Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Die Rache der Wortteufelin, Part römisch zwo

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Update zu Wolf + X + Y:

Titanic-PlakatGäbe es eine Blogosphäre, wäre sie der Gewinner des Klimawandels: Endlich dermaßen unvorhersagbares Wetter, dass man seine verbleibende Lebenszeit am Laptop verbringen darf, und als einziger Niederschlag ab und zu ein Stöckchen.

Das von der Teufelskollegin geht so:

Jeder Spieler, jede Spielerin beschreibt acht Wahrheiten von sich. Wer das Stöckchen zugeworfen kriegt, schreibt das alles in seinen Blog rein, mitsamt den Regeln. Nun überlegt man sich, an welche acht Personen resp. Blogs man das Stöckchen weiter reicht. Schlussendlich schreibt man bei den Betreffenden einen entsprechenden Beitrag/Kommentar in den Blog.

Dann sind wir mal nicht so. One, two.

  1. Ich bin Donaldist und steh dazu. Auch wenn ich sträflich selten zeremoniere und nicht zu den Quellenfestesten zähle, erkenne ich den richtigen Moment, die Hymne zu singen und bewundere heillos die Chuzpe und den Ideenreichtum, mit dem manche meiner Kollegen in dieser weltumspannenden Jugendorganisation das Leben auf stella anatium mit allgemeingültiger Wissenschaftlichkeit zu verbinden wissen. Duck auf!
  2. Im Mittelalterverein bin ich auch noch. Auch hier: zu selten, zu wenig engagiert, aber es ist eine Facette, die meine Persönlichkeit widerspiegelt. Ich nenne es Wurzeln gießen: Deutschland und die Deutschen, zu denen ich, was okay ist, schon mal gehöre, waren dreimal in der Geschichte ganz bei sich: im Mittelalter, in der Romantik und dann nochmal in übersteigerter, sehr hässlicher Ausprägung. Wenn jemand einen Romantikverein in München kennt, soll er’s sagen.
  3. Ich bin Anhänger des Radikalen Konstruktivismus. Das war nicht so geplant, es hat sich so ergeben. Diese Erkenntniswelt, nach der es keine endgültige Erkenntnis geben kann, bestimmt mein Leben gerade so wenig, dass es noch ein Leben ist. Ein Schuss mehr, und ich brächte es damit zu, pausenlos alle Existenz einschließlich meiner eigenen zu leugnen. Das hilft beim Lohnschreiben für andere Leute, weil man alles und das Gegenteil davon beweisen kann. Ich passe höllisch auf, dass diese meine geistige Disposition nicht in moralische Beliebigkeit wegdriftet, und wünschte, das alles wäre nur Koketterie. – Nicht zu verwechseln mit Solipsismus.
  4. Bergvagabunden-LPMal was Unverfängliches: Ich kann Akkordeon. Nach einem als gelungen eingestuften Versuch mit Melodica wurde meine musikalische Früherziehung mit etwa drei Jahren Quetsche fortgesetzt: Kufsteinlied, Bergvagabunden mit Wechselbässen und so. Die Musiktheorie, die man dabei aufgabelt, hilft später, die Liedstrukturen auf richtigen Musikinstrumenten (Gitarre, Banjo, Mundharmonika, Suppenlöffel) zu abstrahieren, und zu verstehen, was an Bach-Fugen so mathematisch sein soll. Wenn mir dann noch einer gesagt hätte, dass man mit solchen Fertigkeiten Mädels abschleppen kann, hätt ich nicht immer nur für Freibier gespielt.
  5. Ich hab in der Schule ein Jahr wiederholt. Das nenne ich ungern “sitzengeblieben”, weil ich, naja, mehr oder weniger freiwillig nach dem Kollegstufenhalbjahr 13/1 nicht mit 13/2, sondern nochmal mit 12/2 weitergemacht hab. Wegen Mathe und Physik, das ich, wenn’s nach mir gegangen wäre, sowieso als erstes abgelegt hätte, weil mir keiner von den Lehrern die philosophischen Dimensionen an diesen schönen Fächern nahezubringen für nötig hielt, weil an mir doch eh Hopfen und Malz verloren war. Heute darf ich mir das ganze Zeug mit Schrödingers Katze in meiner Freizeit draufschaffen. Sitzenbleiben kann ich dennoch nur weiterempfehlen: Das war mein schönstes Jahr, vor allem weil ich schon eine mit 14 von 15 möglichen Punkten bewertete Facharbeit fertig hatte (ein wahrer Politthriller über Günter Wallraff: Ganz unten) und in meinem neuen Jahrgang eine sehr liebe Kollegin kennen lernen durfte, die mir bis vor kurzem geblieben ist. (Hey, Nadja! Geht’s gut?)
  6. Ich war mit einer Buchhändlerin und einer Krankenschwester zusammen, wie alle Germanisten. Sogar mit zweien von jeder Sorte – und zwar nacheinander. Die jeweils ersten sind sogar erst nach den Lebensabschnitten an meiner Seite Buchhändlerin und Krankenschwester geworden, es ist also kein Berufsfetischismus, sondern eine besondere Beschaffenheit der Mädchen, die zu sowas neigen. Die letzte von denen ist mit 31 gestorben (angeblich ein wildgewordener Krankenhausvirus), was auch traumatisch wirken kann, wenn man ausnahmsweise nicht schuld ist. Eine Cellistin fehlt in meinem Lebenslauf, die ist aber nur für Romanisten (besonders Lehramt oder 2. Nebenfach) obligat. Geheiratet wird dann doch die Grafikerin.
  7. Talking of sex: Ich konnte mir überdurchschnittlich lange meine Jungfräulichkeit bewahren. Bestimmt weil ich erst in der 12. Klasse (1. Durchgang) meine erste Brille gekriegt hab.
  8. Ich wurde in Wien gezeugt, auch wenn die Verantwortlichen bis heute alles abstreiten. In Grinzing.

