Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Feuerwerk! Powerpilz! Firlefanz! Lichtermeer!

with 5 comments

Update zu Trust and Builds Trust, Nantucket, Wo Ramadan draufsteht, ist auch Ramadan drin und noch einem:

Es lenzet auch auf unserm Spahn, o selige Epoche: Die Stöckchen fliegen wieder tief.

Nach meinem halberfolgreichen Drücken vor der Coyotin wirft auch Jessebird vom Planeten 9. Es nimmt überhand; seien wir mal nicht so, a-one, a-two.

Nochmal die Gebrauchsanweisung zum Mitsingen:

  • Nimm das erste Buch in deiner Nähe (das mindestens 123 Seiten hat).
  • Öffne das Buch auf Seite 123.
  • Finde den fünften Satz.
  • Poste die nächsten drei Sätze.
  • Wirf dein Stöckchen an 5 weitere Blogger!

Das echte erste Buch mit 123+ Seiten sagt:

Guten Morgen — Mitternacht —
Ich komme heim —
Müd ist der Tag von mir —
Wie könnt ich — von Ihm?

Süß war der Sonnenschein —
Gern blieb ich da —
Mich — will der Morgen nicht —
Tag — gute Nacht!

Darf doch die Röte —
Im Osten — noch sehn?
Die Hügel — dann einem
Das Herz — herausziehn —

Bist nicht so schön Mitternacht —
Ich wählte — Tag —
Nimm du das Mädchen an —
Das er verjagt!

Keine Ahnung, wo da ein Satz aufhört und der nächste anfängt. Für den Zweifelsfall ist das gesamte Gedicht wiedergegeben, so is es eh respektvoller. — Na, von wem, woher? Ich will mal ein bissel Hirnschmalz schmurgeln hören!

Jessebird hat den Extrawunsch geäußert, es sollte doch auch ein Moby-Zitat dabei sein. Gute Idee. Die entsprechenden Stellen auf den Seiten 123 unser aller zweier Lieblingsneuübersetzungen sind bei Jendis:

Dort gibt es mehr Sand, als man in zwanzig Jahren statt Löschpapier aufbrauchen würde. Mancher Spaßvogel wird euch erzählen, daß sie das Unkraut dort erst anpflanzen müssen, denn es wächst nicht von alleine; daß sie die Disteln aus Kanada einführen; daß sie übers Meer nach einem Zapfen schicken müssen, um ein Leck im Tranfaß zu dichten; daß Holzstücke in Nantucket herumgetragen werden wie Splitter vom wahren Kreuze in Rom; daß die Leute hier Fliegenpilze vor ihre Häuser pflanzen, um zur Sommerszeit Schatten zu haben; daß ein Grashalm eine Oase bedeutet und drei Halme auf einem Tagesmarsch eine Prärie; daß sie Treibsandschuhe tragen, ungefähr wie die Lappländer Schneeschuhe; daß sie auf ihrem Eiland der Eilande vom Ozean so umfangen, umgürtet, allseits umschlossen und eingekreist sind, daß selbst an ihren Tischen und Stühlen gelegentlich kleine Muscheln kleben, wie auf dem Rücken der Seeschildkröten. Diese hanebüchenen Behauptungen zeigen freilich nur, daß Nantucket nicht Illinois ist.

Die Ostfriesenwitze am Anfang von Kapitel 14

und bei Rathjen:

Schließlich standen wir auf und kleideten uns an; und Queequeg, der ein ungeheuer herzhaftes Frühstück von Chowder aller Sorten zu sich nahm, so daß die Wirtin aufgrund seines Ramadans keinen großen Gewinn machen konnte, so machten wir uns auf den Weg, um an Bord der Pequod zu gehen, dahinschlendernd und mit Heilbuttgräten in unseren Zähnen stochernd.

Schluss von Kapitel 17

— was weder der fünfte Satz noch drei Sätze sind, weil das Kapitel samt der Seite 123 hier endet, ätsch. Wir haben hier ja keinen Direktvergleich der Übersetzungen angestellt.

Und damit ich auch was davon hab, komme ich über eine verschlungene Assoziationskette zum wahrscheinlich unterschätztesten Liedermacher der Welt, der vor zwanzig Jahren das deutsche Musikgeschehen aus dem Sumpf musikverachtender Elemente wie Roy Black und Rex Gildo schätzomativ auf das Niveau von Bob Dylan gehoben hat: Stephan Remmler, yeah. Nach dem Bruch mit Trio kam vor den ganzen Bereicherungen jeder Ein-Mann-Kapelle wie Keine Sterne in Athen und Vogel der Nacht (beide 1986) doch noch was: Feuerwerk gab es nur als Single. Hab ich nie wieder im Radio gehört, aber spätestens bei dem Wort “Powerpilz” kriegt man unter all dieser Lust am Untergang unweigerlich das Grinsen.

Film: Stephan Remmler & Nina: Feuerwerk, 1984.

Lieder: Stephan Remmler: Keine Sterne in Athen und Vogel der Nacht
aus: Stephan Remmler, 1986;
Feuerwerk: Vinyl-Single [haben will!], 1984.

Bücher: Moby-Dick, Moby-Dick und eins zum Selberraten (und, nein, es ist nicht Moby-Dick…).

PS: Ach ja — weiterwerfen, das Stöckchen, an fünf weitere Blogger? Heilige Nacht, haben doch alle schon gehabt. Wenn nicht, sollen sich Selbstbediener ruhig bemerkbar machen. Solang ich nicht grade Sätze von Proustlänge abtippen muss, find ich’s ganz lustig.

Written by Wolf

11. February 2008 at 1:29 am

Posted in Mundschenk Wolf

5 Responses

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  1. Boah ey, ich bin beeindruckt! So ein Gesamtkunstwerk, geschnitzt aus einen bescheidenen Stöckchen. Hut ab. Und die Frage nach dem Buch ist in Zeiten von Google ja eigentlich rhetorisch: E.D., nüsch wahr?

    Jessebird

    11. February 2008 at 8:41 am

  2. Ergänzung dazu: E.D. ist ja bloß die Autorin, muß ich jetzt auch wissen, in welchem Band dieses Gedicht auf S.123 steht? Das wäre auch mit Googles Hilfe schwierig…

    Jessebird

    11. February 2008 at 2:09 pm

  3. Macht Google Books das nicht mit? Hab ich bisher so wenig genutzt… Es ist aber in der ziemlich frischen zweisprachigen Ausgabe mit den fast-allen Gedichten.

    Wolf

    11. February 2008 at 10:58 pm

  4. […] leave a comment » Update zu Feuerwerk! Powerpilz! Firlefanz! Lichtermeer!: […]

  5. Das bin ich nicht;das ist nicht das, was die Leute von mir denken sollen.
    Zu Hause lege ich meine Carpenter-Musik auf, schmeiße mich aufs Bett und vergrabe mich in meiner Depression.
    Karen Carpenter besingt meinen Schmerz.

    Caraline

    13. December 2011 at 3:12 am


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