Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Sommergewinnspiel auf Moby-Dick™!

with 6 comments

Update zu Korrekt gekleidete Melville-Leser weiter auf eigene Zukäufe angewiesen! und Perissodactyla:

Vergangene Gewinnspiele lehren mich, dass Moby-Dick™-Leser lieber nach Schweinkram googeln, statt sich an ihm zu beteiligen. Darum heute was Hochliterarisches in zwei Teilen:

  1. Aus welchem Buch stammt der folgende Ausschnitt?
  2. Von welchem Buch ist darin die Rede?

Bitte in beiden Fällen Autor und Buchtitel; wenn Sie aufs eine gekommen sind, wissen Sie auch das andere. Zulässig sind deutsche und englische Antworten. Von mir aus auch Französisch und Latein, wenn Sie Freude dran haben; was anderes versteh ich nicht. Wer mitmachen will, hat so viele Versuche, bis es mich nervt; gewertet werden grundsätzlich alle.

Zu gewinnen gibt es wahlweise, weil es nur einen geben kann:

  1. Einen Gastbeitrag auf Moby-Dick™, was bedeutet, dass Sie in diesem Weblog einen Beitrag lang schreiben dürfen, was Sie wollen. Bitte keine Viecherpornos oder Auschwitzleugnungen oder solchen Scheiß, aber die Zensur fällt milde aus. 200 Leser am Tag garantiert, an guten Tagen schon mal 300.
  2. Ein .mp3 von meinem Lieblingslied zum Zeitpunkt der Preisverleihung. Das ist hier eine Privatveranstaltung, deshalb ist das legal. Sie dürfen auch eingreifend mitwünschen.
  3. Einen Cartoon von mir, Strichzeichnung Druckbleistift Stärke HB/1.0 auf Moleskine kariert, Auflage strikt auf 1 limitiert.

Als Tipps:

  • Keines der Bücher ist Moby-Dick.
  • Keines von beiden wurde je verfilmt.
  • Beide sind im Original auf Englisch verfasst.
  • Eines ist spannend, das andere ist langweilig.
  • Eines ist so schwer erreichbar, dass man sich im Antiquariat mit einem Hechtsprung darüberwerfen soll, um es unter verhalten irrem Kichern unauffällig zur Kasse zu schleppen, das andere ist in ausreichend vielen preiswerten Ausgaben erhältlich.

Das erste gefragte Buch über das zweite gefragte Buch:

Aber an diesem Sonntag holte ich mir ein Buch heraus, von dem ich mnir großen Nutzen und eine solide Belehrung versprach. Ich hatte es von Mr. Jones als Geschenk erhalten. Dieser besaß eine ganze Bibliothek und hatte es von hoch oben aus einem Regal heruntergeholt, wo es ganz verstaubt gelegen hatte. Als er es mir gab, sagte er, ich ginge zwar jetzt zur See, aber ich dürfe die Wichtigkeit einer guten Bildung nicht vergessen. Es gebe kaum eine Situation im Leben, sei sie auch noch so bescheiden und demütig, so finster und trübe, daß man nicht Muße finde, seine Kenntnisse zu vermehren und sich in den exakten Wissenschaften weiterzubilden. Und dann fuhr er fort: wenn es für meine zukünftigen Aussichten auch ziemlich ungünstig sei, daß ich so früh in meinem Leben als einfacher Matrose zur See führe, so werde es sich doch am Ende zu meinem Besten wenden. Auf jeden Fall werde es, falls ich nur auf mich selbst achtete, für meine Körperkräfte vorteilhaft sein, wenn auch sonst nichts dabei herauskomme, und das sei nicht zu gering zu bewerten, denn wie viele reiche Leute würden für meine jugendliche Gesundheit alle ihre Wertpapiere und Hypotheken hingeben.
   Ich dürfe, fuhr er fort, keine leichte alltägliche Lektüre erwarten, die nur kurzweilig und sonst nichts sei. Vielmehr fände ich hier Unterhaltung und Erbauung aufs schönste und harmonischste vereint, und wenn es mir vielleicht anfangs auch langweilig vorkäme, so werde es doch, wenn ich das Buch ganz durchstudierte, bald verborgene Reize und unerwartete Anziehungspunkte offenbaren und mich überdies vielleicht lehren, die Armut meiner Familie zu überwinden und sie alle wieder wohlhabend in der Welt zu machen.
   Mit diesen Worten händigte er mir das Buch aus. Ich blies den Staub davon weg und sah auf seinem Rücken: “[Autor, Titel].” Damit nicht zufrieden, warf ich einen Blick auf das Titelblatt und stellte fest, daß es eine “[Untertitel]” des besagten [Titels] sei. Als ich aber zufällig weiter unten hinschaute, sah ich “Aberdeen”, wo das Buch gedruckt war, und da ich glaubte, etwas, was aus Schottland kam, aus einem fremden Lande, müsse sich auf die eine oder andere Weise für mich als unterhaltsam herausstellen, dankte ich Mr. Jones sehr herzlich und versprach, den Band sorgfältig durchzustudieren.
   So lag ich also in meiner Koje und begann das Buch methodisch mit Seite eins, entschlossen, mir nicht etwa einige flüchtige Blicke hinein zu gestatten, damit diese, wenn ich sie vorwegnahm, mich nicht daran hinderten, regelrecht zu dem Kernpunkt und Gehalt des Buches vorzudringen. Denn dort lag, wie ich mir einbildete, etwas wie der Stein der Weisen verborgen, ein geheimer Talisman, der alles Pech und Teer in Silber und Gold verwandeln würde.
   Angenehme, wenn auch verschwommene Bilder zukünftigen Wohlstandes umgaukelten mich, als ich das erste Kapitel begann, das die Überschrift trug: “[Überschrift].” Trocken wie Zwieback und Käse, zweifellos! Und das Kapitel selbst war nicht viel besser. Aber das war ja nur die Einleitung, und wenn ich weiterlas, würde sich hier das große Geheimnis noch offenbaren. So las ich weiter und weiter, über “[das Thema]“, ohne selbst irgendeinen Nutzen für meine Mühe des Durchstudierens zu finden.
   Trockener wurde es und immer trockener. Sogar die Blätter des Buches schmeckten nach Sägemehl, bis ich schließlich einen Schluck Wasser nahm, ehe ich mich wieder daran machte. Aber bald gab ich es als verlorene Liebesmüh auf. Und dann fiel mir unser altes Tricktrackbrett ein, das wir zu Hause hatten und das auf dem Rücken den Titel “Römische Geschichte” trug und genauso gehaltvoll und ein gut Teil unterhaltsamer war. Ich überlegte mir, ob Mr. Jones den Band jemals selbst gelesen hatte, und mußte daran denken, daß er auf einen Stuhl hatte steigen müssen, als er es von seinem staubigen Regal herunterholte. Das sah auf jeden Fall verdächtig aus.
   Die interessantesten Seiten waren noch die Vorsatzblätter, und als ich sie umwandte, fand ich einige halbverwischte Bleistiftzeilen folgenden Inhalts: “Für Jonathan Jones von seinem vertrauten Freunde Daniel Dodds 1798.” So mußte es ursprünglich Mr. Jones’ Vater gehört haben, und ich überlegte mir, ob der es je gelesen habe oder überhaupt irgend jemand, sogar der Verfasser selbst, es je gelesen habe. Aber auch die Verfasser lesen, wie man sagt, ihre eigenen Bücher nicht, da sie mit dem Schreiben wahrlich genug geleistet haben.
   Schließlich schlief ich, das Buch in der Hand, ein und habe nie zuvor so gut geschlafen. Danach pflegte ich meine Jacke um das Buch zu wickeln und es als Kopfkissen zu benutzen. Dazu eignete es sich sehr gut. Nur wachte ich bisweilen auf und fühlte mich ganz dumpf und dumm, aber natürlich konnte das Buch nicht daran schuld sein.

Einsendeschluss — bitte in den Kommentar oder per E-Mail — ist am, sagen wir, 31. Juli 2008, ist das okay, fast drei Wochen zum Recherchieren? “Rechtsweg” hab ich überhört, weil der fiese Onkel doch nur Spaß macht.

Weiter mit Musik.


[Edit:] Bislang stand unten Pulp: This is Hardcore (uncut version), aus: This is Hardcore, 1998, weil das stylish ist und sieben Minuten dauert. Zu einem Gewinnspiel passt aber sehr viel besser und featuret ebenfalls haufenweise Tarantinika:

Lied: Die Ärzte: Das Lied vom Scheitern (“Dein Spiegelbild ist anderen egal”),
aus: Jazz ist anders, 2007. [/Edit]

Written by Wolf

11. July 2008 at 3:27 am

Posted in Mundschenk Wolf

6 Responses

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  1. Das gesuchte Buch ist “Redburn. His First Voyage.” von Herman Melville. Das darin beschriebene Buch ist von Adam Smith und trägt den Titel “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations.”

    Grüße aus Frankfurt

    Sascha

    Sascha Zivkovic

    28. July 2008 at 11:03 pm

  2. Bingo.

    Uuund Glückwunsch nach Frankfurt!

