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Leben mit Herman Melville

h.c. artmann: die fahrt zur insel nantucket

with 3 comments

Update zu Man stellt sich den Himalaya vor und denkt sich alles weg, was nicht wie der Yeti aussieht und Auf der Jagd nach Nantucket:

dein lot erreicht mich nimmermehr
die schwärme eilen meilen veer
der bandelsalgen vogelzug
rinnt über mir zu blasen…

meerfrau arindaxo

H.C. Artmann med ana schwoazzn dintnH.C. Artmann, so das Diktum von Peter O. Chotjewitz, das er im Vorwort zu Artmanns gesammelten Theaterarbeiten namens die fahrt zur insel nantucket von 1969 schon wieder selbst beklagt, war “wahrscheinlich der einzige wesentliche dichter, den die deutsche literatur nach 1945 hervorgebracht hat”. Einig darf man sich darüber sein, dass er einer der letzten echten Dichter war, nicht nur der deutschen, dafür aus Österreich.

Das namensstiftende Theaterstück stammt von 1964, wurde vermutlich 1967 mit einer Komposition für Kammerorchester von Gerhard Lampersberg an der Akademie der Künste Berlin uraufgeführt und erst 1969 mit manch anderem Artmannartefakt in jenem Sammelband erstveröffentlicht.

Bei der ersten Aufführung eines eigenen Stücks wirkte Artmann selbst mit, die Inszenierung von aufbruch nach amsterdam vor der Breitenseer Kirche wurde 1955 allerdings von der Polizei nach kurzer Zeit abgebrochen.

Die Artmann-Spezialistin Sonja Kaar nähert sich erstmals ausführlich den »Skeletterln mit a bisserl Fleisch drauf«, wie der Büchner-Preisträger seine Stücke einmal bezeichnete. Sie liefert damit wertvolle Grundlagenforschung und wirft, indem sie Verschüttetes ans Tageslicht bringt, neue Schlaglichter auf das Artmannsche Oeuvre. Ausgehend von der Frage nach der Rezeption von Literatur und Theater in den 50er und 60er Jahren geht Kaar der Vielfalt und Besonderheit der dramatischen Texte, dem eigenwilligen und originären Umgang Artmanns mit der Theatertradition nach. Sie hält ein Pladoyer für die Aufführbarkeit der Stücke (Artmann: »Natürlich habe ich meine Stücke für die Bühne geschrieben«), diese seien keinesfalls, wie viele meinen, nur »Theater im Kopf«.

Sonja Kaar:
H. C. Artmann. Texte und Materialien zum dramatischen Werk,
2004 bei Sonderzahl

Nach anderer Lesart sind Artmanns Theaterstücke durchaus “Stücke fürs imaginäre Heimtheater […], fürs Theater, das zu spielen beginnt, wenn man ein Stück liest und die Augen schließt” (Chotjewitz, a.a.O.). Das ist zu begründen, auch wenn es der Aussage Artmanns, der es schließlich wissen musste, widerspricht. So erschließt sich die Musikalität der fahrt zur insel nantucket nicht erst bei einer Aufführung, sondern schon beim vertieften Lesen (zum Beispiel, wenn man sie abtippen muss…). Artmanns Schreibweise und Layout deuten eben nicht auf Handlungsanweisungen für Schauspieler, sondern auf die Textgestaltung des Lyrikers, der Artmann noch stärker und öfter war.

Artmanns Werke sind immer genau das, was sie sind. Eine Realität außerhalb ihrer selbst existiert nicht, sie entziehen sich weitgehend der Interpretation. Auch das Nantucket aus dem Theaterstück hat keine Parallele zur traditionellen Walfängerinsel.

Bei Artmanns Lebens- und Arbeitsweise kommt jede Sammlung seiner Arbeiten einer Rettungsaktion gleich; selbst manches, das der Dichter selbst schätzte, existierte nur als Einzelblatt in den Privatbeständen seiner Freunde. Ich “rette” den Text fürs Internet deshalb nicht als Weblog-Eintrag, sondern penibel aus dem Sammelband abgetippt als .pdf-Datei.

Das Copyright dafür — ich möchte es betonen — ist und bleibt, wie immer und selbstverständlich, bei seinen Inhabern, in diesem Fall wahrscheinlich beim Thomas Sessler Verlag in Wien und/oder dem Luchterhand Literaturverlag in München.

Lady in the Water, 1947

Bilder: Hans Carl Artmann: med ana schwoazzn dintn;
Toni Frissell: Lady in the Water, Weeki Wachee Spring, Florida, 1947.

Written by Wolf

9. January 2008 at 4:01 am

Posted in Laderaum

3 Responses

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  1. Hach, so bist du – endlich, endlich! – mit H.C.A. auf dem Eiland gelandet. :o)

    Herrlicher Artmann – klingt die Sprache hier nicht ein bissel nach Nordseeküstenvölkern?
    Und vielen Dank, Wolf, fürs fleißige Abtippseln, hab den Text ja selbst nimmer…

    Dochdoch, sehr feine Idee, die Leut’ lesen zu lassen,
    ‘…während auf den umliegenden hügeln die rothäute stehn und in ihren fernrohren sehn wie herr frewewolf mit wehendem banner bavariens das rettende ufer betritt.’ ;o))

    hochhaushex

    9. January 2008 at 10:36 pm

  2. Reines Österreichisch ist das jedenfalls nicht .ò)

    Wolf

    9. January 2008 at 10:54 pm

  3. […] a comment » Update zu die fahrt zur insel nantucket und An Gorta […]


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