Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Und siehe! Zart wie Mondstrahlgluten, weiß wie der Schnee auf Bergesgrat

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Elke schießt ein maritimeres Update zu
Hurre hurre, hop hop hop nach:

Elke HegewaldDie Russalka hat Puschkin über Jahre keine Ruh gelassen (und ja, ich schreib sie mit Doppel-s, so wird sie auch ausgesprochen – mit scharrrfem Es). Sie ist die Herrin im Dnjepr, nackt, mit oder ohne Fischschwanz, ganz wie’s beliebt. Von seinem wunder- und märchensamen Poem “Die Russalka” hab ich nur diese alte Übersetzung von Friedrich Fiedler 1895 im Netz gefunden.

Konstantin Vasilyev, Rusalka, 1968

Schön, nicht? Strahlend und düster. Das sind Melusine, die Lau, Wassernixens Tochter, Víla, Mermaid, Lorelei, Undine und eben Russalka in einem. Und irgendwie musst ich auch an die todeslürüsche Lenore denken…

Darüber hinaus – und selbiges war vor allem Puschkins Langzeitgefiesel 1829 bis 1832 – gibt es ein Russalka-Drama in Versen über ihr unheilvolles und rachsüchtiges Wirken – leider nur in Russisch gefunden.

Witold Pruszkowski, Rusalki, 1877

Auch dieses mit ähnlichen untoter Daseinsweise. Es wurde zwischen 1848 und 1855 sogar veropert, von einem Komponisten namens Alexander Sergejewitsch Dargomyschski, kaum noch bekannt und selten aufgeführt.

Und somit um Himmelswillen nicht zu velwexern mit der allseits bekannten Dvořák-Russalka 1901. Die ist nämlich eher mit der kleinen H.C. Andersen-Meerjungfrau verwandt, was die Fabel angeht.

Hach jaah, und ein Rabe kömmt auch vor bei der Puschkinschen: Russalkas Vater nämlich, der in solchiger Gestalt als vor wahnsinniger Trauer quasi auch Untoter den rächenden Handlanger spielen darf. (Sollte man mal erforschen, wer da eigentlich wen inspiriert hat?)

John William Waterhouse, Undine, 1872

Bilder: Konstantin Vasiliev für Master and Margarita, 1968:
Wikimedia Commons;
Witold Pruszkowski: Rusałki, 1877 und
John William Waterhouse: Undine, 1872: gemeinfrei.

Written by Wolf

3. June 2008 at 2:46 am

Posted in Smutjin Elke

8 Responses

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  1. Jedenfalls fällt mir auf, dass Puschkin 1829 bis 1832 gerusalkat hat, Poe erst 1845 gerabt. Der Ami, der Japaner des 19. Jahrhunderts, sag ich doch. Ob man aus der Verwendung mythischen Geflügels allerdings schon Copyrightansprüche geltend machen kan…

    Wolf

    3. June 2008 at 2:53 am

  2. Wenigstens hätte man noch die Puschkinsche Russalka-Story in ihrem Shakespearischen Tragödienlook in einem Satze extrahiert:
    Des braven, mit Volkes Witz versehenen Müllers gleichfalls braves Töchterlein Natascha trifft windigen Fürsten, woraus eine Liebelei entsteht; er lässt sie sitzen, was sie natüüürlich nicht überlebt, woraufhin sie zur untot dräuenden Zarin der nassen Dnjeprfluten mutiert und sich nebst ihrem räbischen Gottesnarr-Vadder an den Menschen für ihre Treulosigkeit rächt. So!

    Vielleicht söllt man zudem noch wissen, dass dieses vermaledeite Russalka-Thema ihn fast sein ganzes Dichterleben lang nicht losließ und in verschiedenen seiner Schöpfungen immer wieder aufblitzt. Das Drama ist im Übrigen nie vollendet worden. Ja, es blieb bei Puschkin sogar unbetitelt. Und nach seinem Ableben gab es diverse Fremdversuche, das Dingens zu Ende zu schreiben…

    Dafür enthält es auf so recht puschkinsche Art eine gute Prise Ironie und Sozialkritik, die vor allem den Kontrast zwischen der natürlichen Lebensweise des Volkes und dem gekünstelten Gegenstück bei Hofe aufs Korn nehmen. Immerhin darf der Gute es ja vor allem auch als s e i n Verdienst verbuchen, dass man in Adelskreisen zu seiner Zeit davon abkam, die ‘Sprache des Feindes’ zu sprechen, und sich auf die Mutterzuge einschließlich Volkes Stimme besann. Denn bis ihnen im Krieg gegen Napoleon ihr Moskau unterm Hintern abfackelte, sprachen die Oberen Zehntausend daselbst frangssösüsch.

    Er war überhaupt ein Kerl, der gern und gut aneckte, der Puschkin. Und ein hitziger und wilder dazu. Er hat sich in seinem kurzen Leben öfter duelliert als unsereiner überhaupt zum harmlosen Streiten kömmt. Na, daran ist er dann ja schließlich auch verschieden. Jammerschade, denn wer weiß, wozu sich die versammelten Dichtergeister seiner Zeit bei seinem Fortleben noch so alles gegenseitig inspiriert hätten. Das räbische Symbol haben btw nicht erst s i e erfunden. Vielleicht kramen wir ja bei Gelegenheit denen nochmal nach.

