Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

So dürft ihr nach eurem eigenen Gesetz heute nicht hier stehen, sondern müsstet alle tot sein, wenn euer Gesetz wahrhaftig wäre

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Update zu Über die Magie des Bösen:

Ich möchte nun zu gerne wissen, wer es war, der den Befehl gab, mich festzunehmen und zu hängen. Ich lebte friedlich dort mit meiner Familie im Schatten der Bäume und tat genau das, was General Crook mir geraten hatte zu tun. Ich habe oft um Frieden gebeten, aber Ärger kam immer von den Agenten und Dolmetschern. Ich habe nie Unrecht ohne Grund getan, und wenn ihr von Unrecht redet, oder auch nur an Unrecht denkt, so tätet ihr besser daran, an das Unrecht zu denken, das ihr dem Roten Manne zugefügt habt, und das tief und weit wie ein Ozean ist, durch den niemand mehr waten kann, ohne darin zu ertrinken.

Geronimo bei San Bernardino Springs
zu General George Crook, 25. März 1886.

Je ne suis pas d’accord avec ce que vous dites, mais je me battrai jusqu’à la mort pour que vous ayez le droit de le dire.

Voltaire

Skull & Bones LogoGeorge Walker Bush, der erste ungewählte Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat noch nie in seiner Amtszeit, wozu er die Befugnis und eine moralische Verpflichtung hätte, eine einzige Begnadigung von einer Todesstrafe ausgesprochen. Vielmehr hat er auch Frauen, geistig Behinderte und Minderjährige braten lassen. Seinen Erbfeind Saddam Hussein, erst ein Verbündeter der USA, später Kriegsgegner seines Vaters George Herbert Walker Bush, hat er als den Inbegriff des Bösen, nicht wesentlich über dem Satan stehend, stilisiert. Husseins Strafverteidiger Ramsey Clark, früherer Justizminister und schon Verteidiger von Slobodan Milošević, spricht nicht von einem Prozess, sondern einer Zirkusnummer mit ziemlich vielen Clowns und festgelegtem Ausgang (“Wir brauchen keinen Prozess, sondern eine Hinrichtung!”).

Geronimo, 76Ferner gehört George Walker Bush jun. der diskreten Gesellschaft Skull & Bones an, die der Yale University angeschlossen ist und über deren Gebräuche man naturgemäß nicht viel weiß, außer dass ihre Mitglieder bei der Initiation Blut aus einem Schädel trinken, und das vermutlich nicht, um ihre besondere Friedfertigkeit zu demonstrieren. Besonders geeignet schien Bushs Großvater, dem Senator Prescott Bush, dafür der Schädel des Apachenhäuptlings Geronimo; er stahl ihn 1918 aus dem Grab in Fort Sill bei Oklahoma und schenkte ihn seinen Mit-Bonesmen. Himmelangst kann einem werden, wenn man Ismael bekennen hört: “A whale-ship was my Yale College and my Harvard.”

Persönlich imponiert mir in dem ganzen Gruselkabinett Ramsey Clark: Der äußert sich so missbilligend wie jeder moralisch Empfindende auch über seine Schützlinge, steht aber nicht an, einige der schlimmsten Verbrecher der Welt zu verteidigen, weil sie ein Recht auf einen fairen Prozess haben — einzig aus dem Grund, dass sie, was schwer zu widerlegen wäre, Menschen sind und den Menschenrechten unterliegen. In der Bewertung meiner weiland Facharbeit über Günter Wallraff: Ganz unten hat mir mein Deutschlehrer “engagierte Sachlichkeit” bescheinigt und nur den letzten von 15 möglichen Punkten verweigert: weil ich nicht deutlich genug zwischen Äußerungen der “linken” und “rechten” Presse unterschieden hatte. Dabei wäre mir unwohl gewesen. Wichtiger finde ich heute noch das positiv moralische Handeln nach Kant, das sich von der Kohlschen Überbewertung dessen, “was hinten rauskommt”, durch knochenharte Stringenz in der Pflichterfüllung unterscheidet:

Der Begriff der Pflicht fordert also an der Handlung, objektiv, Übereinstimmung mit dem Gesetze, an der Maxime derselben aber, subjektiv, Achtung fürs Gesetz als die alleinige Bestimmungsart des Willens durch dasselbe.

Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft, 1788

Ab 1952 hieß das: A man’s gotta do what a man’s gotta do. Es gibt nämlich auch anständige Amerikaner. Schon der allerfrüheste Donald Duck sah am Ende seines ersten Filmauftritts 1934 die Fragwürdigkeit seines Tuns ein und bestrafte sich gegenseitig mit seinem Kompagnon selbst.

Bild: Skull & Bones Logo, Geronimo: Public Domain;
Film: The Wise Little Hen, 1934.

Written by Wolf

10. December 2007 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

2 Responses

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  1. Äh, ich nehm jetzt mal an, dass Du es nicht *so* meinst, aber was haben denn Frauen mit geistig Behinderten und Minderjährigen gemein im Hinblick auf ein besonderes Nicht-Verdienen der Todesstrafe?
    Von einer moralischen Verpflichtung zur Begnadigung zu sprechen, finde ich etwas irreführend (Pflicht zur Gnade kann es definitionsgemäß, jedenfalls so, wie ich den Begriff verstehe) nicht geben.
    Was den knochenhart stringenten Kant angeht. Guck mal hier. Ja, genau zwischen George W. Bush und, ahem, Britney Spears.

    cohu

    10. December 2007 at 12:58 pm

  2. Die Reihe Frauen-geistig Behinderte-Minderjährige klingt so tatsächlich etwas bedenklich… “Frauen und Kinder zuerst”: Da wird wohl eine besondere Schutzbedürftigkeit unterstellt. Übernommen hab ich die Reihe aus dem gleichen Interview (irgendwas auf Bayern 2) mit Ramsey Clark. Gutgut, Todesstrafe an Minderjährigen verstößt explizit gegen UN-Konvention – was Frauen da sollen, da lass ich mich lieber mal auf gar keine Aussagen ein…

    Kants knochenharte Stringenz äußert sich – wie eigentlich immer – reichlich allgemein auf Pflichterfüllung hin. Dass er, kaum dass er mal konkret werden will, in ausgerechnet der Todesstrafe eine Verpflichtung gesehen hat, ist natürlich bedauerlich…

    Pflicht zur Gnade wird, wenn man die Definition so durchgeht, ebenfalls plötzlich suspekt. Wie automatisch man doch dem Herrn Bush Pflichtvergessenheit, Gnadenlosigkeit und alle übrigen Untugenden gleich im Familiensparpack zuspricht…

    Wolf

    10. December 2007 at 1:15 pm


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