Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Eigentlich sollten wir erwachsen werden.

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Update zu Feuerwerk! Powerpilz! Firlefanz! Lichtermeer!:

Flip-Flops auf KopfsteinpflasterDas “Web 2.0” erlebt schon sein erstes Revival: Die Phrixuscoyotin hat ein Stöckchen geschnitzt. Wo ich sowieso ein solches Faible für Retro-Sachen hab, kann ich auch gleich ein paar Kindheitserinnerungen zusammenkramen, vielleicht hilft das sogar medizinisch. Ihre Coyotheit gibt vor:

Jeder, der einmal ein Kind war (also fast alle) und alle, die kleine Kinder in ihrer Familie oder dem Freundeskreis haben, wissen es: Schon die Kleinsten haben Grundsätze, Überzeugungen und Vorstellungen, von denen sie nicht abzurücken bereit sind. Auch du wusstest als Kind bestimmte Dinge mit absoluter, unverrückbarer Gewissheit. Vielleicht, dass ein Monster im Schrank wohnt oder dass bei Ebbe das Meer absinkt, weil jemand den Stöpsel zieht. Damals hat es Sinn ergeben. Schreibe mindestens eine deiner damaligen unumstößlichen Überzeugungen auf!

“Mindestens eine” heißt drei, oder? Mich erinnert das ja lebhaft an eine der Userprofil-Fragen auf neon.de, unter der ich 2003 offenbar eingetragen hab (ha, wusst ich’s doch, dass es irgendwann jemand lesen wird):

Früher dachte ich | das Leben sei eine etwas holprige 3D-Simulation mit haufenweise Regiefehlern.
Heute weiß ich | es.

Dieses Muster möchte ich übernehmen. In Reihenfolge aufsteigender Peinlichkeit:

  1. Früher dachte ich | der Hirsch ist der Vater, das Reh die Mutter und das Bambi beider Kind.
    Heute weiß ich | dass man nicht den Disney-, sondern den Attenborough-Filmen alles glauben soll.
  2. Früher dachte ich | bei allen Leuten außer mir ist digitus pedis secundus der längste (Morton’s Toe oder griechische Fußform, die in der Kunst der Antike und Renaissance auf göttliche Herkunft wies).
    Heute weiß ich | dass man Kinder öfter ins Freibad schicken sollte.
  3. Früher dachte ich | im Schlafzimmer meiner Eltern werde ein Dackel gefoltert.
    Heute weiß ich | immer noch nicht, warum ich Einzelkind geblieben bin.
  4. Und als Bonus-Track, um halbwegs on topic zu bleiben, noch was Fischiges: Früher dachte ich | der Schwanz des Karpfens bestünde aus Keks.
    Heute weiß ich | dass man sich in den meisten Weltgegenden, wenn man seinen Karpfen “gebacken” bestellt, unfehlbar als Nürnberger Kindl outet; schon im Würzburgischen wünscht man ihn “blau”. Der Aischgründer, der sich mit Karpfen am besten auskennt, wertet das Backen seiner hochwertigen Spiegelkarpfen sogar als kulinarische Sünde. Ich durfte von den Gaststättenkarpfen, die es nur in Monaten mit r gibt, was meine Eltern sehr ernst nahmen, immer nur die kross gebackene Schwanzflosse knuspern, obwohl sich Karpfengräten eher zum Erstechen als zum Ersticken eignen. Schmeckt ganz gut.

An dem fünfjährigen Selbst, das jeder mal gewesen sein muss, ist nicht mehr viel zu rütteln. Ich glaube ja, dass ab der Empfängnis nur noch Feinschliff an einer Persönlichkeit stattfindet. Mit anderen Worten hatte ich eigentlich schon immer Recht.

Ich reiche alphabetisch weiter an Elke, Jürgen, Sanja, Frau Wirtin Stilke und die Kollegin Tina.

Soundtrack: Ludwig Hirsch: Spuck den Schnuller aus, aus: Dunkelgraue Lieder, 1978;
Bild: Ägyptische Fußform mit dominantem hallux, Fehlschuss mit der Russen-Lomo 2004 vor der Post am Goetheplatz.

Written by Wolf

30. September 2008 at 2:08 am

Posted in Mundschenk Wolf

11 Responses

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  1. […] 30, 2008 in stöckchen wolf hat mit einem stöckchen geworfen. schon lange hat mich keines mehr getroffen. eben dieses sah ich […]

    kindisch « von menschen…

    30. September 2008 at 8:19 am

  2. Ui, was’n Stöckschn! Futter für die Doktoren Freuds dieser Welt? ;o)

    Hossa, so auf die Schnelle fällt mir auch gar nix ein – bei sowas sind wir doch alle Meister der Verdrängung, wa. Doch ich kau mal drauf rum, versprochen. Dauert aber ‘n paar Minuten oder so. Muss erst noch dieses doofe Terminzeux vom Tisch kriegen.

    Und wehe, es beschwert sich dann einer über meine höxtwahrscheinlüsch tödlich langweiligen Ausgrabungen… ;o))

    hochhaushex

    1. October 2008 at 2:07 am

  3. Langweilig gilt nicht. Du ahnst gar nicht, was der richtige Freud alles aus dir rausgezwurgelt hätte .ò)

    Wolfy Allen

    1. October 2008 at 2:19 am

  4. Luscht hab’ ich – aber auch isch muss da erscht mal drüber nachdenken…

    Jessebird

    2. October 2008 at 10:21 pm

  5. […] Veröffentlicht in Oktober 3, 2008 von Sanja Ich kopiere mal von Wolf, der von der Coyotin kopiert: Jeder, der einmal ein Kind war (also fast alle) und alle, die kleine […]

  6. Warum diese Web site haben nicht andere Sprachunterstützung?

    ingiltere vizesi

    4. October 2008 at 9:39 am

  7. Потому что мир плох.

    Wolf

    4. October 2008 at 2:01 pm

  8. […] Oktober 2008 von Jessebird Von Wolf kam dieses Stöckchen, das zum Eintauchen in die eigene Kindheit auffordert: Jeder, der einmal ein […]

  9. Hmmmpf, war ja klar, bei mir pinkt’s wiederma nich. (Irgend jemand ‘ne Idee, warum?)

    Dabei hab’sch brav nachgesessen und sie fleißig gestapelt und verbloggt, die Kleinmädchenfaseleien. Jaha. :o)

    hochhaushex

    13. October 2008 at 11:16 pm

  10. Brav, brav. Pings sind Glückssache in dieser missratenen Wörterpresse, glaub ich…

    Wolf

    13. October 2008 at 11:42 pm

  11. […] leave a comment » Update zu Eigentlich sollten wir erwachsen werden: […]


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