Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Vom Umgang mit Ungeheuern und Urtexten

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Update zu Moby-Dick; oder: Der Wal. Der Rathjen:

Meer und Walfang verweigern sich jeder romantischen Etikette. […] Und genau so ist es der Sache angemessen.

Robert Habeck

By no means the sort of book for youAch ja: Was die Rathjen-Übersetzung noch so schön wertvoll macht: Da sind nämlich außer den aufgeführten Leckereien auch noch alle Illustrationen von Rockwell Kent drin. Das sind die historischen, bei denen man sofort an Moby-Dick denkt, wenn man sie irgendwo nur aufblitzen sieht. Erst von 1930, aber die 79 Jahre konnte das Buch warten, bis es so kongenial bebildert werden durfte.

Die Tonart der Bilder singt nämlich genau von den Gründen, aus denen Herman Melville selbst, ein kommerzieller Selbstrufmord mit den Mitteln des Mikromarketing, seiner Nachbarin und potenziellen Leserin Sarah Morewood von seinem neuen Buch abriet:

Don’t you buy it – don’t you read it, when it does come out, because it is by no means the sort of book for you. It is not a piece of fine feminine Spitalfields silk – but is of the horrible texture of a fabric that should be woven of ships’ cables and hausers. A Polar wind blows through it, & birds of prey hover over it. Warn all gentle fastidious people from so much as peeping into the book – on risk of a lumbago and sciatics.

Oder im Deutsch von Matthias Jendis:

Kaufen Sie dieses Buch nur ja nicht – lesen Sie es nur ja nicht, wenn es herauskommt, denn es ist ganz und gar nichts für Sie. Es ist kein feines weibliches Stück Spitalfields-Seide, sondern aus jenem grauenhaften Gewebe, das aus Schiffstrossen und Tauen gemacht ist. Ein Polarwind pfeift hindurch, & Raubvögel umflattern es. Warnen Sie alle zartbesaiteten Seelen davor, auch nur einen flüchtigen Blick in dieses Buch zu werfen – sie riskieren Hüftweh und Hexenschuss.

Holzschnitte sind es, von der Sprödigkeit und dem Pathos, die dem Sozialistischen Realismus innewohnen. Lieblich sind sie nicht, aber sie illustrieren, ja sie sind selbst Männersachen wie harte Arbeit, grundlegende Philosophie und die Schonungslosigkeit unser aller Leben.

Ob Jendis oder Rathjen besser gearbeitet hat, lässt sich diskutieren (was wir noch tun werden), jedenfalls kommt Jendis bei Hanser ganz ohne Bilder aus, und im Rathjen bei Zweitausendeins sind sie größer als in der englischen Ausgabe bei Modern Library Classics, die sämtliche Rockwell Kents bringt.

Immerhin Kent hat seinen Melville verstanden.

Birds of prey hover over it

Written by Wolf

2. June 2007 at 1:23 am

Posted in Rabe Wolf

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