ahnungen hin- und hergerissen. Und dann das! Wo doch jeder Seemann weiß, dass – im Gegensatz zu KatzenFrauen an Bord Unglück bringen!

Da kann er noch so cool tun (Bloooß nicht pfeifen! – das lockt den Sturmwind heran) und sich im Verdrängen üben. “Wenn aber ein Mann den Verdacht hegt, daß etwas nicht stimmt” (S. 175), fällt dann nicht der ganze Aberglaube der christlichen Seefahrt auf fruchtbaren Boden? Oder dichte ich dem guten Melville schon wieder was Abseitiges in seine Charaktere rein?

Voyage Route of the Pequod, Literary Map

Written by Wolf

19. February 2007 at 1:58 am

Posted in Steuerfrau Elke

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