Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Anna Amalia Slept Here

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Update zu The Encantadas, Sketch Ninth: Hood’s Isle and the Hermit Oberlus und Wo man Bücher verbrennt:

Zu Herman Melville sollte auf dem aktuellen Buchmarkt fürs erste alles gesagt sein: Wir haben gleich zwei Übersetzungen von Moby-Dick, eine toller als die andere, und was anderes will die Zielgruppe von dem sowieso nicht kennen, dabei macht Hanser sogar noch weiter mit seinen ausgewählten Werken, und in passenderweise Hamburg, ja selbst in Österreich machen sie sich um ihn verdient, sogar sehr.

John Woram, Charles Darwin Slept Here, Rockville PressDie Süddeutsche Zeitung, um Zurechnungsfähigkeit bemüht wie immer, macht nach ähnlichen Versuchen der Bildzeitung, des Spiegel und ihrer selbst eine besonders wertige Bücherreihe für so Leute, die bei Manufactum nicht nur kichernd das Coccoina in die Brunnen Kompagnons pinseln, sondern für ein Wandtelefon aus der Schweiz von 1950 allen Ernstes 490 Mark ausgeben.

Heraus dabei kommt die Bibliotheca Anna Amalia, eine eine Schatzkiste der Weltliteratur in zwölf literarischen Kostbarkeiten, hilft der Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek e.V. ihre 2004er Brandschäden beheben und ist schon rein deshalb nicht vollends missraten.

Ein Euro von jedem Buch geht an die Anna-Amalia-Bibliothek. Endlich mal eine Aktion, die gerade von der Bücherkundschaft gerne unterstützt wird. Und sie hilft anscheinend sogar: Ebenfalls die Süddeutsche meldet, dass Horst Köhler den Laden soeben zum Tag der Bibliotheken wiedereröffnet hat. Mich freut dergleichen.

Der Diwan von Mohammed Schemsed-din Hafis, nach dem Goethe den seinigen geschrieben hat, in der Rechtschreibung von 1812 mit allen th und ey, 800 Seiten fremde Länder, fremde Zeiten, fremdartige Ansichten, das ist natürlich ein Fest. Ludwig Tieck, und von dem gerade Das alte Buch, ist seit eineinhalb Jahrhunderten trostlos unterschätzt, aber für 60 Mark gefühlter Währung ein versprengtes Kunstmärchen aufwärmen…? Fürs Freiheitsbüchlein von Jean Paul müsste man sich ohne Anna Amalia an die vergriffene Gesamtausgabe bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wenden, in der von Wieland verlieren selbst NDL-Professoren den Überblick, bis sie die Feenmärchen finden — aber wer will hier wem Venus und Adonis von Shakespeare nebst The Rape of Lucrece, die es in jeder Grabbeltischausgabe gibt, ja wo man eine Ausgabe suchen muss, in der diese drögen Long Poems fehlen, als kostbaren Schatz verkaufen?

Sailing AnarchyHätte man nicht, eigennütziger Gedanke, mal die Encantadas von Melville durchkommentieren, mit einem engagierten Nachwort erschließen, mit zeitgenösischen Bildern im Direktvergleich mit heutigen Fotos illustrieren und in den modernen Kontext stellen können, in den sie gehören? — Nein, kein eigennütziger Gedanke. Jetzt, wo die Galápagos-Inseln, vormals Islas Encantadas, Mallorca werden sollen, erzählt mir verdruckstem Literaturfreak doch sonst jeder Business and Key Account Optimization Coach, dass jetzt das öffentliche Bewusstsein für diese Weltecke geschärft werden muss.

Winkler hat seine Mummendey-Übesetzung 2002 als Einzelausgabe gemacht. Es ist ein nettes Geschenkbändchen geworden. Der Süddeutsche Verlag hat’s auch schon verschenkt.

Zu Herman Melville sollte auf dem aktuellen Buchmarkt fürs erste alles gesagt sein. Schade eigentlich.

Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 02. September 2004 um 22:30 Uhr

Bilder: John Woram: Charles Darwin Slept Here, Rockville Press, 2005;
Sailing Anarchy, Where the Status Quo Blows;
Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, 2. September 2004, 22.30 Uhr: Hilfe für Anna Amalia;
Lizenz: Creative Commons.

Written by Wolf

25. October 2007 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

2 Responses

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  1. Ich freu mich auch, dass sie die Anna Amalia nach der Feuersbrunst so schnell wieder hochgezimmert haben. Hab neulich in einem Radiobericht gehört, dass die Schäden des beim Löschen Ersoffenen weitaus schlimmer waren waren als das vom Feuer Gefressene…

    “Zu Herman Melville sollte auf dem aktuellen Buchmarkt fürs erste alles gesagt sein. Schade eigentlich.” —

    Wirklich schad, wenn du Recht hättest, aber sowas von. Find ich auch. Und ich kapiers immer noch nicht, dass uns’ Herman, der Melvillene nicht gar sowas wie ‘ne deutschsprachige Gesamtausgabe verdienen könnte. Könnte er doch, oder? :o)

    Naja, Moby-Dick 2.0 hat ja zum Glück noch nicht alles gesagt. Obwohl du grad wieder mal alleine in den Wanten turnst und die Mannschaft ein bisschen vor sich hin dümpelt. Aber das wird schon wieder, ganzbald – großes Walfängerehrenwort.* Hey, und vielleicht mag ja mal jemand ein Buch aus u n s e r e m Moby machen? :o)

    hochhaushex

    30. October 2007 at 1:31 am

  2. Hanser sind doch so analog .ò) Ein Schmuckstück bei Jung und Jung könnte fast rausschauen, wenn man “das” Weblog mal als Exposé betrachtet…

    Wolf

    30. October 2007 at 10:15 am


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