Wie beliebten Frau Teufelskollegin zu berechnen? Nicht nur acht Wahrheiten, auch noch acht Weiterreichungen? Himmel, kenne ich acht Weblogs? Das Stöckchen verbleibt hier zur gefälligen Aufnahme wohlwollender Holzsammler, die es brauchen können. Der Klimawandel hat erst angefangen.

Bilder: Titanic, LPCD; Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

7. July 2007 at 3:04 am

Posted in Mundschenk Wolf

6 Responses

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  1. Das nenne ich mal einen interessanten Stock, Mr. Radikaler Konstruktivist. ;-) Mir täte es, glaube ich, ganz gut, wenn jemand ab und zu einfach mal meine Existenz leugnen würde. Ich selbst krieg das, wenn auch ein Ziel des Zen, irgendwie nicht so gut hin.
    Na, ich kau jetzt weiter an meinem Stock…

    phrixuscoyote

    7. July 2007 at 1:13 pm

  2. Ach, Zen heißt doch nicht viel mehr als Zuschauen, Entspannen, Nachdenken. Jedenfalls haben wir das in der Schule so gehandhabt, was bestimmt mit Punkt 5 zu tun hat .ò) Schaffensesich mal die Grundbestände der Herren von von Foerster, Glasersfeld und dem alten Haudegen Watzlawick drauf, da bleibt kein Stein mehr auf dem andern.

    Wolf

    7. July 2007 at 4:20 pm

  3. Interessant. Ich bin durch die Suche nach Schrödingers Katze auf deine Seite gestoßen (für ein Studienprojekt), habe ein Jahr wiederholt, spiele Akkordeon und »richtige Instrumente« und ein Projekt davor beinhaltete unter anderem Moby Dick. Eine Grafiker-Freundin habe ich auch. (bin aber auch selbst einer) Die anderen Sachen passen allerdings nicht ganz so ;)

    Ismael

    22. November 2007 at 1:17 am

  4. Uhui – my evil twin .ò)

    Wolf

    22. November 2007 at 1:45 am

  5. über umwege zu diesem verwilderten (vermutlich schon morschen) stück holz gefunden. wir haben außer dem la-boum-fetisch noch was gemeinsam *g*: ich hab auch eine ehrenrunde wegen mathe und physik eingelegt. leider bin ich (im gegensatz zu dir)dafür weder germanistisch noch philosophisch besonders begabt… :-) – auch, wenn ich es versucht hätte. deutsch kolloquium über oskar maria graf “unruhe…”

    stilke

    2. December 2007 at 6:56 pm

  6. Nach den Suchbegriffen zu dem Hölzchen frag ich dann mal lieber nicht *gnicker*

    Wolf

    3. December 2007 at 11:35 pm


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