Moby-Dick™

Leben mit Herman Melville

Der alte Mann und der Miez

with 12 comments

Endlich auch auf Moby-Dick™: Katzencontent!

Update zu Zur Abwechslung mal Ernest Hemingway beschimpfen:

From Carlene Fredericka Brennen, Hemingway's Cats. An Illustrated Bioraphy, 2006Die Nachkommen von Ernest Hemingways Lieblingskater Snowball heißen Hemingway-Katzen. Snowball trug an den Vorderpfoten je 6 statt normalerweise 5 Zehen; ob er hinten 5 statt normalerweise 4 trug, ist nicht überliefert. Heute wird im Andenken an Snowball der Begriff Hemingway-Katze für alle polydaktylen Katzen benutzt. Polydaktylie vererbt sich autosomal-dominant, manifestiert sich also nicht bei allen Genträgern, die Merkmalsträger sind nicht gesundheitlich beeinträchtigt: Menschliche Zwölfender leben — bis auf eine gewisse Abneigung gegen das Tragen von Flip-Flops — vergnügt unter uns, bei Katzen sehen die extrabreiten Pfoten sogar ausgesprochen putzig aus.

Hemingway bekam Snowball 1935 auf seinem Alterssitz in Kuba geschenkt. Katzen waren in Hemingways Weltbild so ziemlich die einzigen Lebewesen, die sich weder zum Abschießen noch zum Flachlegen eigneten. Vielmehr versammelte er diese perfekt durchgestalteten, liebenswertesten Tiere aus Gottes Portfolio um sich — “One cat just leads to another” — und versorgte etwa 35 davon. Die kannte er mit Namen und Stammbaum auseinander und ließ sie bei sich zu Tische speisen. Begeisterter Snowball.

Im weiteren Verlauf zeugte Snowball 60 Nachkommen, etwa 30 davon mit einer Zehe pro Pfote zuviel, manche auch nur an den Vorderpfoten, das macht bis zu 22 Zehen pro Katze. Nach Hemingways Selbstmord wurden alle überlebenden Katzen ins heutige Ernest Hemingway Home and Museum in Key West, Florida überführt.

2003 war die Katzenpopulation im Hemingway-Museum, einem Bau im spanischen Kolonialstil mit halbverwildertem Grundstück über ein Hektar, optimales Mausgebiet, auf etwa 50 angewachsen. Dann kam das United States Department of Agriculture dahinter, dass Katzen dort nicht leben dürfen. Nicht in dieser Ballung, nicht ohne Zoolizenz, nicht ohne Zaun drumrum.

Nach fünf Jahren harten Verhandlungen zwischen Museum und USDA hat man sich endlich darauf geeinigt, dass die Katzen, zumal sie allesamt wohlgenährt, gesund und zufrieden wirkten, nicht nur hier wohnen bleiben dürfen, sondern auch ein Taschengeld von 200 Dollar erhalten — pro Tag und Katze.

Haben Sie mitgerechnet? Das sind zehntausend Dollar täglich. Kann man gerne mitnehmen, statt obdachlos oder eingesperrt zu werden. Die Katzen stehen nicht zum Verkauf.

Man muss sich im hiesigen Leben sehr, sehr gut benehmen, um im nächsten eventuell Katze zu werden.

BIlder: Hairy Harry mit Hemingways Royal Portable Quiet DeLuxe
aus For Hemingway’s cats, the bell won’t toll, Los Angeles Times: L.A. Unleashed, 26. September 2008;
Ernest Hemingway Collection im John F. Kennedy Presidential Library and Museum via Hemingway’ Cats, 2006.
Film: Hemingway Cats by Florida Keys Travel Vison, September 2008.

Written by Wolf

7. October 2008 at 2:27 am

Posted in Rabe Wolf

12 Responses

Subscribe to comments with RSS.

  1. Endlich ist auch dieser Blog ein echter.

    wortteufel

    7. October 2008 at 6:37 am

  2. wir waren mal in der hemingway villa in havanna. die üppigen katzengräber dort im garten sind mir am besten in erinnerung geblieben ;-)

    stilke

    7. October 2008 at 4:19 pm

  3. Echt is hier doch schon länger.

    Das Grab von Snowball habt ihr wohl nicht zufällig dokumentiert? Das wär mal eine Bereicherung: Blogs retten, was die Offiziellen nicht leisten. Sollnse doch immer.

    Wolf

    7. October 2008 at 5:53 pm

  4. ich fürchte nein :-( das war ende der neunziger und wir hatten noch keine digi cam. entwickelt haben wir sicher keines. eventuell noch irgendwo bei den negativen. ich suche mal im chaos schau :-)

    stilke

    7. October 2008 at 6:55 pm

  5. Der Kulturumbruch innerhalb zehn Jahren. Man wusste noch gar nicht, was ein Scanner ist, und konnte doch schon Hemingways Hundertsten feiern… Die Tasten von seiner eigenen Royal Quiet DeLuxe warn ja 1961 schon nicht mehr die frischesten .ò)

    Wolf

    7. October 2008 at 9:59 pm

  6. so jetzt hab ich fertig gesucht. und hab die bilder von damals gefunden. (scheiße war ich da noch jung) leider sind keine bilder vom haus oder garten dabei. mein mann meint sich zu erinnern, dass das fotografieren dort nicht erlaubt war. (das haus durfte man ja auch nur durch die fenster von außen besichtigen) schade.

    stilke

    9. October 2008 at 10:25 am

  7. Schreiben wir halt den Artikel “Skandal: Hemingways blutjunge Miezen jahrelang im Garten eingeschlossen! Beim Versuch, sie zu fotografieren, wurde man von der Security unbarmherzig zu übersäuerten Mojitos gezwungen!”

    (Wirklich skandalös find ich schon, dass man der Originaltippse nur durchs Fenster winken kann, womöglich noch während sich die Katze frech die Krallen an der Trommel schärft…)

    Der Versuch zählt. Danke fürs Tatsächlichnachschauen!

    Wolf

    9. October 2008 at 4:22 pm

  8. Ich muss jedesmal grinsen, wenn ich diese Katze neben den eher zierlichen Tasten der ROYAL Schreibmaschine sehe. Solche Riesenlatschen, äh Pfoten…

    Vroni

    10. October 2008 at 2:19 am

  9. Hairy Harry beherrscht selbstverständlich Zwölffingersystem!

    Wolf

    10. October 2008 at 2:44 am

  10. […] Hinterlasse einen Kommentar » Update zu Der alte Mann und der Miez: […]

  11. […] Update zu Von zum Beispiel den Walfischen und Mein harmlos Sonettlein von den Katzen und Walen (und Der alte Mann und der Miez und Drei Leben and still […]

  12. […] zu Der alte Mann und der Miez und This mere painstaking burrower and grubworm of a poor devil of a […]


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: