Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Something it would be hard to imagine the real Moby being caught dead doing

with 4 comments

Update zu Die Katze, die sich nicht nass machen will, fängt keinen Fisch:

Bis Mitte der 1960er hatten die Hanna-Barbera-Studios — die mit Tom & Jerry und Familie Feuerstein — genug Funny-Animal-Zeichentrickfilme produziert, dass das Genre erschöpft schien und man mit Superhelden experimentierte. Der erste nach der Mischform Atom Ant 1965 war Space Ghost ab 1966. Nach dessen Erfolg wurde The Mighty Mightor nachgeschossen, der zusammen mit Moby Dick ab 9. September 1967 das halbstündige Morgenprogramm bei CBS bestreiten durfte.

Der Mightor war als typischer Durchschnittssuperheld mit Maske, Umhang und ahnungsloser Freundin konzipiert. Die üblichen Strumpfhosen blieben ihm erspart, weil er ein Höhlenmensch sein sollte; in seiner alltäglichen Identität namens Tor war er eher ein Höhlenteenager.

Die Serie umfasste an einen Opener angeschlosse zwei Staffeln mit insgesamt 36 Folgen, manche mit Crossover-Auftritten von Space Ghost und anderen. Das Merchandising hat eine überschaubare Fangemeinde. Die Serie selbst wird bis heute gelegentlich wiederholt.

Hanna-Barberas Umgang mit Moby Dick als Zeichentrickfigur ist nicht anders als lieblos zu nennen. Als back segment für den Mighty Mightor wurde einfach eine allgemein bekannte Figur gebraucht, möglichst fertig vorcharakterisiert und für Unterwasserabenteuer verwendbar — und zwar bitteschön gemeinfrei.

Dem Zeichentrick-Moby haftet nichts von Melvilles symbolträchtigen Konzept an. Freundlich und rundlich hilft er einem Paar Streber Tom und Tub beim Wracktauchen gegen ein paar handlungsstiftende Angriffe und erinnert darin am ehesten an Flipper. Ein Verlegenheitscharakter, der es auch nicht zu einer eigenen Comicserie brachte, nur zu Crossovers mit Dino Boy in the Lost Valley, Birdman und Young Samson. Als Ehrenrettung sei zugegeben: Es hat auch nie jemand einen anderen Anspruch erhoben. Den Kampf hat Moby Dick, eine letzte Abweichung von Melville, verloren.

Links:

Moby Dick 1:

Moby Dick 2:

Moby Dick 3:

Written by Wolf

26. November 2007 at 4:54 am

Posted in Rabe Wolf

4 Responses

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  1. Huch, die Youtübchen hatte ich auch in der Warteschleife: “WasnochalleszuMobyenis”. :o) Und ich hab mich schon oft gefragt, ob diese Imagewandlung zum knuddligen Flippermoby vielleicht psychophonetische (öhm, hab i c h das grad erfunden oder gibts das würklüch? ;o) ) Gründe hat. Weil der Name sowas Flauschiges hat? Oder wie versucht man es sich sonst zu erklären, dass Kindergärten, Kuscheltiere und Projekte zur Therapierung von dickem Nachwuchs sich dieses mutierten Grins-Wals bedienen? Sollte denen mal Melville-Lektüre verordnet werden? Oder wenigstens zwei Mal am Stück die Huston-Version bewegter Bilder? Oder trägt mans einfach mit resignierender Nachsicht? ;o)

    hochhaushex

    26. November 2007 at 10:02 pm

  2. Die Toonopedia hatte beim etwas angestrengten Versuch, um jeden Preis zynisch zu wirken, einen Punkt: Der Name Moby Dick (mit oder ohne Bindestrich) ist halt einfach gemeinfrei. Das kann man also unbesorgt auf einen Wal anwenden, auch wenn er als Sympathieträger oder Stellvertreter für schützenswerte Fauna auftreten soll… Vor seiner eigenen Lesart hat Melville selber ja schon vor Veröffentlichung seines eigenen, dämonischeren Konzepts gewarnt: im Brief an seine Nachbarin, mit den “birds of prey”:

    “Kaufen Sie dieses Buch nur ja nicht – lesen Sie es nur ja nicht, wenn es herauskommt, denn es ist ganz und gar nichts für Sie. Es ist kein feines weibliches Stück Spitalfields-Seide, sondern aus jenem grauenhaften Gewebe, das aus Schiffstrossen und Tauen gemacht ist. Ein Polarwind pfeift hindurch, & Raubvögel umflattern es. Warnen Sie alle zartbesaiteten Seelen davor, auch nur einen flüchtigen Blick in dieses Buch zu werfen – sie riskieren Hüftweh und Hexenschuss.”

    https://ismaels.wordpress.com/2007/06/02/vom-umgang-mit-ungeheuern-und-urtexten

    Wolf

    26. November 2007 at 11:29 pm

  3. naja.. ziemlich alle stoffe sind auf disney-freundlich zugeschnitten worden. man muss halt etwas finden was einem kind irgendwie bekannt vorkommt aber womit es nichts anfangen kann

    Sanja

    28. November 2007 at 1:16 pm

  4. Hanna-Barbera is sich nix Disney, is sich MGM *klugscheiß* – Bei Tom & Jerry haben sie etwas mehr Eigenständigkeit gezeigt. Irgendwie können sie’s ja…

    Wolf

    28. November 2007 at 3:49 pm


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