Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Wo der Nikolaus wohnt

with 6 comments

Vom Seeleuteretten, Kinderbeschenken
und Urlaubmachen

Elke hat fast das Christkind gesehen und macht ein Update zu Stephans Only that day dawns to which we are awake:

Elke HegewaldDurch die Landschaft von Lykien in der heutigen Türkei fließt das Flüsschen Myros. Nicht weit von der Stelle, wo der Myros in das Mittelmeer mündet, liegt das Städtchen Patara. Das Städtchen liegt dort schon sehr lange, ist voll von Geschichte und deren Ruinen, voll von wundersamen und wundertätigen Legenden.

Ich bin dort gewesen, vor ein paar Jahren, in einem Urlaub zwischen Ruhe und Abenteuer fernab vom wuselnden Touristentrubel. Patara liegt für mich am Ende eines unvergesslichen Tages, an dem ich an eben jener Mündung des Myros aus einem Kanu stieg, das mich flussabwärts dorthin getragen hatte. Die Haut von der Sonne verbrannt und die Fußsohlen vom kochendheißen Sand an einer Schwefelquelle in der Wildnis. Deren heilsamer Schlamm war uns nach dem Bade in der Gluthitze vom Leib geplatzt, bevor wir, gefühlte Halbwilde, uns in einem Teich mit silberklarem Nass wieder in Zivilisationsmonster verwandelten. Ein bisschen erschöpft vom Fulltime-Manövrieren mit dem Stechpaddel und den Aufregungen beim Umschiffen tückischer Baumstämme und Überwinden harmlos sprudelnder Stromschnellen stand ich am Meer – atemlos. Denn zur Rechten streckte die Sonne grad den großen Zeh in die See und vor mir, auf dem Weg zum Wasser, lag – ein riesiger Teppich aus strahlend weißem, feinem Sand, wie ich noch nie einen gesehen hatte. Ein Paradies. Feenstaub, in den man die Zehen wühlen musste. Und sie ließen ihn auch dann nicht los, als die Wellen die Füße umspülten, die weit, weit in das flache nasse Glitzern hinauswaten konnten… am Strand von Patara.

Hl. NikolausSommer, Sonne und Wasser – man mag es nicht glauben, dass gerade von dorther der Alte kommt, aus dem wir den Rauschebart mit dem roten Mantel gemacht haben, der den Kindern Süßes in die Schuhe steckt. Und doch hat es den Heiligen Nikolaus wirklich gegeben. Und in “meinem” Patara ist er vor fast zweitausend Jahren geboren. Allzu viel weiß man allerdings nicht über ihn und Belegtes gibt es kaum, dafür Legenden zuhauf. Scho recht, wie es sich halt für den Nikolaus gehört, möchte man beinahe sagen. Als Bischof von Myra – das ist da gleich um die Ecke – soll er ein richtiger Powertyp gewesen sein und in dieser Eigenschaft viel Gutes an den Menschen getan haben: Jungfrauen vor dem Los der Prostitution gerettet, Hinrichtungen verhindert, verschleppte Kinder heimgeführt oder gegen den Hunger Korn vermehrt.

Auf dass solches fortdauere, wurde er von aller Welt als Schutzpatron erkoren. Eine Tatsache, die ich schon deshalb sehr begrüße, weil sie mich endlich die Kurve kriegen lässt und rechtfertigend den Bogen schlagen zu Moby-Dick. Denn der Heilige Nikolaus von Myra ist auch der Schutzheilige der Fischer und Seeleute, aus gutem Grund. War er doch neben sonstigen Wundertaten kompetent, Seestürme zu stillen, die Segel zu sortieren und die Navigation zu übernehmen.

Der Mannschaft der Pequod hats allerdings nix genützt. Vielleicht weil sie mehrheitlich Quäker waren und auch sonst nicht die richtige orthodoxe Religion hatten? Hm, ich versteh ja als religionsfernes Mädchen nicht so viel davon, aber sollte ein Patron nicht ohne Ansehen der Person schutzheiligen? Also ich glaub ja, dem hat der Ahab dazwischengepfuscht – welcher heilige Beschützer will schon den Satan retten? Und Herr Melville hatte da wohl auch ein Wörtchen mitzureden. Obwohl er das – so – wahrscheinlich nie zugegeben hätte…

Ich weiß, meine Niklausgeschichte kommt einen Tag zu spät. Wünsche trotzdem allen, was zum Naschen im Schuh gehabt zu haben. Nikolaus sei Dank!

Ach ja, und fahrt mal nach Patara.

Nikolausschiff

Bilder: Tintoretto: Nikolaus von Myra via Christkindls Weihnachtsseiten;
Lorenzo Monaco, 15. Jahrhundert: Nikolaus rettet die Schiffbrüchigen,
Galleria dell’ Academia Venecia via Die Kelten.

Written by Wolf

7. December 2007 at 4:39 am

Posted in Krähe Elke

6 Responses

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  1. Der Tintorettolaus is ja klasse – gleich viel respektgebietender als der übliche Coca-Cola-Penner. Nur leider gibt keins der gängigen Videoportale den “Sankt Niklaus war ein Seemann” von Freddy Quinn her. Kann da jemand mal ein altes Video von “Lustige Musikanten” digitalisieren oder so?

    Wolf

    7. December 2007 at 4:51 am

  2. Ja, nicht wahr? Mir gefällt der würdevolle tintorettinische auch viel besser. :o)

    Allerdings hat der Ärmste ja wirklich einen Job, den kein Mensch auch nur geschenkt haben möchte: oder wie ist der Zwiespalt, zugleich u.a. Schutzpatron der Gefangenen und Verbrecher UND der Richter, FÜR und WIDER die Diebe (zur Wiedererlangung gestohlener Gegenstände nämlich) zu sein, auf Dauer ohne Psychotherapie zu händeln? Oder ist ein eventuelles Sponsoring durch die Metzger, Bierbrauer und Schnapsbrenner, für die man auch zuständig ist, ein Trost?

    WowWolf, es gibt einen Sankt-Niklaus-war-ein-Seemann-Song? Na, hoffentlich war er nicht auch noch Walfänger… ;o)

    Elke

    8. December 2007 at 5:17 pm

  3. Ei freilich:

    http://www.amazon.de/Sankt-Niklas-War-Ein-Seemann/dp/B0000253VM/webmasterwolf

    “Sankt Niklas war ein Seemann,
    er liebte Wind und Meer,
    und alle Jahr zur Winterzeit
    fährt er Millionen Meilen weit
    vom Land der Sterne her.”

    Und: “Niklas”, nicht “Niklaus”. Meine Bayern-1-Bildung erschreckt mich manchmal selber…

    Wolf

    8. December 2007 at 5:52 pm

  4. Och, passt scho. Wer weiß, wozu mans im Leben nochmal brauchen kann. ;o)))

    hochhaushex

    9. December 2007 at 1:21 am

  5. Moin! Was mir ein echtes Anliegen ist: bei diesem Link handelt es sich um die schreckliche 1991er Neuaufnahme des genialen Liedes. Das Original von 1972 ist viel getragener und feierlicher, sparsam instrumentiert und mit viel Aufwand produziert. Diese Neuaufnahme ist schlagermäßig-billiger Synti-Abklatsch, im WDR4-Stil verseichtet. Am schlimmsten die E-Percussion im Refrain-Teil. Hört unbedingt mal das Original, für das ich jedoch leider keinen Link habe.
    MfG thommes

    thommes

    18. December 2008 at 10:27 am

  6. WDR4-Bildung wäre demnach so was wie B1-Bildung? Die Aufnahmen sind mir nicht im Vergleich gegenwärtig, aber sparsame Instrumentierung ist jedenfalls ein gutes Zeichen.

    Danke für Aufmerksamkeit!

    Wolf

    18. December 2008 at 10:37 pm


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