    Und freuen uns derweilen, dass die Russalki und Mermaids und sonstigen verzauberten Mädchen uns geblieben sind und hier sogar zwischen Melvilles rauen Waljägern geistern und gut aussehen. :o)

    Autsch, und sorry für die unversehens ausgeuferte Schwafelei deiner taugenichtzen Kombüsenklabauterin und Segelfee. (Kannst’s ja moderieren, das Geplapper.) ;o)

    hochhaushex

    4. June 2008 at 2:17 am

  3. Taugenichtz sind die nichtz, aber gar nicht wie eingangs versprochen nacktz, mäh .ò)

    Wolf

    4. June 2008 at 9:51 pm

  4. Soso, nacktz warn se versprochen? ;o) Hm, stümmt. Hey, na und ob die das sind! (Kann man denn ahnen, dass du deren russenslawischen Stammbaum lieber mit folkloristischer Bauernmädchentracht illustrieren musst? Obwohl das Bild vom Gospodin Pruszkowski schon herrlich geheimnissend märchenhaft und klasse ist).

    Aber bitteschön! – denn natürlich sind sie von Natur aus nacktz, wie sich das für ordentliche Russalki und Mermaidz gehört, die was auf sich halten. Gucke hier! – vom Kolleschen des Herrn Wassiljew gemalt, dessen sinnende Wasserfee oben als Illu aufm Baumstamm hockt.

    Oder die hier, von der in einer ernsthaften Forumsdiskussion in Russalkas Muttersprache über den Habitus der explizit puschkinschen mit Nachdruck argumentiert wurde, dass slawische Wassermädchen ganz bestimmt etwa so aussehen. Dazu noch ein etwas dilettantischerer Beitrag – obwohl, das liegt ja im Auge des Betrachters. ;o)

    In einer nahezu wissenschaftlichen Abhandlung über die internationale Schar der Mermaids und ihrer Verwandtinnen fällt die slawische Variante so aus. Oder so. Und in Sankt Petersburg und somit garantiert durch Puschkin höchstselbst inspiriert, zeigen sie sich – ehern, kühl und zeitlos und in ihrem natürlichen Element – gar in der Öffentlichkeit.

    Nicht jeder ist zu einer ernsthaften Betrachtung dieses Phänomens fähig. Und ein Österreicher muss sie irgendwo in der Taiga gesichtet haben. Diese hier dürfte hingegen sogar das Herz des unaufgeregtesten aller russischen Bären höher schlagen lassen.

    Der Vollständigkeit halber noch eine muntere und hübsche kleine Schar aus der Mythologie, die zwar nichts mit dem (Un)wesen der Racheplanscherin puschkinscher Gewässer, dafür aber alles mit der persönlichen Hand von Mr. Waterhouse zu tun hat, der auch die obige reizende Undine aus den seinigen schöpfte.

    Diese hier entsprang – oder entschwamm? – einer mit Sicherheit männlichen Internetz-Abhandlung , dass bei einer herzerwärmenden Mermaidrussalka nicht der Schwanz, sondern der Busen das Entscheidende sei.

    Und zu guter Letzt noch eine aufm Felsen am Meer – huch, nöö. Das ist ja der Meister selber – und nicht mal unbekleidet.

    Sagte ich etwa was von Vollständigkeit? Oh ahnunxloses Volx! Na, aber warn das fürs Erste genug Nacktze?
    Und krieg ich nun endlich mal mein Jodel… ähm, Ismaels.wordpress.com-Blogillu-Diplom? ;o)))

    hochhaushex

    6. June 2008 at 6:29 am

  5. Zahlreiche Gründe, Kyrillisch zu lernen: um darin zu googeln…

    Der Wassiljew-Rave hat das Zeug zum Desktophintergrund; den Waterhouse kennt man, wenn man mal in den letzten zehn Jahren nach Naturgeistern geschielt hat. Bei dem weiß ich immer nicht recht, was draus machen… Ist das angenehm naturgetreu oder doch einfach Kitsch — das Problem wie bei den Bouguereaus

    Die Diplome muss man sich hier immer selber ausdrucken. Wir nähern uns dem Donaldismus .ò)

    Wolf

    6. June 2008 at 4:18 pm

  6. Tssssss… wo man hier sowieso alles selber machen muss, hier noch die einschlägige Trällerballade zum Text – oder so.

    WARNUNG! Videos können tödlich sein! Öhm… Quatsch, sind wir hier etwa bei Kapitel 30? ;o) Dennoch: wer von Kitsch Pickel kriegt oder anderweitig allergüsch ist, büdde Augen fest zukneifen oder wenigstens eine Sonnenbrille… nuja.

    hochhaushex

    15. June 2008 at 7:54 am

  7. Jou — es lebe das lizenzfreie Fanvideo. Wenn’s dann in drei Jahren mit der Nullinger-Revival-Welle losgeht, wird das ein wichtiges Kultgenre.

    Wolf

    15. June 2008 at 1:09 pm

  8. […] leave a comment » Elke gratuliert Gospodin Puschkin nachträglich zum 210. in Gestalt eines Updates zu Die Welt spricht Moby (und Moby spricht russisch) und Und siehe! Zart wie Mondstrahlgluten, weiß wie der Schnee auf Bergesgrat: […]


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