Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Fremde im Zug

with 2 comments

Update zu Pissed about having to work in a post office to support himself:

Rolf Tietgens, Patricia Highsmith collection, 1942
Rolf Tietgens: Patricia Highsmith at age 21, 1942

Mit Schreibmaschine auf der Vorderseite:

Pat Highsmith – all photos at age 21 just out of University

Mit Schreibmaschine auf der Rückseite:

Rolf Tietgens, friend from Hamburg, who took pictures on other side, when I was 21. I cannot easily unglue these pictures, so I send the whole page to you.

Rolf Tietgens, ca. 1942Ein Deutscher, der 1942, statt sich im Schlamm der Schützengräben Handgranaten um die Ohren pfeifen zu lassen, Nacktbilder von Literaturstudentinnen macht, Respekt, das lass ich mir eingehen.

Rolf Tietgens war einer der wenigen Männer in Patricia Highsmiths Leben, mit denen sie sich näher einließ, dazu noch unmittelbar nach ihrem Abschluss auf dem Barnard College, das nur Frauen zulässt. Vor allem wenn man nur die offiziellen Verlagsfotos des Diogenes Verlags kennt, die Frau Highsmith in fortgeschrittenem Alter mit hängenden Backen und verhärmtem Blick zeigen, finden wir sie vor Zeiten überraschend schön. Ein tolles Bild von einer tollen Frau. In einer abschreckenden Weise hässlich konnte ich sie auch später nie finden; gerade la Highsmith gehört zu jenen Patentweibern, die ich von Kind auf immer gerne mal kennen gelernt hätte.

Dmitri Kasterine, The Parting Shot. Patricia Highsmith 1986Frau Highsmiths verlagswirksam vom Leben zerfurchtes Gesicht rührt vermutlich von ihrer Zerrissenheit zwischen der Produktion reißerischer Krimis und dem Schaffen anspruchsvoller psychologischer Literatur, die unpraktischerweise meist im selben Roman stattfanden, dazu noch der ungebetenen Kürzung ihrer fertigen Werke seitens Diogenes, die auch seit der Neuausgabe 2002 innerhalb des Verlags erst nach und nach bereinigt werden. Melville-Bezug: Herausgeber ist Melville-Experte Paul Ingendaay; phüh, das war knapp. Und dann noch das ständige Umherziehen, wahrscheinlich auf der Flucht vor den wechselnden lesbischen Liebesbeziehungen, in denen sie nie glücklich wurde.

Bei allem Respekt vor ihrem literarischen Werk sollte uns spätestens das davon abhalten, einen Lebenslauf als Comictexter, Drehbuchschreiber für Hitchcock und so ziemlich einziger Kirimigroßmeister, der noir statt cosy arbeitet, obwohl “er” eine Frau ist, anzustreben.

Das alles, unter anderem ihre lesbische Identität, war 1942 noch nicht zu ahnen. Rolf Tietgens muss ein sehr glücklicher Mann gewesen sein.

Rolf Tietgens, Patricia Highsmith, 1942
Rolf Tietgens: Patricia Highsmith at age 21, 1942

Bilder erscheinen in: Franz Cavigelli, Fritz Senn, Anna von Planta: Patricia Highsmith. Leben und Werk und Andrew Wilson: Beautiful Shadow: A Life of Patricia Highsmith. Vor allem das untere, um das es sichtlich andauernd geht, wird viel schöner, wenn man es groß anzeigen lässt, und liegt hochauflösend vor.

Hausaufgabe: Verfassen Sie 1000 Anschläge über Patricia Highsmith, ohne das Wort “subtil” zu verwenden.

Bilder: Patricia Highsmith Papers aus den 50 laufenden Regalmetern Nachlass im Schweizer Literaturarchiv;
Dmitri Kasterine: The Parting Shot, 1986;
Andrew Wilson.

Written by Wolf

18. February 2008 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

2 Responses

Subscribe to comments with RSS.

  1. Tolle Bilder. Und, komischer Zufall, grad vorher hab ich über Autorenbilder und deren Wirkung nachgedacht.

    Ich hab die Highsmiths als Teenie alle verschlungen, obwohl ich Krimis doch blöd finde. Lag abgesehen von der Großartigkeit der Bücher selbst u.a. auch an dem großartigen Autorenfoto(bei Diogenes), das sie als wunderschöne, aber nicht püppchenhafte Frau mit Siamkatze zeigt (finde ich jetzt leider bei Google nicht). Das Bild hing sogar über meinem Bett!
    Ich muss leider heute noch schamhaft gestehen, dass ich Bücher von meiner Ansicht nach Gutaussehenden mit (zumindest anfänglich) größerem Interesse lese als solche von nicht so Schönen. Wobei man bei manchen ja heutzutage schon das Gefühl hat, dass sie extra fürs Umschlagfoto ein Autorendouble eingestellt haben…was vielleicht marketingtechnisch gar keine so schlechte Idee wäre.

    cohu

    18. February 2008 at 6:43 pm

  2. Das mit dem Siamkater hab ich auch gesucht – ich glaub, er soll Tinker geheißen haben: chancenlos, mit oder ohne Copyrightbeschränkung, dabei war das mal richtig massiv präsent in gefühlt allen Buchhandlungen (und in der Stadtbücherei meiner Kindheit).

    Die Highsmiths hab ich nacheinander meiner Frau Mutter zu Geburtstagen und Weihnächten geschenkt und meistens selber gelesen (sie aber schon auch, keine Angst) und muss heute hören, dass die alle gekürzt waren, mäh. Danke, Anne Uhde – oder welcher Vertriebler bei Diogenes für die letzten fuchzig Seiten wieder zu geizig war…

    Und genau an die Pessl hab ich über dem Beitrag gedacht: So ein Furiosum schreiben und so aussehen, ist das fair?

    Was würde das eigentlich so kosten, wenn ich Franz Dobler auf meine Lesungen schicke…?

    Wolf

    18. February 2008 at 7:19 pm


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: