Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Signed: Adolf Wolf, Colossal Stinker

with 7 comments

Update zu Vorabendvorstellung:

taz: Können Sie uns einen schönen Islamwitz erzählen?

Harald Schmidt: Nein. Davon lasse ich die Finger. Das ist mir zu heikel.

taz: Auch wenn Sie selbst keine solchen Witze machen – würden Sie wenigstens sagen, dass man solche Witze machen dürfen muss?

Harald Schmidt: Aus dieser Diskussion halte ich mich vollkommen raus, weil ich mir nicht ein Problem auf den Tisch ziehen möchte, das ich zum Glück nicht habe.

taz: Als Rudi Carrell 1987 in seiner “Tagesshow” Chomeini in Dessous grabbeln ließ – Herr Schmidt, war das nicht ein großartiger Gag?

Harald Schmidt: Aber Carrell hat damals einen gefährlichen Ärger bekommen. Und mittlerweile ist das nicht mehr zu steuern. In einer kleinen dänischen Zeitung erscheint die Karikatur und in Indonesien wird die dänische Botschaft gestürmt. Bei Carrell war es noch Ajatollah gegen Carrell. Zwanzig Jahre später leben wir in einer anderen medialen Landschaft.

taz: Sie haben einen gefährlichen Beruf.

Harald Schmidt: Nein. Man muss nur ein bisschen wachsam sein. Sie brauchen die nötige Portion Feigheit. Machen Sie doch lieber Witze über Bush, das ist ungefährlich. Insofern hat die westliche Zivilisation doch einige ganz großartige Errungenschaften hervorgebracht.

taz: Kann man denn sagen, dass es diese Karikaturen geben dürfen muss – auch ohne sie abzudrucken?

Harald Schmidt: Das ist Filigran-Analyse. Die nutzt Ihnen nichts, wenn Sie Leute gegen sich aufgebracht haben, von denen Sie vorher noch gar nicht wussten, dass es die gibt. Sie diskutieren auf Salon-Niveau. Wir reden hier aber von der Möglichkeit: Kawumm neben der Küche. Deswegen sage ich auch: Vorsicht mit glorreichen Selbsteinschätzungen. Wie hätte ich mich im Dritten Reich verhalten? Ich bin nicht gestrickt wie die Geschwister Scholl.

taz: Im besten Fall unauffällig?

Harald Schmidt: Gelinde gesagt. Da kann keiner von sich Zeugnis ablegen, bevor er nicht in die Mündung geguckt hat. Es gibt vielleicht Leute, die sind zum Helden geboren. Ich bin es nicht. Ich habe mich auch noch nie geprügelt. Das System, in dem ich spiele, funktioniert nur, wenn alle die Spielregeln einhalten. Ich bewege mich in einer Demokratie, in der gewisse Grundrechte garantiert sind. Aber wenn Sie sagen, interessiert mich nicht, ich habe ne Knarre, dann funktioniert die ganze Sache nicht mehr.

taz: Da sind wir bei der Frage, die Ihnen wahrscheinlich gestellt wurde, bevor Sie Ihren Zivildienst antreten durften: Wenn nachts ein böser Mann kommt und Ihre Freundin vergewaltigen will, und die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, wäre mit Gewalt …

Harald Schmidt: Die Frage wurde mir nicht gestellt. Sie müssen wissen: Mein Verhandlungsdatum war am 20. April 1978. Und ich komme rein und da sitzen vier Herrschaften und zwei davon haben ein Holzbein aus dem Krieg. Und die erste Frage an mich war: “Wissen Sie, was heute für ein Datum ist?”

taz: Darauf kann man nur falsch antworten.

Harald Schmidt: Wissen Sie, was ich geantwortet habe? “Jawoll, Führers Geburtstag.” Da muss der Rhythmus stimmen. Da können Sie nicht sagen: “Diese Bestie wurde da leider zur Welt gebracht.” Und dieser Begriff hat entspannt. Das war aber nichts anderes als eine historische Information. Wissen Abiturienten heute noch, was der 20. April ist?

Interview: Man braucht die nötige Portion Feigheit,
taz, 8. Februar 2006 (Ausschnitt)

Von Moby-Dick™ erfahren Sie’s jedenfalls nicht. Aber ich ergehe mich in Andeutungen.

Noch im Produktions- und vorvorvorletzten Kriegsjahr 1942 beschloss Disney, seinen Donald-Duck-Film Der Fuehrer’s Face (7:52 Minuten) nie wieder in der vorliegenden Form zu veröffentlichen. 2004 wurde das Versprechen aus dokumentarischen Gründen gebrochen. Wahrscheinlich die Anti-Nazi-Propaganda mit den meisten überlebenden Fans.

Dagegen weigern sich AOL-Time-Warner bis heute, ihren Bugs-Bunny-Film Tokio Jokio, 1943 (7:05 Minuten) zu zeigen. Der Humor darin ist sehr viel zorniger als im immer noch mitreißenden Der Fuehrer’s Face.

Spinach fer Britain, 1943 (6:14 Minuten) ist ideologisch einer der fragwürdigsten, technisch und sogar dramaturgisch einer der besten der ganzen Popeye-Serie.

Überhaupt hängte Amerika in die Anti-Nazi-Propaganda mittels Zeichentrickfilme erstaunlich viel Liebe. Für Blitz Wolf, 1942 (9:50 Minuten) war Tex Avery für den Oscar nominiert und verlor wogegen sonst als Der Fuehrer’s Face.

Am beklemmendsten von allen ist wohl doch der unbekannteste. Walt Disney: Hitler’s Children. Education For Death, 1943 (10:12 Minuten).

Sollte Sie das trösten, haben am 20. April auch Joan Miró, Ryan O’Neal und Blümchen Geburtstag.

Written by Wolf

20. April 2008 at 12:01 am

Posted in Rabe Wolf

7 Responses

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  1. …und mein Vater, mein Schwager sowie der Vater meines Schwagers. Komische Häufung ist das bei uns…

    cohu

    20. April 2008 at 2:13 pm

  2. Leben mit dem Stigma, Blümchens Geburtstag zu teilen. Lang sollen sie alle leben.

    Wolf

    20. April 2008 at 3:24 pm

  3. Na, wenn sich da mal der Herr Schmidt nich irrt. Ich kenne leider ein paar aktuelle Patienten… öh, Abiturienten, die würden eher Mamas Geburtstag vergessen als zu versäumen, den besagten zu zelebrieren.
    Was ist dagegen schon ein Blümchen-Stigma, oder…?

    hochhaushex

    20. April 2008 at 11:27 pm

  4. Auf welcher Baumschule legen denn solche Patienten ihr Abitur ab…?

    Was vielleicht genau der richtige Ausdruck ist: Sie legen es ab :o)

    Wolf

    21. April 2008 at 12:12 am

  5. an so ein datum sollte nicht erinnert werden. schmidt hat schon recht. das einzige was die karikaturen bewirkt haben, ist, dass westliche medien nicht aus respekt sondern aus reiner angst dieses thema vermeiden und geschweige denn kritisieren

    Sanja

    22. April 2008 at 10:54 pm

  6. Ich bin eh schon froh, wenn ich mir die Geburtstage merk, die ich mir merken muss…

    Wolf

    22. April 2008 at 11:24 pm

  7. […] leave a comment » Update for Vorabendvorstellung and Signed: Adolf Wolf, Colossal Stinker: […]


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