Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Hoffmann von Fallersleben: Ein trostlos Land dies Yankeeland

leave a comment »

Update zu New Bedford bei Kaufbeuren:

Meinen Tabak bau ich mir,
der wächst auf meinem Land.
Steuern zahlen tut keiner hier,
rauch du doch Stuyvesant.

Hoffmann von Fallersleben, 25. April 1846.
Melodie: Yankee Doodle, nach Grenzgänger, 2002

Hoffmann von Fallersleben schrieb besonders in dieser Zeit des deutsch-französischen Krieges und des allgemeinen nationalen Taumels ordentlichen Mist zusammen, aber er stand mit seiner Ansicht über die Amerikaner beileibe nicht alleine da.

Volksliederarchiv

Ein trostlos Land dies Yankeeland
Es ist ein trostlos Land dies Yankeeland:
Die Blumen blühen, aber duften nicht,
Die Vögel flattern, aber singen nicht,
Die heimischen Trauben haben keinen Saft,
Der Winter ist sehr lang und rauh und kalt,
Und statt des Frühlings gibt es Sommer nur

Trostloser aber ist dies Yankeevolk:
Selbstsüchtig immer auf Erwerb erpicht
Versteht zu rechnen und zu spekuliern.
Und wie sein Körper stets in Arbeit ist,
So ruht sein Geist auch nie und unternimmt
Was irgend Vortheil bringt und bringen kann.

Es gönnt sich keinen weiteren Genuß,
Die Freude an der Natur, an Poesie,
An heiterer Gesellschaft ist ihm fremd.
Es kann nicht singen, kann nicht musizieren
Doch Geld verdienen, Geld besitzen, ja,
Das ist die Kunst, die es vortrefflich kann.
Wenn im Geschäft nicht ausreicht Redlichkeit,
So weiß der Yankee sich zu helfen noch:
Der Humbug hilft, und der Betrogne wird Verlacht,
und der Betrüger wird gelobt
Und ist ein smart fellow, ein Ehrenmann.

Der Yankee fühlt sich politisch frei,
Und freier als ein andres Menschenkind,
Doch fühlt er nicht, wie er ein Sklav nur ist
Von seines Stammlands Überlieferung:
Er kann im Frack nur und im Hute gehn,
Und muß der Sonntagsfeier streng Gebot Verfolgen ganz genau,
und wenn er so Der Kirch’ und seinem Gott genug gethan,
Ist er ein guter Christ und Gentleman
Sonst kann er schlecht und niederträchtig sein,
Grob, eklig, eigennützig, mitleidslos.

O möchte doch das deutsche Element
Nicht untergehn in diesem Yankeepfuhl,
Und blühn wie eine Wasserlilie rein
Zu Gottes und des Vaterlandes Preis!

Hoffmann von Fallersleben (u.a. “Alle Vöglein sind schon da”,
“Der Kuckuck und der Esel”, “Ein Männlein steht im Walde”,
“Kuckuck, Kuckuck”, “Lied der Deutschen“,
“Morgen kommt der Weihnachtsmann”, “Summ, summ, summ”,
“Winter ade, scheiden tut weh”), 26. Januar 1871.

Hoffmann von Fallersleben, Lied der Deutschen Manuskript, 26. August 1841

Bild: Hoffmann von Fallersleben: Das Lied der Deutschen,
Manuskript 26. August 1841, Helgoland.

Written by Wolf

28. June 2008 at 12:01 am

Posted in Laderaum

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: