Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

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Update zu With Life to His Fingertips:

Im April 1864 besuchte Herman Melville mit seinem Bruder Allan aus einem patriotischen Bedürfnis heraus die Schlachtfelder des Bürgerkriegs in Virginia. Auch seinen Landsitz Arrowhead hatte er dem kleinen Bruder (*1823) weitergegeben. Kurz nachdem er wieder zu Hause in New York war, musste er aus der Zeitung erfahren, dass man seinen Freund Nathaniel Hawthorne am 19. Mai tot im Bett aufgefunden hatte, ebenfalls auf Reisen mit einem Freund.

Ungeklärt ist, ob sich Melvilles Totenklage in seinem einzigen Gedicht versteckt, das es zu einigem Ruhm und zum Schulstoff gebracht hat. Dagegen spricht, dass es keine Hinweise auf eine Entfremdung zwischen den beiden gibt, wie sie das Gedicht beklagt; der andere mögliche Adressat wäre Melvilles Erstgeborener Malcolm, der 1867 mit Kopfschuss in seinem Zimmer aufgefunden wurde. Da war er 18, und von wem sind 18-Jährige nicht entfremdet. Die Unglücksfälle verteilen sich, die Klage darüber ist nicht eindeutig zu datieren.

Gedruckt wurde Monody erst 1891 in Timoleon. Aber eine Abschrift von Melvilles Hand steht auf der Titelseite seiner Ausgabe von Hawthornes Englandbuch Our Old Home, und das ist von 1863.

Monody

To have known him, to have loved him
     After loneness long;
And then to be estranged in life,
     And neither in the wrong;
And now for death to set his seal–
     Ease me, a little ease, my song!

By wintry hills his hermit-mound
     The sheeted snow-drifts drape,
And houseless there the snow-bird flits
     Beneath the fir-trees’ crape:
Glazed now with ice the cloistral vine
     That hid the shyest grape.

 

Monodie

Ihn gekannt, geliebt zu haben
     Nach langer Einsamkeit
Und dann einander fremd zu werden
     Und keiner ging im Streit;
Und nun setzt noch der Tod das Siegel –
     Erlöse, löse mich, mein Lied.

Das Grab bedeckt aus weichem Schnee
     Ein sanftes Leichentuch,
Der Schneefink schwirrt nun heimatlos
     Am Waldrand durch die Luft,
Und Eis bedeckt die keusche Rebe,
     Die trug die scheuste Frucht.

Übersetzung: Werner Schmitz in: Ein Leben, Hanser 2004.

Chara Williams, Dirge

Bild: Chara A. Williams, CD-Cover Dirge; Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

15. June 2007 at 6:44 pm

Posted in Laderaum

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