    Dann brauch ich jetzt den Preiswunsch 1, 2 oder 3 nebst Adresse — und bin interessiert an einer Erklärung, wie man da draufkommt, ohne es vorher zu wissen. Der Redburn auf Deutsch steht meines Wissens nicht online, also wonach sucht man da? oder wusstest du es von Natur aus?

    Meine Anerkennung für solches Nischenwissen!

    Wolf

    28. July 2008 at 11:53 pm

  3. Wohow, Respekt und Glückwunsch auch von mir, Sascha!

    Ehrlich – und Schande über eine aktive Moby-Dick-Jägerin und Melvilleanerin -, ich hatte keinen Plan. Meine einzige Entschuldigung: ich hatte auch keinen Redburn. ;o) Son schweres Rätsel aber auch! *Hechtsprünge üben geh*
    ———-
    Mrrrr… wie schade, wann käm ich schon mal an einen orischinaal Wolf-Cartong… :o(

    Hey, Ehre dem Gewinner.

    hochhaushex

    29. July 2008 at 1:25 am

  4. Ich bin Melville-Fan und ich habe meine Magisterarbeit über Melville’s “White-Jacket” geschrieben. Ich muss gestehen das Auffinden war gar nicht so schwer. Zuerst tippte ich auf “Israel Potter,” das war ja falsch. Mein zweiter Tipp war Redburn. Wann immer es geht, lese ich Melville im Original. Also: auf Project Gutenberg in “Redburn” mit Strg+F “cheese” (“Trocken wie Zwieback und Käse”) eingeben und: Heureka, I’ve got it. Ich wünsche mir den Gastbeitrag. Oder ist ein Wolf-Cartoon so begehrenswert (sorry, ich bin relativ neu auf dieser Seite)? Ich finde Euren Blog super. Ich bin erstaunt, dass sich auch im deutschsprachigen Raum Leute mit Melville derart auseinandersetzen, noch dazu mit solch einem Tiefgang.

    Grüße von Sascha

    Sascha Zivkovic

    29. July 2008 at 9:12 am

  5. Jawoll, auch Glückwunsch von mir! Gewusst hätte ich das natürlich ;) – aber wenn einer von der Mannschaft hier den Hauptgewinn abräumen würde, nee, das sähe doch wie abgesprochen aus, oder? (Bestimmt hält sich Elke deshalb auch sittsam zurück!)
    Was ich aber nicht wusste: der “Redburn/Israel Potter/etc” ist tatsächlich so schwer zu kriegen? Da kann ich mich ja glücklich schätzen: meine Ausgabe hat 5 Euro gekostet, ist nicht Artemis&Winkler, aber eine der Lizenzausgaben. Und hübsch in Leinen gebunden. Ich dächte es wäre der Herr Smith, der so rar ist… Immerhin lag ich richtig mit der Vermutung welcher Titel der langweilige von beiden ist!
    P.S.: Gastbeiträge sind cool, aber cooler sind Wolf-Cartoons!

    Jessebird

    29. July 2008 at 1:19 pm

  6. Die Strategie hätt ich auch so angewendet: Aus dem gegebenen Text einen Fetzen heraussuchen, der im Original mit einiger Wahrscheinlichkeit so und nicht anders lauten kann und danach googeln; auf Englisch steht ja viel mehr online.

    Die Artemis-Winkler-Sämtliche-Erzählungen-plus-zwei-Romane hab ich außer in meinem eigenen Kindheitsstück nur noch einmal in einem Münchner Antiquariat gesehn, für 26 Euro. Die Übernahme von einem gewissen Europäischen Buchklub hab ich nie persönlich angetroffen — aber sie scheint ja zu existieren.

    Als Cartoon-Original hab ich den ausgewählt, den ich mal auf https://ismaels.wordpress.com/2008/06/24/historische-miniaturen-sappho-und-lesbia-betreten-die-ironischen-inseln abfotografiert hab — wie begehrenswert das immer sein mag .ò)

    Deinen Gastbeitrag, Sascha, darfst du deshalb mir-egal-wann an wolf[[ätt]]gute-worte.de schicken, einfach in den Mailtext oder meinetwegen als Word- oder Editor-Dokument. Ihn auf Tippfehler durchzukrautern und ein bisschen aufzupimpen kann ich mir ja sowieso nicht verkneifen.

    Hach, wie schön. Ein Melville-Fan von außerhalb der P.E.Q.U.O.D. — man liest uns also doch nicht nur unter den üblichen dreieinhalb Verdächtigen.

    Keep the good work up, alle miteinander. Ich versuch’s auch.

    Wolf

    29. July 2008 at 10:03 pm


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