Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Absurd and Nonprofit

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Update zu The People of Poets and Philosophers:

Kaum sagt der führende Literaturkritiker der USA etwas wie:

Librarians after darkIt is absurd that our most read and studied writers should not be available in their entirety in any convenient form.

schon dauert es nur noch 21 Jahre, bis sich ein Verlag mit derselben Zielsetzung gründet. Edmund Wilson war das, 1961, und die Library of America besteht gerade seit 25 Jahren. Wenn Reich-Ranicki je dergleichen angeregt hätte, dann hätten sich höchstens alle amüsiert, was dem alten Kauz noch für lustige Ideen beifallen.

Soeben erreicht mich der Jubiläumsprospekt des Verlags, über dem man wieder ganz neidisch wird, dass die Deutschen da nicht drauf gekommen sind: ein Verlag, der mit staatlicher Unterstützung ständig die wichtigste Literatur des Landes reasonably priced bereithält.

Die Veröffentlichungen der Library of America sind uneingeschränkt zu empfehlen: Sauber editiert, auf nicht gilbendem Papier mit Hardcover, eins wie das andere ein Stück fürs Leben. Man hat sie gerne in der Hand und fühlt sich gut davon bedient. Die Bücher, die ich selber von denen hab, sind bei Feueralarm zu retten.

Es soll mir also bloß keiner mit dem Argument kommen, in Form der ganzen Kaufhof-Ausgaben wäre doch das deutsche Literaturgut ständig “preiswert” greifbar. Wer heute beispielsweise eine verlässliche Ausgabe von Jean Paul will und seine Freizeit nicht in Antiquariaten verplempert, muss der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt beitreten.

Volksfront zur Einrichtung eines staatlich unterstützten Verlags zur Erhaltung des deutschen Kulturguts. Das wäre ein Aushängeschild fürs Volk der Dichter und Denker, das man sich nicht von Amerika vormachen lassen sollte, dient der in allen Landesverfassungen verankerten Bildung, und die ganzen Bücherwürmer, die viel mehr sind als man glaubt, weil sie sich ob ihrer minderbewerteten Berufung nie aufzumucken trauen, finden ernstzunehmende Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst. Kann denn das so schwer sein? — Jawohl, da kann ich engagiert werden…

Nur warum sie in New York zu ihren drei Bänden Melville in wissenschaftlicher Textgestalt der kompletten Prosa immer noch keinen Band mit der Lyrik zustande gebracht haben, verschweigen sie.

Spenden an die Library of America sind auch in Deutschland steuerlich voll absetzbar.

Büchereimädchen

Bilder: Librarian Type; ein unbekannter Meister des späten Novecento;
Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

13. September 2007 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

2 Responses

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