Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Dear Mr. Queequeg, you have been informed your life’s been saved

with one comment

oder: Urviecher unter sich

Elke rockt auf:

Elke HegewaldEine Lesemannschaft, die seit Monaten mit Herman Melville lebt, weiß längst nicht mehr nur von Experten, dass es kulturelle Standardwerke gibt, die langlebig und nachhaltig in ganze Generationen gesickert sind. Über die man auf Schritt und Tritt – in der Kunst und im Alltag – in Form von Zitaten, Insider-Sprüchen und Symbolen geradezu stolpert. Moby-Dick gehört ohne Zweifel zu ihnen. Ob er nun in seichten Filmkomödchen als Nachweis für die Belesenheit eines Kerls herhalten muss, der um eine Angebetete herumbaggert, die Helden kultiger Fernsehserien ihren Hund und ihren Daddy nach einem Romanhelden benennen oder sich in ebensolchen gar selber mit ihm identifizieren. Ja, manch einer trifft Queequeg sogar in einer Berliner Kneipe. Sowas kann uns Jäger und Sammler auf Mobys Spuren kaum noch überraschen – aber es hält den Jagdtrieb wach. Und was dabei herauskommt, ist nicht zuletzt in diesem Blog in bunter Folge dokumentiert.

Was wir auch schon wissen: dass es viel mehr so schnurrige Leute wie uns gibt als man denkt, die dieses alte Buch nicht loslässt. Das freut uns doch. Und einige von denen machen sich ihren eigenen Moby-Dick.

Mastodon, Leviathan Guitar Tab BookSo auch eine Band mit dem urigen Namen Mastodon, vielleicht nicht nur Insidern und Fans ein Begriff. Jedenfalls haben sie mit ihrem Konzeptalbum Leviathan, das man auch gut eine Rock-Oper nach der Melvilleschen Vorlage nennen kann, 2004 mit Wahnsinnserfolg ihren großen (Wal-)Fang eingeholt. Die Idee dazu hatte Brann Dailor, der Drummer der Band. Und herausgekommen ist die Geschichte von Moby Dick in bemerkenswertem Songwriting und facettenreicher Musik, die von verschiedenen Metal-Genres bis Rock und Hardcore reicht.

Eine mitreißende und flott zu lesende Rezension, deren Ausführlichkeit kaum Fragen offen lässt, habe ich bei Captain Chaos gefunden und kann mir ein paar Auszüge daraus hier nicht verkneifen, um einen Eindruck zu vermitteln:

[…] um so ein Album zu erschaffen, braucht es mehr als nur musikalisches Können, es braucht Visionen und Konsequenz in erhöhter Dosis. MASTODON haben dies. […] die jeweiligen Stimmungen der Texte müssen eben eingefangen werden. Dadurch steht das geheimnisvolle und düstere “Seabeast”, das so intensiv ist, dass man Moby Dick wirklich vorbeischwimmen sieht, in trauter Eintracht neben dem brutalem und verschachtelten “Island”. Noch wilder wird es mit “Megalodon”, das relativ dezent und ruhig beginnt, nach einem Break mit Country-Gitarren jedoch in eine METALLICA-mäßige Speed Metal-Richtung abdriftet. Mit seinen fast 14 Minuten ist das progressive Epos “Hearts Alive”, das die Stimmung wechselt wie ein Chamäleon seine Farbe am undurchdringlichsten. Großes Kino, doch gleichzeitig der einzige Song, der leicht zerfahren wirkt.

Dafür gibt es große Gänsehautmomente in “Iron Tusk”, zu dem man sich vorstellen kann, wie ein betrunkener, bärtiger aber trotzdem erhabener Seemann Geschichten erzählt, das ist eine tolle Leistung von Sänger Troy Sanders. “Naked Burn” reißt von Anfang an mit, ist eine leidenschaftliche Nummer, die von dem cleanen, an Ozzy Osbourne erinnernden Gesang von Brent Hinds lebt und bei dem man sich richtig vorstellen kann, wie ein Matrose nachts an Deck steht, seine Liebste vermisst aber gleichzeitig hofft, noch viel von der Welt zu sehen. Das beeindruckendste und wahnsinnigste Stück auf “Leviathan” trägt den verdienten Titel “Aqua Dementia”. Ein wildes und unkontrolliertes Meisterwerk, das nicht mal vor Black Metal-Gekreische halt macht und zusätzlich mit der unvergleichlichen Stimme von NEUROSIS-Sänger Scott Kelly veredelt wurde. Unfassbar intensiv und atemberaubend spannend. […]

Dem Quartett ist das geglückt, was ich erhofft, aber nicht für möglich gehalten habe: […] einen der besten Romane der Erde würdig zu vertonen. MASTODON zeigen, dass sie eine Band sind, die nicht belächelt werden darf, denn sie schaffen es, die Qualitäten der alten Rock- und Metalbands ins 21ste Jahrhundert zu befördern. Respektiert dieses emotionale, intensive, spannende und gehaltvolle Album, alles andere wäre Frevel. MASTODON retten den Rock.

Auf YouTube und der offiziellen Band-Site sind diverse Musikvideos, auch mit Titeln aus diesem Album, zu finden. Ansehenswert finde ich vor allem die Seabeast-Version, die neben der musikalischen Umsetzung ein Feuerwerk an Effekten bietet: von schattenspielähnlichen Szenen über verfremdende und expressive Pantomime bis hin zu durch das Bild tanzenden Ballettmädchen in Spitzenröckchen – großes Kino.

Wem das noch nicht reicht, der kann auch gerne noch in ein Interview des Man in Front zum Leviathan reinhören. Oder sollte ihm die Jagd zu wild und die Musik zu laut sein, in den Lyrics wühlen.

Yeah! White whale – holy grail…

Mastodon die Band

Written by Wolf

4. May 2007 at 1:14 am

Posted in Smutjin Elke

One Response

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  1. […] des Wahnsinns heute: Blood and Thunder von den Mastodonten (die gabs hier auch schon mal blogwert), ziemlig metallic (und nochmal mit […]


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