Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Hier spricht Elke Wallace

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Elke orakelt übers Kapitel 21: Es geht an Bord:

Elke HegewaldIch stelle mir gerade die Szene vor: diesen frostigen Morgen, an dem man im Stockdunkeln aus dem warmen Bett krabbeln muss, um sich im Nebel zum zugigen Hafen aufzumachen. Zu diesem seltsamen Schiff dieses noch viel seltsameren Kapitäns, das heut in sein lebensgefährliches Abenteuer segeln wird. Man spürt geradezu das Frösteln, das einem als ausgewachsene Gänsehaut den Nacken hochkriecht – ungemütlicher und unheimlicher geht’s nimmer.

Oder doch? Da verschwinden nicht nur die Schatten der Seeleute – vermutlich die künftigen Bordkamerden – vor unseren zwei Freunden wieder im Dunst. Nein, aaaaaah… plötzlich wird man an der Schulter gepackt und – dieser Unglücksprophet steht wie aus dem Nichts plötzlich wieder vor einem. Da hätte nicht nur unser Ismael ihm ein “Pfoten weg!” entgegengezischt. Solides Grusel-Feeling, fast wie in einem ollen Edgar-Wallace-Schinken mit der dicken Nebelsuppe am Themse-Ufer.

Hm, und auch diesmal wird man diese Klette von Elias nicht los. Wird auch diesmal nicht schlauer aus seinen halbirre gemurmelten Andeutungen und Warnungen bis hin zum Hohen Gericht – was immer er damit meint.

Und wären wir nicht schon eine ganze Weile in der Melvilleschen Bibelverwobenheit und -symbolik des Moby-Dick gefangen – bei Ahab und Ismael und wie sie alle heißen – man würde in ihm ja eher eine orakelnde Pythia denn einen Propheten sehen wollen. Von ersterer weiß man ja, wie mehrdeutig und missverständlich ihre Weissagungen waren. Davon konnte nicht nur der sprichwörtliche Krösus nach seinem Fiasko gegen die Perser ein Lied singen.

Da hätte es für unsere zwei Freunde, nachdem sie den aufdringlichen Seher endlich abgeschüttelt haben, doch auf dem Schiff ruhig ein bisschen heimeliger werden können. Pustekuchen! Kein Ende der gespenstischen Stimmung:

Als wir endlich das Deck der Pequod betraten, fanden wir alles in tiefster Stille vor; nicht eine Menschenseele war zu sehen. Das Schott zur Kajüte war von innen verschlossen; die Luks waren alle verschalkt und mit Tauwerkrollen beschwert.”
(S. 177/178)

Na toll! Und uuurgemütlich! Hier soll man sich nun für zweidrei Jährchen zu Hause fühlen?

Da muss es vielleicht auch keinen wundern, dass Queequeg ein seltsamer Übermut packt und er in die wilden Sitzgewohnheiten seines Südseekönigreiches zurückfällt. Irgendwie muss man sich doch gegen diese beklemmende Umgebung wehren, selbst wenn’s auf Kosten des armen Takelgastes und seines friedlichen Schlummers geht.

Na, langsam kommt ja nun doch Leben in die Bude. Der Wolf hat uns ja schon den braven Starbuck ans Herz gelegt und unsere Neugier geweckt. Ha, und sogar der – immer noch unsichtbare – Ahab soll sich ja inzwischen wenigstens schon mal in seiner Kapitänskajüte verschanzt haben.

Written by Wolf

23. February 2007 at 4:08 am

Posted in Steuerfrau Elke

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