Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Emmaline is sugar and spice and all things nice

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Jane Austen ist nicht, wie man so leicht glauben möchte, eine Art vierte Brontë-Schwester (na gut, es waren 5 plus 1 Bruder; die schreibenden – und veröffentlichenden – lassen sich aber auf Charlotte, Emily [Jane] und Anne einschränken), sondern ist schon wieder gestorben, als die älteste Brontin geboren wurde.

Die Austen war also keine viktorianische Pest, sondern hat sie schlimmstenfalls vorweggenommen, und das ist ja schon wieder eine Leistung. Die Welt, die sie da geschaffen hat, kann man mögen oder nicht, aber es ist eine in sich geschlossene, die mindestens so mythologisch und zitierfähig geworden ist wie die altgriechische Götter- und Heldenwelt oder Der Herr der Ringe, die Mutter aller Fantasy. Was sie ihrem Jugendwerk parodierte, hat Herman Melville als Gegenpol zu seinem eigenen Schreibansatz gekannt, und konnte daher nur warnen, bloß nicht seinen Moby-Dick zu lesen, wenn einem dergleichen gefiele:

Don’t you buy it – don’t you read it, when it does come out, because it is by no means the sort of book for you.

So gesehen ist es ein Verlust für alle Beteiligten, dass er Jane Austen nicht mehr erleben durfte, die es unter Verwendung der inkriminierten Seidentüchlein-Elemente besser konnte.

Emmaline Austere goes Sarah PhotogirlNicht ganz erforscht ist dagegen, ob Emmaline Austere nicht doch das siebente Brontë-Geschwister war. Offensichtlich stand sie anno 1888 in ihren blühenden Zwanzigern und könnte somit eine späte Hervorbringung des Haworther Landpfarrers sein. Ihr Veröffentlichungsmodus stellt sich weit weniger privilegiert dar als der ihrer großen Schwestern, die ja ihrerseits immer noch online umherspuken, dafür dokumentiert sie auf ihrer prächtig erhaltenen Website mit großem Talent und britisch dunkelgrau nebelverhangenem Galgenhumor den Hinschied ihrer Verwandtschaft, als wäre sie Sarah Photogirl persönlich.

Angelica Evangeline Bartholomew’s Book of Ugly (ihr erstes Kinderbuch, quasi David Copperfield auf eine Dreizehnjährige gemünzt, die vermittelst ihrer Kamera das Londoner East End bedroht), Angelica Evangeline Bartholomew and the Diary of Dreadful Deeds, Angelica Evangeline Bartholomew and Grandma’s Treasure Map, Ferdinands Family und Roadkill aus ihrer Feder sind demnächst im internationalen Buchhandel erhältlich, und wenn das passiert, verlassen Sie sich drauf, dass Moby-Dick 2.0 darüber berichten wird.

Sollte Frau Austere ebenfalls nichts mit den Brontës zu tun haben, dann aus anderen Gründen als Herman Melville. Dafür sieht sie besser aus. Noch Genaueres erfahren zu wollen, wäre vermessen.

Emmaline Austere

Bilder: Sarah Photogirl; Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

10. July 2007 at 12:10 am

Posted in Reeperbahn

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